1. BuzzFeed
  2. Buzz

Subtile Anzeichen von Wochenbettdepression, die ich anfangs nicht bemerkt habe

Erstellt: Aktualisiert:

Du musst erst in der Lage sein, dich um dich selbst zu kümmern, bevor du für einen anderen Menschen sorgen kannst.

Übersetzt von einem Post von Mariela Summerhays

Achtung: In diesem Beitrag ist von Selbstverletzung die Rede. Bei manchen Leser*innen kann das ein Trigger sein.

Dieser Text gibt persönliche Erfahrungen wieder und sollte nicht als medizinischer Rat verstanden werden. Wenn du selbst an Wochenbettdepressionen leidest, suche dir bitte Hilfe bei einer medizinischen Fachkraft.

Vor sieben Jahren bin ich Mutter geworden. Einige Wochen nach der Geburt meines Kindes haben mich meine Schwester und meine beste Freundin schockiert angeschaut. Genauer gesagt, waren sie erschrocken über den Zustand meiner Haare, die ich zum ersten Mal seit Wochen offen getragen habe.

Es war nicht etwa so, dass ich mich gehen lassen habe und aufgehört habe, mir die Haare zu waschen. Ganz im Gegenteil, ich habe immer noch geduscht und meine Haare mit Shampoo gewaschen. Irgendwann ist es mir aber zu anstrengend geworden, mir den Schaum immer aus den Haaren auszuwaschen. Ich habe die Dusche dann mit eingeschäumtem Kopf verlassen und mich nicht darum geschert. Nachdem ich das wochenlang so gemacht, und die Haare einfach nass wieder zusammengesteckt habe, waren sie inzwischen so zerzaust, dass ich sie nicht mehr ordentlich durchkämmen konnte. Und genau das hat meine Schwester und meine Freundin so schockiert. Auf ihren Wunsch hin musste ich meine Haare schließlich abschneiden.

Marielas abgeschnittene Haare.

Marielas abgeschnittene Haare. © Mariela Summerhays / BuzzFeed

Jahre später, nachdem ich mein drittes und letztes Kind zur Welt gebracht habe, haben mich manchmal schlimme Gefühle überkommen. Ich wollte mich selbst verletzten und habe mir deshalb professionelle Hilfe gesucht.

Schließlich wurde bei mir eine Wochenbettdepression festgestellt. Daran habe ich erkannt, dass die Anzeichen nach meinen ersten beiden Geburten ernstzunehmende Probleme waren. Ich konnte mich zum Beispiel nicht mal mehr um mich selber und die einfachsten Dinge kümmern.

Wenn ich die subtilen Symptome einer Wochenbettdepression gekannt hätte, dann hätte ich mir sicher früher Hilfe geholt. Ich hoffe, anderen Personen mit der Beschreibung meiner Erfahrungen helfen zu können, denn sie sind mir nicht nur zufällig passiert, weil ich gerade Mutter geworden bin. Und wenn ich auch nur einer einzigen Frau damit helfen kann, hat sich dieser Beitrag schon gelohnt.

Mariela Summerhays

Mariela Summerhays © Mariela Summerhays / BuzzFeed

Ich konnte mich nicht mehr richtig um mich selbst kümmern.

In den Tagen, Wochen und Monaten nach der Geburt deines Kindes hast du keine Zeit mehr für dich selbst. Du fütterst, wechselst Windeln, legst das Baby schlafen und dann fängst du immer wieder von vorne an. Und so läuft das die ganze Zeit. Wenn du - während dein Baby schläft - doch mal einen Moment hast, und du dich entscheiden musst, ob du die Zeit für ein kleines Nickerchen nutzt oder dich duschen sollst, wirst du dich mit großer Wahrscheinlichkeit für das Nickerchen entscheiden. Vielleicht geht es dir aber ähnlich wie mir mit meinen zerzausten Haaren. Plötzlich kümmerst du dich nicht mehr um deine makellosen Nägel, oder du putzt dir seit Wochen die Zähne nicht mehr. Dann solltest du dir überlegen, dir professionelle Hilfe zu suchen.

Ich habe mein Erinnerungsvermögen verloren.

Es ist ganz normal, dass eine frischgebackene Mutter vergisst, wo sie ihren Schlüssel hingelegt hat oder was sie auf die Einkaufsliste schreiben wollte. Nach den vielen schlaflosen Nächten würde das wohl jedem passieren.

