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Diese Frau sagt, ihr Arzt habe ihren Krebs aufgrund ihres Gewichts falsch diagnostiziert

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„Der Arzt schuldet mir eine Entschuldigung.“

Zu lernen, für sich selbst einzutreten, kann eine wichtige Fähigkeit sein, die man sich aneignen muss. Besonders, wenn man von manchen Bereichen wie dem Gesundheitswesen und der Medizin nicht zwangsläufig mitbedacht wird. Das ist eine Erfahrung, die Amanda Lee (@mandapaints) auf TikTok geteilt hat.

Amandas TikTok beginnt mit einem Clip aus einem Video, das sie vor einem Jahr gepostet hatte, nachdem sie gerade aus der Praxis ihres Arztes gekommen war. In dem Clip erklärt sie unter Tränen, dass sie ihrem Arzt erzählt hat, dass sie beim Essen Schmerzen hätte, woraufhin dieser antwortete: „Vielleicht ist das gar nicht so schlimm“.

Amanda Lee reagiert auf einem Clip aus ihrem alten Video, als sie gerade die Praxis des Arztes verlassen hat, der sie aufgrund ihres Gewichts beleidigte. In ihrem alten Video ist sie aufgelöst und weint. In ihrer Reaktion auf das alte Video wirkt sie sichtbar gefasster.
Amanda Lee reagiert auf ihr altes TikTok Video, bei dem sie gerade die Praxis des Arztes verlassen hat, der sie aufgrund ihres Gewichts beleidigte. © TikTok/ mandapaints

Amanda sagt, sie habe den Termin vereinbart, nachdem sie monatelang unter starken Bauchschmerzen und Krämpfen gelitten hat.

Sobald der alte Clip endet, beginnt Amanda zu erzählen: „Ich habe dieses Video heute vor einem Jahr aufgenommen, und in einem Monat ist der Jahrestag, an dem mein Krebs entdeckt wurde.“

Wie sich herausstellt, hat ein anderer Arzt einen Monat nach der Aufnahme des Videos diagnostiziert, dass Amanda Dickdarmkrebs hatte - was die Ursache ihrer Schmerzen war. Auf TikTok drückt sie ihre Ungläubigkeit darüber aus, dass ihr vorheriger Arzt ihre „Lehrbuch-Darmkrebssymptome“ wegen ihres Gewichts völlig außer Acht gelassen hat.

Amanda Lee erzählt, was nach ihrem alten Video geschehen ist.
Amanda Lee erzählt, was nach ihrem alten Video geschehen ist © TikTok/ mandapaints

Sie erzählt, dass sie nach der Aufnahme des Originalvideos in die Arztpraxis zurückkehrt ist und eine Entschuldigung verlangt hat. Abschließend sagt sie, dass sie weiterhin über ihre Erfahrungen berichten will.

Amandas Video hat über 180.000 Aufrufe, 32.000 Likes und einen Kommentarbereich voller Menschen, die Liebe, Unterstützung und Geschichten über ihre eigenen ähnlichen Erfahrungen teilen.

6 Kommentare die User:innen unter Amanda Lees TikTok schrieben, um sie zu unterstützen.
Kommentare unter Amanda Lees TikTok, die sie unterstützen © TikTok/ mandapaints

Ich habe mit Amanda gesprochen, die sich nach ihrer Diagnose einer Chemotherapie unterzog. Obwohl sie sagt, dass sie jetzt in vollständiger Remission ist, erklärt Amanda, dass nicht alle Auswirkungen ihres Krebses körperlicher Natur sind.

„Die verbleibenden Ängste, das Trauma und die Trauer haben mir wirklich zu schaffen gemacht. Ich würde wahrscheinlich sagen, dass es fast so schlimm ist wie die Chemo für meinen Körper“, sagt Amanda gegenüber BuzzFeed.

Amanda hat uns den Termin beschrieben, von dem sie in ihrem ursprünglichen Video erzählt und von dem sie sagt, dass es schwer war, ihn überhaupt zu bekommen. „Ich hatte schon immer Probleme mit dem Magen-Darm-Trakt und sie wurden immer ignoriert. Ich wurde richtig krank, nahm ab, aß nichts mehr und versuchte, meine Versicherung dazu zu bringen, mich zu einem Gastroenterologen zu schicken.“

Es gelang ihr erst, einen Termin zu bekommen, nachdem sie die Medizinische Vereinigung gewechselt hatte, um einen bestimmten Gastroenterologen zu sehen, der sie innerhalb kürzester Zeit behandeln konnte. „Ich rief [meine Versicherungsgesellschaft] in Panik an und sagte: ‚Ich bin so krank. Schon seit Monaten. Bitte besorgen Sie mir so schnell wie möglich einen Arzt´“, sagt Amanda.

