1. BuzzFeed
  2. Buzz

Was ist eigentlich K-Pop?

Erstellt: Aktualisiert:

Die südkoreanische Boyband NCT DREAM
Die südkoreanische Boyband NCT DREAM © Penta Press / IMAGO

In Deutschland gehört Popmusik neben Rock zu den beliebtesten Genres, die am meisten gehört und am häufigsten im Radio gespielt werden. Doch immer häufiger begeistern Bands mit dem Musikstil K-Pop. Obwohl diese Musikrichtung in anderen Teilen der Welt längst viele Anhänger hat, ist sie in Deutschland noch recht unbekannt. Aber die Zahl der Fans steigt stetig.

Seoul – K-Pop ist beliebte Musik aus Korea, um genau zu sein aus Südkorea. Der Musikstil verbindet Elemente aus klassisch westlichem Pop und traditioneller koreanischer Musik. Das Ergebnis klingt ähnlich wie moderne Popmusik aus dem Westen, doch ist K-Pop facettenreicher und bietet mehr Abwechslung.

K-Pop: Der Musikstil und seine frühe Geschichte

Es wird angenommen, dass die Grundlagen für den heutigen Musikstil K-Pop bereits Anfang des 20. Jahrhunderts gelegt worden sind. Damals geriet Korea erst unter das Protektorat Japans, ab 1910 annektierten die Japaner das Land und ließen es als Provinz komplett in ihrem Staat aufgehen.

Musik spielt für die Koreaner eine große Rolle. Während der Fremdherrschaft Japans war den Bewohnern der koreanischen Halbinsel allerdings das traditionelle Musizieren verboten. Gefühlen und Gedanken künstlerisch und musikalisch Ausdruck zu verleihen, das war den Japanern vorbehalten. Ebenso wie ihre Musik mussten die Koreaner ihre Sprache und ihre Religion aufgeben.

Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entdeckten die Koreaner ihren eigenen musikalischen Ausdruck wieder. Außerdem gab es ab etwa 1950 einen starken Einfluss durch westliche Musik, die durch Konzerte der amerikanischen Streitkräfte in Korea bekannt und populär wurde. Das animierte viele junge Koreaner, Bands nach US-amerikanischem Vorbild zu gründen.

Zu Beginn der 1990-er Jahre gründete der Popmusiker Seo Taiji die Band „Seo Taiji und Boys“. Er fügte seiner Musik Rock-, Rap- und Techno-Elemente zu. Der Musikstil K-Pop war geboren und viele Bands eiferten diesem Vorbild nach.

Musikstil K-Pop – die Geschichte in Deutschland

K-Pop, also Korean Popular Music, ist heute der der erfolgreichste Musikstil aus Asien. J-Pop (Popmusik aus Japan) oder C-Pop (Popmusik aus China) ist weniger gefragt. In Malaysia dient dieser Musikstil aus Korea sogar dazu, sprachliche und kulturelle Barrieren zu überwinden. Die Malaien, Chinesen und Inder im Land schätzen die Popmusik aus Korea alle gleichermaßen.

In Deutschland dagegen wird K-Pop erst langsam zum Trend. In den Jahren ab 2010 begann der Musiksender Viva langsam, Popsongs aus Korea zu spielen und diesem Musikstil immer mehr Sendezeit einzuräumen. Allerdings blieb die Resonanz der Zuschauer verhalten. Das änderte sich erst mit den Olympischen Winterspielen 2018, die in Südkorea ausgetragen wurden. Die musikalische Untermalung der Spiele bestand in erster Linie aus dem frechen Musikstil aus Korea und das thematisierten auch die Medien in Deutschland, Europa und den USA.

Einen weiteren Begeisterungsschub erzeugte der Auftritt der Künstlerin Netta aus Israel, die beim Eurovision Song Contest 2018 mit dem Song Toy ein Stück performte, das stark vom K-Pop beeinflusst war. Mit der Boygroup BTS, die K-Pop in die US-Charts brachte, wuchs die Begeisterung noch weiter.

Musikstil K-Pop – Talentagenturen als Erfolgsgeheimnis

Beim K-Pop gibt es eine Besonderheit, die zu Kontroversen um den Musikstil führt. Bereits Mitte der 1990er Jahre erkannten einige Musikmanager das große Potenzial der neuen Musikrichtung und gründeten Agenturen. Diese Talentagenturen nahmen nicht nur junge Künstler auf und vermarkteten diese. Sie begannen ebenfalls frühzeitig damit, mögliche Talente unter Vertrag zu nehmen und auszubilden. Zum Unterricht gehören unter anderem folgende Fächer:

Die jungen Talente erhalten ständig Noten in den einzelnen Disziplinen Ihrer Ausbildung. Nur die Top-Performer haben dann die Chance für eine Band, die diesen Musikstil spielt, ausgewählt zu werden. Die Mitglieder dieser durch Casting zusammengestellten Bands werden als „South Korean Idols“ oder kurz als „Idols“ bezeichnet.

