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Wer sind eigentlich BTS? - Grammy-Nominierung, Weltrekorde und eine tatkräftige Fanbase

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Michelle Anskeit

Die K-Pop Gruppe BTS bei einem ihrer Konzerte.
BTS ist derzeit eine der erfolgreichsten Gruppen der Welt. © IMAGO / Everett Collection / xCourtesyxEverettxCollectionx MCDBTSW EC003

BTS werden millionenfach im Netz erwähnt, gewinnen immer mehr Auszeichnungen und kämpfen gemeinsam mit ihren global vernetzten Fans gegen Unrecht - aber wieso sind es gerade sie, die weltweit Menschen bewegen?

„Light it up like Dynamite“ - wahrscheinlich hast du diese Zeile in letzter Zeit öfter im Radio gehört und dich gefragt, von wem der Song eigentlich stammt. Oder du hast den weltweiten Aufruhr rund um den BAYERN 3 Moderator Matthias Mattuschik und seiner rassistischen Aussagen gegenüber BTS mitbekommen und gemerkt, dass du die Gruppe und ihre aktive Fanbase noch gar nicht kennst. Vielleicht interessierst du dich auch nur für Musik und hast gesehen, dass BTS als erste südkoreanische Gruppe für einen Grammy nominiert wurde und möchtest deshalb mal wissen, wer die Jungs eigentlich sind. So oder so: Heute will ich dir die erfolgreichste südkoreanische Gruppe der Welt einmal vorstellen.

Die Anfänge: Was ist K-Pop?

Zuerst möchte ich dir dafür einmal kurz erklären, was K-Pop überhaupt ist. Das Wort setzt sich aus dem „K“ für „Koreanischen“ und „Pop“, also „populär[e Musik]“, zusammen und bildet damit das übergeordnete Genre K-Pop. Zu diesem gehören unter anderem hochqualitativ produzierte Videos und Musik, die sich aus vielen (Sub-)Genres - wie R‘n‘B, Rap, Rock, Pop - zusammensetzt. Diese wird von den K-Pop-Künstler*innen performt und oftmals auch selbst produziert.

Um dies zu tun trainieren die Stars, die „Idols“ genannt werden, oft schon im jüngeren Alter mehrere Monate bis zu mehreren Jahren in sogenannten Entertainment Companies. Zu diesen gehört „Big Hit Entertainment“, zu dem BTS gehört.

Nachdem dieses Training abgeschlossen ist, bekommen einige die Chance, ihr „Debüt“ zu machen, was in den meisten Fällen bedeutet, dass sie mit anderen Trainees zu einer Gruppe zusammenkommen. Alle Mitglieder von BTS - was übrigens eine Abkürzung für „Bangtan Sonyeondan“ („Bulletproof Boy Scouts“) ist - wurden von Big Hit Entertainment nacheinander gecastet. Dabei wurde Kim Namjoon mit 16 das erste Mitglied der Gruppe.

7 Talente: Die BTS-Mitglieder im Kurzprofil

Kim Namjoon (Künstlername: RM)

Der Leader der Gruppe, der fließend Englisch spricht und somit auch immer wieder als Übersetzer der Gruppe fungiert, wenn diese beispielsweise Interviews oder Auftritte in Amerika hat. Er ist einer der Rapper der Gruppe, kann jedoch wie der Rest singen und tanzen. Er schreibt wie die anderen Mitglieder an vielen Songs von BTS mit und hat auch als Solo-Künstler großen Erfolg - sein eigens produziertes Mixtape (das er selbst als Playlist bezeichnet) „mono“ erreichte in 117 Ländern die Spitze der iTunes Charts.

Kim Seokjin (Künstlername Jin)

Seokjin ist einer der Sänger von BTS. Drei seiner Solo-Werke, die er auch selbst mitschrieb, wurden im Rahmen der Gruppe veröffentlicht. Auch als Solo-Künstler veröffentlichte Jin zwei Songs: „Tonight“, welcher von Verlust handelt und „Abyss“, in welchem er über Selbstzweifel und Burnout spricht. Abyss wurde mittlerweile 13 Millionen Mal auf Soundcloud gestreamt.

