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Dieses Bestattungsunternehmen kompostiert menschliche Körper zu nährstoffreichem Boden

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Links: Katey von Return Home vor dem Gefäß, in dem die menschlichen Körper zusammen mit Stroh, Alfalfa und Sägespänen gelegt werden. Rechts: Zwei Männer vor dem Return Home Gebäude. Mitte: Ein Grabstein-Emoji.
„Wir verwandeln eure Liebsten zu nährstoffreicher Erde.“ © TikTok: @returnhomenor/Instagram: @returnhomenor

In der heutigen Episode von „Wissenschaft ist toll“ schauen wir uns ein Bestattungsunternehmen in Washington an, das menschliche Körper zu nährstoffreichem Boden verarbeitet.

Sie nennen sich „Return Home“ und du hast sie eventuell schonmal auf TikTok gesehen, wo sie viele ihrer jetzt viralen Videos geteilt haben. Die „Mensch-zu-Erde-Transformation“ haben sie „Terramation“ genannt, was sie in diesem kurzen Video erklären:

„Willkommen zu ‚Return Home‘. Wir sind eine Alternative zur Beerdigung und Einäscherung, genannt ‚Terramation‘.“

„Unser Prozess verwandelt sterbliche Überreste vorsichtig in nährstoffreiche Erde, die dann in den Boden zurückkehren kann. Wir sind die erste öffentliche Terramation-Einrichtung,“ heißt es weiter im Video.

Eine Hand hält die fertige Erde des Terramation-Prozesses
Die fertige Erde. © Return Home via TikTok

„Bisher haben wir 16 Familien begleitet.“ Diese Zahl ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Posts bis auf 60 angestiegen. Familien können für ihre Angehörigen eine „umweltfreundliche und bedachte Entscheidung für das Ende ihres Lebens treffen.“

Große Boxen, die in einem Regal stehen.
Ein Schritt im Verwandlungsprozess. © Return Home via TikTok

„Unsere Mission ist, dass unser Angebot für alle Interessierten zugänglich ist und die existierenden Bestattungsmethoden zu hinterfragen, indem wir den Prozess entschleunigen, indem wir die Natur ihren Weg gehen lassen.“

Heuballen sind aufeinander gestapelt.
Das Heu wird für den Prozess benötigt. © Return Home via TikTok

„Return Home“ ist ein sehr neues Bestattungsunternehmen – es hat die Arbeit erst 2021 aufgenommen. Der Grund dafür ist, dass Terramation – offiziell „natürliche organische Reduktion“ genannt – in Washington State erst 2019 legal wurde.

„Washington State wurde dadurch zum ersten Ort weltweit, der Terramination legalisiert hat,“ sagte Return Home‘s Kundenbetreuerin Katey Houston, die auch die Stimme in den Videos des Unternehmens auf TikTok ist, zu BuzzFeed US. „Jetzt haben auch Oregon und Colorado nachgezogen und den Prozess legalisiert.“

Katey sagt, dass die Familien vor dem Beginn des offiziellen Terramation-Prozesses entscheiden können, ob sie eine, wie sie es nennen, „Einliege-Zeremonie“ haben wollen. „Stell dir das so vor, als ob du auf einer normalen Beerdigung wärst und es gäbe einen offenen Sarg, nur dass die Menschen hier in ihren Behältnissen sind.“

Ein Behälter, der bei dem Prozess benutzt wird.
Familien wird offengelassen, ob sie eine „Einliege-Zeremonie“ wollen. © Return Home

„Unsere Behältnisse sind 2,5 Meter mal 1,25 Meter mal 1,25 Meter groß. Sie sind aus Polycarbonat-Material und komplett wiederverwendbar und einfach zu reinigen,“ sagte Katey. „Sie sind wie große rechteckige Boxen, die unsere Liebsten in den ersten 30 Tagen des Prozesses halten, in dem sie in Erde verwandelt werden.“

Die Vorbereitungsarbeit des Prozesses ist in diesem TikTok erklärt, wo Katey zeigt, was passiert, wenn jemand bei dem Bestattungsunternehmen ankommt – natürlich nur mit einem künstlichen Skelett, das Mr. Skelly heißt:

Katey erkärt: „Wir schieben sie vorsichtig auf unsere Körper-Boards, wo wir ihnen eine Identifizierungsmarke geben, die dort bleibt, bis die Terramation begonnen hat.“

