Echtes Method Acting.

17 Schauspieler*innen, die für einen Film viel weiter als nötig gegangen sind

„Mein Orgasmus-Gesicht ist für die Ewigkeit festgehalten.“

Übersetzt aus dem Englischen von einem Post von Sam Cleal.

Für diejenigen, die nicht mit Method Acting vertraut sind: Dabei handelt es sich praktisch um eine Schauspielmethode, in der mit den eigenen Gefühlen und Erfahrungen ein Bezug zu dem Charakter geschaffen wird, den man spielt. Typischerweise leben Method Actor diese Rolle geradezu, um diese vollständig zu verkörpern.

Die Technik wurde in den 1930ern von Lee Strasberg und Elia Kazan entwickelt. Verwendet haben sie dabei Ideen, die bereits 30 Jahre zuvor vom russischen Schauspiellehrer Konstantin Stanislavski angewandt wurden. Method Acting ist eine auf Emotionen basierende Technik, die im Gegensatz zum klassischen Schauspiel am Theater steht, welches sich eher mit Handlungen als Gefühlen beschäftigt.

Hier sind einige der extremsten Beispiele für Method Acting von Schauspieler*innen, die damit ihre Rollen besser verstehen wollten:

1. Um den legendären Sänger und Songwriter Ray Charles zu spielen - der seit seinem siebten Lebensjahr blind war - klebte Jamie Foxx sich mit künstlichen Lidern die Augen zu.

Jamie Foxx als Ray Charles

Tatsächlich hat der Regisseur von „Ray“ Taylor Hackford diese Methode vorgeschlagen, worauf Jamie Foxx bis zu 14 Stunden am Tag mit den extra angefertigten Prothesen auf den Augen verbracht hat. Noch dazu haben Jamies Kolleg*innen des Öfteren vergessen, dass er nichts sehen konnte und haben ihn am Set allein gelassen, wo er sich selbst zurechtfinden musste.

2. Tom Holland ging für seine Rolle als Peter Parker in „Spider-Man: Homecoming“ extra auf eine Highschool in der Bronx, um echte Erfahrungen und Eindrücke des Alltags auf einer amerikanischen Schule zu sammeln.

Tom Holland in „Spider-Man: Homecoming“

Um Peter Parker - einen 15-jährigen New Yorker - zu spielen, ging Tom drei Tage zur Schule und benutzte dabei einen falschen Namen und Akzent. Er hat einer Mitschülerin sogar erzählt, dass er Spider-Man ist, was diese ihm aber nicht geglaubt hat. Tom meinte später, dass ihm diese realen Interaktionen bei der Charakterisierung von Peter geholfen haben.

3. Für ihre legendäre Rolle in „Das Schweigen der Lämmer“ besuchte Jodie Foster wie ihre Rolle Clarice das Ausbildungs- und Trainingszentrums des FBI in Virginia.

Jodie Foster in "Das Schweigen der Lämmer“

Jodie tauchte dabei komplett in die tägliche Routine der Auszubildenden in Quantico ein. Sie hat dabei auch Senior FBI Officers und Serienmörder-Expert*innen getroffen, um mehr über ihre Rolle zu lernen. Ihr Co-Star Scott Glenn ging die Sache etwas anders an und hörte sich bei einer Gelegenheit eine Aufnahme von einem Serienmörder-Paar an, das ihre Opfer folterte und umbrachte. Später sagte der Schauspieler, dass er damit wohl etwas zu weit gegangen sei.

4. In einem Interview behaupte Robert Pattinson, dass er während der Dreharbeiten von „Der Leuchtturm“ oft betrunken war und sich deshalb sogar einmal selbst eingenässt hätte.

Robert Pattinson in "Der Leuchtturm"

Später ruderte er mit diesen Aussagen etwas zurück und und auch Regisseur Robert Eggers dementierte, dass Pattinson am Set betrunken war - was aber nicht heißen soll, dass sich Pattinson nicht trotzdem sehr in seine Rolle hineingesteigert hat. Immerhin hat seine sehr authentische Masturbationsszene für eine Menge Gesprächsstoff gesorgt. Außerdem bestätigte Pattinson, dass er für den Film eine Menge Matsch gegessen hat.

5. In seiner Rolle als Salvador Dali in „Little Ashes“ hat Robert Pattinson wirklich masturbiert und die Szene schaffte es sogar in den Film!

Robert Pattinson als Salvador Dali in "Little Ashes"

Robs Rolle im Film erforderte einige Sexszenen. In einer davon, sollte er so tun, als würde er masturbieren, während ein anderer Schauspieler neben ihm saß. Allerdings entschied sich Pattinson dafür, die Sache durchzuziehen, weil nur so zu tun wohl nicht den gleichen Effekt gehabt hätte. Später sagte er dazu: „Mein Orgasmus-Gesicht ist für die Ewigkeit festgehalten.“

6. Für „Der letzte König von Schottland“ lernte Forest Whitaker Swahili und aß nichts weiter als zerstampfte Bananen und Bohnen.