Min Yoongi (Künstlername SUGA)

Genau wie Namjoon ist Yoongi einer der Rapper der Gruppe und ebenfalls jemand, der viele der Songs von BTS mitschreibt. Er ist insbesondere für sein schnelles Raptempo und seine sehr persönlichen und ehrlichen Texte bekannt, die er auf seinen beiden Mixtapes „Agust D“ und „D-2“ veröffentlichte. Seine Single „Daechwita“ erreichte diese Woche erneut die Spitze der digitalen Billboard Song-Charts.

Jung Hoseok (Künstlername: J-Hope)

Hoseok vervollständigt das Rap-Trio von BTS. Auch er hat mit „Hope World“ ein eigenes Mixtape herausgebracht, welches mit über 290 Millionen Streams auf Spotify das meistgestreamte Album eines koreanischen Solo-Künstlers ist. Hoseok hat wie die anderen Mitglieder eine große Liebe zum Tanzen und erreichte unter anderem große Aufmerksamkeit, als er mit seinem Beitrag zur Challenge in Drakes „In My Feelings“-Video auftauchte.

Park Jimin (Künstlername: Jimin)

Jimin gehört zu den Sängern der Gruppe. Bei den Melon Music Awards 2018 begeisterte er die Zuschauer mit einem traditonell-koreanisch inspirierten Fächertanz. Auch solo ist Jimin erfolgreich: Sein Song „Promise“, den er mitschrieb und -produzierte, überholte Drakes „Druppy Freestyle“ als meistgestreamter Song binnen 24 Stunden auf SoundCloud.

Kim Taehyung (Künstlername: V)

Auch Taehyung gehört zum Sänger-Quartett von BTS. 2020 hat er den Song „Sweet Night“ für den Soundtrack des sehr erfolgreichen K-Dramas „Itaewon Class“ geschrieben, produziert und eingesungen. Die große Beliebtheit des Songs katapultierte „Sweet Night“ auf Platz 2 der US-amerikanischen Billboard-Charts und brachte Taehyung somit den höchsten Einstieg für einen koreanischen Solokünstler ein. Er selbst hatte außerdem eine Rolle im K-Drama „Hwarang“.

Jeon Jeongguk (Künstlername: Jungkook)

Jungkook vervollständigt die Gruppe und ist wie Seokjin, Jimin und Taehyung ein Sänger von BTS. Er ist besonders bekannt für seine vielen Talente, zu denen unter anderem Zeichnen, Videoschnitt und Fotografie gehören. Auf der koreanischen Plattform „VLive“, auf der Fans Livestreams von ihren Idols sehen können, brach er zudem den Rekord für die meisten Aufrufe: Über 22.1 Millionen Menschen sahen ihm zu, während er Updates aus seinem Leben gab. Auch er veröffentlichte bereits eigene Songs, zu denen „Still With You“ gehört. Der Song erreichte bereits etwa 55 Millionen Streams auf SoundCloud.

BTS‘ Message: Selbstliebe, Anti-Mobbing und die eigene Stimme finden

Die Musik von K-Pop-Künstler*innen unterscheidet sich von westlichen oft darin, dass die Gruppen sogenannte „Comebacks“ haben, die meist aus einem Album und einer zugehörigen Single bestehen. Jedes Album hat dabei ein eigenes Konzept, was bedeutet, dass dahinter eine bestimmte Geschichte steht. Diese kann mal süß, seicht und bunt und andererseits auch sexy, traurig oder auch sehr düster sein.

BTS‘ verbinden in ihren Konzepten und somit in ihrer Musik sowohl upbeat Songs wie „Dynamite“, dessen Lyrics die Fans nach eigener Aussage insbesondere in den schweren Zeiten der Pandemie aufheitern sollten. Andererseits beschäftigen sie sich auch mit schwierigeren Themen: Ihre drei Alben - die sogenannte „Love Yourself-Reihe“ - handelt davon, wie steinig der Weg zur Selbstliebe ist.