Das Skelett wird auf das Body-Board gelegt
Das Skelett wird auf das Body-Board gelegt. © Return Home via TikTok

„Dann befestigen wir die Marke an dem Bein der Person und platzieren einen Block unter dem Kopf, damit sie gut aussieht, wenn die Familie sie sehen will.“

Die Identifizierungsmarke wird an das Bein angebracht.
Die Identifizierungsmarke wird an das Bein angebracht. © Return Home via TikTok

„Dann baden wir jede Person, weil wir glauben, dass sie sauber in das Behältnis kommen sollten.“

Das Skelett wird gewaschen
Jede:r bekommt ein Bad. © Return Home via TikTok

„Und dann kleiden wir sie in ein kompostierbares Kleidungsstück, das speziell für sie angefertigt wird. Nach dem Bad ist Mr. Skelly bereit, in sein Gefäß zu gehen, wo die Familienmitglieder sich dann Zeit nehmen können, um Dinge wie Karten oder sogar kleine Jelly Beans zu ihm oder ihr zu legen“, was dementsprechend die „Einlege-Zeremonie“ wäre.

Das Beispiel-Skelett bekommt sein Kleidungsstück umgelegt.
Jeder Mensch erhält ein eigenes Kleidungsstück. © Return Home via TikTok

„Sobald die Familie ihre Zeit gehabt hat, ersetzen wir die restlichen organischen Stoffe (Stroh, Alfalfa und Sägespäne) im Behälter, und dieser bleibt geschlossen, bis sich die Person in Erde verwandelt hat.“

Das Behältnis, in dem die Menschen zu Erde verwandelt werden. Vorne sieht man Postkarten kleben.
Das Behältnis, in dem die Menschen zu Erde verwandelt werden. © Return Home via TikTok

Sobald das Behältnis verschlossen ist, steht es 30 Tage lang vor dem Bestattungsinstitut, wo die Familienangehörigen des Verstorbenen es so oft wie sie wollen besuchen können. „Normalerweise ist der schwierigste Teil des Trauerprozesses, dass man nie wieder in der Nähe des Verstorbenen sein kann“, sagte Katey. „Aber auf diese Weise verlangsamt man die physische Trennung von der Person“.

Katey schließt das Behältnis
30 Tage dauert der Transformationsprozess. © Return Home via TikTok

Am Ende der 30 Tage wird sich der Körper vollständig in Erde verwandelt haben. „Das machen nur die Mikroben in deinem Darm, wir fügen keine Wärme hinzu“, erklärt Katey. „Alles, was übrig bleibt, sind anorganische Stoffe und etwas Knochen – also zum Beispiel eine Hüftprothese, Stent-Schrauben von einem gebrochenen Arm oder Ähnliches.“

Während die anorganischen Teile entnommen und recycelt werden, werden die verbleibenden Knochen in eine Maschine namens „Kremulator“ gegeben. Danach werden sie wieder in das Gefäß gelegt, um sich weitere 30 Tage zu zersetzen. Dieses TikTok erklärt, wie das geschieht:

„Nachdem [die ersten 30 Tage verstrichen sind], gehen wir zum sogenannten Screening über, bei dem wir alles Anorganische aus dem Kompost entfernen können. Zu diesem Zeitpunkt entfernen wir auch die Knochen.“

Ein Fake-Skelett liegt in einem kleinen Gefäß mit Sägespänen.
Knochen lassen sich nicht kompostieren. © Return Home via TikTok

„Katey zeigt, wie wir die Knochen in unseren ‚Kremulator‘ legen würden, so wie man es in einem Krematorium tun würde.“

Katey wirft die Knochen in den „Kremulator“
Katey wirft die Knochen in den „Kremulator“. © Return Home via TikTok

„Wir zerkleinern die Knochen in kleinere Teile, die durch die Kürbiskerne repräsentiert werden. Die Knochen werden dann wieder in den Kompost gegeben, wo sie weitere 30 Tage aushärten“, heißt es im TikTok. „Mikroben können den Knochen vollständig konsumieren“, stellte Katey später klar. „Sobald die Erde ruht und abkühlt, ist sie bereit, nach Hause zur Familie zu gehen – also insgesamt 60 Tage.“

Kürbiskerne liegen in einem kleinen mit Erde befüllten Behältnis
Die Kürbiskerne repräsentieren die zerkleinerten Knochen. © Return Home via Tiktok

Wenn die Erde bereit ist, haben die Familien die Möglichkeit, so viel wie sie wollen mit nach Hause zu nehmen.