Amanda berichtet auch von ihren früheren Versuchen, die Ursache für ihre gesundheitlichen Probleme zu finden, einschließlich eines Besuchs bei einem Ernährungsberater, der ihr half, mögliche Auslöser für ihre Schmerzen festzustellen: "Ich war so verzweifelt und hatte bereits mit einem Ernährungsberater gesprochen, der mir eine Liste von Lebensmitteln zusammengestellt hat, die ich vertrage und nicht vertrage."

Die Mappings enthielten auch Amandas Tagesabläufe, die, wie sie sagt, „meine Ernährung, die Zeit meiner Schmerzen, den Beginn meiner Schmerzen und die Zeit, zu der ich aufs Klo ging“ umfassten. „Ich habe alles aufgeschrieben und es [meinem neuen Arzt] übergeben.“

Amanda sagt, dass der Gastroenterologe, den sie aufgesucht hat, kein besonderes Interesse an ihren früheren Terminen oder den Symptomen im Allgemeinen zu haben schien. „Ich wusste es irgendwie schon,“ sagt sie. „Man merkt, wenn sich jemand nicht wirklich dafür interessiert, was man zu sagen hat.“

Laut Amanda wollte der Arzt keine Tests durchführen und unterbrach sie häufig. Dann fragte er sie, was sie gegessen habe und Amanda, die beim Essen starke Bauchschmerzen hatte, antwortete: „Nichts“. Sie sagt, der Arzt habe daraufhin geantwortet: „Vielleicht ist das ein Segen“. Als Amanda ihn bat, dies zu wiederholen, sagte er: „Vielleicht ist das gar nicht so schlecht“.

Über den Moment nach Verlassen der Praxis sagt Amanda: "Ich saß 30 Minuten lang in meinem Auto und weinte." Woraufhin sie ihre beste Freundin anrief, die ihr riet, in das Büro zurückzukehren und beim Büroleiter eine Beschwerde einzureichen, was sie auch tat.

Amanda sagt: "Ich wusste, dass es falsch war, tief in mir drin. Du kannst es dir nur begrenzt oft von einem Arzt anhören, dass es deine Schuld ist, dass du krank bist. Dass es deine Schuld ist, dass du fett bist. Oder dass du nutzlos bist, weil du fett bist. Das kannst du nicht lange mitmachen." Sie erzählt: "Ich habe nach dem Arzt gefragt, er schuldete mir eine Entschuldigung."

Bei Amandas zweitem Besuch lief es nicht viel besser als beim ersten. Sie erzählt, der Arzt habe ihr gesagt, sie sei zu „empfindlich“ und er hoffe, ihr nächster Arzt werde „sensibler“ für ihre Sorgen sein. Er sagte Amanda auch, dass sie seinen „Sinn für Humor“ nicht verstanden habe. Nachdem sie seine Praxis zum zweiten Mal verlassen hat, filmt sie ihr ursprünglichen TikTok-Video.

„Etwas in mir war klar, dass der Arzt sich falsch und unangemessen verhalten hat. Trotzdem blieb das Gefühl, dass solche Dinge häufig vorkommen und ich konnte nicht sagen, wieso,“ erklärt Amanda. Sie erzählt aber auch, dass die Kommentare auf das ursprüngliche TikTok-Video ihr letztendlich die Bestätigung gaben, die sie eigentlich vom Arzt hätte erhalten sollen.“

Amanda Lees altes TikTok, nachdem sie die Praxis des Arztes verlassen hat, der sie aufgrund ihres Gewichts beleidigt hatte. Sie iat aufgelöst und weint.
Amanda Lees altes TikTok, nachdem sie die Arztpraxis verlassen hat © TikTok/ mandapaints

Ermutigt durch die Reaktionen auf ihren ursprünglichen TikTok-Beitrag, hat sich Amanda auf die Suche nach einem neuen Arzt gemacht. Diesmal wählte sie gezielt eine Ärztin und diese ordnete sofort eine Darmspiegelung an. Als Amanda erfuhr, dass bei der Darmspiegelung ein Tumor festgestellt wurde, sagte sie: „Ich dachte: ‚Das ergibt Sinn. Ich hatte so lange Zeit so große Schmerzen und wurde ignoriert.‘“

