1. BuzzFeed
  2. Buzz

Horrorfilme – über langsame Zombies und Mörderpuppen

Erstellt: Aktualisiert:

Bride of Frankenstein ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Horrorfilm aus dem Jahr 1935
Bride of Frankenstein ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Horrorfilm aus dem Jahr 1935 © Colin Slater / IMAGO

Wie kaum ein anderes Genre nehmen Horrorfilme die Emotionen des Zuschauers ins Visier. Alle Infos über Geschichte, Genres, Reihen, Skandale und Akteure des Gruselfilms.

Berlin – Wenn sich die Gewissheiten des Alltags ins Ungewisse verkehren, ist das Feld für den Horrorfilm bereitet. Seine Hauptfiguren müssen über sich hinauswachsen, um die ursprüngliche Ordnung wieder herzustellen. Jene Ordnung wurde ausgehebelt, bevorzugt durch eine (äußere) Bedrohung, die das innere Gefüge zu zerstören droht. Entscheidend ist, wer wie und wann auf die externe Gefahr durch Geister, Vampire, Werwölfe, Zombies, Aliens und Psychopathen reagiert. Laut dem Berliner Filmwissenschaftler Frank Schnelle ist es ebenso elementar, „welche Kräfte man in Grenzsituationen freisetzt und ob diese Kräfte ausreichend sind im Kampf um Leben und Tod.“

Horrorfilme: Ihre Geschichte

Die Geschichte des Horrorfilms reicht zurück bis in die Stummfilmzeit und damit bis zu den Anfängen des Mediums Ende des 19. Jahrhunderts. Wie nahezu alle filmischen Genres orientiert sich auch der Horrorfilm am melodramatischen Theater dieses Jahrhunderts, das wiederum in der Literatur wurzelt. Das erklärt unter anderem die „Übernahme“ zahlreicher Standardfiguren ins Filmfach.

Horrorfilme: Stereotype sind gefragt

Wie die Bühnenkunst setzt auch der Film auf Stereotypen, wie beispielsweise die „jungfräuliche Braut“ oder den „männlichen Helden“. Ihnen steht ein Antagonist mit mörderischen Absichten gegenüber. Des Weiteren verlassen sich Horrorfilme gern auf eine allwissende Vaterfigur, die bisweilen als Wissenschaftler in Erscheinung tritt – etwa der Mediziner Viktor Frankenstein, Hauptfigur und (Anti-)Held des gleichnamigen Films aus dem Jahr 1910 (Buchvorlage: Mary Shelley).

Horrorfilme: Dracula hieß anfangs Nosferatu

Zu den ersten Beispielen des Genres zählt zudem „Nosferatu“. Friedrich Murnau adaptierte 1922 Bram Stokers „Dracula“-Roman für die Leinwand. Aufgrund seiner expressionistischen Färbung gilt „Nosferatu“ bis heute als Meilenstein des Horrorfilms. Ebenfalls in die Stummfilmära fallen die Kultfilme „Das Kabinett des Doktor Caligari“ (1920) sowie „Der Golem“ (1921). Auch der erste Werwolffilm datiert aus den 20er-Jahren des vorherigen Jahrhunderts. „Wolf Blood: A Tale of the Forest“ entstand 1925.

Der Psycho-Horror wird geboren

In den 1940er-Jahren griff das zunehmend populärer werdende Hollywoodkino das Thema des „Monsters im Manne“ erneut auf: „Der Wolfsmensch“ war ein kommerzieller Erfolg und begründete den sogenannten „psychologischen Horrorfilm“. Folglich ging es nicht mehr vorrangig darum, den Schrecken zu bebildern, sondern ihn in die Köpfe des Publikums zu verlagern. Als Hilfsmittel dienten Musik, Montage, Licht und Atmosphäre.

Horrorfilme: Die Genres

Wie alle filmischen Genres ist der Horrorfilm keine homogene Gattung, sondern ein heterogenes Feld. Was bedeutet, dass sich innerhalb der Klassifizierung „Horrorfilm“ zahlreiche Unterformen beziehungsweise Subgenres gebildet haben. Diese unterscheiden sich mehr oder weniger stark voneinander, da die Art der Bedrohung, der historische Hintergrund, die soziokulturelle Zuordnung und der gesellschaftliche Zeitgeist differieren.

Horror: Welcher Film in welche Kategorie gehört

Abhängig von den jeweiligen Parametern variieren die präsentierten Angst(lust)bilder, Ambitionen und Rezeptionen der Filme. Dabei verharren die Werke nicht zwangsläufig innerhalb einer (Unter-)Form, überschreiten bisweilen die Genrebarrieren und bedienen sich unterschiedlicher Versatzstücke. Dann entstehen Mischformen, die sich gehäuft im postmodernen Kino finden. Im Folgenden eine Unterteilung des Horrorgenres mit entsprechenden Beispielen:

Die Popularität einzelner Genres hängt stark von landesspezifischen wie individuellen Vorlieben ab. So besitzt das übernatürliche Moment einen festen Platz im japanischen Kino, während das US-amerikanische Mainstreamkino mehrheitlich physischen Horror bebildert.

Horrorfilme: Erfolgreiche Reihen

Erste erfolgreiche Reihen etablierten sich im Horrorfilm bereits in den 1950er-Jahren, als die britischen Hammer-Studios zahlreiche Dracula- und Frankenstein-Stoffe in die Kinos brachten. Inhaltlich hatten die Streifen nur noch wenig mit den Ausgangsstoffen zu tun, bemühten allenfalls rudimentäre Motive der ursprünglichen Handlungen.

