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Diese Frau geht bei Tinder absichtlich auf Catfish-Jagd

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Von: Claire Weiss

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„So stelle ich mir Gehirnwäsche bei Scientology vor“.

Ich weiß ja nicht, wie es dir geht, aber ich habe schon echt miese Erfahrungen auf Dating-Apps gesammelt. Der eine schummelt sich zehn Zentimeter größer, der andere zehn Jahre jünger. Bist du auf Bumble, Tinder und Co. auch schonmal einem Catfish begegnet? Von einem mit einer besonders heftigen Betrugsmasche berichtet Userin @Snake_Kaa nun auf Twitter.

In einem Tweet erzählt sie ihren Followern, dass sie beim Swipen auf Tinder immer wieder auf Profile gestoßen ist, die ihr merkwürdig vorkamen. Ihr fällt auf, dass das Alter der Nutzer*innen nicht zu den Bildern passt und die Profiltexte entweder nicht vorhanden oder übermäßig schmalzig geschrieben sind. Snake_Kaa vermutet, dass sich hinter diesen Profilen sogenannte Catfishes verbergen. Die „Diva auf‘m Divan“, wie sie sich bei Twitter nennt, entschließt sich dazu, absichtlich mit einem der Männer-Profile zu matchen, um herauszufinden, was dahinter steckt:

Sie kontaktiert ein Profil, hinter dem angeblich ein Mann namens Patrick steckt. Über einen Zeitraum von mehreren Wochen lässt Snake_Kaa ihre Follower dann an dem Chat mit „Patrick“ teilhaben.

Hinweis: Der folgende Post thematisiert Suizid. Dies kann für Leser*innen traumatisierend und triggernd sein.

Patrick, 47 ist angeblich 48 Kilometer entfernt

Schnell wechseln „Patrick“ und Snake_Kaa von Tinder zu E-Mail. Dort gibt er sich laut Snake_Kaa „vertrauenswürdig, verständnisvoll, sehnsüchtig“. Nach kurzem sei er angeblich schon in die Twitter-Userin verliebt. „Patrick“ erzählt, dass er Witwer sei und Angst habe, verletzt zu werden. Immer wieder spricht er davon, wie wichtig ihm Vertrauen und Respekt seien.

Doch die Nachrichten kommen ihr komisch vor, weil sie teilweise sehr schwer zu verstehen sind. Snake_Kaa vermutet, dass sie durch ein Übersetzungsprogramm gejagt wurden. In einer seiner Nachrichten vergisst „Patrick“ dann, den Hinweis „Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator“ zu löschen. Snake_Kaa findet mithilfe der Google-Bildersuche außerdem heraus, dass „Patricks“ Bilder nicht ihm gehören, sondern offenbar von einem italienischen Fitness-Model namens Gio geklaut wurden.

Snake_Kaa schreibt: „Vertrauen, Vertrauen, Respekt. Vertrauen. Liebe. 
Das Buzzword-Dropping übertreibt er langsam.
 Aber hey, er hat sich in ein Foto von mir verliebt, dass ich ihm nie geschickt habe. Dafür Respekt! 
Ich finde er arbeitet echt schlampig. Von mir würde er ne Abmahnung kassieren.“
„Respekt. Vertrauen. Liebe“ mit diesen Buzzwords versucht „Patrick“ Snake_Kaa einzulullen, © Twitter/Snake_Kaa

„Hey, er hat sich in ein Foto von mir verliebt, dass ich ihm nie geschickt habe. War wohl Schichtwechsel“

Nach einer Weile bemerkt Snake_Kaa immer mehr Ungereimtheiten. Hinter „Patrick“ steckt wohl mehr, als nur ein einzelner Mensch. „Das ist einfach nur noch weird, wie schlampig er permanent seine verschiedenen Konversationen durcheinanderbringt“, schreibt sie auf Twitter. Ihre Vermutung ist, dass die Bande mehrere Personen an der Angel hat: „Jetzt schreibt er, dass er mich nicht treffen kann, ohne dass ich danach gefragt habe. Er ist einfach wieder in der falschen Konversation.“

Snake_Kaa entscheidet sich trotzdem dazu, ihre Rolle weiterzuspielen. Sie will herausfinden, ob „Patrick“ auf Geld aus ist. Also entschließt sie sich dazu, ihm zu erzählen, dass sie Geld von ihrem verstorbenen Onkel geerbt habe. Seine Reaktion teilt sie in einem Tweet: „Zum 1. Mal spricht er mich mit meinem Namen an, ich bin auf der ‚Opferliste‘ offenbar ganz nach oben gerutscht.“

„Patrick“ tut aber so, als wäre er an dem Vermögen nicht interessiert. Er erzählt ihr, dass er selbst Geld habe. Was er suche, sei die Liebe.