Equipment für eine Darmspiegelung
Equipment für eine Darmspiegelung © Addictive Stock/Imago

Nach dem Gespräch mit Amanda habe ich auch mit Dr. Sanjay Juneja gesprochen - einem Hämatologen und medizinischen Onkologen, der nicht in Amandas Fall involviert war - um mehr über die üblichen Symptome von Darmkrebs zu erfahren. Er sagt: „Anhaltende Bauchschmerzen, frühzeitiges Völlegefühl oder Übelkeit kurz nach dem Essen, chronisch verminderter Appetit, Veränderungen des Stuhls oder der Stuhlform trotz unveränderter Ernährung oder Nahrungsergänzungsmittel, zusammen mit Verstopfung oder in manchen Fällen Durchfall.“ Dr. Juneja empfiehlt bei solchen Symptomen erst den Hausarzt aufzusuchen, um eine Überweisung zu erhalten.

Persönlich sagt Dr. Juneja, dass er wahrscheinlich auch weitere Schritte wie eine Darmspiegelung empfehlen würde, wenn der Patient unter Eisenmangel leidet, vor allem „wenn er oder sie keine Vorgeschichte [mit Eisenmangel] hat... Dies kann eines der ersten Anzeichen bei Laboruntersuchungen sein und sollte Anlass für eine Darmspiegelung sein.“

Der Arzt D. Sanjay Junja trägt einen weißen Arztkittel und eine blau-graune Krawatte.
Dr. Sanjay Juneja © Instagram/ theoncdoc

Er sagt außerdem, dass die Anzeichen für Dickdarmkrebs bei Männern und Frauen im Allgemeinen gleich sind, dass aber Dickdarmkrebs bei Frauen „rätselhafter“ sein kann als bei Männern. „Frauen kommen statistisch gesehen häufiger mit Bauchschmerzen in die Notaufnahme als Männer, teilweise aufgrund von Problemen im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus oder dem Reizdarmsyndrom“, sagte Dr. Juneja gegenüber BuzzFeed. Er bekräftigt auch, dass ihre Schmerzen „nicht weniger real“ sind als die eines Mannes.

Auf die Frage, warum sie ihre Erfahrungen auf TikTok festgehalten hat, antwortet Amanda, dass sie einen Dialog beginnen und das große Ganze ansprechen will: „Fettphobie in der medizinischen Industrie ist buchstäblich tödlich. Die Diätkultur im täglichen Leben ist tödlich. Wir sprechen nicht genug darüber ... Zu viele Jahre lang wurden Menschen nicht gehört, getestet oder gut behandelt, weil sie übergewichtig sind.“

Amanda sagt außerdem, dass die Voreingenommenheit gegenüber dicken Körpern in der medizinischen Gemeinschaft ein Symptom für ein breiteres Problem in der Gesellschaft ist: „Die Gesellschaft sieht dicke Körper fast als lästig an. Mein Gewicht entspricht dem einer durchschnittlichen Amerikanerin. Ich schwanke zwischen Größe 12 und 14. Wie konnte ich fast an Bodyshaming sterben? Das geht weit über den BMI hinaus. Es betrifft die Gesellschaft als Ganzes, die Art und Weise, wie wir dicke Körper betrachten und wie wir sie für unwürdig halten, auch für medizinische Hilfe. Ich habe die Nase voll davon.“

Neben den vielen unterstützenden Kommentaren ist Amanda auch überglücklich über die Reaktion auf ihre Videos, wie sie sagt. Jetzt erstellt sie Inhalte, um anderen beizubringen, wie sie für sich selbst eintreten können, und nutzt ihre eigenen Erfahrungen, um den Dialog zu beginnen.

Sie sagt: „Als jemand, der mit Krebs zu kämpfen hatte und am anderen Ende wieder herausgekommen ist, hilft es mir zu wissen: ‚Dieser Kampf, den ich durchgemacht habe, kann etwas bewirken‘. Ich möchte, dass der Wandel bei dir und mir beginnt und dann können wir uns an die Medizin wenden. Aber im Moment ist es schon gut, diese Gespräche zu führen.“

Dieser Post wurde übersetzt von einem Post von Maya Ogolini

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