Zwei kleine Gefäße, gefüllt mit Erde und Stroh
Die Familien können die Erde mit nach Haus nehmen. © Return Home via Tiktok

„Die meisten der Familien entscheiden sich dafür, die gesamte Erde ihrer Angehörigen mit nach Hause zu nehmen, was am Ende etwa 200 Kilogramm an brauchbarem, reichhaltigem und nährstoffreichem Kompost ausmacht. Wenn die Familien diesen Wunsch haben, füllen wir ihre Angehörigen in Jutesäcke, damit der Kompost weiter atmen kann, denn schließlich setzen wir den Kreislauf des Lebens fort.“

Jutesäcke mit der kompostierten Erde.
Der Prozess ergibt 200 Kilogramm Erde. © Return Home via TikTok

„Wir schmücken jede Tasche mit einem handgestempelten Blatt, auf dem der Name, das Geburts- und das Todesjahr des geliebten Menschen stehen.“

Der Herstellungsprozess des Blatt-Schmucks
Jeder Sack wird individuell geschmückt. © Return Home via TikTok

„Und wir geben jedem einen kleinen 2,5 Kilo-Beutel, der etwa so aussieht, damit sie ihn umarmen und halten können.“

Der 2-Kilo-Beutel
Der 2,5-Kilo-Beutel. © Return Home

„Wenn die Familien nicht die ganze Menge haben wollen, können wir sie in unserem Wald verstreuen, der eine Revitalisierung wirklich nötig hatte. Seitdem wir damit begonnen haben, Menschen-Erde zu verstreuen, konnten wir so viel neues Wachstum und neues Leben beobachten“.

Eine kleine Pflanze wächst aus der Erde
Aus totem Leben wird neues Leben. © Return Home

Seitdem „Return Home“ mit Terramation begonnen hat, hat Katey viele herzerwärmende Geschichten darüber gehört, was Familien mit ihrer Erde machen.

„Wir hatten eine Familie, deren Vater verstorben ist und welche die gesamte Erde mit nach Hause genommen hat“, erzählte sie. „Sie leben in einer sehr flachen Gegend des Bundesstaates, weshalb es dort sehr windig ist. Sie haben dann beschlossen, eine Mauer aus Bäumen um ihr Haus zu pflanzen, damit ihr Vater sie für immer beschützt.“

Katey erzählt weiter: „Da war auch eine Frau, die ihre Tochter abgeholt hat uns sie hat mir gesagt, dass sie die Erde an alle ihre Freund:innen und Familienmitglieder weitergeben wird und ihre Tochter wird dann in die ganze Welt mitgenommen“.

„Du kannst damit wirklich machen, was du willst. Es ist so, als hätte man eingeäscherte Überreste, aber mehr davon und die sind tatsächlich gut für den Planeten.“

Nach Angaben der „National Funeral Directors Association“ belaufen sich die durchschnittlichen Kosten für eine Beerdigung in den Vereinigten Staaten auf 7.848 Dollar (etwa 7.840 €). Terramation hingegen würde sogar viel weniger kosten. „Unsere Kosten betragen 4.950 Dollar (etwa 4.920 €)“, sagte Katey. „Darin ist alles enthalten, was du brauchst, einschließlich der Bezirks- und Staatsgebühren und der Sterbeurkunden.“

Am Ende habe ich noch gefragt, ob das Beerdigungsinstitut jemals schlecht riecht. „Diese Frage bekomme ich ständig“, sagte Katey. „Alle unsere Gefäße sind an unser HVAC-System angeschlossen, das durch einen Biofilter läuft, sodass die Luft eigentlich nach überhaupt nichts riecht.“

Die gestapelte Kisten in einem Regal
Die Kisten werden gestapelt und an einem Filtersystem angeschlossen © Return Home

Was denkst du dazu? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen.

Wenn du die Arbeit von Return Home spannend findest, kannst du ihnen auf TikTok und Instagram folgen.

Neulich haben wir außerdem über Bestatterinnen gesprochen, die mit Konfetti am Grab das Leben feiern und nicht den Tod.

Dieser Post von Jen Adams wurde aus dem Englischen übersetzt.

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