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In „Black Widow“ geht‘s nicht nur um Natasha, sondern auch um die Gräueltaten an Millionen junger Mädchen

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Die junge Natasha hält ihre kleine Schwester im Arm, beide sitzen ängstlich in einem Container voller Mädchen. Daneben die erwachsene Natasha mit blutender Nase und schockierten Gesichtsausdruck.
Marvels „Black Widow“: Mehr als Natashas Hintergrundgeschichte © Marvel/via Disney+

„Black Widow“ beeindruckt nicht nur mit geballter Action, sondern auch durch die starke Auseinandersetzung mit den Schrecken des Menschenhandels.

„Black Widow“ ist endlich da! Und Marvel hat mit diesem Film einen ganz schönen Hammer abgeliefert.

Dieser Film bringt alles, was ich erwartet habe, und mehr. Es gibt viel Drama, aber trotzdem auch viel Comic Relief. Endlich tauchen wir in Natashas Vergangenheit ein und ich bin sowas von Fan dieser Familiendynamik.

Alexei hält Natasha und Yelena an je einem Handgelenk. Die beiden sehen ihn irritiert und genervt an.
,Familientreffen‘ in „Black Widow“ © Marvel/via Disney+

PLUS! Der Film bringt uns Yelena Belova (alias meine Königin, Florence Pugh).

Yelena fragt Natasha warum sie das eigentlich immer macht. Darauf macht sie Natashas Kampf-Move vor, bei dem sie das Bein zur Seite streckt und ihre Haare hoch wirft.
Natashas „Black Widow“-Move © Marvel/via Disney+

Die Natasha in ihrem eigenen Film verarscht. So meta.

Was für mich aber wirklich herausgestochen ist, war die Symbolik in diesem Film. Ganz besonders, als es um Menschenhandel und die reproduktiven Rechte von Frauen geht.

Yelena sitzt auf dem Beifahrersitz eines Sportwagens und sagt: “Ich hatte noch nie Kontrolle über mein eigenes Leben, bis jetzt.”
Yelena spricht über ihr vergangenes Leben in „Black Widow“ © Marvel/via Disney+

„Black Widow“ (Marvel): MASSIVE SPOILER voraus!!!!!!!!

„Black Widow“ ist natürlich nicht der erste Marvel-Film, der Probleme in unserer Gesellschaft thematisiert: In „Black Panther“ ging‘s um Isolationismus und Unterdrückung. „Falcon and the Winter Soldier“ hat sich um Polizeibrutalität und globale Proteste gedreht.

Doch „Black Widow“ hat großartige Arbeit dabei geleistet, die Schrecken des Menschenhandels darzustellen und trotzdem ein unterhaltsamer Marvel-Film zu sein.

Yelena fragt die befreiten Widows, ob sie ihretwegen zurückgekommen sind. Eine der Widows antwortet: „Wir würden euch nicht zurücklassen.“
Die Widows kommen für Natasha und Yelena zurück („Black Widow“) © Marvel/via Disney+

Der Vorspann – für viele der erschreckendste in der MCU-Geschichte – zeigt die Gehirnwäsche, die an Orten stattfindet, an denen Opfer von Menschenhandel oft untergebracht sind.

Die junge Natasha im Roten Raum wird von einem Bildschirm beschallt.
Die junge Natasha im Roten Raum („Black Widow“) © Marvel/via Disney+

Opfer werden konstant daran erinnert, niemandem von außerhalb zu trauen. Gleichzeitig wird ihnen solche Angst gemacht, dass sie glauben, selbst bei einer Flucht keinen Zufluchtsort zu finden.

Scheinbar endlos lange schwenkt die Kamera über die Gesicht der verängstigten Mädchen, denen in diesem Moment ihre Identität geraubt wird, bevor sie in den Roten Raum geschickt werden.

Entführte Mädchen im Vorspann von „Black Widow“ stehen vor einem Container nebeneinander
Entführte Mädchen im Vorspann von „Black Widow“ © Marvel/ via Disney+

In einer unheimlich realistischen Szene werden Natasha und Yelena gewaltsam voneinander getrennt und völlig aufgelöst in große Lieferwagen gebracht.

Die junge Yelena hält Natashas Arm fest, während diese von einem in schwarzer Kampfmontur weggezogen wird.
Yelena und Natasha werden in „Black Widow“ getrennt © Marvel/via Disney+
Die Hände der beiden Mädchen werden gewaltsam voneinander getrennt.
Yelena und Natasha werden in „Black Widow“ getrennt © Marvel/via Diseny+

Der Marvel-Film zeigt gnadenlos auf das Grauen des Menschenhandels, darunter potenziell tödliche Experimente am Menschen.

Ein totes Mädchen liegt mit offenen Augen da. Auf ihre Stirn ist eine Linie aufgemalt.
Ein totes Mädchen im Roten Raum („Black Widow“) © Marvel/via Disney+

Ich habe bisher in keinem Marvel-Film einen so düsteren Vorspann gesehen, doch er ist absolut notwendig.

Was mich zu dem wahrscheinlich herzzerreißendsten Teil des Films bringt: Melina, Natashas und Yelenas Adoptivmutter. Opfer von Menschenhandel werden oft von Menschen verkauft, die ihnen nahe stehen. Melina ist selbst ein Produkt des Roten Raums. Und obwohl sie später zur Heldin wird, zeigt ihre Beteiligung an der ersten Gefangennahme ihrer Töchter den Teufelskreis des Missbrauchs, in dem die Familien der Opfer stecken können.

