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16 Berichte von Ex-Sektenmitgliedern, die zwar kurios, aber auch traurig und schrecklich sind

Erstellt: Aktualisiert:

„Sie sagten: ,Geh nicht zum Arzt. Gott wird dich heilen.‘“

Übersetzt aus dem Englischen von einem Post von Shelby Heinrich.

Wir haben Mitglieder der BuzzFeed-Community, die früher einer Sekte angehört haben, gebeten uns ihre Geschichten und Geheimnisse über diese Zeit zu erzählen. Hier sind ihre Antworten, die einerseits erschreckend und total verrückt sind:

Triggerwarnung: Die Antworten thematisieren Suizid, Inzest, sexuellen Missbrauch, Gaslighting, verbalen Missbrauch und Vergewaltigung.

1. Diese Sekte, die Inzest befürwortet hat:

„Ich war Mitglied des ,Kingston Clans‘. Es war schrecklich. Bis ich 16 war, habe ich aber nicht verstanden, wie schlimm es tatsächlich war. Meine Mutter war die zweite Frau meines Vaters und gleichzeitig seine Cousine. Als ich 16 wurde, gab mir mein Vater eine Liste von Männern, die ich heiraten durfte. Darunter waren auch drei meiner Cousins, ein Onkel und zwei Männer, die doppelt so alt waren wie ich. Meine Schwester und ich konnten schließlich entkommen als ich 18 und sie 20 war. Heute bin ich mit einer Frau verheiratet und wir haben zwei wundervolle Kinder.“

—Anonym

2. Dieser Kult, der vor 10 Jahren an den Weltuntergang geglaubt hat:

„Ich war Teil des ,Family Radio-Kults‘, der daran geglaubt hat, dass die Welt am 21. Mai 2011 enden würde. Sie waren davon überzeugt, das Ende der Welt aus der Bibel und ihrer ausgedachten Zahlensymbolik ableiten zu können. Mein Vater war einer dieser Leute. Als die Zeit gekommen war, hat er einen Haufen Lebensmittel und Medizin gehamstert und einen Schutzwall um unser Haus gebaut. Er war sich sicher, dass die Entrückung Chaos auslösen würde. Am 21. Mai blieb ich in meinem Studentenwohnheim und meine Mutter und mein Bruder gingen in ein Hotel. Zum Glück ging das alles vorbei, aber mein Vater klammert sich immer noch ein bisschen an seinen Glauben von damals.“

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3. Diese Sekte, die kontrolliert hat, wie sich ihre Mitglieder kleiden, wohin sie gehen und wen sie heiraten:

„Ich war etwa drei Jahre lang in einer religiösen Sekte. Nach etwa drei Monaten habe ich alle ,Regeln‘ gelernt: Man durfte kein dunkles Make-up, Nagellack oder Kleidung tragen. Kinos und Bowlingcenter waren auch verboten. Du durftest keine Kinder bekommen, da angeblich der Weltuntergang in 13 Jahren bevorstand. Außerdem durfte man nicht reisen, ausziehen oder sich ein Auto oder Haus kaufen. Selbst HEIRATEN durfte man nicht, ohne die Zustimmung der Oberhäupter.“

—Anonym

Vier Frauen in langen, geschlossenen Kleidern stehen in einem Bunker, um einen Weihnachtsbaum herum.
Jegliche Freiheit genommen © Netflix

4. Diese Sekte, die ihre Mitglieder einander ausspionieren ließ:

„Mit 18 bin ich unwissentlich einer Sekte beigetreten. Zu der Zeit haben sie sich selbst eine ,Lebensgemeinschaft‘ genannt. Den Anführer der Sekte habe ich kaum zu Gesicht bekommen, bis ich eingetreten bin. Rekrutiert wurde ich von anderen Leuten. Als ich schließlich eingezogen war, hat er plötzlich ein ,besonderes Interesse‘ an mir gezeigt. Andere Mitglieder haben mich ausspioniert, um ihm alles über die wenigen Bereiche meines Lebens zu erzählen, von denen er kein Teil war.“

