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Animationsserien für Erwachsene – nichts für kleine Kinder oder schwache Nerven

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Die Zeichentrickserie „Ren & Stimpy“ eignet sich nicht für Kinder
Die Zeichentrickserie „Ren & Stimpy“ eignet sich nicht für Kinder © Courtesy Everett Collection / IMAGO

Animationsserien für Erwachsene haben Fuß fassen können – und das nicht nur im Streaming. Seit den ersten Staffeln der „Simpsons“ etablierten sich verschiedene Genres von Zeichentrickserien, die es fertigbringen, Anspruch, hintergründigen Humor und technisch versierte Umsetzung zu verbinden.

Los Gatos – Netflix hat das Geschäft mit Animationsserien für Erwachsene bereits entdeckt, auch HBO und andere Anbieter sind hier aktiv. Denn Zeichentrickserien für Erwachsene sind alles andere als leichte Unterhaltung. Sie bieten die ganze Palette medialer Formate, von der Komödie bis zur Science Fiction, die sich auch mit herkömmlichen Serien umsetzen lassen.

Animationsserien für Erwachsene: Nicht ohne Kontroversen

Warum auf Trickfilm verzichten, nur weil man dem Gesetz nach volljährig ist? Animationsserien für Erwachsene wenden sich mit mal mehr, mal weniger Anspruch an ein Publikum +18. Dabei sind sie schräg, sexistisch, humorvoll und bisweilen eindeutig zweideutig: Zeichentrickserien für Erwachsene mit ihren teils schrillen Untertöne sind nicht frei von Kontroversen. Die Animationsserien, die sich an ein volljähriges Publikum wenden, sind in vielen Fällen deshalb ganz und gar nicht für die Augen und Ohren der Kleinsten bestimmt. Zwar ist die Mehrheit der Animationsserien, die produziert werden, nach wie vor auf ein kindliches Publikum ausgerichtet, doch vor allem die Streaming-Anbieter entdecken das Potenzial, das sich mit Inhalten für ältere Zuschauer erschließt.

Zeichentrickserien für Erwachsene: Wesentliche Unterschiede zum Kinderprogramm

Erwachsene Zuschauer kamen ab dem Ende der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts auf den Geschmack. Damals gelangte mit den „Simpsons“ eine Zeichentrickserie auf den Markt, die ältere Kinder einfach komisch fanden – doch die täglichen Freuden und Leiden der Familie Simpson haben aufmerksamen Zuschauern bereits Einiges an Sozialkritik zu bieten. Während sich ausgewiesene Produzenten von Inhalten für Kinder wie Disney oder Nickelodeon mit versteckten Anspielungen begnügen, entwickelte sich ab den neunziger Jahren und dann verstärkt ab der Jahrtausendwende das Genre der Animationsserien für Erwachsene. Hier finden sich als erste Vertreter die MTV-Serie um „Beavis & Butt-Head“, die nicht ganz so erfolgreich sozialisierten Halbwüchsigen, oder „Ren & Stimpy“ auf Nickelodeon, eine Serie, bei der ein Chihuahua und ein Kater ausgesprochen schrägen Humor verbreiten. Der Erfolg der Formate eben nicht bei den jüngeren Zuschauern sorgte für die Geburt von Serien-Rennern wie „South Park“ und trug dazu bei, dass in den USA ein Animationsserienkanal speziell für erwachsene Zuschauer an den Start ging – mit nicht immer jugendfreien Inhalten.

Animationsserien für Erwachsene: Erstaunlich viele Genres im Trickfilm-Format

Die Anfänge des Zeichentrickformats liegen im Action- oder Slapstick-Bereich, doch dem ist diese Kategorie längst entwachsen. Ähnlich wie bei japanischer Anime finden sich bei Zeichentrickserien für Erwachsene deshalb alle Genres, die auch von konventionellen Serien abgedeckt werden. Beliebte Subjekte sind

Die Macher von Animationsserien nutzen sie gern als Ausgangspunkt, doch gerade erfolgreiche Formate wie „South Park“ verbeißen sich darüber hinaus in aktuelle gesellschaftskritische Themen, und hier findet sich von den US-Wahlen über Sexsucht bis zur Finanzmarktmanipulation so ziemlich alles, was die Schlagzeilen der Zeitungen hergeben. Immer intelligent-bissig aufbereitet.

Beispiele für erfolgreiche Serien im Trickfilm-Format

Populär sind auch bei erwachsenen Zuschauern Fantasy, Horror oder Übernatürliches. Dementsprechend will Netflix nun Godzilla auf die Serien-Reise schicken, und beim Wettbewerber MBO ist eine Zeichentrickversion der Young-Adult Comic-Reihe Lumberjanes geplant. In der doppelbödigen Welt eines fiktiven Geheimdienstes treibt seit 2009 der ausgesprochen misogyne Sterling Archer der gleichnamigen Serie sein Unwesen.