Das Gespräch der beiden zieht sich über weitere Tage. Die Person, die hinter dem Profil steckt, gesteht Snake_Kaa immer wieder seine Gefühle zu ihr. Auf Twitter vermutet sie, dass es „Patrick“ darum geht, durch die Geständnisse eine Verbundenheit zu schaffen und ihr Vertrauen zu gewinnen. „So stelle ich mir Gehirnwäsche bei Scientology vor“, schreibt sie.

Snake_Kaa schreibt: „Offenbar kümmert sich jetzt der Chef persönlich um mich.
 4x nennt er meinen Namen (Verbundenheit schaffen), hat wegen mir nicht geschlafen & will eine neue Liebesgeschichte mit mir schreiben.
 Interessant auch der nicht rausgelöschte Hinweis auf das Übersetzungsprogramm“ Darunter ein Screenshot der Nachricht von „Patrick“. Darin der Hinweis „Übersetzt mit Deepl“
„Patrick“ vergisst den Hinweis von Deepl zu löschen. © Twitter/Snake_Kaa

„Er kann 6 Monate Urlaub nehmen, doch DAS KOSTET 6.500 €.“

Nach zwei Wochen Austausch gesteht „Patrick“ schließlich, dass er Soldat und noch für zwei Jahre auf einer geheimen Mission an der Elfenbeinküste sei. Er erklärt, dass er Geld brauche, um Urlaub nehmen zu können. Snake_Kaa teilt das mit ihren Followern: „Er kann 6 Monate Urlaub nehmen, doch DAS KOSTET 6.500 €. ABER DAS MILITÄR ZAHLT MIR NACH DER ZEIT MEIN GANZES GELD ZURÜCK!“

Daraufhin entscheidet sie, sich aus der Konversation zurückzuziehen. Sie schreibt „Patrick“, dass er zwar ihr Traummann sei, doch die Entfernung einfach zu groß. „Patricks“ Reaktion darauf ist eine Nachricht, in der er der Userin schreibt, dass er sich das Leben nehmen wolle, sollte sie ihn fallen lassen. Auf ihrem Twitter-Account nennt sie diese Vorgehensweise „Emotionale Erpressung“.

Patrick schreibt: „Wenn du beschließt, mich im Stich zu lassen, werde ich beschließen, mich selbst zu töten!“
Nachdem Snake_Kaa einen Rückzieher macht, versucht „Patrick“ sie zu manipulieren. © Twitter/Snake_Kaa

Snake_Kaa teilt ihre Gedanken zu ihrem Gespräch mit „Patrick“ auf Twitter: „Es ist ein widerliches Spiel. Mit der Hoffnung und Gutgläubigkeit von Menschen, die das wirklich ernst nehmen, sich verzweifelt nach Liebe sehnen.“ Der Austausch habe für sie nur das Ziel gehabt, dem Betrüger auf die Schliche zu gehen. Trotzdem lasse das Ganze sie nicht kalt: „Obwohl ich weiß, dass es Patrick nicht gibt und jedes Wort gelogen ist, hinterlassen perfide Manipulation & Druck selbst bei mir jetzt Spuren. Mitunter hinterfrage ich mein Urteilsvermögen, habe Schuldgefühle.“

Sie fragt sich außerdem, was mit Personen passiert, die auf ähnliche Profile stoßen und auf die Betrugsmasche hereinfallen: „Ein emotional involviertes Opfer muss doch hier zusammenbrechen.“

Wie der Bericht von Snake_Kaa zeigt, gibt es auf Dating-Apps wie Tinder leider Fake-Profile, die mit Betrugsmaschinen versuchen, an Geld zu kommen. Vielleicht hast du dich in diesem Post wiedergefunden und schon einmal ähnliche Erfahrungen gemacht. Tinder hat hierfür ein eigenes Hilfecenter, an das du dich jederzeit wenden kannst und das für all deine Beschwerden da ist.

Du willst noch mehr über Dating-Apps lesen? Leute teilen die 19 schlimmsten Nachrichten, die sie je auf Dating-Apps bekommen haben.

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