—Anonym

5. Diese Sekte, die ihre Mitglieder davon abgehalten hat, sich medizinische Hilfe zu suchen:

„Sie sagten: ,Geh nicht zum Arzt. Gott wird dich heilen.‘ oder ,Gott will, dass du diese Krankheit hast.‘ Sag das mal dem nicht diagnostizierten schizophrenen Mann, der sich umgebracht hat. Oder der Epileptikerin, die ihre Medikamente nicht bekommen hat.“

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6. Diese Sekte, die ihre Mitglieder den Job und ihr Zuhause aufgeben lies, um sich auf das Ende der Welt vorzubereiten:

„Ich wurde in eine Sekte hineingeboren. Genau wie meine Eltern. Uns wurde beigebracht, dass wir die Einzigen auf der Welt seien, die gerettet werden würden (obwohl sie das später zurückgenommen haben). Wir wurden auch zu Hause unterrichtet und mussten schon im Alter von acht auf die Berufsschule der Kirche gehen. In den 70er Jahren sagte die Kirche das Ende der Welt voraus, weshalb viele Mitglieder ihre Jobs und Häuser aufgegeben hatten.

Der Prediger ging damals durch die leerstehenden Häuser, auf der Suche nach Computern und Fernsehern. Die Betriebe für die alle gearbeitet haben, gehörten entweder Mitgliedern der Kirche oder dem Prediger selbst. Mit 17 bin ich da raus. Die Kirche gibt es aber immer noch und das schon seit dem 19. Jahrhundert.“

—Anonym

Eine schreiende Frau wird von anderen Frauen umarmt und gehalten.
Über Generationen in einer Sekte gefangen © A24

7. Diese Sekte, die von einer Großmutter geleitet wurde:

„Ich wurde in eine Sekte geboren, die von meiner Großmutter väterlicherseits angeführt wurde. Wir haben damals alle in einer Nachbarschaft gewohnt, in der die Mitglieder gemeinsam auf vier Häuser verteilt lebten. Meine Großmutter hat die typische Familientrennung vorgenommen, nahm den Mitglieder ihren Besitz weg, verfälschte ihre Erinnerungen und erzeugte psychologischen Gruppendruck. Sie kontrollierte, was die Leute aßen, wie sie sich kleideten und wie sie ihre Haare trugen. Außerdem war sie immer darauf bedacht, dass die Frauen übergewichtig wurden. So sollten sie davon abgehalten werden, ,eitel‘ zu sein oder ,Männer anzuziehen‘. Sex war in jeder Hinsicht verboten. Einschließlich mit der*dem eigenen Parter*in und Masturbation.

Mitgliedern wurde teilweise auch der Zugang zu medizinischer Versorgung verweigert. In solchen Fällen wurde ihnen gesagt, dass ihre Krankheit der Teufel sei. Meine Großmutter hat sogar ein paar Wochen im Gefängnis verbracht - wegen Behinderung der Justiz. Dort hat sie einen Haufen neue Anhängerinnen unter den Insassinnen gefunden. Inzwischen ist sie verstorben, die Sekte gibt es aber immer noch. Zwar haben die Mitglieder wieder etwas Kontakt zu ihren Familien, ziehen sich nett an und kümmern sich um ihre Gesundheit. Ihrem Glauben sind sie aber immer noch treu.

Meine Großmutter war gleichzeitig eine furchteinflössende Diktatorin und süße Oma, die uns Mac‘n‘Cheese gemacht hat. Sie hat uns auch immer gesagt, dass wir unsere viel zu strengen Eltern ignorieren sollen, hat Apfelkuchen gebacken und uns Gute-Nacht-Geschichten vorgelesen. Mich wundert es total, dass es noch keine Dokumentation über sie gibt. Sie war echt wild.“

—Anonym

8. Diese Sekte, die ihre Mitglieder dazu gebracht hat, die Schule abzubrechen und ihren Besitz aufzugeben:

„Meine Mutter wurde, als sie aufgewachsen ist, von ihrer Familie misshandelt. Während ihrer Ausbildung in den 70er Jahren ist sie schließlich über diese Sekte gestolpert. Sie haben ihr versprochen, wie eine Familie zu sein und so ist sie darin völlig versunken. Sie überzeugten meine Mutter davon, die Schule abzubrechen (obwohl ihr nur noch wenige Punkte bis zu ihrem Abschluss als Krankenschwester gefehlt haben). Außerdem gab sie wegen diesen Leuten all ihre Besitztümer auf, die an ihr Leben vor der Sekte erinnert haben und begann mit einer Diät. Dazu haben sie ihr die übliche Propaganda eingeredet: ,Wir sind die Einzigen, die dich lieben. Du gehörst hierher. Der Rest der Welt ist gefährlich.‘ Sie hat mir erzählt, dass sie da raus ist, als die Mitglieder der Sekte so getan haben, als würden sie in Zungen reden. Das wurde ihr so unheimlich, dass sie abgehauen ist.“

