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Ein BAYERN 3-Moderator sorgt mit rassistischen Aussagen zur K-Pop-Gruppe BTS für einen Shitstorm

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Von: Michelle Anskeit

„Rassismus, Beleidigungen und einen Bezug zu COVID, Gotteslästerung und Nordkorea herzustellen, wie rechtfertigt ihr solche Aussagen?“

Update (26.02.2021, 15:02 Uhr): BAYERN 3 sowie Moderator Matthias Matuschik haben eine zusätzliche Stellungnahme zu den Vorwürfen veröffentlicht.

Wieder macht eine Sendung des deutschen Rundfunks wegen rassistischer Bemerkungen von sich reden: Bei der Bayern 3-Show „Matuschke –der etwas andere Abend“ nahm Moderator Matthias Matuschik die K-Pop-Gruppe BTS ins Visier. Die Abkürzung stehe für „irgendein scheiß Virus“, wogegen es „hoffentlich bald ebenfalls eine Impfung geben“ werde. Weiter erklärte Matuschik „man kann mir jetzt nicht Fremdenfeindlichkeit unterstellen“, weil er eine „geile Karre aus Südkorea“ habe. Doch die Gruppe würde für ihr Cover des Songs „Fix You“ der Gruppe Coldplay „20 Jahre Urlaub in Nordkorea machen“.

Fans der Gruppe warfen dem Moderator aufgrund seiner Aussagen jedoch Rassismus vor, weshalb binnen weniger Minuten tausende von Tweets veröffentlicht wurden, in denen um eine Stellungnahme gebeten wurde:

Der Ausschnitt fand auch über die Fan-Community hinaus Beachtung:

Unter den Trending Hashtags #Bayern3Racist und #RassismusbeiBayern3 sammelten sich schnell zehntausende Tweets:

Es wurde dazu aufgerufen, den Sender direkt über das Programmbeschwerde-Portal zu einer Stellungnahme zu bringen, wodurch die Seite zwischenzeitlich aufgrund von „erhöhtem Beschwerdeaufkommen“ nicht zu erreichen war.

Hierdurch platzierte sich das Thema binnen weniger Minuten in den weltweiten Top-Trends:

Einige Stunden später veröffentlichte BAYERN 3 dann ein Statement zur Situation:

Es ist Charakter dieser Sendung und auch des Moderators, seine Meinung klar, offen und ungeschminkt zu äußern. In diesem Fall ist er aus dem Versuch heraus, seine Meinung ironisch-überspitzt und mit übertrieben gespielter Aufregung darzustellen, in seiner Wortwahl übers Ziel hinausgeschossen und hat damit die Gefühle der BTS Fans verletzt.

- BAYERN 3

Der Sender verteidigte den Moderator außerdem: Seine Arbeit gegen Rechtsextremismus zeige, dass Matuschik „Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in jeder Form absolut fernliegen“ würden.

Das Statement stieß bei vielen Mitgliedern Twitter-Community auf Missgefallen:

Der Vorwurf: Rassistische Aussagen seien keine Meinung. Der Sender habe nicht eingesehen, dass es bei dem Thema nicht um die Gefühle der BTS-Fans, sondern um ein generelles Rassismus-Problem in Deutschland gehe.

Infolgedessen stieg „RASSISMUS IST KEINE MEINUNG“ in den Twitter-Trends auf:

Kritiker*innen finden vor allem der Vergleich der Gruppe mit dem COVID19-Virus höchst problematisch:

BuzzFeed Deutschland hat sich für ein persönliches Statement direkt an den Moderator gewandt, der noch in der Nacht reagierte:

Er erklärt, dass er Coldplay als Band sehr schätze und sich über das BTS-Cover von „Fix You“ geärgert habe.

Die Nationalität der Band spiele für ihn keine Rolle. „Ich hätte mich bei einer deutschen oder transkastanischen Band ebenso (künstlich, wie es meine Art ist) aufgeregt.“ Matuschik fügt hinzu, er habe „unterschätzt, welches gewaltige Fanpotenzial sich hinter den drei Buchstaben [BTS] verbirgt.“ Fans der Band bezeichnet er als „fanatische Gefolgschaft einer musikalischen Cashmaschine“ und wirft ihnen vor, seine Aussagen verdreht zu haben. Zudem finde er es „deplatziert“, dass für seine Aussagen die „momentan sehr beliebte Rassismuskeule“ ausgepackt werde.

Dabei ist der Rassismus gegenüber asiatischen Menschen seit dem Ausbruch des Virus noch einmal stark angestiegen:

Die Koalition „Stop AAPI Hate“ veröffentlichte einen Bericht, in welchem von März bis Dezember 2020 2808 Angriffe auf Asiaten in Amerika dokumentiert wurden. Betroffenen schildern in dem Report sowohl verbale als auch körperliche Attacken. In einem Beitrag für BuzzFeed Deutschland spricht Autorin Thea Suh über die hasserfüllten Attacken, mit denen sie sich insbesondere seit dem Beginn der Pandemie täglich konfrontiert sieht. Wie groß das Problem also auch in Deutschland ist, wird durch das Netzwerk „Ich bin kein Virus“ deutlich, in welchem Betroffene seit Beginn der Pandemie ihre Erfahrungen teilen.

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