Halloween belebt das Horrorfilm-Genre neu

Dies änderte sich in den späten 70er-Jahren, als der psychopathische Serienmörder Michael Myers in „Halloween“ (1978) auf den Plan trat. Der von John Carpenter inszenierte Film war ein Überraschungserfolg bei Publikum und Kritik und belebte das Genre neu. Anders als zuvor setzte die „Halloween“-Reihe bei ihren zahlreichen Fortsetzungen nicht nur auf partielle Ähnlichkeiten, sondern ließ jedes Mal den gleichen Hauptcharakter (Michael Myers) in einem ähnlichen Handlungsrahmen agieren.

Freddy Krueger tritt auf den Horrorfilm-Plan

Dasselbe trifft auf die Reihe „Freitag, der 13.“ (1980) zu. Auch hier mordet sich ein singulärer Täter (Jason Voorhees) durch eine stets wiederkehrende Ausgangssituation. Myers und Voorhees steht mit Freddy Krueger ein nicht minder populärer Massenmörder zur Seite. Der Mann mit Ringelpulli und Krallenhand bevölkerte ab 1984 die „Nightmare“-Reihe – und die Träume amerikanischer Teenager, die Krueger anhand ihres Unterbewusstseins ein Einfallstor in die Realität öffneten.

Eine Puppe erwacht im Horrorfilm zum Leben

Ein nicht minder böses Erwachen gab es für die Opfer der Mörderpuppe „Chucky“ (1988). Eben noch lebloses Kinderspielzeug, verwandelte sich das rothaarige Wesen im nächsten Moment in eine messerschwingende Kreatur. Möglich machte es ein Voodoo-Zauber, der dafür sorgte, dass die Seele eines Mehrfachmörders in die Hülle der Puppe schlüpfen konnte. Lohn des Unterfangens: sechs (blutige) Sequels, die die Kassen klingeln ließen.

Horrorfilme: Kalkulierte Skandale

Da Horrorfilme von Haus aus mit den Themen Krankheit, Entstellung, Tod und Verwesung operieren, sind kleinere und größere Skandale vorprogrammiert. Manche Produzenten und Regisseure zielen gar auf einen Skandal ab, um die Aufmerksamkeit auf ihr Werk zu lenken. Auch negative Publicity ist Publicity und kann das Einspielergebnis steigern.

Wie im Fall von „Blutgericht in Texas“ („The Texas Chainsaw Massacre“, 1974). Eine Gruppe Jugendlicher fällt im texanischen Hinterland einer Familie von Kannibalen zum Opfer. An vorderster Front: Leatherface, der seine (weiblichen) Opfer minutenlang mit röhrender Kettensäge verfolgt, bevor er sie in Einzelteile zerlegt. Für die Jugendwächter zu viel des Guten: Der Film stand jahrelang auf dem Index.

Zwei weitere Beispiele für den oft skandalösen Umgang mit den Motiven des Horrorfilms sind „Nackt und zerfleischt“ (1980) sowie „Die Rache der Kannibalen“ (1981). Beide Werke sind dem Exploitation-, Softporno- beziehungsweise Kannibalenfilm zuzurechnen. Beide tun sich durch die explizite Zurschaustellung physischer und psychischer Gewalt hervor. Was erneut zu einem Einschreiten der Behörden führte, die die Werke aus dem Verkehr zogen.

Horrorfilme: Darstellerinnen und Darsteller

Brad Pitt in einem Horrorfilm? Das hätte vor „World War Z“ (2012) so gut wie niemand für möglich gehalten. Und dass Zombies nicht zwangsläufig ein gemächliches Tempo vorlegen, wohl auch nicht. Was beweist, dass Horrorfilme stets gut sind für Überraschungen, Besonderheiten und Modifizierungen. Dennoch besitzen die eingesetzten Darstellerinnen und Darsteller mitunter ein vertrautes Gesicht.

Wahn und Wirklichkeit in Horrorfilmen

Zwar wechseln die Akteure zumeist munter durch, doch es gibt Schauspieler, deren Namen untrennbar mit dem Genre verbunden sind. Etwa Boris Karloff, Bela Lugosi und Christopher Lee. Letztgenanntes Duo schlüpfte diverse Male in die Rolle Graf Draculas – Lugosi so oft, dass er irgendwann glaubte, tatsächlich ein Vampir zu sein. Folgerichtig ließ sich der gebürtige Ungar in einem Dracula-Kostüm beisetzen.

Horrorfilme - männliche und weibliche Scream Queens

Wesentlich geerdeter kommt Jamie Lee Curtis daher. Sie war die erste „Scream Queen“ und durfte nach „Halloween“ noch diverse Male um ihr Leben schreien, etwa in „The Fog“ (1979) und „Prom Night“ (1980). Ihr männliches Pendant heißt Bruce Campbell. Der Amerikaner avancierte durch Hauptrollen in „Tanz der Teufel“ (1981) und „Tanz der Teufel 2“ (1987) zur maskulinen „Schreikönigin“. Campbell wohnt bis heute öffentlichen Vorführungen seiner Filme bei und diskutiert im Anschluss mit dem Publikum. Er ist zudem als Schriftsteller aktiv.

Auch interessant

Kommentare