Diese Musik wird durch die bereits erwähnten hochqualitativen Videos ergänzt, die selbst noch einmal eine Geschichte erzählen. Beides kreiert etwas, das man mit dem Marvel Cinematic Universe vergleichen könnte: Eine Art BTS-Universe, in welchem durch Texte, Videos und sogar Bücher verschiedene Handlungen entstehen, die bereits seit dem ersten Album weitererzählt werden. Sie beginnen in den Highschool-Zeiten der Gruppe, in welcher sich BTS gegen das strenge Bildungssystem Koreas zur Wehr setzt, spricht über mentale Probleme und sucht letztendlich eine Lösung darin, den Weg zu sich und seinem eigenen Wert zu finden. Dabei probiert sich die Gruppe in so vielen Genres und Stilen aus, dass Fans und auch die Gruppe selbst bereits sagten, dass das Label „K-Pop“ für sie und ihre Musik nicht mehr ausreiche.

Beim Produktionsprozess ihrer Alben gewinnt die Gruppe auch immer wieder Inspirationen aus Büchern oder auch aus der Psychologie: Während BTS in ihrer neusten „Map of the Soul-Reihe“ die Theorien des Psychologen Carl Jung mit einbringt, beschäftigt sich der Song „Magic Shop“ aus dem Album „Love Yourself: Tear“ mit den Lebensphilosophien des Gehirnchirurgen James R. Doty, der einen Zauberladen in seiner Kindheit als Zufluchtsort sah:

Am Ende meiner Verzweiflung fand ich dich, vergiss nicht, du bist mein letzter Grund. Stehend an der Ecke einer Klippe, lebe. Tage an denen du hasst, dass du du bist, Tage an denen du verschwinden willst, lass uns eine Tür in dein Herz machen. Wenn du die Tür öffnest und hinein gehst, wird dieser Ort auf dich warten. Es ist okay zu glauben. Ich werde dich trösten, dieser Magische Laden.

BTS - „Magic Shop“

(Übersetzt aus dem Koreanischen, zuletzt geändert auf Songtexte.com von michelle_haberr)

Weiter verbreitet wird diese Message der Selbstliebe und Unterstützung durch die Gruppe bei ihrer Arbeit mit UNICEF. Gemeinsam haben BTS und UNICEF unter dem Hashtag #ENDViolence eine Kampagne gegen Mobbing gestartet, die bereits seit 2018 läuft. Im Rahmen dieser wurden BTS im September 2019 darum gebeten, eine Rede vor den Vereinten Nationen zu halten.

In dieser rief Namjoon alle Zuhörer*innen dazu auf, ihre Stimmen zu nutzen, um über die Dinge zu sprechen, die ihnen am Herzen liegen. Er selbst erklärte: „Wir haben [durch die „Love Yourself-Reihe“] gelernt, uns selbst zu lieben. Jetzt ist es an der Zeit, dass wir unsere Stimmen nutzen.“

Die Fans hinter BTS: Unterstützung, Hingabe und Aktivismus

Um genau verstehen zu können, wieso gerade diese Kombination von Musik, sozialer Arbeit und eines eigenen Universes so eine starke Resonanz findet, habe ich mit den Fanbases @BTS_UPDATES_Ger, @BTSChartGermany, @BangtanFundsGer und @BTS_GerARMY gesprochen, dessen Aufgabe es ist, die zentrale Anlaufstelle für alle in Deutschland zu sein, die BTS kennenlernen und wertschätzen wollen. Weiterhin beschäftigen sie sich mit allen aktuellen Informationen rund um die Gruppe, posten Updates darüber, wie BTS sich gerade in den Charts positioniert und starten eigene Streamingevents und -funds, um die Gruppe weiter zu promoten.

Aber was genau bringt die Fans dazu, sich so für die Jungs einzusetzen?

Die Antwort liegt laut den Fanbases in einer Mischung aus allem, was BTS tun. Sie loben die enge Verbindung, welche die Gruppe ganz anders und intensiver als beispielsweise westliche Künstler*innen zu ihren Fans aufbaut. Zu dieser gehören Updates der Gruppe auf Twitter, mehrstündige Livestreams auf VLive, Onlinekonzerte und nicht zuletzt der Aktivismus, mit dem gegen die Probleme vorgegangen werden soll, die sowohl BTS als auch die Fans beschäftigen.