Zwar ist das wichtigste Merkmal des K-Pop die Sprache, die Songs werden auf Koreanisch vorgetragen und enthalten maximal einzelne englische Vokabeln. Aber ein weiteres Markenzeichen sind die mit Bedacht ausgesuchten Stars. Die „Idols“ begeistern ihre Fans durch ein überdurchschnittlich gutes Aussehen und ziehen bei ihren Auftritten die Zuschauer mit komplizierten Choreografien in den Bann.

Musikstil K-Pop – Talentagenturen in der Kritik

Der Markt des K-Pop wird von drei großen Agenturen beherrscht, die bereits zu Beginn in diesen Musikstil investiert haben. Das sind:

Diese stehen ebenso wie kleinere Mitbewerber in der Kritik. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen beeinflussen die Agenturen das Leben der Idols extrem. Die Schönheit, der Fleiß und die Perfektion mit der K-Pop vorgetragen wird, macht die Interpreten zu Vorbildern vieler Menschen in Asien und auf der ganzen Welt. Entsprechend hoch ist der Anspruch an einen einwandfreien Lebenswandel, ohne den Hauch von Unzulänglichkeit oder Nachlässigkeit. Dazu stehen die Künstler permanent unter dem Druck, Bestleistungen zu liefern und niemals zu schwächeln. Weiterhin wird der Branche vorgeworfen, dass es zu sexueller Ausbeutung kommt und bereits Minderjährige davon betroffen sind.

Ein weiteres Problem liegt in den Verträgen, die Talentagenturen mit den K-Pop-Künstlern schließen. Diese erstrecken sich oft über mehr als ein Jahrzehnt und billigen den Idols nur einen kleinen Teil der Einnahmen zu. Von diesen werden Ausgaben für Unterkunft, Training, Choreograph und weitere Posten abgezogen. Einige Stars haben sich bereits aus Verzweiflung das Leben genommen.

Musikstil K-Pop – die bekanntesten Gruppen

Seit Seo Taiji and Boys und der Boygroup BTS ist viel Zeit vergangen und einige interessante Gruppen haben den Musikstil K-Pop geprägt und weiterentwickelt. Wobei die 2013 gegründete Gruppe BTS bis heute unangefochten den Spitzenplatz einnimmt. Das zeigt das Brand Reputation Ranking (Rangliste der Markenreputation) 2021, das die Medienberichterstattung, das Verbraucherverhalten, die Interaktionen der Bands und deren Popularitätsindex auswertet.

Auf dem zweiten Rang in der Beliebtheitsskala rangiert die gruppe NCT. Das Kürzel steht für Neo Culture Technology. Die 2016 gegründete Boygroup besteht seit Oktober 2020 aus 23 Mitgliedern, die sich auf vier Untergruppen verteilen. Das sind:

Für 2021 plant die hinter der Gruppe stehende Talentagentur SM Entertainment in Kooperation mit MGM (bekannte US-amerikanische Filmproduktionsgesellschaft) eine fünfte Untergruppe: NCT Hollywood. Diese soll der amerikanische Ableger der K-Pop-Band werden und über eine Castingshow im amerikanischen Fernsehen besetzt werden.

Weitere bekannte Gruppen mit männlichen Idolen sind:

Auch Girlgroups sind beim K-Pop beliebt. Zu den erfolgreichsten gehören:

Musikstil K-Pop: geplanter weltweiter Erfolg

Dass der Musikstil K-Pop nicht nur in Südkorea punktet, sondern ebenso in anderen asiatischen Nationen beliebter ist als Produktionen aus dem eigenen Land und auch die restliche Welt immer weiter erobert, hat verschiedene Gründe. Ein Pluspunkt liegt sicher in den eingängigen Melodien, die begeistern und zum Tanzen anregen, selbst wenn der Gesang in einer fremden Sprache erklingt. Weltweiter Erfolg ist aber insbesondere deshalb möglich, weil die sogenannten Idols als Vorbilder dienen. Sie werden als besonders attraktiv wahrgenommen und avancieren daher in der Zielgruppe schnell zu Vorbildern. Die Fans schätzen nicht nur die hervorragenden Leistungen in Gesang und Tanz sowie das „saubere“ Image der Künstler. Sie sehen auch, welche Disziplin und welches Training hinter den Triumpfen Ihrer Idole steckt. K-Pop-Bands zeigen, dass sich unbedingter Wille zum Erfolg, Disziplin und Durchhaltevermögen auszahlen und regen die Zuschauer dazu an, ähnliche Werte zu leben.

Auch interessant

Kommentare