13 Fakten über die Libido für Leute, die mehr (oder weniger) Sex möchten

Lass dir eins gesagt sein: Die Libido ist keine Sache, die sich für alle Menschen verallgemeinern lässt.

Es gibt eine ganze Reihe gesellschaftlicher Vorstellungen und Erwartungen was die Libido betrifft. Dazu zählt vor allem die Frage, wie oft du Sex haben solltest und wie oft du ihn haben wollen solltest.

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Die Libido, also der Sexualtrieb, spielt eine ungemein wichtige Rolle dabei, wie du zu dir stehst. (Habe ich häufiger oder seltener als andere das Verlangen nach Sex? Warum habe ich zur Zeit mehr/weniger Lust auf Sex als früher?) Außerdem spielt sie eine äußerst wichtige Rolle bei sexuellen Erfahrungen und der Gesamtzufriedenheit, egal ob mit Partner oder ohne.

Um die Libido mit all ihren Facetten besser zu verstehen, haben wir uns an Logan Levkoff gewandt, eine Expertin für Sexualgesundheit und Mitglied des Trojan Sexual Health Advisory Council. Außerdem haben wir mir Raquel Dardik gesprochen. Sie ist Gynäkologin am NYU Langone Health in New York. Gemeinsam haben wir wichtige Informationen zusammengetragen, die deinen Wissensschatz über sexuelle Bedürfnisse und Interaktionen erweitern könnten.

Na dann, legen wir los!

1. Zunächst solltest du wissen, dass die Libido einen weitaus komplexeren Einfluss hat, als nur zu steuern, wie oft du Sex möchtest.

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„Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass die Libido von zwei Faktoren bestimmt wird: dem Verlangen, was den mentalen Aspekt darstellt, und der Erregung, die den körperlichen Aspekt darstellt“, erklärt Levkoff gegenüber BuzzFeed. „Diese beiden arbeiten nicht immer reibungslos zusammen.“

Manche Menschen haben kein besonders großes Verlangen nach Sex, können aber körperlich erregt werden, andere hingegen haben durchaus den Wunsch nach Sex, doch ihr Körper lässt sich nicht recht erregen. Beides kann jederzeit vorkommen und ist völlig normal, erklärt sie.

2. Außerdem gibt es so etwas wie eine „normale Libido“ absolut nicht.

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„Wir leben in einer Welt, in der viele von uns trotz besseren Wissens glauben, dass wir permanent und ganz spontan sexuelles Verlangen verspüren müssen, weil andernfalls etwas mit uns körperlich oder mental nicht stimmt“, so Levkoff. „Tatsächlich ist das aber für viele Menschen einfach nicht der Fall.“

Jeder Mensch und somit jeder Körper ist anders – es gibt keine Norm für die Ausprägung sexuellen Verlangens. Verlangen kann spontan entstehen, aber bei den meisten Menschen ist es das Ergebnis von Stimulation. Manchmal muss man einfach ein bisschen was dafür tun, um in Stimmung zu kommen, und das ist ABSOLUT OKAY, sagt sie.

3. Es kann sich ungemein schädlich auf dein Selbstbewusstsein und deine Beziehungen auswirken, wenn du dich dazu zwingst, die gesellschaftliche Norm der „idealen Libido“ zu erfüllen – das kann ironischerweise dazu führen, dass sie noch weiter nachlässt.

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„Wir müssen uns der Tatsache stellen, dass es keine Norm für die Libido gibt, weil so viele unserer Probleme mit Sex und Beziehungen dadurch entstehen, dass wir nicht wissen, wie wir über unsere Bedürfnisse sprechen sollen“, erklärt Levkoff. „Tatsache ist, dass du ein großes sexuelles Verlangen, ein geringes sexuelles Verlangen oder auch absolut gar kein sexuelles Verlangen haben kannst – das bedeutet nicht, das irgendwas mit dir nicht stimmt.“

Levkoff zufolge kann es negative Auswirkungen auf dein Selbstbewusstsein haben oder auf die Art, wie du dich bei sexuellen Kontakten verhältst, wenn du dir ständig Gedanken darüber machst, ob deine sexuellen Bedürfnisse „normal“ sind.