—Anonym

9. Diese Sekte, die quasi jeden Aspekt des Lebens ihrer Mitglieder kontrolliert hat:

„Der Großteil der Mitglieder hat in Gebäuden gelebt, die dem Bischoff selbst gehört haben. Außerdem waren alle dazu verpflichtet, zu den täglichen Gottesdiensten von Montag bis Freitag zu gehen, zweimal am Sonntag und jeden dritten Samstag. Wenn du einen Gottesdienst verpasst hast, sind Mitglieder der Kirche vor deinem Haus aufgetaucht. Die Folge waren öffentliche Demütigung und man musste vor der ganzen Gemeinde seine Verfehlungen beichten. Die Art sich zu kleiden wurde kontrolliert. Freundschaften wurden kontrolliert (Freundschaften oder Beziehungen außerhalb der Kirche waren verboten). Und auch dein Erscheinungsbild im Ganzen wurde kontrolliert. Wenn dein*e Partner*in oder dein Kind die Sekte verlassen hat, musstest du sie exkommunizieren. Der sexuelle Missbrauch von Minderjährigen war weit verbreitet und wurde unter den Teppich gekehrt. Vor ein paar Jahren ist der Bischoff gestorben und glücklicherweise sind darauf etwa 80 Prozent der Leute geflohen.“

—Anonym

Eine Gruppe sitzender Menschen streckt die Arme nach oben
Psychischer Druck und toxische Gruppendynamik © hulu

10. Diese Sekte, die ihre Mitglieder Übungsläufe in einem echten Luftschutzbunker durchführen lies:

„Ich wurde in eine Sekte namens ,Church Universal and Triumphant‘ geboren und bin darin aufgewachsen. Ihre Leitprinzipien basierten sehr stark auf der New Age-Philosophie, kombinierten aber auch einfach alle möglichen Aspekte anderer organisierter Religionen. Später wurde das Ganze immer kontrollierender und stützte sich zunehmend auf den herbei fantasierten Weltuntergang. Wir mussten richtige Übungsläufe in Luftschutzbunkern durchführen. Wir sollten immer wachsam sein, gegenüber eines möglichen Nuklearkriegs und dem Bösen auf der Welt generell. Wir durften auch nur noch genehmigte Nahrung zu uns nehmen (kein Zucker oder weiterverarbeitete Lebensmittel). Es wurde nur bestimmte Kleidung zugelassen (schwarz und rot waren verboten). Und auch die Musik, die man hörte, musste genehmigt werden (nichts mit einem Beat).“

—Anonym

11. Diese Sekte, die Partner*innen einander zugewiesen hat:

„Wir waren einander zugewiesene Partner*innen und lebten nach einer strikten Doktrin, die wir nie infrage stellen durften. Als Resultat hatte ich mit Mitte 20 eine schwere Lebenskrise, in der ich alles angezweifelt habe, das ich bisher gelernt hatte. Diese Erfahrung hat mich gelehrt, immer erst Fragen zu stellen und meine Bedenken auszusprechen, wenn sich etwas nicht richtig anfühlt.“

—Anonym

12. Diese Sekte, die Frauen strengstens kontrolliert hat, nicht aber die Männer:

„Frauen wurde gesagt, was sie und was sie nicht tragen durften: Kein geflochtenes Haar. Nur Röcke, die über die Knie gingen. Keine Jogginghosen (selbst beim Sport oder im Bett). Keine Haarschnitte. Kein Make-up. Denn das alles hätte ,verheiratete und unverheiratete Männer zur Lust verführen können‘. Männer konnten dagegen gehen, wohin sie wollten, tragen was sie wollten, tun was sie wollten und ihre Frauen kontrollieren. Wir wurden alle emotional so manipuliert, dass wir hungerten. Wir wurden in die Unterwürfigkeit gebrüllt und verbal missbraucht, wenn wir uns gegen die Richtlinien der Kirche aussprachen.“

