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Anime – Kein gewöhnlicher Zeichentrick

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Animeserie Pokemon
Animeserie Pokemon © United Archives/IMAGO

Zeichentrick aus Japan erkennen die Meisten sofort an den großen Augen der Darsteller und der markanten Darstellung der Bewegung. Doch wie unterscheiden sich Anime von anderen Zeichentrickfilmen und -serien?

Tokio – Augen, die das Gesicht dominieren, prägnante Mimik und liebevoll gestaltete Hintergründe. Anime zeichnen sich durch viele Merkmale aus, die die Herkunft der Serien und Filme sofort offenbaren. Obwohl Japan ein kleines Land mit weniger als 130 Millionen Einwohnern ist, begeistern Anime Menschen auf der ganzen Welt und gehören auch in vielen westlichen Ländern fest ins TV-Programm und in das Angebot der Streaming-Dienste.

Anime – die Geschichte der japanischen Animationskunst

Bevor die Bilder mit Anime laufen lernten, waren die Japaner begeisterte Anhänger von Manga. Die klassischen Comics aus Japan weisen ähnliche Merkmale auf wie die Anime, die die Stars aus den Manga-Heften in Bewegung bringen. Wobei Anime in Japan jegliche Animationsfilme und -serien meint und nicht nur für Zeichenkunst aus Japan steht. Im Ausland dagegen bezeichnet Anime Produktionen aus Japan.

Als die Bilder laufen lernten, nannten Japaner Animationsfilme noch nicht Anime. Vor rund 100 Jahren waren unter anderem diese Begriffe gängig:

Erst vor rund 50 Jahren entstand das Wort Anime aus dem japanischen Lehnwort animēshon, das für das englische animation steht. Japaner kennen Animationstechniken und optische Spielzeuge bereits seit mindestens dem 19. Jahrhundert. Ein erster Anime-Filmstreifen wird auf die Zeit zwischen 1907 und 1912 datiert. Ab 1910 lernten die Japaner westliche Trickfilme kennen. Sie nutzten die bekannten Techniken und die Arbeitsweise aus dem Westen, um beides zu kombinieren und es entstand schnell eine große Anime-Industrie.

Anime – der Krieg treibt die Geschichte an

Die ersten japanischen Trickfilme lehnten sich stark an die traditionellen Kunstformen des Landes an. Zeichnungen mit Kreide oder Tusche auf Papier und Scherenschnitte dienten als Grundlage, die Inhalte erinnerten an das japanische Papiertheater und die Benshi-Erzähler. Zudem bestand eine strenge Zensur, daher handelten die meisten damals entstandenen Kurzfilme von japanischen und chinesischen Mythen, Märchen und Fabeln. Diese bewerteten die staatlichen Zensoren milder. Das traf auch auf die damals erstellten Lehrfilme zu.

Der Zweite Weltkrieg befeuerte dann die Produktion von Anime. Der japanische Kaiser sah Zeichentrickfilme einerseits als gutes Mittel zur Propaganda an, auf der anderen Seite wollte er Japans hohe technische Entwicklung beweisen. Denn die Zeichentrickfilme von Walt Disney begeisterten die Welt und China hatte 1941 den Film Tiě shàn gōngzhǔ (Die Prinzessin mit dem Eisenfächer) veröffentlicht. Diese Produktion hatte Spielfilmlänge und gehört zu den ersten so umfangreichen Trickfilmen, die nicht in den Studios von Walt Disney produziert wurden.

Der japanische Kaiser wünschte gleichzuziehen. So entstand der erste japanische Anime-Film in abendfüllender Länge: Momotarō: Umi no Shimpei (Momotarō: Göttlicher Krieger des Meeres). Der in Schwarz-weiß produzierte Propagandafilm richtete sich an Kinder.

