1. BuzzFeed
  2. Buzz

Leute erzählen, wodurch sie ihre rassistischen Einstellungen geändert haben

Erstellt: Aktualisiert:

Bild mit zwei Paaren dazu der Text: Wir waren auf einem Doppeldate und haben 
beide einen rassistischen Witz gerissen. Die Frau meines besten Kumpels hat sich daraufhin zu meiner Freundin gedreht und gesagt: ,Von ihm habe ich das erwartet, aber nicht von dir.‘
„Das hat mir nicht nur gezeigt, dass mein Verhalten völlig inakzeptabel war, sondern auch, dass Leute sowas von mir erwarteten.“ © Reddit

„Ich habe immer noch diesen Moment vor Augen, in dem mir bewusst wurde: Meine Eltern liegen falsch.“

Ich bin vor Kurzem auf einen Reddit-Thread gestoßen, in dem die Community sich über die Momente austauscht, in denen Menschen ihre eigenen rassistischen Einstellungen hinterfragt und abgelegt haben.

Da haben sich mir direkt ein paar Fragen gestellt: Was bewegt solche Menschen dazu, sich zu ändern? Zeigen ihre Antworten wirklich Selbstreflexion? Oder geht es ihnen eher darum, die Verantwortung auf andere abzuwälzen? Bevor ich im Folgenden ein paar der Antworten zeige, möchte ich betonen, dass hier niemand für das absolute Minimum gelobt werden soll. Hier sollen keine Entschuldigungen gemacht und keine Medaillen für respektvollen Umgang mit Mitmenschen verteilt werden. Dieser Beitrag soll zeigen, wie wichtig antirassistische Arbeit ist und dass Menschen Gelerntes ablegen und sich ändern können.

Viele der Antworten stammen aus den USA. Dir wird auffallen, dass es sich zum Beispiel um Inhalte dreht, die an Schulen gelehrt werden. Außerdem geht es um Mediendarstellung und Repräsentation von Menschen, die nicht weiß sind, sowie internalisierten Rassismus. Legen wir also los.

1. „Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Ich bin im ländlichen Mississippi großgeworden, wo der Sklavenhandel in Geschichtsbüchern ,die große afrikanische Migration‘ genannt wurde.“
„Jede Person of Color wurde grundsätzlich das N-Wort genannt. Erst als ich die Südstaaten verlassen habe, fing ich an, Rassismus zu begreifen. Leider gab es nicht diesen einen Augenblick in dem dieser ganze rassistische Scheiß, mit dem ich aufgewachsen bin, einfach weggewaschen wurde. Stattdessen hat es ein paar Jahrzehnte gebraucht, um mich mental zu deprogrammieren. Da gab es so viel Hass auf andere Menschen, der meine Sicht auf die Welt total verdreht hatte.“ —u/TheOneTrueE“

2. „Als ich im Irak verwundet wurde, sind zwei weiße Typen einfach über mich rüber gestiegen, um sich in Sicherheit zu bringen.“
„Einer ist mir dabei buchstäblich über den Rücken gelaufen. Ein Schwarzer hat mich wie ein Kind hochgehoben und in Sicherheit gebracht. Außerdem hat er meine Hand gehalten, bis ich medizinisch versorgt wurde.“

3. „Mein Vater hat sich immer abfällig über Schwarze, mexikanische und chinesische Menschen geäußert, als ich klein war.“
„Die gleichen Ansichten habe ich dann auch weiterverbreitet. Nie hat mich irgendjemand korrigiert. In der ersten Klasse wurden uns allen Brieffreund*innen in einer anderen Stadt zugeteilt. Meine Brieffreundin war ein Schwarzes Mädchen namens Chardonnay. Ich dachte mir noch, dass das ein seltsamer Name sei. Ich war enttäuscht, als ich dann rausfand, dass sie nicht weiß war. Kurz danach haben wir während des Black History Month ein paar ganz grundsätzliche Informationen zur US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung gelernt.