—Anonym

Eine junge Frau in skandinavischer Tracht und Blumenkranz im Haar geht an ähnlich gekleideten Frauen vorbei.
Sexismus in einer Sekte © A24

13. Diese Sekte, die ihren Mitgliedern eigenen Besitz verboten hat:

„Nicht ich, aber meine Mutter und ältere Schwester waren in den 70ern in einer Sekte. Meine Mutter bekam meine Schwester mit 16 und hatte keinerlei Unterstützung. Sie freundete sich mit ein paar Hippies an, die in einer Kleinstadt in Kentucky lebten. Die Sekte nahm die beiden auf und gab ihnen das Gefühl einer fürsorglichen Familie. Es war nicht unbedingt religiös, aber sie nahmen oft Ayahuasca und haben tagelang gefastet. Sie hatten individuelle, kleine Häuser aus Gips. Gekocht und gebadet haben sie aber in einem viel größeren Haupthaus. Sie rauchten Gras, waren aber strikt gegen Tabak. So sehr, dass ein Mann, der eine Pfeife geraucht hatte, der Kommune verwiesen wurde. Meine Mutter hat den Entschluss zum Ausstieg gefasst, als sie ein Grundstück, das sie geerbt hatte, überschreiben sollte. Etwas eigenes zu besitzen, war gegen die Regeln.“

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14. Diese Sekte, die sich selbst als ,Selbsthilfegruppe‘ ausgegeben hat, in Wirklichkeit aber eine Fraktion des Sexkults NXIVM war:

„Ich habe einige der Jness-,Workshops‘ besucht und war etwa ein Jahr lang, sowas wie ein Mitglied. Für diejenigen, denen das nichts sagt: Jness ist eine Frauengruppe von NXIVM. Ich hatte sogar Allison Mack (sowie ein paar andere) als eine Art ,Mentorin‘. Wir haben geskyped. Darüber hinaus war ich aber nicht wirklich involviert. Aber eine meiner Freundinnen hat sich da mit reinziehen lassen und ist sogar nach Albany gezogen, um mit Allison zu arbeiten. Heute geht es ihr den Umständen entsprechend gut.“

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Einige Frauen sitzen in einem Stuhlkreis um einen Mann herum, der nur von hinten zu sehen ist.
Frauen wurden in NXIVM sexuell missbraucht und ausgebeutet © Netflix

15. Diese Sekte, die Probleme ihrer Mitglieder gegen sie eingesetzt hat:

„Die Sekte hat Mitglieder dazu gezwungen, sogenannte ,Zeugnisse‘ abzulegen, in denen es darum ging, wie eine Stelle aus der Bibel sich auf das eigene Leben bezieht. Allerdings wurde das dazu benutzt, um Menschen für das Verhalten bloßzustellen, das abgelehnt wurde. Eine Person musste zum Beispiel vor der ganzen Gruppe im Detail darüber sprechen, dass sie Schwulenpornos angesehen hatte. Es herrschte dieser immense Druck, sich selbst auseinanderzunehmen und allen anderen zu erzählen, was man doch für ein* schreckliche*r Christ*in wäre.“

—Anonym

16. Und diese Sekte, die Minderjährige dazu gezwungen hat, Männer zu heiraten, die doppelt so alt wie sie selbst waren:

„Ich bin da vor etwa zwei Jahren rausgekommen, aber meine Familie war polygam und ich wurde mit zwölf dazu gezwungen einen 31 Jahre alten Mann zu heiraten. Von ihm habe ich zwei Kinder bekommen. Zu der Zeit wurde mir gesagt, dass es meine Pflicht wäre und meine Bestimmung von Gott. Deswegen habe ich nicht geglaubt, dass es falsch war. Ich hatte keine Freund*innen. Ich habe mit sechs Müttern und vier Schwester-Frauen zusammengelebt. Alle zusammen hatten wir 57 Kinder. Zwar ist es mir gelungen zu entkommen, ich blicke auf diese Zeit aber heute noch als das schrecklichste und verstörendste Leben zurück, das man sich nur vorstellen kann.“

mandy660

Einiger der Antworten wurden gekürzt und/oder der besseren Verständlichkeit halber bearbeitet.

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