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8 absurde Dinge, mit denen „Suits“ bisher durchgekommen ist

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Von: Nadja Rödig

Mike aus „Suits“ (Netflix) recherchiert mit Büchern. Über dem Ausschnitt steht mit einem Pfeil auf Mike und ein Buch: „Hat noch nichts vom Internet gehört.“
Mike recherchiert in „Suits“ (auf Netflix) lieber mit Büchern. © USA Network

„Suits“ ist bereits seit einer Weile beendet, jetzt bringt aber auch endlich Netflix zumindest Teil 1 der 9. und finalen Staffel raus. Ein guter Zeitpunkt für einen Rewatch und um zu bemerken, wie wenig Sinn manches einfach macht.

Um für die 9. Staffel „Suits“ auf Netflix einigermaßen fit zu sein, habe ich mein „Suits“-Erinnerungsvermögen etwas aufgefrischt. Dabei ist mir erstmal aufgefallen, dass „Suits“ zum einen für Anzüge, aber auch für (Law)Suits - also Prozesse - stehen kann ... Ja, ich weiß 🤯 Viel wichtiger ist aber, dass die Serie dem Drama zuliebe teilweise ziemlich absurd sein kann. Deswegen lass uns doch mal über Folgendes reden ...

„Suits“ (Netflix): Was in den bisherigen Staffeln so überhaupt keinen Sinn gemacht hat.

Natürlich gilt für all diese Punkte: Wer würde bitte eine Anwaltsserie gucken, die zu 100 Prozent realistisch ist? Kein Mensch. Drama ist was Gutes. Und trotzdem mache ich „Suits“ mir und dir hiermit vielleicht ein kleines bisschen kaputt ... Obwohl das der Ausstieg von Meghan Markle auch schon teilweise geschafft hat. Zu große Spoiler, welche über die ersten paar Staffeln hinausgehen, brauchst du dafür nicht zu befürchten. Also bitte ...

1. Wieso hält Harvey Mike für einen fähigen Anwalt, nur weil er gut aus Büchern zitieren kann?

Erst ein paar Minuten auf Netflix und schon nervt mich eine Sache an „Suits“: Nicht, dass Mike ohne Jura-Abschluss eingestellt wird, das ist ja der Witz. Mich beschäftigt eher eine andere Frage: Lernt man im Jura-Studium echt nur Gesetzestexte auswendig? Mehr kann Mike doch anfangs eigentlich nicht. Zumindest soweit Harvey das in ihrem kurzen „Bewerbungsgespräch“ beurteilen kann.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass jede*r in diesem Beruf jedes Gesetz auswendig runterbeten kann oder das überhaupt können muss. Dafür gibt es schließlich Bücher oder besser das Internet (mehr dazu später) zum Nachschlagen. Klar, es ist sicher praktisch, wenn du bei Verhandlungen Präzedenzfälle aus dem Ärmel schütteln kannst, aber ein gutes Gedächtnis allein macht doch niemals einen Spitzenanwalt aus, oder? Oder?

2. Harvey riskiert einfach alles für Mike.

„Suits“ hat uns immer klargemacht: Harvey LEBT für seine Arbeit. Sie finanziert nicht nur seinen schicken Lebensstil, an den er sich sicher gewöhnt hat, sondern ist auch so ziemlich sein einziger Lebensinhalt. Bis auf ein paar nicht sehr ernste Beziehungen und wahrscheinlich ein Netflix-Abo, bei seinem Filmwissen.

Sein größtes Ziel ist es, Senior und später Namenspartner seiner Kanzlei zu werden, in der er sich hochgearbeitet hat. Mit seiner wissentlichen Entscheidung Mike und damit einen Betrüger einzustellen, gefährdet er nicht nur seinen Ruf und Job, sondern ziemlich sicher auch seine Zulassung als Anwalt. Ja, es ist die Grundprämisse von „Suits“ ... Aber auch das Unrealistischste, das je jemand in seiner Position tun könnte. Selbst Harveys Riesenego und rebellische Ader rechtfertigen das nicht.

3. Dass die Kanzlei NUR Absolvent*innen aus Harvard nimmt.

Ivy League - in wie vielen Serien auf Netflix das einfach Thema ist. „Suits“ ist keine Ausnahme. Mir ist klar, welcher Gedanke hinter der Rekrutierung der Frischlinge für die Kanzlei steckt: Wir wollen nur die besten. Nicht nur, damit die Kanzlei die kompetentesten Anwälte und Anwältinnen an den Start bringt - es geht natürlich auch um den Ruf. Klingt ja auch so schön: Mein Anwalt hat an der Harvard Law studiert.

Jetzt kommt aber der Witz: Harvard ist überhaupt nicht zwangsläufig die beste Jura-Universität der USA. Schon 2011 (zu Beginn der Serie) liegt Harvard im Ranking hinter dem wahren Langzeitspitzenreiter: Yale. Und die Uni liegt räumlich sogar näher zu New York. Wozu also das ganze Gewese?

4. Wie kann sich Harvey in so vielen Fachbereichen so gut auskennen?

Wenn Harvey in seiner Freizeit nicht gerade Filme auf Netflix guckt, bildet er sich heimlich fort, was? Jedenfalls scheint er ein totales Superhirn zu sein, da er in den verschiedenen Staffeln von „Suits“ alle möglichen Fälle bearbeitet und dabei zu jedem Thema aus dem Stegreif Bescheid zu wissen scheint.