Forest Whitaker in "Der letzte König von Schottland"

Whitaker spielte den früheren ugandischen Diktator Idi Amin und steckte extrem viel Vorbereitung in die Darstellung der Rolle. Er lernte Swahili zu sprechen, um während der Dreharbeiten auch improvisieren zu können. Er nahm außerdem an Gewicht zu und lies sich seine Haut dunkler färben, damit er Amin ähnlicher sah. Um seine Rolle noch besser zu verstehen, verbrachte Whitaker außerdem dreieinhalb Monate in Uganda und sprach dort mit Freunden, Verwandten und auch Opfern des Diktators. Die Mühe hat sich bezahlt gemacht: Für seine Rolle bekam der Schauspieler einen Oscar.

7. Adrien Brody gab seine Wohnung, sein Auto und viele seiner Besitztümer auf, um ein Opfer des Holocausts in „Der Pianist“ zu spielen.

Adrian Brody in "Der Pianist"

Um in die Gedankenwelt des polnisch-jüdischen Musikers Wladyslaw Szpilman einzudringen - der während des 2. Weltkriegs im Warschauer Ghetto ausharren musste - entschloss sich Adrian dazu, nur noch vom Nötigsten zu leben. Er verkaufte das meiste seines Besitzes und zog mit nur zwei Taschen nach Europa. Dort unterzog er sich einer strengen Diät, um so zumindest einen Bruchteil von dem nachempfinden zu können, was Szpilman während des Holocausts erlebt hat.

8. Für ihre Rolle als Primaballerina in „Black Swan“ verbrachte Natalie Portman acht Stunden am Tag damit, ihre Tanzschritte zu lernen.

Natalie Portman in "Black Swan"

Es ist wahrscheinlich keine große Überraschung, dass Natalie Portman viel Zeit investiert hat, um eine professionelle Balletttänzerin spielen zu können. Sechs Monate vor Drehbeginn ging es mit dem Balletttraining los, welches dann mit der Zeit immer weiter gesteigert wurde - zu den zunächst zwei Stunden täglich kamen später auch noch Workouts und Ausdauertraining hinzu. Dabei setzte sich Portman extremen Schmerzen aus. Sie selbst sagte später dazu, dass sie in dieser Zeit kaum ihre Freunde gesehen, viel zu wenig getrunken und kaum gegessen hat.

9. Um sich auf seine Rolle in „Zoff in Beverly Hills“ vorzubereiten, lebte Nick Nolte fünf Wochen lang als Obdachloser.

Nick Nolte in "Zoff in Beverly Hills"

Nick spielte in dem Film eine Art Philosophen und Vagabunden. Während seiner Vorbereitung auf die Rolle lebte der Schauspieler auf den Straßen von Los Angeles. Während der Dreharbeiten aß er sogar Hundefutter - zweimal. Einmal aus einem Napf, das andere mal aus der Dose.

10. Jamie Lee Curtis hat für ihre Rolle im Film „Freaky Friday“ wirklich gelernt Gitarre zu spielen, um Annas Solo so richtig rocken zu können.

Jamie Lee Curtis und Lindsey Lohan in "Freaky Friday"

Gegen Ende des ikonischen Körpertausch-Films musste Jamie - die zu diesem Zeitpunkt ihre Onscreen-Tochter Anna spielt - ein krasses Gitarrensolo hinlegen. Und weißt du was? Sie hat dafür extra gelernt Gitarre zu spielen, um den Auftritt realistischer wirken zu lassen. Ihr Solo wurde zwar am Ende nicht für den Soundtrack benutzt, aber Jamie sagte selbst, dass sie es hätte einspielen können, wenn man sie gelassen hätte.

11. In den Filmen des MCU sprach Chadwick Boseman auch zwischen den Takes in T‘Challas Akzent.

Chadwick Boseman als Black Panther

T‘Challas Akzent war Boseman von Anfang an wichtig! Marvel war sich zuerst nicht sicher, ob T‘Challa (Black Panther) einen afrikanischen Akzent sprechen sollte und wollte stattdessen einen amerikanischen oder britischen Akzent versuchen. Boseman war dagegen der festen Überzeugung, dass solch ein Akzent für seine Figur nicht in Frage kam, da dieser bedeuten würde, dass Wakanda kolonisiert worden sei - was, wie Marvel-Fans wissen dürften, nie der Fall war. Boseman setzte sich durch und lernte für den Film in einem Dialekt zu sprechen, der extra von einem südafrikanischen Dialekttrainer entwickelt wurde und an die Sprache Xhosa erinnert.