4. Außerdem kann dein(e) Partner(in) durchaus eine andere Libido als du haben und dich trotzdem attraktiv finden.

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Es ist leicht zu glauben, dass dein(e) Partner(in) dich nicht wirklich attraktiv findet, oder weniger attraktiv als du sie/ihn, wenn sie/er nicht immer in der Stimmung ist, wenn du es bist. Levkoff sagt jedoch, dass das gewöhnlich nicht der Fall ist und dieser Gedankengang deinem Selbstbewusstsein schadet und außerdem die Dinge im Bett nur komplizierter und verwirrender macht.

„Dein(e) Partner(in) muss nicht bei jeder Begegnung mit dir sofort in die Kiste hüpfen wollen, um wirklich auf dich zu stehen“, erläutert sie. „Manchmal haben Menschen einfach ein geringes sexuelles Verlangen und das ist okay.“

5. Eine Libidoveränderung kann manchmal auf ein zugrundeliegendes medizinisches Problem zurückzuführen sein.

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Alles im Zusammenhang mit der Blutzirkulation, den Hormonen oder körperlichen Schmerzen und Unwohlsein kann sich ohne Weiteres auf die Libido auswirken. Es gibt eine Reihe von Dingen, die seit jeher das sexuelle Verlangen beeinträchtigen, darunter bestimmte Medikamente (z. B. Antidepressiva, die Pille usw.), psychische Erkrankungen und chronische Leiden, wie Diabetes oder das Polyzystische Ovar-Syndrom, sagt Dardik.

Sie empfiehlt, sich an eine Ärztin oder einen Arzt zu wenden, wenn sich dein sexuelles Verlangen plötzlich drastisch verändert. So kannst du dich untersuchen und ernste Erkrankungen ausschließen lassen.

6. ABER es gibt auch EINE MENGE ganz alltäglicher Einflüsse auf die Libido, die für jeden anders sein können.

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Dardik zufolge gibt es kaum Forschungsergebnisse zu den Mechanismen hinter der Libido. Was die Forscher jedoch wissen, ist, dass es mehrere Faktoren gibt, die sich auf das sexuelle Verlangen auswirken können. Der häufigste davon ist Stress.

„Je gestresster eine Frau ist, desto geringer ist normalerweise ihre Libido", führt Dardik weiter aus. „Die Libido kann auch von deinen Arbeitszeiten, deinen Essgewohnheiten, mehr oder weniger sportlicher Betätigung als bisher und Veränderungen in deinem Lebensstil beeinflusst werden."

Wenn sich dein sexuelles Verlangen also verändert hat und du dich fragst, warum, rät sie dir, einen Blick auf deine täglichen Routinen zu werfen und zu prüfen, ob sich etwas geändert hat.

7. Und ja: Deine Libido kann sich verändern, wenn du älter wirst und dein Körper reifer.

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Mit dem Alter verändern sich dein Gehirn und dein Körper – und somit auch deine Libido, erklärt Dardik.

Beispielsweise verändert sich bei Frauen in der Menopause das Vaginalgewebe, sodass Sex manchmal schmerzhaft sein kann. Einfach nur Schmerzen zu haben, kann ebenfalls die Libido beeinträchtigen. Wenn sexuelle Erfahrungen anfangen, stets mit Schmerz verbunden zu sein, möchte man sie nicht mehr so oft erleben, erklärt sie.

8. Oh, und nein: Die Libido sollte bitte nicht ausgehend von Geschlechterrollen und Stereotypen definiert werden.

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„Am meisten frustriert es mich, dass die Libido nach Geschlechterrollen kategorisiert wird“, sagt Levkoff. „Es gibt so viele schädliche Stereotypen, wie zum Beispiel, dass nur Männer Sex wollen und zwar immer und ständig. Frauen auf der anderen Seite haben weniger Interesse daran – und falls sie mal mehr Sex wollen, sind sie unnormal und sollten sich dafür schämen.“

Sie sagt, dass das nicht wahr ist, denn es gibt Männer mit geringerem Verlangen, denen das dann enorm peinlich ist, weil sie das Gefühl bekommen, „nicht männlich genug“ zu sein. Und es gibt Frauen mit geringerem Verlangen und Frauen mit ausgeprägterem, das bedeutet aber nicht, dass irgendwas mit ihnen nicht stimmt.