Wir haben von Martin Luther King Jr., Rosa Parks und der Rassentrennung in Schulen erfahren – solche Themen eben. Danach hatte ich wirklich ein schlechtes Gewissen, weil ich so rassistisch gewesen war und mir eine andere Brieffreundin gewünscht hatte. Außerdem habe ich mich für meinen Vater und meine Großeltern geschämt, die solche Einstellungen hatten. Mich hat es wirklich wütend gemacht, dass sie mir sowas beigebracht hatten.

Gleichzeitig war ich sehr froh über meine Brieffreundin, und dass ich sie besser kennenlernen durfte. Ich bin sehr dankbar dafür, dass meine Schule uns so früh gelehrt hat, was Rassismus bedeutet. Die Vorstellung, wie ich sonst hätte werden können, macht mir nämlich Angst.“—u/H0lyThr0wawayBatman

4. „Ich wurde von Geburt an dazu erzogen, rassistisch zu sein. Ich war sowas von ignorant. Ich habe das N-Wort gesagt und war grundsätzlich antisemitisch, homophob und rassistisch. Dann kam ich in die Mittelstufe.“
„Ein anderes Mädchen und ich hatten genau den gleichen Rucksack und am ersten Tag versehentlich den jeweils falschen gegriffen. Inzwischen bin ich 42 Jahre alt, doch erinnere ich mich daran, als wäre es gestern gewesen. Wir haben uns getroffen, um unsere Rucksäcke auszutauschen. Innerlich hab‘ ich vor Abscheu meine Augen verdreht. Dieses Mädchen war ein N-Wort, doch mir wurde auch beigebracht, mir meinen Rassismus nicht anmerken zu lassen. Dann fiel mir auf, dass sie eine ähnliche Brille wie ich trug. Außerdem war ihr Haar auch zum Pferdeschwanz hochgebunden, wie bei mir. Kurz bevor die Schule losging, hatten wir uns jeweils den gleichen Rucksack und die gleichen rosa-weißen Nike-Schuhe ausgesucht.

Ihr Name war Jacinda und ihr Lächeln war bildschön. Auf einmal hab ich zurückgelächelt und sogar mit ihr gekichert, so wie junge Mädchen das halt machen. Sie hat mich gefragt, ob wir beim Essen zusammen sitzen wollen. Und das haben wir dann jeden Tag in der Mittelstufe so gemacht. Sie war meine erste beste Freundin. Sie hat mir alles über die Sonntagsschule erzählt (meine Familie ging nie zur Kirche). Wir haben über alles geredet, was für Mädels in der Mittelstufe von Bedeutung ist. Sie durfte nicht zu meinen Geburtstagspartys kommen und ich nicht zu ihren. Dafür haben wir dann in der Schule gefeiert. Ich hab‘ sie wirklich lieb gehabt. Wir sind danach leider nicht auf der gleichen Schule gewesen. Da es damals noch keine sozialen Medien gab, haben wir uns aus den Augen verloren.

Meine Familie ist immer noch genauso rassistisch wie damals. Wenn jemand bei Familientreffen sagt, dass er jemand neuen datet, wird sofort gefragt, ob die Person weiß ist. Alle lachen dann zwar, aber die Frage ist wirklich so gemeint. Nachdem ich Jacinda kennengelernt habe, hab ich nie wieder ein rassistisches oder abfälliges Wort gesagt. Sie hat mein Leben echt zum Besseren verändert.“ —u/OBXF4N24

5. „Als ich mit 12 meine beste Freundin kennengelernt habe, hatten ihre Eltern ihr gesagt, sie solle mich nicht anfassen. Sie würde sonst meine ,Hautkrankheit‘ bekommen (ich bin dunkelhäutig).“
„Sie wollten nicht, dass wir befreundet sind. Auch wenn ich wusste, was sie von mir halten, war ich immer nett und höflich zu ihnen. Irgendwann waren sie und ich trotzdem die besten Freundinnen. Nach etwa einem Jahr hatte sie eine Übernachtungsparty geplant. Ihre Eltern meinten, ich könne kommen, aber dürfe nicht dort übernachten. Meine Freundin hat daraufhin die ganze Party abgesagt. Das muss ihren Eltern wirklich ein schlechtes Gewissen gemacht haben, denn sie wurden dann echt netter zu mir.