12. Marlon Brando verbrachte einen ganzen Monat in einem Krankenhaus für Veteranen ausschließlich im Bett, um einen verwundeten Leutnant aus dem 2. Weltkrieg zu spielen.

Marlon Brando in "Die Männer"

Brando war dafür bekannt, für die Vorbereitung auf seine Rollen extrem weit zu gehen und gilt deshalb bis heute noch für viele als einer der Pioniere des Method Actings. Um in „Die Männer“ Ken Wilocek zu spielen - einen Soldaten, der im Kampf schwer verwundet wird - wies sich Brando selbst in dasselbe Krankenhaus ein, in dem auch sein Charakter im Film rehabilitiert wird: das Birmingham General Army Hospital in Van Nuys, Kalifornien.

13. Johnny Depp beschäftigte sich Jahre mit dem Gonzo-Journalisten Hunter S. Thompson und lebte eine Zeit lang sogar in dessen Keller.

Johnny Depp in "Fear and Loathing in Las Vegas"

Um den bahnbrechenden amerikanischen Autor zu spielen, verbrachte Depp so viel Zeit wie möglich mit Thompson. Er trank mit ihm, passte sich seinem Schlafrhythmus an, erlaubte Thompson seine Haare zu schneiden und lebte sogar in dessen Keller, wo er sich intensiv mit der Arbeit des Autors beschäftigte.

14. Chloë Sevigny gab Vincent Gallo im Film „The Brown Bunny“ einen echten Blowjob.

Chloë Sevigny in „The Brown Bunny“

Auf dem Cannes Film Festival 2003 geht es zum Ende des Films „The Brown Bunny“ hoch her: In der letzten Szene gibt die Schauspielerin Chloë Sevigny ihrem Co-Star und Ex-Freund Vincent Gallo einen echten Blowjob, was einen regelrechten Skandal in den Medien ausgelöst hat. Dabei bezogen sich die negativen Äußerungen auf Sevigny und nicht auf Gallo – das dürfte aber niemanden überraschen. Sevigny bereut ihre Entscheidung aber bis heute nicht (QUEEN) und sagt, dass sie einfach über die Grenzen hinausgehen wollte.

15. Val Kilmer musste nach den Dreharbeiten zu „The Doors“ in Therapie, weil er nicht aufhören konnte, wie Jim Morrison zu denken.

Val Kilmer als Jim Morrison in "The Doors"

Um den legendären Frontman von „The Doors“ zu spielen, lies sich Val Kilmer komplett auf Jims Welt ein. Er lernte, wie er zu sprechen und zu singen, besuchte seine Lieblingsorte und trug sogar ähnliche Kleidung. Val entwickelte ein solches Wissen über Jim und seine Art, dass selbst Jims ehemalige Bandkollegen den Unterschied zwischen den beiden in 80 Prozent der Tonaufnahmen nicht heraushören konnten.

16. Und natürlich ging der ultimative Method Actor Daniel Day-Lewis des Öfteren für seine Rollen viel weiter als nötig. Wie in „Mein linker Fuß“, während dessen Dreharbeiten Lewis darauf bestand, ohne Pause im Rollstuhl sitzen zu bleiben.

Daniel Day-Lewis in „Mein linker Fuß“

In „My Left Foot“ spielte Daniel Day-Lewis einen Künstler mit Infantiler Zerebralparese, der ausschließlich seinen linken Fuß koordiniert bewegen konnte. Lewis blieb während der Dreharbeiten selbst zwischen den Szenen im Rollstuhl sitzen und lies sich von der Crew füttern, um nicht mit dem Charakter zu brechen. Durch seine verdrehte Sitzposition brach sich Lewis im Verlauf des Drehs sogar zwei Rippen.

17. Er lebte außerdem monatelang in der Wildnis, um sich auf seine Rolle in „Der letzte Mohikaner“ vorzubereiten.

Daniel Day Lewis in "Der letzte Mohikaner"

Für „Der letzte Mohikaner“ lernte Lewis, wie man Tiere häutet, Tomahawks wirft, Kanus baut und eine Muskete im Lauf nachlädt. Er nahm sein Gewehr überall hin mit - selbst zum Weihnachtsessen - und weigerte sich, moderne Technik am Set zu benutzen. Nach den Dreharbeiten hatte Lewis Problem damit, seine Rolle wieder loszuwerden. Er litt unter Halluzinationen und Klaustrophobie, weil er es nicht mehr lange in geschlossenen Räumen aushielt.

Haben wir jemanden vergessen? Dann sagt es uns in den Kommentaren!

Rubriklistenbild: © Buena Vista Distribution & Ferndale Films/Palace Pictures

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