Vielleicht habe ich eine falsche Vorstellung von dem Beruf, aber ist Jura nicht in mancher Hinsicht mit Medizin zu vergleichen? Sau schwer und irgendwann sucht man sich mal ein Fachgebiet? Als Anwalt steht da viel zur Auswahl: Bankwesen, Patente, Arbeitsrecht, Handels- und Gesellschaftsrecht usw. In einer erfolgreichen und riesigen Anwaltskanzlei gibt es doch sicher Spezialisten für all solche Bereiche. Oder man hat eben einfach einen Harvey, der alles kann.

5. Wenn jemand Anwältin sein sollte, dann Rachel.

Vermisst noch jemand Meghan Markle? Gleich zu Beginn von „Suits“ wird klar gemacht, wie talentiert, intelligent und kompetent Rachel ist. Als Anwaltsgehilfin hat sie sogar ihr eigens Büro in der Kanzlei. Aber obwohl sie Anwältin werden will, dauert es Jahre, bis sie schließlich auch Jura studiert. Sie überwindet ihre Prüfungsangst, erarbeitet sich jahrelang Berufserfahrung und schuftet für die LSATs.

Mike dagegen spaziert einfach in den Laden und schafft es unerklärlicherweise über Jahre nicht aufzufliegen und von allen geschützt zu werden. Sogar Rachel selbst ist irgendwann auf seiner Seite, obwohl sie von seinem Betrug weiß. An ihrer Stelle hätte ich nie wieder mit Mike gesprochen und hätte mir eine Anwaltskanzlei gesucht, die mich wirklich zu schätzen weiß. Das hätte sich Netflix direkt als ein „Suits“-Spin-off schnappen sollen. Obwohl Meghan Markle als Royal vielleicht auch irgendwann mal Teil einer anderen Netflix-Serie sein könnte. Dann können wir sie auch unserem Vergleich von Cast und Schauspieler*innen von „The Crown“ hinzufügen.

6. Mikes Recherche mit Büchern.

Wenn du „Suits“ über Netflix guckst und somit offensichtlich das Internet nutzt, hast du dich vielleicht auch schon mal gefragt, ob Mike nicht dasselbe tun sollte. Zwar ist es sicher realistisch, wie viele Stunden und ganze Nächte Mike mit Recherchen zubringt, aber nutzt man dafür wirklich noch Bücher? Selbst zu Schul- und Studiumszeiten hab ich das kaum noch getan. Und ich würde glatt darauf wetten, dass es auch schon in den frühen 2010ern sowas wie juristische Datenbanken gegeben haben muss. Wahrscheinlich sieht es aber auch einfach viel dramatischer aus, wenn jemand ein Buch wälzt, statt Suchbegriffe in einen Rechner einzugeben.

7. Die ständigen Machtschiebereien, Namensänderungen und Intrigen innerhalb der Kanzlei.

Gibt es in echten Anwaltskanzleien auch so häufig Putschversuche und Übernahmen? Jedenfalls sicher nicht so oft wie in bisher 8 Staffeln „Suits“ auf Netflix. Eigentlich will man sich in seiner Branche als Firma doch einen Namen machen und ihn nicht gefühlt alle paar Monate ändern. Selbst Pearson Hardman hieß ursprünglich anders und wird im Laufe von „Suits“ immer wieder umbenannt. Das strahlt nach außen aus, was innen eben so abgeht. Ständig gibt es Zoff! Wie oft kann man sich mit denselben Kolleg*innen eigentlich in die Haare kriegen?

8. Die Tatsache, dass überhaupt noch wer in „Suits“ als Anwalt zugelassen ist.

Nach all dem unangemessenen Verhalten, Tricks und Betrügereien, die Harvey und viele andere Anwälte und Anwältinnen in „Suits“ anwenden, ist es schwer vorstellbar, dass sie ohne Konsequenzen fröhlich weiter praktizieren dürften. Wer zum Beispiel „Better Call Saul“ auf Netflix gesehen hat, weiß, wie konsequent in solchen Fällen vorgegangen werden kann. Betrug, Fälschungen, Unehrlichkeit: Sind das nicht alles Gründe, für die eine Zulassung (zumindest vorübergehend) entzogen werden kann? Zumindest Harvey müsste das bereits in der ersten Folge von „Suits“ passiert sein, in der er direkt mal einen Klienten belügt. Seinen eigenen, muss man dazusagen. Ob eine Kanzlei für so ein Fehlverhalten wirklich gerade stehen oder es vertuschen würde, wage ich mal zu bezweifeln.

Natürlich wird mich nichts davon abhalten mir die 9. und finale Staffel von „Suits“ auf Netflix anzusehen, selbst ohne Meghan Markle als Rachel. Wie steht es mit dir? Bist du noch dabei? Und falls du zufällig Anwalt oder Anwältin bist: Wie realistisch findest du die Serie? Sag es uns in den Kommentaren.

Und wenn du die neuen Folgen von „Suits“ noch am selben Tag wegguckst, haben wir für dich ein paar Neuheiten auf Netflix im Mai, mit denen du weitermachen kannst.

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