Ich habe einen Monat lang jeden Tag masturbiert und ich fühle mich viel stärker als zuvor

Masturbieren war nicht immer einfach für mich. Also habe ich mich der Herausforderung gestellt, es 30 Tage lang durchgängig zu tun.

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Hallo, ich heiße Lara und masturbieren war nicht immer einfach für mich. Tatsächlich war das Masturbieren mehrere Jahre lang unmöglich, da es mir dank meines Vaginismus, meiner Vulvodynie und meiner Endometriose sehr viel Schmerzen bereitet hat. Nichts konnte meine Vulva berühren – ich meine wirklich nichts –, ohne dass sich ein feuriger Schmerz in meinem Becken ausbreitete und mich für mehr als ein paar Stunden untauglich machte. Und selbst Erregung erzeugte einen scharfen stechenden Schmerz in meinem Unterleib.

Ich habe dann im Bett gelegen, mit einem Beutel TK-Erbsen, der in meiner locker sitzenden Jogginghose steckte, während The Real Housewives of Atlanta lief und ich mich fragte, ob ich wohl jemals wieder meine eigene Vulva berühren könnte.

Aber nach monatelanger Beckenbodenphysiotherapie und dem Einsatz sogenannter Dilatoren habe ich einen Zustand erreicht, in dem mich meine Vagina nicht für jede Bewegung bestraft. Ich war wieder in Unterwäsche unterwegs! Gelegentlich konnte ich es sogar wagen, Jeans zu tragen! Doch der Gedanke, meine eigene Vulva zu berühren, um mich zum Orgasmus zu bringen, sorgte immer noch für ein flaues Gefühl im Magen.

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Es ist nicht so, dass ich keinen Orgasmus erleben wollte. Ich wollte! Ich wollte es fast mehr als alles andere. Ich wollte wissen, dass ich es trotz meiner chronischen Beckenschmerzen tun und dabei ein gewisses Gefühl der Normalität haben kann. Ich wollte sexuelle Befriedigung!

Aber ich hatte Angst. Ich hatte so viele seelische und körperliche Schmerzen wegen dieses Teils meines Körpers durchgemacht und immer, wenn ich auch nur daran dachte, geschweige masturbieren wollte, wurde ich an all diese Schmerzen erinnert. Und deshalb wollte ich es verständlicherweise umgehen.

Auf Drängen von einem meiner damaligen Therapeuten fing ich an, mehr über das Masturbieren nachzudenken. Statt es mit schrecklichen Schmerzen und Leiden zu verbinden, dachte ich darüber nach, wie es wohl sein würde, masturbieren können. Ich träumte von dem Tag, an dem ich in der Lage sein würde, einen Orgasmus zu haben –mit oder ohne Schmerzen. Dann hätte ich ein sehr konkretes Beispiel dafür, wie weit ich gekommen war. Abgesehen davon, dass ich für die körperliche Lust einen Orgasmus erleben wollte, brauchte ich ihn auch für meine Psyche.

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Das erste Mal, als ich nach der Diagnose Endometriose, Vulvodynie, Vaginismus und Beckenbodendysfunktion einen Orgasmus bekommen konnte, war es schmerzhaft. Ich hatte einen stechenden Schmerz in meinem Becken und musste mich anschließend mit einem Eisbeutel auf meiner Vulva hinlegen, weil es so stark brannte. Aber das war mir egal. Denn ich hatte es getan. Ich hatte einen Orgasmus erreicht. Ich hatte meinem Körper gezeigt, dass ungeachtet all der Schmerzen, die er erlebt hatte, Lust möglich war.

Nach diesem Tag begann ich mehr und mehr zu masturbieren. Es war nicht jedes Mal toll. Es war sehr schmerzhaft. Aber diese Schmerzen wurden mit Lustgefühlen versetzt und ich genoss die Genugtuung zu wissen, dass ich es endlich soweit gebracht hatte. Ich hatte den handfesten Beweis, dass ich Fortschritte machte und dass sich meine harte Arbeit in der Beckenbodenphysiotherapie gelohnt hatte.