Parodien auf die vermeintlich heile Welt der US-amerikanischen Familie bieten Beispiele wie „American Dad“ oder „King on the Hill“, während die Drama-Comedy „Bojack Horseman“ von vermenschlichten Tierwesen bevölkert ist.

Zeichentrickserien für Erwachsene: TV-Kanäle und Streaming

Erste Animationsserien für Erwachsene – oder zumindest solche, die gewissermaßen auf doppelter Schiene fahren, wie die „Simpsons“ und „Beavis & Butt-Head“, wurden zunächst über normale TV-Sender ausgestrahlt, oft sogar im Nachmittags- oder Vorabend-Programm. Dass einige der Formate sich nicht direkt für jüngere Zuschauer eignen, wurde während der Ausstrahlung von „Ren & Stimpy“ auf Nickelodeon deutlich. Trotz wiederholter Versuche, die Macher der Serie dazu zu bewegen, hintergründigen Humor und sexuelle Anspielungen herunterzufahren, blieb der Tenor der Serie weitgehend unverändert und wurde schließlich von Nickelodeon aus dem Programm genommen. In den letzten Jahren haben sich besonders die Anbieter von Streaming dem Segment der Zeichentrickfilme für Erwachsene zugewandt. Netflix, HBO oder Amazon Prime verfügen über die Mittel, auch technisch anspruchsvolle Animationen umzusetzen und erfolgreich zu vermarkten.

Animationsserien für Erwachsene in der Kontroverse

Die zumindest teilweise nicht jugendfreien Inhalte bei Zeichentrickserien für Erwachsene sorgen nicht selten für Unmut bei Eltern. Denn die verlieren durchaus die Orientierung, was sie ihren Sprösslingen zumuten dürfen und was nicht – jedenfalls, wenn sie selbst nicht zu den Fans gehören. Das betrifft meist sexistische oder sexuelle Anspielungen, richtet sich teils aber auch gegen Serien wie „Big Mouth“, die die Sorgen und Nöte pubertierender Teenager aufbereiten, ohne dabei ein Blatt vor den (großen) Mund zu nehmen.

Doch auch ein dezidierter Mangel an Political Correctness wird Animationsserien für Erwachsene gern angekreidet – dabei ist gerade das ein Punkt, den die Befürworter der Kategorie schätzen. Ähnlich wie beim Trickfilm der frühen Jahre kann man argumentieren, dass keine Tiere überfahren oder Serienhelden aus dem obersten Stockwerk eines Wolkenkratzers geworfen werden, und somit auch ein humorbefrachtetes Feuerwerk politisch unkorrekter Sprache wirklich nur den trifft, der bewusst den Einschaltknopf drückt. Für Eltern bedeutet dies jedoch, bestimmte Inhalte über die Kindersicherung zu sperren oder sich selbst ein Bild davon zu machen, was sie für kleinere und größere Kinder angemessen finden.

Trickserien für Erwachsene: Wo gibt’s die besten Angebote fürs Streaming?

Zuschauer in den Vereinigten Staaten profitieren schon seit rund zwanzig Jahren von einem eigenen TV-Sender für Zeichentrickserien für Erwachsene. Adult Swim bietet Animationsserien, die als wenig kindergeeignet eingestuft werden – und das rund um die Uhr. Doch Serien-Fans der gezeichneten Welten müssen in Deutschland nicht auf ihre liebsten Formate verzichten, denn die großen Streaming-Anbieter können mit attraktiven Angeboten aufwarten.

Zeichentrickserien für erwachsene Zuschauer: Noch viel Potenzial

Wer sich noch nicht mit Zeichentrickserien für Erwachsene beschäftigt hat, kann irrtümlicherweise zu der Ansicht gelangen, dass Animationsserien insgesamt eher „etwas für Kinder“ und damit schlicht gestrickt sind. Das ist jedoch nicht der Fall – ganz im Gegenteil locken die künstlerischen Freiräume der Zeichentrickwelten Kreativschaffende an, die sich hier nach Herzenslust austoben können. Das gilt nicht nur für die Grenzen des Machbaren, die bei Animationen aufgehoben scheinen, sondern auch für Restriktionen des Jugendschutzes und der Political Correctness.

Dass man intelligent und humorvoll aufbereitete Gesellschaftskritik in ein breites Spektrum gezeichneter Genres verpacken kann, appelliert an immer mehr Zuschauer, die die meist kurzen Serien-Folgen als Gelegenheit zum hemmungslosen Drauflos-Lachen und für befreites Aufatmen schätzen. Damit bietet sich für Animationsserien für Erwachsene noch viel zukünftiges Potenzial.

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