Dies ist etwas, so betonen die Fanbases, was sie außerdem von vielen anderen Gruppen unterscheidet: Die K-Pop-Industrie schreckt oft aufgrund des sehr polierten Images davor zurück, über Tabu-Themen wie Depressionen, Burnout oder auch Regierungskritik zu sprechen. BTS hingegen nehmen sich diesen Themen in Songs wie „Black Swan“, der vom metaphorischen Tod eines*einer Künstler*in handelt, an und helfen somit den Fans, die selbst mit solchen Dingen zu kämpfen haben.

Die Fanbases erklären, dass Fans von BTS‘ Message und ihrem eigenem Aktivismus inspiriert werden und deshalb daran arbeiten, selbst Aktionen auf die Beine zu stellen. Dies funktioniert meist über Twitter, wo derartige Projekte dann von Fans retweeted und weitergeschickt werden.

Eines der größten Beispiele hierfür ist eine Spendenaktion der Gruppe für die „Black Lives Matter“-Bewegung, die nach dem Mord an George Floyd auf der ganzen Welt wuchs. BTS unterstützte die Bewegung mit einer Million US-Dollar. Fans vernetzten sich schnell und der Twitter-Account @OneInAnArmy, der sich für viele wohltätige Projekte im Namen von BTS einsetzt, stellte ein Spendenprojekt auf die Beine. Gemeinsam schafften die Fans es binnen 24 Stunden ebenfalls eine Million US-Dollar zu sammeln und an Organisationen für BLM zu spenden.

Ein Beispiel des Aktivismus der Fans speziell für Deutschland waren die rassistischen Aussagen des BAYERN 3-Moderators Matthias Matuschik, der BTS mit dem Coronavirus verglich und ihnen 20 Jahre Urlaub in Nordkorea wünschte. Die Fans taten sich zusammen, um gemeinsam gegen anti-asiatischen Rassismus vorzugehen und sammelten über 25.000 Unterschriften, die den Radiosender dazu bringen sollten, selbst eine Sendung zu diesem Thema zu produzieren.

BTS‘ Erfolg: Von der Schulbank auf die GRAMMY-Bühne

Wie lässt sich der Erfolg von BTS also zusammenfassen?

In einer Zeit, in der vieles aufgrund der Pandemie und der Klimakatastrophe unsicher ist, wünschen sich viele Menschen eine Art Halt, den sie nicht immer im eigenen Familien- oder Freundeskreis finden.

Einige möchten sich auch einfach in eine andere Welt flüchten, in der sie eine Auszeit von ihren ganz persönlichen Problemen bekommen. Wiederum andere suchen etwas, das sie antreibt und sie dazu bewegt, für sich selbst einzustehen und ihre eigene Stimme zu finden. BTS liefern mit ihrem Gesamtpaket aus Musik, Videos, Persönlichkeit und Aktivismus somit genau das, was viele momentan brauchen.

Zudem finden Fans über BTS und ihre Fanbases zusammen: Durch Unterhaltungen auf den sozialen Netzwerken über die Gruppe, Fantheorien und Fanart entstehen schnell Freundschaften.

Abschließend lässt sich also sagen: BTS schaffen es mit ihren eigenen Talenten, Überzeugungen und Interaktionen und einer starken Fanbase, die sich wie keine andere vernetzen kann, seit ihrem Debut 2013 weltweiten Erfolg zu erzielen. Fand eines ihrer ersten Konzerte noch vor einem relativ kleinen Publikum statt, schafften BTS es im Jahr 2019 das Wembley-Stadium an zwei Tagen komplett auszuverkaufen.

Gekrönt werden soll dieser anhaltende Erfolg am Sonntag bei den Grammy-Awards 2021, bei denen die Jungs mit „Dynamite“ für „Beste Popdarbietung eines Duos oder einer Gruppe“ nominiert sind.

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