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10 Dinge, die dich eine Krankenschwester über ihren Job wissen lassen möchte

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Von: Maximilian Zender

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Die Youtuberin und Krankenschwester Pipapueppo hat mit uns über ihren aufreibenden Job gesprochen.

Wir haben mit Annika (30), einer Krankenschwester, über ihren Job im Krankenhaus gesprochen. Hier erzählt sie von den schrecklichsten und rührendsten Momenten in ihrem Alltag, von nervigen Klischees und dem Wunsch einfach mal ein „Danke” für ihre Arbeit zu hören.

„Ich alleine bin während meiner Nachtschicht für 30 Patienten zuständig.” © Aurielaki / Getty Images

1. Krankenschwestern sind nicht nur zum Arschabschwischen da

Dieses Klischee nervt uns alle! Schließlich sind Krankenschwestern nicht von Berufswegen die Arschabwischer der Nation. Wir haben auch nicht ausschließlich mit den Ausscheidungen anderer Menschen zu tun. Und auch solche dummen Aussage, wie „Ich könnte das nicht. Jeden Tag anderen Leuten den Arsch abwischen. Wie schaffst du das nur?" – kann ich nicht mehr hören. Dieser Part nimmt vielleicht 10% unserer Arbeit ein, die anderen 90% beinhalten zum Glück so viel mehr.

2. Krankenschwestern sind keine Dienstmädchen

Einmal rief mich ein älterer Herr den ganzen Flur mit „Mädchen" zu sich. Ich ging zu ihm und fragte ihn, wie ich ihm helfen könne und sagte ihm, dass ich den Ausdruck „Mädchen" unpassend finde. Schließlich bin ich nicht sein Dienstmädchen, sondern möchte respektvoll behandelt werden, so wie er auch. Seine Antwort: „Ach, Mäuschen, du bist doch nur eine Krankenschwester. Wenn es mich nicht geben würde, wärst du arbeitslos. Ich wollte mal fragen ob ich noch einen Kaffee haben kann. Mit Zucker bitte." Er grinste, drückte mir seine leere Kaffeetasse in die Hand und ging zurück in sein Zimmer. Ich hab ihm die Kaffeetasse auf seinen Nachtschrank gestellt und ihm gesagt, er wüsste ja wo der Kaffee steht.

BuzzFeed.de © pipapueppo / Via instagram.com

3. Eine normale Nachtschicht dauert für mich 10 Stunden und startet um 20:15 Uhr …

Ich bekomme erstmal eine Übergabe meiner Kollegen aus dem Spätdienst. Also was ist tagsüber so passiert, wer ist alles da, was sind die Diagnosen, sind frisch operierte Patienten auf der Station und so weiter. Dann gehe ich meine erste Runde und schaue in jedem Patientenzimmer nach dem Rechten.

4. … und nur damit das klar ist:

Nachtdie

nst ist kein Zuckerschlecken

Willst du mal wissen, was es bedeutet in JEDES Patientenzimmer zu schauen? Okay. Ich helfe Patienten beim Umziehen, einigen messe ich den Blutdruck, den Puls oder die Temperatur. Bettlägerige Patienten muss ich im Bett versorgen, weil sie nicht aufstehen können, anderen Patienten helfe ich beim Gang auf die Toilette oder hänge Infusionen an. Das alles mache ich bei 30 Patienten! Ich. Ganz allein. Eine Person – zuständig für 30 kranke Menschen! Aber es geht weiter. Denn danach bereite ich dann die Tabletten für alle Patienten für den nächsten Tag vor. Dies kann manchmal zwei bis drei Stunden beanspruchen. Zwischendurch gehe ich dann noch zu Patienten die klingeln, weil sie vielleicht Schmerzen haben oder zur Toilette müssen. Dann gibt es da noch die Notfallaufnahmen, die ich machen muss und die ein großer Bestandteil des Nachtdienstes sind. Sie nehmen ebenfalls viel Zeit in Anspruch. Danach räume ich die Stationszimmer auf und mache noch Apothekenbestellungen. Dann kommt noch „etwas” Papierkram. Denn ich muss jede einzelne Tätigkeit, die ich an einem Patienten durchführe, dokumentieren. Jedes einzelne Medikament, das ich gebe, muss eingetragen werden. Jede Verbandskontrolle, jeder gemessene Blutdruck. Das ist echt anstrengend. Dann esse ich noch was und ab 5:45 Uhr trudeln dann so langsam meine Kollegen vom Frühdienst ein. Um 6 Uhr mache ich ihnen eine Übergabe von der Nacht und erst danach darf ich nach Hause.

