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BVG-Fahrkartenkontrolle: Gewaltvorwürfe führen zur Petition

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Von: Michelle Anskeit

Eine schwarze Frau und eine weiße Frau, die gemeinsam in der Petition gegen die BVG sagen „Stoppt Diskriminierung durch Fahrkontrolleure der BVG“
Zwei Mitglieder von „Black Womxn Matter Deutschland“ erklären in ihrer Petition, dass sie wollen, dass die Diskriminierung von Fahrscheinkontrolleur*innen der BVG aufhört. © Achan, Annabelle & Anna-Rebekka auf change.org

„Wie passen Belästigung, Diskriminierung oder seelische und körperliche Gewalt zum „Weil wir dich lieben“-Marketing-Selbstverständnis der BVG?“

Am 06. März 2021 wurde der erste Tweet auf dem Account @BvgWir geteilt, in dem eine Petition gegen die BVG beworben wird, die dieser vorwirft, viele ihrer Fahrgäste zu diskriminieren, zu belästigen und verbal sowie physisch zu verletzen. Sie trägt den Namen „#BVGWeilWirUnsFürchten“, womit auf den Slogan der BVG angespielt wird, der „Weil wir dich lieben“ lautet.

„Es reicht“: Verfasser*innen der Petition werfen der BVG Diskriminierung und Gewalt vor

Im Video zur Petition erklären die Verfasser*innen, die Mitglieder der Initiative „Black Womxn Matter Deutschland“ sind, dass der Marketing-Slogan nicht zu den Belästigungen und Diskriminierungen passe, die viele Fahrgäste durch Kontrolleur*innen über sich ergehen lassen müssten. „Es reicht“, wird dabei immer wieder von allen betont.

Konkret wird in der Petition der Fall von Abbéy genannt, der wegen eines fehlenden Fahrradtickets offenbar von den Kontrolleuren angegriffen wurde. Das Resultat seien ein gebrochenes Schulterblatt, ein gebrochenes Schlüsselbein, zwei angebrochene Rippen und Quetschungen, die zu einer sechsstündigen Operation führten.

Ein Ausschnitt aus einer Petition gegen die BVG, die einen Angriff auf einen Mann durch die Kontrolleur*innen beschreibt
Der Ausschnitt beschreibt die Geschichte von Abbéy © Achan, Annabelle & Anna-Rebekka auf change.org

In einem weiteren Fall wird von Khadija erzählt, einer Flugbegleiterin, die laut der Petition mit einem ungestempelten Tagesticket fuhr. Sie habe den Kontrolleuren erzählt, dass sie gerade erst zugestiegen sei, doch diese riefen die Polizei und kontrollieren ihre Tasche. Laut Petition um sicherzugehen, dass sie keine Illegale sei. Khadija sei dann ein Toilettengang verweigert worden. Dies habe sie dazu gezwungen, ihre Notdurft im Beisein der Kontrolleuren zwischen zwei parkenden Autos zu erledigen.

Ein Ausschnitt aus einer Petition gegen die BVG, die einen Angriff auf eine Frau durch die Kontrolleur*innen beschreibt
Die Geschichte von Khadija © Achan, Annabelle & Anna-Rebekka auf change.org

Die Verfasser*innen werfen der BVG grobes Fehlverhalten vor und verlangen Aufklärung

Grobes Fehlverhalten von Sicherheitspersonal bei der BVG sei seit Jahrzehnten ein strukturelles Problem, heißt es in der Petition. „Statt Aufarbeitung und Transparenz verweigert der Landesbetrieb systematisch Auskunft über Zahlen und Hergang abgeschlossener Fälle, selbst Anfragen aus dem Berliner Abgeordnetenhaus bringen hierzu keine Klarheit.“

Hierzu teilen die Verfasser*innen zudem einen Artikel aus dem Tagesspiegel, der bereits im Juni 2020 von einem Vorfall berichtete, in dem sich die Beteiligten über Diskriminierung seitens des Personals beklagten:

Bei diesem Vorfall wurde ein Schwarzer Mann von Sicherheitsbeamten auf den Boden gedrückt und mit den Knien festgehalten. Er sei ohne Fahrkarte gefahren. Eine Frau hatte den Vorfall gefilmt und ihn bei Twitter veröffentlicht, wo das Video viral gegangen ist. Schon damals wurde der BVG laut des Artikels unverhältnismäßiges Verhalten vorgeworfen. Als die Zeugin sich wegen des Vorfalls beschwerte, sei ihr gesagt worden, dass das Vorgehen der Sicherheitsbeamten „angemessen und richtig“ gewesen sei.