Nun ist es schon ein paar Jahre her, dass ich zum ersten Mal einen Orgasmus erleben konnte, nachdem bei mir die Krankheiten diagnostiziert wurden, die die Schmerzen verursachen. Seitdem denke ich völlig anders über Masturbation. Was mich früher mit Angst erfüllte, ist jetzt eine Form der Selbstliebe. Ich habe sogar Regale in meinem Schlafzimmer angebracht, um meine Vibratorsammlung auszustellen.

Aber so sehr ich Masturbation, Vibratoren und Orgasmen liebe, kann es manchmal immer noch schwierig sein. Ich kann nicht jede Form von Vibrator benutzen, weil ich immer noch mit vielen Vaginal- und Beckenschmerzen zu tun habe, die die Penetration unmöglich machen können. Aber im Laufe der Jahre habe ich verschiedene Vibratoren gefunden, die ich verwenden kann. Die Krankheit, mit der ich am meisten zu kämpfen habe, ist Endometriose und sie ist nicht heilbar.

Ich habe jeden Tag verschiedene Formen von Schmerzen; sowohl körperliche als auch seelische Schmerzen. Und meistens kommt mir das Leben in die Quere! Ich werde müde! Ich fühle mich aufgedunsen und geschwollen und spüre keine Lust, wenn ich Schmerzen habe! Aber trotz all dem beschloss ich, mich selbst herauszufordern. Ich wollte einen Monat lang jeden Tag masturbieren. Ich musste nicht jedes Mal zum Orgasmus kommen – denn manchmal geht es einfach nicht! – und es musste nicht überwältigend sein. Aber ich wollte mir die etwa zehn Minuten am Tag gönnen, in denen ich mir zu 100 Prozent Zeit für mich selbst nahm. Daher komm jetzt (LOL!) mit mir auf diese Reise.

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Die ersten paar Tage dieses Experiments waren relativ einfach. Sie sind zufällig mit dem Teil des Zyklus zusammen gefallen, in dem mein Schmerzpegel so niedrig war, wie er nur sein kann. Die Herausforderung war in vielerlei Hinsicht spannend. Ich dachte stets: „Ich muss heute masturbieren!“ Das Ganze fühlte sich wie ein Geheimnis an, das ich mit mir selbst hatte. Ich bin nach der Arbeit nach Hause gerannt und unter meine Decke geschlüpft, um das zu tun, von dem ich mir eingeredet hatte, dass ich es tun müsse. Während der ersten fünf Tage des Experiments habe ich keinen einzigen Tag versäumt. Die ersten Tage habe ich den Satisfyer Pro Deluxe benutzt, der eine SAUGFUNKTION für die Klitoris hat, wodurch ich einige rechtmäßig überwältigende Orgasmen. hatte.

Aber nach ein paar Tagen mit der Saugfunktion fühlte ich mich wund und gereizt. Es ist ein toller Vibrator, aber keiner, den ich jeden Tag benutzen könnte. Am sechsten Tag habe ich festgestellt, dass ich keine Lust hatte. Zum Teil, weil ich mich körperlich angegriffen fühlte und zum Teil, weil ich an dem Tag in psychisch schlechter Verfassung war. Ich hatte in der Nacht zuvor nicht gut geschlafen und der Schmerzpegel ging rauf und runter. Ich wollte nichts weiter tun, als mich auf die Couch legen.

An diesem Tag war ich sehr wütend auf meinen Körper. Ich wollte nicht, dass er Lust empfindet, weil mir das kein gutes Gefühl bereiten würde. Aber schließlich habe ich es mit meinem Aurora-Vibrator versucht. Dieses Spielzeug hat keine Saugfunktion und ist für meinen persönlichen Geschmack weniger invasiv. Meine „Session“ an diesem Tag war nicht toll und obwohl dieser spezielle Vibrator für mich physisch betrachtet einfacher zu händeln ist, habe ich mich danach körperlich nicht großartig gefühlt. Aber meine seelische Stimmung hatte sich definitiv verbessert. Ich habe mich nach dem Masturbieren auf meine Couch gelegt und mir sieben Folgen von The Office angeguckt. Ich hatte immer noch große Schmerzen, aber irgendwie war mir das egal.

