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Frauen teilen, was sie sich bei Online-Spielen von Männern anhören müssen

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Von: Michelle Anskeit

„Wenn ich am Zocken bin und klar gemacht habe, dass ich einen Freund habe, dann möchte ich kein ‚Hey, willst du nicht zu mir kommen?‘ hören.“

League of Legends, World of Warcraft, The Elder Scrolls: Fast jede*r kennt diese Spiele, die Leute gerne gemeinsam mit anderen (Fremden) online zocken. Meistens verbinden sich die Spieler*innen dabei über einen Voice Chat, um während des Spiels mit den anderen reden zu können.

Was sich insbesondere Frauen beim Gaming aber immer wieder von männlichen Mitspielern anhören müssen, beschreibt u/Manadrache in einem Post auf Reddit:

Man erlebt oft das Gleiche: Vom primitiven Geflirte bis hin zum ‚Tittenbonus‘. Wenn ich am Zocken bin und klar gemacht habe, dass ich einen Freund habe, dann möchte ich kein ‚Hey, willst du nicht zu mir kommen?‘ oder ein ‚Ach komm schon, ich kann dich viel besser befriedigen als dein Mann‘ als Nachricht haben.“

u/Manadrache auf Reddit

Der „Tittenbonus“ beschreibt dabei die Annahme, dass weibliche Gamer all ihre Errungenschaften im Spiel nur dadurch bekommen haben, dass sie ja Frauen seien und andere Männer ihnen deshalb beispielsweise im Spiel aushelfen würden. Ausgehend von diesen Erfahrungen hat Manadrache deshalb andere Spielerinnen gefragt, ob diese schon ähnliches erlebt haben.

Um deutlich zu machen, wie groß dieses Problem ist, teilen wir deshalb einige der Antworten von Frauen aus der Gaming-Szene:

1. Spielerinnen sprechen von dem Sexismus, dem sie ständig ausgesetzt sind:

Eine Frau, die einen Controller in der Hand hält. Auf dem Bild steht: “Sexismus erlebe ich oft und viel und wenn man was dagegen 
sagt, ist man ‘die Spaßbremse’, ‚Zicke’ oder ‘eine scheiß Emanze’.”
Userin cynicalgrumpy teilt ihre Erfahrungen beim Gaming: „Sexismus erlebe ich oft und viel und wenn man was dagegen sagt, ist man ‘die Spaßbremse’, ‚Zicke’ oder ‘eine scheiß Emanze’.” © IMAGO / Addictive Stock / xLightsyx

cynicalgrumpy

2. Dieser Sexismus ist vollgepackt mit Vorurteilen gegen Frauen in Online-Games:

Eine Frau, die einen Controller hält. “Es kamen Sprüche wie: ‘Und spielen kannst 
du auch noch? Hör auf, sonst heirate ich 
dich auf der Stelle!’ und ‘Typisch Frau, 
Hauptsache erstmal Kleidung kaufen.’”
Vorurteile stehen bei Spielerinnen oft an der Tagesordnung: “Es kamen Sprüche wie: ‘Und spielen kannst du auch noch? Hör auf, sonst heirate ich dich auf der Stelle!’ und ‘Typisch Frau, Hauptsache erstmal Kleidung kaufen.’” © IMAGO / Addictive Stock / xLightsyx

cynicalgrumpy

3. Und von der sexuellen Belästigung, die sogar Minderjährige beim Spielen schon erleben:

Eine Frau, die einen Controller hält. „Ich war minderjährig, als ich gespielt habe. Der Hauptgrund, wieso ich aufgehört habe, war die Menge an sexuellen Kommentaren und Fragen. Ob ich noch Jungfrau sei, ob ich mich nicht kurz zu einen privaten Call zuschalten möchte, ob ich nicht doch einige (Nackt)bilder hätte.“
Selbst jüngere Frauen sind vor den Angriffen und der Belästigung betroffen: „Ich war minderjährig, als ich gespielt habe. Der Hauptgrund, wieso ich aufgehört habe, war die Menge an sexuellen Kommentaren und Fragen. Ob ich noch Jungfrau sei, ob ich mich nicht kurz zu einen privaten Call zuschalten möchte, ob ich nicht doch einige (Nackt)bilder hätte.“ © IMAGO / Addictive Stock / xLightsyx

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Diese Erfahrungen sind kein Einzelfall: Wie ingame* berichtete, erzählte die erfolgreiche Streamerin Pokimane von der sexuellen Belästigung, der sie beim Streamen immer wieder ausgesetzt ist. Zu dieser gehören laut Pokimane unter anderem Aufforderungen, die in den Twitch-Chat geschrieben werden und ihr sagen, sie solle sich vor der Kamera entblößen.