Inzwischen sind wir seit etwa 30 Jahren befreundet. Ihre Eltern waren sogar bei meiner Hochzeit. Sie rufen immer mal an, um sich nach mir zu erkundigen, laden mich zu ihren Feiern ein und schicken mir jährlich eine Weihnachtskarte. Ich bin froh, dass sie sich geändert haben, und stolz auf sie.“ —u/Appledoo

6. „Mein Vorname gehört zu den fünf beliebtesten Frauennamen für Afro-Amerikanerinnen. Aber ich bin weiß.“
„Alle fanden das lustig und ich hab‘ mich einfach damit abgefunden. Ständig habe ich irgendwas Rassistisches gesagt, einfach weil ich‘s konnte. Nie hab ich verstanden, was denn ,struktureller Rassismus‘ sein soll. Dann habe ich die Armee verlassen und musste Bewerbungen schreiben. Nie hat sich jemand zurückgemeldet. Dann bin ich dazu übergegangen, meine Bewerbungen persönlich abzugeben. Für jeden Lebenslauf, den ich persönlich irgendwo abgegeben hatte, habe ich eine Einladung zum Vorstellungsgespräch bekommen.

Habe ich mich für die gleiche Stelle online beworben mit dem gleichen Lebenslauf, aber einer anderen Telefonnummer, bekam ich nie einen Anruf. Habe ich für die gleiche Stelle den gleichen Lebenslauf mit meinem abgekürzten Vornamen und meinem Nachnamen geschickt, bekam ich einen Rückruf. Diese Scheiße passiert wirklich und das ist wirklich schädlich und demoralisierend.“ —u/Severe-Two-7435

7. „Ich habe von meinem Vater und seiner Familie eine Menge armseliger Einstellungen und Verhaltensweisen mit auf den Weg bekommen.“
„Diese abzulegen, hat viel zu lange gedauert. Zwei Schlüsselmomente, die mich zum Nachdenken gebracht haben, kommen mir da in den Sinn. Der erste Schlüsselmoment war, als ich mal in einem Vergnügungsviertel die Straße entlanglief. Ein Wagen fuhr an einem indonesischen Restaurant vorbei und ein Mann rief einem der Angestellten aus dem Auto heraus eine rassistische Beleidigung zu. Ich fand das so krank, während das Personal einfach weiter seiner Arbeit nachging.

Der zweite war der Augenblick, der mich wirklich wachgerüttelt hat. Meine Partnerin und ich waren mit einem befreundeten Paar auf einem Doppeldate. Wir beide haben einen rassistischen Witz gerissen. Die Frau meines besten Kumpels hat sich daraufhin zu meiner Freundin gedreht und gesagt: ,Von ihm habe ich das erwartet, aber nicht von dir.‘ Das hat mir nicht nur gezeigt, dass mein Verhalten völlig inakzeptabel und beleidigend war. Sondern auch, dass Leute das von mir erwarteten. Seitdem arbeite ich wirklich daran, mein Verhalten zu hinterfragen und meine Taten kritisch zu bewerten. Das ist nicht einfach, aber hat mich besser gemacht.“ —u/supergalacticcaptain

8. „Meine Umstände waren damals, als ich aufgewachsen bin, etwas kompliziert. Mein Vater ist der Sohn eines italienischen Einwanderers, der ägyptische Wurzeln hat.“
„Obwohl er dunkle Haut und dunkle Augen, sowie schwarzes, fein gelocktes Haar hat, empfand er sich immer als weiß. Außerdem war er unfassbar rassistisch gegenüber allen Menschen, die nicht weiß waren. Selbst, wenn sie genauso ausgesehen haben wie er. Als Kind habe ich ihm sowas nachgeplappert. Erst mit etwa 30 habe ich verstanden, dass ich mich damit an internalisiertem Rassismus festgehalten habe. Als ich nach Nordeuropa gezogen bin, wurde mir klar, dass ich nicht als weißer Mensch gesehen werde und habe Rassismus am eigenen Leib erfahren. Das hat mein ganzes Gedankengerüst auseinander genommen. Mir wurden wirklich die Augen geöffnet.

