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Das Film-Festival „QueerStream“ bringt dich durch die Weihnachtszeit 2020

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Von: Michelle Anskeit

Weihnachten im Jahre 2020 ist für viele Mitglieder der LGBTQ+-Community Fluch und Segen zugleich: Auf der einen Seite sind sie weg von den Anfeindungen vieler Verwandter, andererseits können sie einen großer Teil ihre Wahlfamilie und somit ihren „Safe Space“ nicht sehen. Das Online-Filmfestival „QueerStream“ hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, LGBTQ+-Personen mit einer diversen Auswahl durch die Weihnachtstage zu bringen.

„Bald werden wir uns wieder in den Kinos und an anderen Orten treffen können. Bis dahin ist es uns besonders wichtig queere Räume auch digital zu schaffen und queere Filme einem großen Publikum präsentieren zu können.“

Theresa Brunk, QueerScope Vorstand
Das offizielle Plakat für das QueerScope Online-Filmfestival, welches verschiedene queere Filme online zeigt.
QueerScope Online-Filmfestival © Queer Scope

Viele haben dieses Jahr sicherlich die großen Christopher Street Day Paraden oder auch die Filmfestivals vermisst, bei denen verschiedene Identitäten und Sexualitäten groß geschrieben werden - sie sind wichtige, jährliche Ereignisse, welche die LGBTQ+-Community feiern, die aber auch auf die immer noch bestehenden Intoleranzen und Diskriminierungen aufmerksam machen.

Auch 2020 sollten diese Thematiken trotz der Pandemie nicht in den Hintergrund rücken, wofür sich verschiedene Organisatoren stark gemacht haben: So fand der CSD Berlin dieses Jahr unter dem Motto „Aufstehen gegen Hass und Diskriminierung“ online statt und mit QueerStream sollen die Filme Aufmerksamkeit bekommen, die nicht immer auf den gängigen Portalen landen:

Für das Programm haben wir Filme ausgesucht, die bis auf wenige Ausnahmen nicht in die Kinos kommen. Wir haben bei der Auswahl auf Diversität bei den Genres, den Themen und den Geschlechterdarstellungen geachtet. Auch eine Vielfalt der Produktionsländer war uns wichtig und bringt unterschiedliche Sichtweisen ins QueerStream Porgramm.“

Hanne Homrighausen, QueerScope Vorstand

Einige von den Filmen, die das Festival mitbringt, möchte ich dir heute kurz vorstellen.

1. Uferfrauen

Eine Frau aus dem Film balanciert auf einem Steg im Wasser.
Film-Ausschnitt „Uferfrauen“ © déjà-vu film

Wie lebte es sich als lesbische Frau in der DDR? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Dokumentarfilm „Uferfrauen“, welcher in diesem Jahr den QueerScope Debütfilmpreis gewann. Es werden die täglichen Herausforderungen von sechs mutigen Frauen im Überwachungsstaat gezeigt, in welchem das Thema Homosexualität ein absolutes Tabu ist. Die Protagonistinnen stellen sich dem Kampf mit der SED und sich selbst, wodurch ihr Leben eine Gratwanderung zwischen Konformität und Selbstentfaltung wird.

2. Our Dance of Revolution

Es findet eine Pride-Parade statt. Der Fokus liegt auf zwei schwarzen Menschen, die Schilder festhalten, auf denen drauf steht „May we never again need to remind you that we, too, are queer“.
Film-Ausschnitt „Our Dance of Revolution“ © Roaring River Films

Spätestens seit den Protesten, die nach dem Tod von George Floyd im Sommer in vielen Städten der Welt stattfanden, ist die „Black Lives Matter“-Bewegung für jeden Menschen präsent. Dass es diese jedoch schon viel, viel länger gibt, möchte „Our Dance of Revolution“ zeigen, in welchem die Schwarze Queer- und Trans-Community Torontos den Fokus darstellt. Berichte aus verschiedensten Generation zeigen den Kampf gegen Diskriminierung und Polizeigewalt, aber auch die lebensfrohen und kreativen Mitglieder einer starken, mutigen Community.

3. The Garden Left Behind

Das Bild zeigt Tina, die in einem Waschsalon vor einem Tisch mit Plakaten sitzt.
Film-Ausschnitt „The Garden Left Behind“ © Queens Pictures / Autonomous Pictures

Der Mittelpunkt des Spielfilms, in dem fast ausschließlich transsexuelle Schauspieler*innen mitspielen, ist Tina: Eine 30-jährige Transgender-Frau, die als Immigrantin mit ihrer Großmutter Eliana in New York lebt. Während Eliana sich nach einer Rückkehr nach Mexiko sehnt, versucht Tina als Taxifahrerin genug Geld für ihre Transition zusammenzubekommen. Weil sie dabei immer wieder mit den Anfeindungen der Gesellschaft konfrontiert wird, schließt sie sich einer Trans-Community an, die für mehr Sichtbarkeit kämpft. Dabei lernt sie Chris kennen, der von den rauen Ansichten (= toxischer Maskulinität) seiner Freunde in seiner Zuneigung zu ihr zurückgehalten wird.

4. Spiral

Zwei Männer stehen im Schnee vor einem Auto. Einer von ihnen hält einen Baseball-Schläger in der Hand.
Film-Ausschnitt „Spiral“ © Digital Interference Productions / Hadron Films

Du magst Filme mit LGBTQ+-Repräsentation, bist aber eher dem Horror-Genre zugeneigt? Dann ist Spiral vielleicht was für dich. Im Film ziehen das Paar Malik und Aaron gemeinsam mit ihrer Tochter Kayla in eine unscheinbare Provinz. Das Haus ist wunderschön und die Nachbarn sind mehr als freundlich zu dem Pärchen - vielleicht zu freundlich. Was harmlos beginnt, entpuppt sich schnell zu einem Albtraum, dessen Aktualität deprimierend, aber wichtig ist.

5. SUK SUK

Pak und Hoi aus dem Film laufen gemeinsam über einen Markt und sehen glücklich aus.
Film-Ausschnitt „Suk Suk“ © New Voice Film Productions Ltd

Wie oft siehst du Liebe und intime Momente zwischen Senioren*Seniorinnen in heterosexuellen Filmen? Nicht ganz so oft. Dann kannst du dir sicherlich vorstellen, wie oft du derartige Szenen zwischen zwei homosexuellen Männern siehst - und das noch vor dem Hintergrund Hong Kongs. Der Film erzählt die Geschichte von Hoi und Pak: Einem Rentner und einem Taxi-Fahrer, der einfach nicht in Rente gehen möchte. Beide sind stolz auf die Familien, die sie kreiert und die Arbeit, die sie geleistet haben und doch merken sie bei ihrem Treffen schnell, das ihnen etwas im Leben fehlt. So kommt es immer wieder zu intimen Momenten, die von Unsicherheit und Angst, aber auch von Zärtlichkeit und Liebe geprägt sind.

Neben den Dokumentationen und Spielfilmen gibt es außerdem eine Zusammenstellung an Short-Films, zu denen auch animierte Werke wie „Top3“ zählen, der von Liebe und Kompromissen in einer Beziehung erzählt.

Im animierten Film sitzen einige Menschen um ein Lagerfeuer. Sie kuscheln und halten Flaschen in den Händen.
Film-Ausschnitt „Top3“ © Soja / SVT

Falls du zum Ende des Jahres also Lust hast, deine Wahlfamilie an den virtuellen Händen zu packen und dir verschiedenste Filme mit diverser und guter Repräsentation anzugucken, kannst du dir noch bis zum 27.12. auf der Website des Festivals Tickets kaufen.

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