4. Bei dieser Belästigung werden neben dem Alter auch Sexualitäten häufig nicht respektiert:

Eine Frau, die einen Controller in der Hand hält. Auf dem Bild steht: “Man merkt sofort wie die Männer mit mir im Vergleich zu anderen Männern umgehen. Davon abgesehen waren da auch ständige Anmachen dabei, obwohl ich gesagt habe, dass ich lesbisch bin.”
Auch wenn Frauen klare Grenzen ziehen, wird dies oftmals nicht respektiert: Eine Frau, die einen Controller in der Hand hält. Auf dem Bild steht: “Man merkt sofort, wie die Männer mit mir im Vergleich zu anderen Männern umgehen. Davon abgesehen waren da auch ständige Anmachen dabei, obwohl ich gesagt habe, dass ich lesbisch bin.” © IMAGO / Addictive Stock / xLightsyx

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5. Spielerinnen erklären, dass sie, wenn sie nicht gerade angebliche Vorteile genießen, oft angefeindet werden:

Eine Frau, die am PC sitzt. Auf dem Bild steht der Text „Ist es nicht wundervoll, wenn man überall scheiße behandelt wird, weil jeder denkt, ausgerechnet ER müsse jetzt ‘der Gerechtigkeit wegen’ den imaginären ‘Tittenbonus’ ausgleichen?”
Wenn sie nicht angebliche Vorteile genießen, werden Spielerinnen häufig angefeindet: „Ist es nicht wundervoll, wenn man überall scheiße behandelt wird, weil jeder denkt, ausgerechnet ER müsse jetzt ‘der Gerechtigkeit wegen’ den imaginären ‘Tittenbonus’ ausgleichen?” © IMAGO / Addictive Stock / xLightsyx

PandaPangolin

6. Und sogar Gewaltandrohungen bekommen:

Eine Frau, die einen Controller hält. Auf dem Bild steht „Ich war ‘Support Main’ (die typische ‘Frauenrolle’). Mit der Kombination habe ich schon einiges an Sexismus und vor allem Gewaltandrohungen zu hören bekommen.”
Die Anfeindungen sind nicht nur Beleidigungen, sondern auch Gewaltandrohungen: „Ich war ‘Support Main’ (die typische ‘Frauenrolle’). Mit der Kombination habe ich schon einiges an Sexismus und vor allem Gewaltandrohungen zu hören bekommen.” © IMAGO / Addictive Stock / xLightsyx

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7. Derartige Erfahrungen anderer führen dazu, dass Frauen oft Angst davor haben, überhaupt das Mikrofon anzuschalten:

Eine Frau, die einen Controller in der Hand hält. Auf dem Bild steht „Ich trau mich als Frau nicht, das In-Game-Mikrofon zu benutzen,  was ich eigentlich gern machen würde. Aber ich habe Angst vor Sexismus.“
Frauen können beim Spielen nicht die volle Erfahrung genießen, weil sie Angst haben: „Ich trau mich als Frau nicht, das In-Game-Mikrofon zu benutzen, was ich eigentlich gern machen würde. Aber ich habe Angst vor Sexismus.“ © IMAGO / Addictive Stock / xLightsyx

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Userin OverlyWrongGag erklärt deshalb, dass sie sich wegen all den Vorwürfen, Anfeindungen und Belästigungen beim Onlinespielen immer als Mann ausgibt.

8. Die Frauen in den Kommentaren beschreiben den Moment, in dem sie sich doch trauen, anderen Spieler*innen zu erzählen, dass sie weiblich sind, oftmals sogar als „Outing“ - weil sie Angst haben und Ablehnung erwarten.

Eine Frau, die einen Controller hält. Auf dem Bild steht: “Mit Randoms wird in der Regel kein Sprachchat benutzt, da wissen die nicht, welches Geschlecht man hat. Und wenn ich als ‘mate’ angeredet werde, werde ich mich hüten, jemanden zu korrigieren.”
Mit Randoms, also fremden Gamern, spielen Frauen oft aus Angst vor Ablehnung nicht: “Mit Randoms wird in der Regel kein Sprachchat benutzt, da wissen die nicht, welches Geschlecht man hat. Und wenn ich als ‘mate’ angeredet werde, werde ich mich hüten, jemanden zu korrigieren.” © IMAGO / Addictive Stock / xLightsyx

_Duckylicious

Weil der Post schnell viele Kommentare erhielt und immer mehr User*innen sich fragten, wie diese Situation verändert werden kann, meldeten sich hierzu verschiedene Personen zu Wort:
User Exz3ssion sagt seinen Mitspielern: „Frauen wollen einfach nur normal spielen, nur einige Kerle kapieren das halt nicht. Standardausreden wie ‚War doch nicht so gemeint‘ gab es [auf meinem Server] zwar jede Menge, aber meine Antwort darauf war dann bei dieser Person ein gepflegter Bann.‘“

User Cakehunt3r erklärt: „Ich versuche solche Versuche [von Belästigung] meistens direkt im Ansatz zu ersticken. Man muss als Mann eintreten, damit Jungs sich nicht über Frauen lustig machen und respektlos und seltsam werden.“

*ingame ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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