Ein solches Schubladendenken und Einsortieren von Menschen nach „gesellschaftlichen Normen“ bewirkt nichts, außer dass sie sich unzulänglich und zu Dingen genötigt fühlen, bei denen sie sich nicht wohlfühlen. Das wiederum macht es noch schwerer für sie, erfüllende sexuelle Erfahrungen zu machen, sagt die Expertin.

9. Deine Fähigkeit zum Orgasmus zu kommen, hat nichts mit deiner Libido zu tun.

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Orgasmen sind eine Muskelreaktion und sexuelles Verlangen zu verspüren, bedeutet nicht, dass du auch zum Orgasmus kommen wirst, erklärt Levkoff.

„Jemand kann unglaublich starkes Verlangen verspüren, aber dann mitten im Geschlechtsverkehr plötzlich abgelenkt oder gestresst werden oder etwas als nicht so angenehm empfinden und schon besteht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Orgasmus nur noch schwer oder gar nicht zu erreichen ist.“

Auch sagt sie, dass eine sexuelle Erfahrung zum Orgasmus führen kann, selbst wenn man anfänglich gar keine Lust auf Sex hatte.

10. Ganz abgesehen von der Libido: Wenn du keinen Spaß an deinen sexuellen Erfahrungen hast, wirst du auch immer weniger Verlangen danach verspüren.

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Wenn die Erfahrungen, die du machst, nicht angenehm sind oder dich nicht erfüllen, wirst du kaum mehr davon wollen, das hat nichts mit der Libido zu tun. Deshalb, so Levkoff, ist es so wichtig, dass du weißt, was du genießt und was sich gut für dich anfühlt. Das musst du herausfinden, bevor du dir Gedanken darüber machen kannst, was du von deinem Partner oder deiner Partnerin möchtest.

„Wenn deine Libido schon recht gering ist und du bisher keine angenehmen Erfahrungen hattest, dann bringt es nichts, ein stärkeres sexuelles Verlangen verspüren zu wollen oder durch den Gedanken an Sex mit dieser Person stärker erregt zu werden“, erläutert sie. „Doch wenn du schon großartige sexuelle Erfahrungen gemacht hast, kann es durchaus sein, dass du, selbst wenn du eigentlich nicht in der Stimmung bist, erregt wirst.“

11. Wenn du deine Libido steigern möchtest, musst du zuerst herausfinden, was sie verringert und warum.

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Wie du mit deiner mangelnden Libido umgehst, hängt davon ab, warum du sie steigern möchtest und welche Faktoren dich überhaupt von einer gesteigerten Libido abhalten.

Das Problem kann natürlich sein, dass dein Partner oder deine Partnerin mehr Sex möchte als du, sagt Dardik. Wenn du dich aber nicht attraktiv genug fühlst, weil du mit deinem Aussehen unzufrieden bist und dich das daran hindert, sexuelle Erfahrungen zu genießen, ist das ein ganz anderes Problem. In beiden Situationen ist deine Libido gering ausgeprägt und du möchtest sexuell aktiver sein, aber die Ursachen sind verschieden und damit auch die richtige Herangehensweise.

„Für Männer gibt es Viagra, für Frauen hingegen nicht“, sagt sie. „Ich empfehle jedem, einen Sexualtherapeuten oder psychosozialen Berater aufzusuchen, da Probleme mit der Libido bei den meisten Menschen mentale Ursachen haben.“

12. Beachte bitte auch, dass es generell immer sinnvoll ist, deine eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu kennen. Doch besonders wichtig ist es, um im Bedarfsfall Veränderungen zu erkennen.

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Es ist wichtig, zu wissen, was für dich normal ist, wenn es um sexuelles Verlangen geht. Wie oft überkommt dich plötzliches sexuelles Verlangen? Wie oft masturbierst du? Wenn du all das weißt, kannst du leichter feststellen, was sich geändert hat (wenn sich denn etwas ändert) und wann es Zeit ist, eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen, um ein vertrauensvolles Gespräch über dein Sexualleben zu führen, so Dardik.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Englisch.

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