Es gab aber auch Zeiten, da habe ich mitten im Satz vergessen, was ich eigentlich sagen wollte. Manchmal habe ich das Gesprächsthema komplett vergessen oder wieder mit Themen angefangen, die wir schon vorher beendet hatten. Ich habe mal gehört, dass sich dieser Zustand so anfühlt, als würde man in einem Nebel leben. Das kann ich gut nachvollziehen und ehrlich gesagt ging mir das monatelang so.

Mariela Summerhays im Bett mit einem Buch.

Mariela Summerhays © Mariela Summerhays / BuzzFeed

Ich hatte kein Interesse mehr an Dingen, die mir früher immer Spaß gemacht haben.

Ich habe schon immer viel gelesen. Früher habe ich auf dem Schulhof gelesen, während meine Klassenkameraden irgendwas gespielt haben. Einmal hat mein Vater mal mit mir geschimpft und gesagt, dass ich zu viel lesen würde, weil ich schon wieder ein Buch mit an den Esstisch gebracht hatte. Auf dem Foto oben bin ich während eines Familienurlaubs. Mein Mann hat es aufgenommen, um zu zeigen, was ich für eine Leseratte gewesen bin.

Es ist ganz normal, dass man als frisch gebackenes Elternteil keine Zeit mehr für all die Hobbys hat, die man früher täglich gemacht hat. Schließlich wird deine ganze Zeit jetzt von einem kleinen Menschen in Anspruch genommen. Ich hätte aber in den Momenten merken müssen, dass etwas nicht stimmt, in denen ich zumindest ein bisschen Zeit zum Lesen gehabt hätte. Denn obwohl ich das Lesen immer geliebt habe, hat es mich monatelang nach der Geburt meines Sohnes überhaupt nicht mehr interessiert. Es ist ein großer Unterschied, ob du einfach zu müde bist, um deinem Hobby nachzugehen, oder ob dir das, was du normalerweise liebst und was dir Energie gibt, plötzlich total egal ist.

Ich habe mich immer komplett erschöpft gefühlt, egal, wie viel ich geschlafen habe.

Natürlich bist du müde, wenn du ein Baby Zuhause hast. Du kannst wochenlang nicht durchschlafen, bekommst allgemein zu wenig Schlaf, trägst dein Baby ständig herum und wenn du stillst, gibst du damit dein letztes Bisschen Energie her. Aber irgendwann schläft dein Baby durch. Wenn du dann nicht mehr aus dem Bett kommst, dich nicht mal zumindest ab und zu mit Freunden treffen willst, dein*e Partner*in immer mehr Aufgaben im Haushalt übernehmen muss oder sogar nachts alleine raus muss, um das Baby zu beruhigen, dann läuft vielleicht etwas nicht ganz richtig. Ich kann nachvollziehen wie es ist, wenn nicht nur dein Körper, sondern auch deine Seele zu müde für alles ist. Aber das könnte bedeuten, dass du Hilfe brauchst.

Und schließlich hatte ich große Angst davor, rauszugehen oder etwas zu unternehmen.

Es braucht seine Zeit, bis man das Haus mit einem Baby verlässt. Natürlich ist das aufwändig und körperlich anstrengend. Du musst dich auch emotional darauf einstellen, dich plötzlich nicht mehr frei bewegen zu können und nicht mehr so zu leben, wie du es bisher gewohnt warst.

Trotzdem habe ich meine Wohnung wochenlang nicht verlassen. Ich war schon immer eine sehr vorsichtige Autofahrerin, aber in den ersten Wochen nach der Geburt meines Sohnes habe ich es mit meiner Vorsicht einfach übertrieben. Jeden Monat war ich zu einem Treffen von jungen Müttern eingeladen, zu dem ich nur eine halbe Stunde hätte fahren müssen. Obwohl ich die Strecke kannte, wurde mir schon beim Gedanken an die Fahrt total übel. Ich hatte nicht nur totale Panik vor der Fahrt, sondern auch vor der Logistik. Der Gedanke, alleine aus dem Haus zu gehen und das Auto zu beladen, hat mich verrückt gemacht.

Mariela Summerhays mit einem ihrer Kinder.

Mariela Summerhays © Mariela Summerhays / BuzzFeed

Das sind meine persönlichen Erfahrungen und ich möchte keinesfalls behaupten, dass du auch an einer Wochenbettdepression leidest, wenn du dich in einem oder in mehreren dieser Anzeichen wiederfindest.

Du musst dich aber nicht dafür schämen, wenn du daran zweifelst, ob dein Verhalten für eine junge Mutter normal ist. Such dir Hilfe und sprich mit einem Arzt oder einer Ärztin, um herauszufinden, ob da mehr dahinter stecken könnte.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Englisch.

Auch interessant