Wegen solcher Vorfälle verlangt die Petition unter anderem „Die parlamentarische Aufarbeitung und Gründung einer Enquete-Kommission zur Aufklärung systematischer Diskriminierung und Gewalt durch Sicherheitspersonal im Öffentlichen Nahverkehr Berlin noch in dieser Legislaturperiode“.

Andere User*innen teilen ihre Erfahrungen mit der Diskriminierung durch die BVG

Die Petition und der zugehörige Hashtag bekamen schnell Aufmerksamkeit. Als Reaktion teilten auch anderen Fahrgäste ihre Erfahrungen auf Twitter:

Durch die wachsende Aufmerksamkeit erreichte die Petition bereits über 33.500 Stimmen. Die Verfasser*innen überreichten sie dem Abgeordnetenhaus Berlin.

Abgeordnete der Grünen June Tomiak erhält Stellungnahme der BVG

June Tomiak, die als Abgeordnete der Grünen arbeitet, habe laut der taz auf ihre parlamentarische Anfrage eine Antwort der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe erhalten, in welcher sich die BVG äußert. In der Antwort wurde laut Bericht der Vorfall von Khadija behandelt. Die BVG habe erklärt, dass die Frau den Kontrolleuren keine Chance gegeben habe, auf ihre Bitte [nach einem Toilettengang] zu reagieren und diese sie nur noch vor den Augen Dritter haben schützen können.

Grundsätzlich gelte für die BVG laut taz, dass wenn solch eine Kontrollsituation von beiden Parteien unterschiedlich wahrgenommen worden sei, „eine objektive Bewertung mit anschließender Entscheidung gemäß der Aussagen der beteiligten Personen, der sich hieraus ergebenden Sachlage und – wenn vorhanden – aufgrund noch vorhandener Videodaten“ erfolge.

Problematisch sei für Tomiak hierbei jedoch, dass laut taz derartige Diskriminierungsvorwürfe bei der BVG von einer Abteilung bearbeitet werden würden, die nicht auf Antidiskriminierung spezialisiert sei.

Laut der Berliner Zeitung erklärte die Unternehmenssprecherin der BVG Petra Nelken, dass es für das Personal zur Qualifikation dazugehöre, Seminartage zum Thema „interkulturelle Kompetenzen“ zu besuchen. Die Petition verlangt von der BVG jedoch mehr: Sie wollen sowohl, dass Awareness-Schulungen für das Sicherheitspersonal durchgeführt werden, als auch verpflichtende Antidiskriminierungsarbeit für alle kund*innenbezogenen Geschäftsfelder geleistet wird.

Forderungen, die sich mit der Schulung vom Personal beschäftigen und Anti-Diskriminierungsarbeit verlangen
Ein Ausschnitt aus den Forderungen, die in der Petition #WeilWirUnsFürchten gestellt werden. © Achan, Annabelle & Anna-Rebekka auf change.org

Zum Fall von Abbéy, der ebenfalls in der Anfrage von Tomiak angesprochen wurde, könne laut Bericht der taz keine Aussage getroffen werden, da hier noch ein Ermittlerungsverfahren laufe. Dieses erwähnte die BVG auch auf Twitter:

Die BVG erklärt laut taz, dass grundsätzlich nicht immer gewährleistet werden könne, dass Fahrkartenkontrollen harmonisch ablaufen. Die Kontrolleur*innen würden „größtmögliche Bereitschaft zur Deeskalation“ zeigen, jedoch müssten hierfür sowohl Personal als auch Fahrgast zusammenarbeiten.

Black Womxn Matter reicht Fragenkatalog ein: Umgang mit Diskriminierung soll weiter hinterfragt werden

Zur weiteren Klärung der Fälle und ihrer Forderungen reichten „Black Womxn Matter“ laut ihrem Twitter-Account einen vierseitigen Fragenkatalog ein, der sich unter anderem mit den Abläufen innerhalb der BVG bei Diskriminierungsbeschwerden sowie den Awareness-Schulungen beschäftige.

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