Bis dahin hatte ich nur weiße Partner*innen und Freund*innen gehabt. Früher fühlte ich mich in Anwesenheit einer Gruppe Schwarzer Männer unsicher. Auch die anderen Kids bei mir in der Nachbarschaft haben so geredet wie mein Vater immer, daher dachte ich, er hat recht. Jetzt finde ich meinen Vater abstoßend. Ich kann kaum mit ihm reden, ohne mich angewidert zu fühlen. Er hasst Araber*innen, Homosexuelle, Muslime, Kommunist*innen und alle, mit deren Lebensstil er nicht übereinstimmt.

Vor allem hasst er jedoch Schwarze. Er hat mir damals verboten, je einen Schwarzen Freund mit nach Hause zu bringen. Dafür würde ich enterbt werden. Wenn ich mich als kleines Kind daneben benommen habe, hat er mir gedroht, mich zu einer ,N-Wort-Familie ins Ghetto‘ zu schicken. Zudem ist er genauso misogyn und hat immer auf einem ultra-patriarchalischen Weltbild beharrt.
Inzwischen ist er alt und ich war seit sieben Jahren nicht zu Hause. Nie werde ich das Ausmaß davon verstehen, was meine Worte bei anderen angerichtet haben.“ —u/OutOfTheWilderness01

9. „In der Army musste ich mit Schwarzen zusammenleben. Stellt sich raus: Ich hasse niemanden.“
„Ich hatte Angst vor allem, was ich nicht verstanden habe, und bekam von meinem Vater und seinen Freunden ein paar idiotische Ideen mit auf den weg.“ —u/dmdewd

10. „Meine erste College-Mitbewohnerin war im ländlichen Pennsylvania aufgewachsen. Sie hat mir erzählt, dass New Girl ihr geholfen habe, weniger rassistisch zu sein.“
„Ihre beiden Eltern waren total rassistisch und ihr Bruder war buchstäblich ein Neo-Nazi, der für ein Hassverbrechen verurteilt worden war. Doch diese Serie hat ihr als Teeanger Leute mit verschiedenen Hautfarben und kulturellen Wurzeln gezeigt, die einen normalen und positiven Umgang miteinander haben. Sie hatte das total umgehauen, weil ihre Eltern ihr wirklich beigebracht haben, dass das nicht möglich wäre. Durch die Serie konnte sie allen möglichen Leuten viel offener begegnen.

Dann ist sie zum College gegangen, wo sie Freundschaften und Bindungen zu Menschen mit den verschiedensten Hintergründen eingegangen ist. Sie hat schließlich sogar einen Mann geheiratet, der nicht weiß ist, und mit ihm ein Baby bekommen. Ihre Familie redet nicht mehr mit ihr, aber ich bin mir sicher, dass das für sie besser ist.“ —u/sorrygirl818

11. „Mein Vater hat immer gesagt, er wurde von rassistischen Eltern großgezogen, die wiederum selbst von rassistischen Eltern großgezogen wurden.“
„Sie hätten es nicht besser gewusst. Ich glaube, damit wollte er die Kritik etwas abschwächen. Er selbst war in Vietnam. Die Schwarzen Kameraden in seiner Einheit haben ihre Freundinnen und Mütter genauso vermisst wie er. Sie wurden genauso wütend wie er, hatten genauso Angst wie er. Und sie bluteten wie er. So fing er an zu verstehen, dass wir im Grund alle gleich sind.“ —u/shinyrox

12. „Mein Vater war ein Rassist. Ich bin in einer toxischen Umgebung großgeworden und seine Ideologie hat mich definitiv beeinflusst.“
„Wenn er getrunken hat, wurde er gewalttätig. Die Polizei hat ihn des Öfteren eingesammelt und über Nacht dort behalten. Einmal kam einer der Beamten zu mir ins Zimmer und hat sich zu mir gesetzt, während die anderen mit meinem Vater zu tun hatten. Er hat mich gefragt, wie es mir geht, ob ich mit jemandem reden kann und so weiter. Er hatte südasiatische Wurzeln. Er war total nett zu mir und hat sein Bestes getan, um mich zu beruhigen und mir Ratschläge zu geben. Damals war ich erst 15 oder so.