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Während des mittleren Teils dieses Experiments hatte ich meinen Eisprung. In der Zeit bin ich meist erregter. Mein Körper schreit dann immer förmlich: „Bitch, lass uns schwanger werden!“ Ich habe mich auf das Masturbieren gefreut, weil ich das Gefühl hatte, so Spannung lösen zu können. Aber es war nicht immer leicht. Zusätzlich zum Gefühl der Erregung gesellten sich auch ein paar neue Schmerzen zur Party dazu. In diesen Tagen habe ich hauptsächlich meinen Le Wand Petite-Vibrator benutzt. Ich liebe einen guten klitorialen Saugvibrator wie den Satisfyer Pro Deluxe, mit dem ich begonnen hatte, aber für den häufigeren Gebrauch ist Le Wand meine erste Wahl. Am 17. Tag hatte ich einen quälenden Krampf, der nach meinem Orgasmus noch stundenlang anhielt. Mir kam es so vor, als würde ich für das Masturbieren bestraft werden. Das hat mich fast dazu verleitet, das ganze Experiment komplett aufzugeben. Das habe ich dann auch kurz.

Immer wenn ich nach dem Masturbieren vermehrt Schmerzen habe, fühlt sich das für mich wie eine Niederlage an. Ich fange an, mich psychisch wieder in den Zustand zu versetzen, in dem ich mich vor Jahren befand, nachdem ich die erste Diagnose bekam. Ich zweifle an meinen Körper und meinem Selbstwertgefühl und frage mich, warum ich mit solchen Schmerzen leben muss, wo ich doch nur versucht habe, meinem Körper etwas Lust zu gönnen. Ich gerate dann in eine Abwärtsspirale und manchmal brauche ich sehr lange, um da wieder rauszukommen. Chronische Schmerzen zu haben, kann sich anfühlen, als ob du dich in einem Hamsterrad bewegst und obwohl ich so verzweifelt aussteigen möchte, kann ich es nicht. Ich muss mich immer weiter drehen. Zwei Tage später, als ich die Zeit fand, meine 30-Tage-Challenge fortzusetzen, beschloss ich, meine Perspektive zu ändern.

Du musst nicht zum Orgasmus kommen, habe ich mir gesagt. Du kannst einfach atmen und dich ein paar Minuten lang gut fühlen. Also habe ich genau das getan. An jenem Tag gelang es mir nicht, den Höhepunkt zu erreichen. Aber das war okay. Es ging mir gut.

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Während der letzten zehn Tage dieses Experiments litt ich unter den Symptomen meiner PMDS. PMDS, für diejenigen, die es nicht wissen, steht für prämenstruelle dysphorische Störung. Das ist ein Zustand, der dem normalen PMS ähnelt, den viele Betroffene vor Beginn ihrer Periode erleben, aber PMDS hat viel schwerwiegendere Symptome. PMDS kann in den ein bis zwei Wochen vor Beginn der Periode schwere Reizbarkeit aber auch Depressionen oder Angstzustände verursachen, wie in meinem Fall. Mein Gehirn überzeugt mich davon, dass mich jede*r in meinem Leben hasst. Ich fange Streit mit den Menschen an, die mir am nächsten stehen, weil ich nicht das Gefühl habe, dass ich es verdiene, eine liebevolle Beziehung in meinem Leben zu haben. Und ich habe wirklich große Schwierigkeiten, aus dem Bett zu kommen. Das bringt mich oft dazu, mich zu fragen, was überhaupt der Sinn meines Lebens ist.

In diesem Monat waren meine Symptome schwerer als sonst. Ich schaffte es einfach nicht, aus dem Bett zu kommen. Ich vermied 48 Stunden lang den Kontakt mit Menschen. Und das letzte, was ich auf der Welt tun wollte, war zu masturbieren. Also hab ich's gelassen.

Als meine Periode begann und meine PMDS-Symptome durch Schmerzen im Lendenwirbelbereich, höllenartige Krämpfe und einen so geschwollenen Unterleib abgelöst wurden, der das Tragen einer Hose unmöglich machte, hatte ich definitiv keine Lust mehr zu masturbieren. Trotzdem habe ich mich dazu gedrängt. Ich will ehrlich sein: Die Idee, meinen Vibrator während meiner Periode zu benutzen, hat mich anfangs angeekelt hat. Ich wollte kein Blut auf meinen schönen Vibratoren. Doch genau dieser Gedanke trieb mich dazu, es trotzdem zu tun. Obwohl ich mich schrecklich fühlte und Unmengen Blut verlor, hatte ich mit meinem We-Vibe Melt einen der besten Orgasmen meines Lebens. Und als ich danach alles sauber gemacht hatte, fühlte ich mich verdammt gut.