5. Krankenschwestern werden oft alleine gelassen

Unser Job kann echt hart sein und genau deshalb brauchen wir mehr Personal. Nochmal: WIR. BRAUCHEN. MEHR. PERSONAL. Sprich: weniger Patienten pro Pflegekraft und eine klarere Aufgabenaufteilung für uns Pflegekräfte – das wäre so eine Erleichterung. Es darf einfach nicht sein, dass wir so viel am PC oder vor Dokumenten sitzen und kaum noch Zeit für unsere Patienten haben. Es wäre schön, wenn es da neue Regelungen geben würde.

„Ich muss jede einzelne Tätigkeit, die ich an einem Patienten durchführe dokumentieren.”
„Ich muss jede einzelne Tätigkeit, die ich an einem Patienten durchführe dokumentieren.” © Adekvat / Getty Images

6. Ob du es glaubst, oder nicht. Krankenschwestern haben keine Superkräfte – leider

Ich habe schon so vieles gesehen und weiß zu viel über unseren Körper und seine Krankheiten. Manchmal wünsche ich mir, diesen Beruf nie erlernt zu haben. Oder zumindest eine Superkraft zu haben, die fiese Krankheiten wie Krebs oder Schlaganfälle mit einem Fingerschnipps heilen kann.

7. Krankenschwestern haben Albträume

Ab und zu kann ich nachts nicht schlafen, weil mich mein Job sehr aufwühlt. Eine ganz bestimmte Situation verfolgt mich immer wieder: Eine Patientin sollte am Knie operiert werden. Sie war schon sehr alt. Hätte sie diese OP nicht machen lassen, hätte man ihr Knie versteifen müssen und sie hätte nicht mehr so gut laufen können. Tagelang hat sich die Patientin aber gegen eine OP gewehrt und sich dann schlussendlich von ihren Angehörigen dazu überreden lassen. Aber während der Operation verstarb die Frau ganz plötzlich. Das lässt mich heute noch nicht los. Seitdem hat die innere Stimme eines Menschen für mich so viel mehr Bedeutung.

8. In diesem Job passieren jeden Tag Dinge, mit denen du nicht rechnest

Einer unserer Patienten bekam täglich Besuch von seiner Frau und Kindern. An einem Tag kam aber eine Frau, die ich vorher noch nie bei ihm gesehen hatte. Als ich in sein Zimmer kam, sprangen die beiden schnell auseinander. Noch habe ich mir dabei nichts gedacht. Als die beiden dann aber ins Stationsbad verschwanden und wir eindeutige Geräusche hörten, war mir klar, warum die beiden so rasch auseinander zuckten. Die Sache war aber auch so schnell vorbei, dass wir nicht einschreiten mussten. Beide verließen das Stationsbad getrennt und noch am selben Tag wurde der Patient entlassen. Wir haben ihn also beim Fremdgehen beobachtet. Es gibt hier nichts, was es nicht gibt.

„Ein Patient hat mich jeden morgen gefragt, wie es mir geht und mir gesagt, dass ich einen tollen Job mache.” © Aurielaki / Getty Images

9. Dieser Job ist alles, aber nicht langeweilig

Ich gestehe hiermit feierlich, dass der Beruf der Krankenschwester, der – by the way – mittlerweile “Gesundheits- und Krankenpflegerin” genannt wird, nie meine erste Wahl war. Aber auch, wenn man manchmal zweifelt – die Wahl war nie ein Fehler! Denn zum Glück habe ich keinen langweiligen Job. Jeder Tag sieht hier nämlich anders aus. Ständig passiert was Neues, ich lerne immer neue Menschen kennen und muss tagtäglich neue Herausforderungen stemmen. Außerdem ist es einfach ein unbeschreibliches Erfolgsgefühl, wenn Patienten krank zu mir kommen und dann (meistens) wieder gesund nach Hause gehen können.

10. Last but not least: Zum Glück gibt es auch

Patienten die einen sehr schätzen

Ein Patient, der häufig bei uns war, kam einmal zu uns auf die Station und nahm mich einfach in den Arm. Er erzählte, wie froh er sei, dass er zu uns gekommen sei und nicht auf eine andere Station. Bei uns würde er sich so wohl fühlen. Er hat mich jeden morgen gefragt, wie es mir geht und mir gesagt, dass ich einen tollen Job mache.

Folge Annika unbedingt auf ihrem grandiosen Youtube-Channel oder einfach auf Instagram.

Du willst noch mehr über den Job als Krankenschwester erfahren? Wie wäre dann mit 22 Geheimnissen, die garantiert jede Krankenschwester kennt oder 24 Dinge, die wirklich jede Krankenschwester zur Weißglut treiben.

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