Als sie meinen Vater nach draußen brachten, hat er sich losgerissen und genau diesen Beamten angegriffen. Dabei hat er ihm den Finger gebrochen und außerdem rassistisch beleidigt. Das war nicht lange nach den Terroranschlägen in der Londoner U-Bahn. Da kann man sich vorstellen, was er gesagt hat. Der Beamte ist nicht darauf eingegangen.

Mein Vater wurde wegen mehrerer Vergehen gegen einen Polizeibeamten verurteilt, darunter ein Hassverbrechen. Das einzig Gute am Urteil gegen meinen Vater war, dass der Staatsanwalt Schwarz war, und einfach mal vorgelesen hat, was mein Vater in dieser Nacht alles gesagt hatte. Mit Mühe konnte er seinen Gesichtsausdruck waren, während mein Vater mit hängendem Kopf beschämt da saß. Er trug einen Plastik-Overall, weil er dachte es sei witzig, seine Klamotten in die Toilette zu stopfen und seine Zelle zu fluten. Vor ein paar Jahren ist er rückfällig geworden und kann kaum laufen oder reden, weil er durch seinen Alkoholismus mehrere Schlaganfälle hatte.

Am Ende des Tages waren die Menschen, die mich vor meinem Vater geschützt haben, People of Color. Das ändert auf jeden Fall deine Sicht auf die Dinge.“ —u/Mxdoo

13. „Meine Großtante hat ihr ganzes Leben lang in Neuseeland gelebt und mir gegenüber zugegeben, dass sie etwas gegen Māori habe.“
„Sie und ihr Mann hatten früher ein Haus gekauft und nicht gewusst, dass es auf Land steht, welches den Māori heilig ist. Sie waren die ersten, die in diese Straße gezogen sind, doch nach und nach kamen mehr Leute. Über die Jahre hinweg, hatten sie viele Konfrontationen mit den Ältesten der indigenen Bevölkerung und mit Protestierenden. Dadurch wurden ihre feindliche Einstellung Māori gegenüber noch schlimmer. Sie behauptet, der Heilige Geist habe ihr eines Tages gesagt, sie solle die Sprache der Māori lernen. Nach einigem Widerstand habe sie schließlich nachgegeben.

Die Sprache zu lernen, hat sie der Māori-Kultur näher gebracht, aber vor allem den Menschen. Sie fing an, ihre Kultur zu lieben und hat bis an ihr Lebensende Stunden genommen. Sie rissen außerdem ihr Haus ab und haben woanders in der Straße ein neues gebaut. Falls du jemals in Neuseeland sein solltest und in einer Straße die Hausnummer 1 zwischen den Nummern 3 und 4 steht, hast du das Haus meiner Familie gefunden – zu stur, um die Hausnummer zu ändern, aber willens das Haus abzureißen.“—u/jonny_onthespoot

14. „Mir war nicht klar, dass ich rassistisch war und in einem rassistischen Haushalt lebte, bis ich in der vierten Klasse war.“
„Ich musste zusammen mit zwei Schwarzen Mitschülerinnen eine Präsentation halten. Meine Eltern haben Schwarze Frauen gehasst – grundsätzlich alle Schwarze, aber insbesondere die Frauen. Aber meine Mitschülerinnen haben die Präsentation genauso gut gehalten wie ich, wenn nicht sogar besser. Sie haben das Material genauso gut verstanden. Ich sehe diesen Moment noch vor mir, als die Klasse im Hintergrund verschwand, während eine der Mädchen ihren Vortrag hielt, und mir plötzlich bewusste wurde: Meine Eltern hatten unrecht.

