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Instagram hat mich so unglücklich gemacht wie noch nie – jetzt wehre ich mich dagegen

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Obwohl ich die Makel, die mich verunsicherten, auf Social Media entfernen konnte, blieben sie im echten Leben. Gleichzeitig trug ich selbst dazu bei, dass andere sich mit einer unechten Version von mir vergleichen konnten.

„Du siehst perfekt aus“, schreibt ein Follower unter mein neustes Instagram-Bild. Was als Kompliment gemeint ist, lässt mich innerlich zusammenzucken. Denn ich weiß, dass ich das nicht bin. Meine Haut ist weichgezeichnet, meine Beine verlängert und mein Gesicht nachträglich geschminkt. „Perfekt“ scheint mir in diesem Moment so unerreichbar zu sein und dennoch sind es auf Instagram alle. Täglich werde ich dort mit porenloser Haut, makellosen Körpern und fehlerlosen Leben konfrontiert, während mir im Spiegel eine ganz normale junge Frau entgegenblickt, die leicht unreine Haut, kleine Dellen und heute so gar keine Lust auf Sport hat. Doch auf Instagram habe auch ich mich anders dargestellt.

Alles begann vor neun Monaten, als ich mich dazu entschieden habe, nicht mehr nur Madita, sondern auch @aboutmadita auf Instagram zu sein, und meine Geschichte zu einem gesünderen und selbstbewussteren Ich zu teilen. Rückblickend ist das wirklich paradox. Denn genau dieser Schritt hatte mich so unzufrieden werden lassen, wie ich es zuvor noch nie in meinem Leben war.

Es fing damit an, dass ich immer mehr darauf geachtet habe, wie viele Likes meine Bilder bekamen. Waren es viele, habe ich mich gut gefühlt. Waren es wenige, nahm ich mir das zu Herzen. Andere Accounts schienen immer beliebter, ihre Körper perfekter und ihr Leben besser zu sein. Ich habe täglich viel Zeit mit der App vebracht. Wenn ich morgens aufstand, griff ich automatisch zum Handy – erst mal den Instagram-Feed checken, ohne zu bemerken, dass bereits eine halbe Stunde vergangen war. Den Tag über versuchte ich dann auf meiner Story meinen Fitness-Alltag zu teilen. Eine Pflicht, denn wer auf Instagram wachsen will, muss natürlich ständig präsent sein. Doch vom ganzen Dokumentieren, waren meine Mahlzeiten bereits kalt, bevor ich sie überhaupt essen konnte, und bei meinen Workouts war ich vor dem eigentlichen Trainingsbeginn schon längst nicht mehr aufgewärmt.

Abends ist die Prime-Time auf Instagram, also die Zeit, in der die meisten Leute online sind – oder um es ganz anders auszudrücken, meine Panik-Zeit. In meinen Augen sah mir jetzt die ganze Welt zu. Noch viel schlimmer: Menschen, die ich kannte und vor denen ich auf keinen Fall schlecht dastehen wollte. Alles musste jetzt vorbereitetet sein: das perfekte Bild, ein inspirierender Text und die passenden Hashtags. Da meine Fotos jedoch nicht so perfekt aussahen, wie die der großen Accounts, griff ich oft zur Wunderwaffe: Apps zur Bildbearbeitung wie Facetune oder Lightroom. Die Farben in meinen Bildern wurden dadurch schöner, mein Körper makel- und meine Haut porenloser. Doch je perfekter meine Fotos auf Instagram aussahen, desto schlechter habe ich mich in der Realität gefühlt. Denn obwohl ich die Makel, die mich verunsicherten, auf Social Media entfernen konnte, blieben sie im echten Leben. Gleichzeitig trug ich selbst dazu bei, dass andere sich mit einer unechten Version von mir vergleichen konnten. Von Tag zu Tag ging es mir schlechter damit, vorzugeben jemand zu sein, der ich einfach nicht bin und einem Schönheitsideal nachzueifern, das unerreichbar ist.

Ich wollte nicht mehr perfekt sein, ich wollte einfach nur noch ich sein. Madita eben und das ganz ohne Druck. Doch ist das auf Social Media überhaupt möglich?