Anime – typische Kennzeichen und ihre Geschichte

Auf den ersten Blick fallen bei den Figuren in Anime-Szenen die großen Augen auf, die an westliche Gesichter erinnern. Westliche Animationsfilme mögen zuerst den Anstoß gegeben haben, so zu zeichnen. In Japan wird diese Formgebung allerdings längst nicht mehr als westlich verstanden. Die vergleichsweise einfach gezeichneten Figuren lassen so besonders viel Raum, die Emotionen darzustellen. Ebenso wirkt der Kontrast zwischen den eher simplen Zeichnungen der Charaktere und der aufwendigen Darstellung der Umgebung gezielt auf die Zuschauer. Der realistischere Hintergrund lässt die Konsumenten leichter in die Story eintauchen.

Kommt es zu Kampf-, Sport oder ähnlichen bewegungsintensiven Actionszenen, entfällt dagegen der Hintergrund oft komplett. Dann stehen die Bewegungen im Vordergrund und werden ohne Ablenkung zelebriert. Ein weiteres Merkmal von Anime ist, dass starke Bewegungen auf ihrem Höhepunkt oft in einem Standbild eingefroren werden. Diese Tradition entstammt dem jahrhundertealten Kabuki-Theater, das für starke Posen bekannt ist.

Anime – die Geschichte der vermeintlichen Erotik

In der westlichen Welt wurde Anime aus Japan lange Zeit als anstößig und pornografisch angesehen. Zwar gibt es japanische Animationsfilme mit expliziten Inhalten, doch sind diese im Vergleich selten. Die Darstellung erotischer Inhalte wurde in Japan stark von den Gesetzen geprägt, die während der Besetzung Japans durch die Amerikaner entstanden. So war die Darstellung des Genitalbereichs Erwachsener ebenso verboten wie andere anstößige Inhalte. Viele Anime-Künstler umgingen jegliche Schwierigkeiten damit, die Figuren kindlich darzustellen.

Gleichzeitig geht die japanische Bevölkerung mit vielen Handlungen deutlich entspannter um als die westliche Welt. Denn Nacktheit wird in Japan abseits sexueller Inhalte nicht als anstößig oder erotisch wahrgenommen. Öffentliches, gemischtgeschlechtliches Baden, der Besuch von Badehäusern oder das Stillen gelten als vollkommen natürlich. Solche Szenen sind auch in Anime für Kinder weit verbreitet, denn es handelt sich in den Augen der Japaner um reine Alltagsszenen.

Ein weiterer Grund, warum Anime im Westen lange anrüchig betrachtet wurden, sind dem amerikanischen Einfluss geschuldet. Die japanischen Zeichner ließen sich durchaus von den Animationsfilmen aus den USA inspirieren und gaben den Figuren nach der Gesetzeslockerung männliche Muskeln und große Brüste.

Anime – beliebte Genres

Die Inhalte von Anime sind extrem vielfältig. Es gibt Filme und Serien für jede Altersklasse und jeden Geschmack. Alles mit Bezug zur japanischen Kultur und zum Alltag in den hochmodernen und eng bebauten Städten ist beliebt. Daher gibt es Anime über die japanische Mythologie ebenso wie über Sport, Umweltschutz oder die Mutterschaft. Viele Anime-Serien erfüllen die Kriterien mehrerer Gattungen und lassen sich nicht in eine einzige Schublade stecken. Zu den bekannten Genres gehören folgende:

Anime – weitere Genres

Der Fantasie für die Storys von Anime-Filmen und Serien sind keine Grenzen gesetzt. Es gibt auch:

Anime – bekannte Reihen

Viele Anime gehen auf bekannte Manga-Comics zurück, aber es geht auch ohne vorheriges Comicheft. Zu den beliebtesten Anime in Europa zählen:

Bekannt wurden Anime in Deutschland insbesondere durch Naruto, einem jungen Ninja, den die Zuschauer beim Erwachsenwerden und auf dem Weg zum höchsten Ninja seines Heimatdorfes begleiten.

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