Mich an all die Sachen zu erinnern, die ich als Kind gesagt habe, macht mich immer noch traurig. Ich habe einfach all das reproduziert, was meine Eltern und Verwandten sagten. Meine Eltern gucken beide gern Tennis, also kannst du dir vorstellen, was sie über die Williams-Schwestern gesagt haben. Meiner Erfahrung nach, lässt sich Rassismus am besten abbauen, wenn die Leute sich begegnen. Wenn sie Erfahrungen teilen und das Gefühl des Andersseins verschwindet. 2021 ist es natürlich sehr einfach für Menschen, sich in ihren eigenen Taschen im Internet zu verstecken. Ich bin dankbar für meine Erfahrung in der vierten Klassen. Die Jahre darauf hatte ich viel Stress mit meiner Familie, wenn sie mal wieder das N-Wort benutzt oder die Türen verriegelt hat, sobald sie Schwarze Menschen sahen. Doch ich wusste einfach, dass ich recht habe. Und in den Jahrzehnten, die folgten, hat mir wirklich nichts meine Erfahrung aus der vierten Klasse ruiniert oder genommen.“ —u/asher1611

15. „Meine Oma ist um 1900 rum in Virginia zur Welt gekommen. Rassistisch zu sein war einfach der Standard.“
„Meine Oma hat ihre Familie jedoch über alles geliebt. Ende der Achtziger hat sie ihr erstes Enkelkind kennengelernt, das sie nicht weiß war. Und sie hat ihn trotzdem geliebt. Erstaunlicherweise hat sie noch spät in ihrem Leben gelernt, Menschen mit dunklerer Hautfarbe nicht nur als Menschen zu akzeptieren, sondern auch als Freund*innen oder Familie willkommen zu heißen.“ —u/JerricaPickney

16. „Ich durfte in der ersten Klasse nicht mit meiner besten Freundin befreundet sein, weil sie lateinamerikanische Wurzeln hatte.“ Das habe ich ihr erzählt und sie war so verletzt. Meine Eltern hatten mir das so gesagt, daher wusste ich nicht, wie furchtbar das ist, bis ich ihre Reaktion sah. Wir sind die gesamte Grundschulzeit über befreundet geblieben. Als erwachsener Mensch tut‘s mir echt im Herzen leid, dass ein kleines Kind von seiner Freundin hören musste, dass ihre Freundschaft nur wegen seiner Herkunft verboten ist.“—u/asprlhtblu

17. „Ich bin mit einem rassistischen Stiefvater großgeworden. Obwohl ich nie jemanden hasste, habe ich über seine Witze gelacht und sie wiederholt.“
„Bis ich mit 18 rausgeworfen wurde, waren die einzigen nicht-weißen Menschen, die ich kannte, eine mexikanische Familie und ein Schwarzer Kumpel aus der Schule gewesen. Nach meinem Rauswurf bin ich mehrmals umgezogen, bis ich einen Job gefunden habe, in dem ich mit Erwachsenen mit Behinderung arbeitete. Ich war der einzige weiße Typ. Das Unternehmen und die Angestellten waren afrikanisch und in die USA gezogen. Der Kulturschock war zunächst groß, doch dann wurden sie meine Familie. Von ihnen habe ich Kochen gelernt und wie man mit anderen und ihrer Kultur umgeht. Sie haben mir außerdem gezeigt, wie sie in der Öffentlichkeit von Bürger*innen und der Polizei behandelt werden.

Seit diesem Job habe ich nie wieder einen rassistischen Witz gemacht oder darüber gelacht. Ich begegne allen auf die gleiche Art und Weise. Außerdem versuche ich, anderen zu zeigen, dass ihre Aktionen vielleicht nicht rassistisch gemeint, aber trotzdem verletzend sind. Ich bin so vielen wunderbaren Menschen begegnet, die ich nicht kennengelernt hätte, wäre es bei dem Einfluss aus meiner Kindheit und Jugend geblieben. Wenn du rassistisches Gedankengut in dir trägst und das hier liest: Bitte setz dich doch mal mit jemandem zum Essen hin. Du wirst erstaunt sein, wie viel ihr gemeinsam habt, obwohl ihr so unterschiedliche Leben lebt.“ —u/drop0dead

Hier findest du den gesamten Thread.

übersetzt aus einem Post von Victoria Vouloumanos

Auch interessant

Kommentare