Während dieses 30-tägigen Experiments habe ich nicht jeden Tag masturbiert. Aber ich war nah dran. Und während ich keinen Zweifel daran habe, dass irgendein Mann irgendwo diesen Artikel mit irgendeinem abfälligen Kommentar kommentieren wird, möchte ich nur sagen, dass Masturbation und sich selbst einen Orgasmus zu verschaffen, nicht von Natur aus schlecht ist. Es ist nicht etwas, das stigmatisiert oder als beschämend angesehen werden sollte. Es ist absolut großartig und ein wichtiger Aspekt der Selbstliebe.

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Zu lernen, wie ich diese Art von Lust erleben kann, gehört für mich zu den besten Dingen, die ich je für meinen Körper getan habe. So habe ich ein Gefühl der Selbstliebe geweckt, von dem ich nicht mal wusste, dass sie möglich sind. Ich weiß, dass es mir mit meinem Körper und all den Schmerzen, die er mir über die Jahre zugefügt hat, nicht immer gut gehen wird. Doch ich weiß, dass es immer einen Ausweg gibt und ich diesen Moment erleben kann, in dem ich einfach nur atme und mir erlaube, mich gut zu fühlen – wenn auch nur für ein paar Minuten.

Daher ein Hoch auf das Masturbieren als eine Form der Selbstpflege. Für mich hat sich mein Leben damit in vielerlei Hinsicht verändert.

Und nun zu einigen Dingen, die ich während der Zeit gelernt habe.

1. Es sollte eigentlich „einfach“ sein, jeden Tag zu masturbieren, aber wie bei allem anderen, kommt das Leben in die Quere. Sich dafür Zeit zu nehmen, hat sich genauso angefühlt, wie sich Zeit für andere Dinge zu nehmen, die gut für mich sind – wie Meditation, gesundes Essen, Atem- und Entspannungsübungen und so weiter. In gewisser Weise fing das Experiment am Ende an, sich wie eine Aufgabe anzufühlen, an die ich mich erinnern musste, aber die mit einer großen Belohnung einherging.

2. Es gibt so viele verschiedene Arten von Vibratoren und ich habe gelernt, dass wenn einer für mich nicht funktioniert, ein anderer es vielleicht tut, also ist es gut zu experimentieren, wenn und wann du kannst.

3. Wegen der Art und Weise, wie mir Masturbation, insbesondere für Frauen, so ziemlich mein ganzes Leben lang durch die Gesellschaft dargestellt und vermittelt wurde, hat sie sich immer ein wenig falsch angefühlt. Aber je mehr ich masturbiert habe und je mehr ich es für mich selbst tat, um mir etwas Gutes zu tun, desto seltener fühlte ich mich unwohl dabei. Masturbieren ist natürlich!

4. Variation tat gut! Ich habe verschiedene Arten von Musik gehört. An manchen Tagen tat ich es morgens, an anderen abends, an verschiedenen Orten meiner Wohnung. Es war gut, mir einfach die Erlaubnis zu geben, es zu tun, wann und wo auch immer in meiner Wohnung ich wollte.

5. Die Verwendung von CBD-getränktem Gleitmittel war für mich nach der ersten Woche oder so entscheidend. Mir hat's geholfen, die Reizungen an meiner Vulva, Klitoris und anderswo zu reduzieren und intensivere Orgasmen zu erleben.

6. Im Allgemeinen habe ich mich nach dem Masturbieren psychisch besser gefühlt, auch wenn es mir körperlich nicht so gut ging. Es half mir wirklich bei meinen Launen.

7. Ich schlief insgesamt besser (ca. 85 Prozent der Zeit), wenn ich direkt vor dem Schlafengehen masturbiert habe.

Ein Hoch auf den Orgasmus!

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Dieser Artikel erschien zuerst auf Englisch.

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