Eines morgens, als ich anstatt zu schlafen stundenlang meine Bilder bearbeitete und mich langsam fragte, ob diese Plattform mich krank macht, fasste ich einen Entschluss: „Entweder ich lösche jetzt sofort meinen Account oder ich finde einen Weg Instagram zu nutzten, ohne davon negativ beeinflusst zu werden.“ Dieser Morgen war wirklich ein Warnsignal für mich, weil ich es liebe, lange auszuschlafen und ich nicht umsonst den Spitznamen Dornröschen trage.

Da mein Wunsch nach Perfektion langsam tatsächlich krankhafte Züge annahm, riss ich mir diese Maske herunter. Darum habe ich mich vor einem Monat dazu entschlossen, meine Bilder einfach gar nicht mehr zu bearbeiten: keine Filter, keine Retusche, keine Tricksereien. Nur ich und das auf einer Plattform, die von einer Makellosigkeit lebt, mit der ich inzwischen etwas Geld verdiente.

Die Farben in meinen Bildern wurden auf einmal wieder fader, mein Körper normaler und meine Haut unreiner. Doch zum allerersten Mal fühlte es sich gut an, etwas hochzuladen. Ganz ohne Druck. Ohne Vergleichen. Ohne Perfektion.

Ich glaube, dass andere es spüren, wenn man plötzlich ehrlich ist. Denn auf meine weiteren Posts bekam ich so viel positives Feedback wie noch nie zuvor – und das ganz ohne Bearbeitung. Und wisst ihr was? Ein Kompliment auf ein echtes Bild fühlt sich einfach so viel besser an, als Tausende auf ein unechtes.

Instagram hat viele negative Einflüsse auf mein Leben gehabt. Doch gerade durch dieses Feedback wurde ich daran erinnert, dass man die Plattform auch fürs Positive nutzen kann: anderen helfen, authentisch sein, aufklären.

Täglich werden durchschnittlich rund 95 Millionen Posts auf Instagram veröffentlicht. Ich nehme an, dass der Großteil davon bearbeitet ist. Kein Wunder, denn inzwischen braucht das ja nur noch wenige Sekunden. Aber im wahren Leben gibt es keine Filter. Was nicht schlimm sein sollte. Wenn jedoch auf Instagram jeder vorgibt, völlig fehlerfrei zu sein, bleibt einem immer die Frage im Kopf hängen: Wieso bin ich das nicht? Automatisch vergleichen wir uns mit Menschen, die wir nicht kennen und von deren Bildern wir nicht wissen, wie echt sie sind. Um so perfekt zu sein wie sie, müssen wir nur eine teure Anti-Cellulite-Creme kaufen, einen Sechs-Wochen-Sixpack-Plan absolvieren oder das neueste Superfood essen. Wer es jedoch ganz schnell haben will, tut einfach so als ob.

Macht das glücklich? Ich kann das aus meiner Erfahrungen heraus nur verneinen. Keine Likes der Welt können mich je zufrieden stellen, so lange ich nicht zufrieden mit mir selbst bin. Und diese Verwandlung zur #Selbstliebe, ist eine langsame Entwicklung und kein Hashtag, den ich mir einfach mal schnell über mein Leben setzen kann.

Ich nutze Instagram nun, um mich meinen eigenen Unsicherheiten zu stellen, und dort zu mehr Realität beizutragen. Ganz bewusst versuche ich mich davon abzuhalten, mich weiterhin mit anderen zu vergleichen oder meine Stimmung von Likes abhängig zu machen. Durch meine Message auf Instagram hoffe ich, auch anderen mit ähnlichen Problemen helfen zu können.

Denn eins steht fest: Social Media verursacht und verstärkt Unsicherheiten, weil wir uns dort mit anderen vergleichen, von denen wir nur Äußerlichkeiten zu sehen bekommen. Wir alle haben dort eine Fassade geschaffen, die mit dem wahren Leben wenig zu tun hat. Ich will etwas dagegen tun. Mich nicht mehr hinter geschönten Bildern zu verstecken, war ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Ich zeige, wer ich bin – und das auch auf Instagram.

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