Melina spricht von ihrer Vergangenheit: “Wusstest du, dass ich den Roten Raum schon viermal durchlaufen hatte, bevor du auf die Welt kamst? Ich kannte nichts anderes. Ich hatte niemals eine Wahl.”
Melina gibt etwas von sich Preis („Black Widow“) © Marvel/via Disney+

Dann haben wir da die Szene, in der Yelena Alexei den Vorgang einer unfreiwilligen Hysterektomie erklärt, die Entfernung des Uterus. Nach ihrem Training im Roten Raum werden die Mädchen einer Zwangssterilisation unterzogen, was zur Folge hat, dass sie ihre Periode nicht mehr bekommen und nicht schwanger werden können.

Yelena spricht über ihre unfreiwillige Hysterektomie: “Ich krieg meine Periode nicht, du Vollidiot. Ich hab keinen Uterus. Tja, so ist das, wenn der Rote Raum dir eine unfreiwillige Hysterektomie verpasst.”
Yelena spricht über ihre unfreiwillige Hysterektomie („Black Widow“) © Marvel/via Disney+

Der Umgang mit dem Thema mag in dieser Szene etwas unsensibel sein. Fakt ist jedoch, dass Zwangssterilisation in der Vergangenheit oft ein Mittel war, um Gruppen unterdrückter Menschen zu kontrollieren. Die Opfer von Menschenhandel – insbesondere Sexhandel – sind keine Ausnahme.

Dann haben wir im Finale den Moment, in dem Natasha, den Mann nicht angreifen kann, der für ihr Leid verantwortlich ist. Da Dreykov allen Widows eine Pheromonsperre auferlegt hat, die sie daran hindert, sich gegen ihn zu wehren.

Dreykov sagt zu Natasha: “Es gibt eine Pheromonsperre. Du riechst meine Pheromone und dashindert dich daran, Gewalt gegen mich auszuüben.”
Natasha kann Dreykov nicht angreifen („Black Widow“) © Marvel/via Disney+

Eine Pheromonsperre ist natürlich erfunden, die Symbolik des Kontrollverlusts ist jedoch real. Opfer von Menschenhandel werden häufig Drogen (insbesondere Opioiden) ausgesetzt, damit Missbrauchstäter*innen sie leichter manipulieren und ausbeuten können.

Und schließlich die Zeile, die beinahe mein Herz gebrochen hat, als Dreykov sagt: „... mit Hilfe der einzigen Ressource, von der es auf der Welt zu viel gibt: Mädchen.“

Dreykov zeigt Natasha auf seinem Screen die entführten Mädchen aus dem Widow-Programm
Dreykov zeigt Natasha die Mädchen aus dem Widow-Programm („Black Widow“) © Marvel/via Disney+

Weltweit ist jedes dritte Opfer von Menschenhandel ein Kind. Und in Ländern mit niedrigem Einkommen machen Kinder die Hälfte der Opfer von Menschenhandel aus.

All die Gräueltaten, die Yelena und Natasha ertragen müssen, machen das Ende des Films umso stärker. Natasha bricht sich gewaltsam die Nase, um die Pheromonsperre wirkungslos zu machen, wodurch Dreykovs Kontrolle über sie endet und sie sich ein für alle Mal befreit.

Natasha sagt zu Dreykov: „Du warst nicht stark genug, darum muss ich es selbst zu Ende bringen.“
Natasha total badass in „Black Widow“ © Marvel/via Disney+
Natasha schlägt ihren Kopf gegen den Tisch und sagt: „Den Nerv durchtrennen.“
Natasha bricht sich selbst die Nase in „Black Widow“ © Marvel/via Disney+

Sie übernimmt wieder selbst die Kontrolle und ihr Recht auf einen freien Willen. Für mich war dieser Moment symbolisch für die Stärke, Widerstandskraft und das Überwinden der Gräuel, die Opfer von Menschenhandel ertragen müssen.

Ich applaudiere Marvel und Regisseurin Cate Shortland dafür, dass sie einen Film geschaffen haben, der sich mit einem so wichtigen Thema befasst, das dem Publikum dadurch leichter zugänglich wird.

Cate Shortland, Scarlett Johansson, Florence Pugh und David Harbour am Set von „Black Widow“ sehen gemeinsam ins Drehbuch.
Scarlett Johansson, Cate Shortland, Florence Pugh und David Harbour (v.l.n.r.) am Set von „Black Widow“ © Marvel/via Prod.DB/Imago

Ein Grund, warum dieser Film so großartig ist, besteht darin, dass er nicht nur von einer knallharten Superheldin handelt, sondern von einer knallharten Superheldin, die gegen den Horror der realen Welt kämpft UND gewinnt.

Was hältst du von Natashas Hintergrundgeschichte, der Symbolik des Films und der Bedeutung von „Black Widow“ im MCU? Verrate es uns in den Kommentaren. Und wenn du den Film bereits gesehen hast und dich für die Comicbuchvorlage interessierst, kannst du hier alles über die „Black Widow“-Charaktere nachlesen.

Übersetzt von einem Post von Andria Moore.

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