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20 kleine und große Momente aus „Maid“, über die ich immer noch nachdenke

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Von: Saba MBoundza

 Margaret Qualley steht in T-Shirt und Kapuzenjacke in einer Wäscherei.
Margaret Qualley als Alex in Netflix‘ „Maid“ © RICARDO HUBBS/NETFLIX

„Maid“ ist nicht nur eine Geschichte von häuslicher Gewalt und den bürokratische Steinen, die Betroffenen in den Weg gelegt werden. Die Serie zeigt, wie tief der Strudel des emotionalen Missbrauchs in Familien verankert ist.

Keine Ahnung, ob du Netflix‘ Maid schon gesehen hast, aber sei gewarnt, dass Spoiler folgen. Falls du also nicht weiterlesen möchtest, dann nur so viel: Ich kann dir das Drama absolut empfehlen. Die Serie setzt sich spannend, aber rücksichtsvoll mit den Themen häusliche Gewalt, emotionaler Missbrauch und Trauma auseinander. Und Margarete Qualley legt als Alex wirklich eine bemerkenswerte Performance hin (wie auch ihre Mutter Andie McDowell).

Die besten Momente aus Netflix‘ Miniserie „Maid“

Maids Plot reißt dich definitiv mit. Doch mir gefällt vor allem, wie die Serie es schafft, mit Dialogen zu illustrieren, wie Gewalt in Familien aussehen kann, und warum es so schwer ist, ihr zu entkommen. Von den zehn Folgen sind mir ein paar Szenen besonders im Kopf geblieben und einige davon sind so kleine Momente, dass ihre Bedeutung manchen vielleicht erst beim zweiten Hinsehen bewusst wird.

1. Alex‘ Flucht

Alex läuft vom Haus ihrer Freund*innen weg, weil ihr Ex bereits auf dem Weg dorthin ist.
„Maid“ (Netflix): Alex erkennt, dass sie sich nicht an ihre Freund*innen wenden kann. © Netflix

Dieser Gesichtsausdruck, als Alex klar wird, dass Sean schon auf dem Weg zu ihrem Kumpel und ihrer Freundin ist – du spürst richtig, wie die Hoffnung sie verlässt. Die Entscheidung, Sean zu verlassen, war schwer genug. Dass Ethan und Tania dessen Seite ergreifen, überrascht nicht wirklich, aber trifft dich trotzdem.

2. Das Gespräch mit der Sozialarbeiterin

Alex erklärt der Sozialarbeiterin, dass sie nicht wirklich misshandelt wurde, was diese ihr nicht glaubt.
„Maid“ (Netflix): Alex ist sich ihrer Situation noch nicht ganz bewusst. © Netflix

Alex verlässt ihr Zuhause, nachdem Sean sie im Rausch bedroht hat. Dennoch tut sie sich schwer, das Ausmaß seiner Gewalt anzuerkennen. In der Serie gibt es nicht DIE Szene, in der jemand ihr explizit erklärt, was emotionaler Missbrauch ist. Das Publikum lernt mit ihr zusammen. Der Moment, in dem Alex sagt, sie sei kein wirkliches Opfer, ist vor allem deshalb frustrierend, weil so viele Betroffene nicht erkennen, dass sie tatsächlich betroffen sind.

3. Seans Drohung

Sean droht Alex, sie werde ganz alleine sein, wenn sie jetzt gehe. Sie sagt, dass Maddy immerhin nie wieder Glasscherben im Haar haben werde.
„Maid“ (Netflix): Alex lässt sich von Sean nicht einschüchtern. © Netflix

Seans ‚Warnung‘ ist exemplarisch für die Macht, die Täter*innen über ihre Opfer haben, wenn diese so isoliert sind. Auch deshalb ist Alex‘ zweite Flucht so ein Mammutakt: Ihre einzige Bezugsperson, ist gleichzeitig die Person, die sie misshandelt.

3. Die Entführung von Mr. Darcy

Alex sagt zu Regina, sie könne sie am Arsch lecken, weil sie ihre Tochter verloren hat, während Reginas Hund nur 5 min weg war.
„Maid“ (Netflix): Alex findet die Kraft, sich zu wehren. © Netflix

Von dem Handlungsstrang bin ich nicht unbedingt ein Fan, einfach, weil er so unnötig absurd ist. Doch Alex‘ Ansage an Regina habe ich geliebt. Und Danielle hatte recht damit, dass diese Erfahrung Alex‘ Kampfgeist geweckt hat.

4. Der Putzjob in dem ehemals besetzten Haus

Alex muss eine tote Ratte aus einem unfassbar dreckigen Bad entfernen und sagt dann verzweifelt, dass sie nicht kündigen kann.
„Maid“ (Netflix): Während Sean sich volllaufen lässt, muss Alex vollgeschissene Klos schrubben. © Netflix

Bei dieser Szene schüttelt‘s mich immer noch. Das Bad ist so unsagbar ekelhaft, ich hätte schon viel früher gekotzt als sie. Als Alex sagt, dass sie nicht einfach kündigen kann, zeigt das ihre Ausweglosigkeit: Der Mensch, der sie emotional misshandelt hat, kippt sich irgendwo einen Drink nach dem anderen hinter die Binde, während sie buchstäblich Scheiße schrubben muss. Seine Mutter passt unterdessen auf die Tochter auf, die Alex kaum sehen darf, weil sie laut Rechtsprechung das unfähige Elternteil ist.

5. Die Ignoranz der Kinderärztin

Die Kinderärztin rät Alex, sich mehr Mühe zu geben.
„Maid“ (Netflix): Die Kinderärztin hat keinerlei Mitleid mit Alex. © Netflix

Noch so eine kurze, aber prägnante Szene: Margarete Qualleys Mimik in diesen Momenten, in denen ihr Charakter einen Schlag unter die Gürtellinie nach dem anderen ertragen muss, spricht wirklich Bände. Es gibt so viel, was wir alle in so einer Situation zu so jemandem sagen wollen würden. Doch Alex sieht in diesem Moment so aus, als hätte die Frau ihr mit ihren Worten sämtliche Luft abgelassen.

6. Danielle

Danielle gibt vor, Alex auf der Straße nicht wiederzuerkennen.
„Maid“ (Netflix): Danielle ist wieder zurück bei ihrem gewalttätigen Ex. © Netflix

Dieser Moment war nicht nur deshalb furchtbar, weil Danielle Alex am Anfang so geholfen hat. Er erinnert auch daran, dass ihre Geschichte Normalität ist, und die von Alex eher die Ausnahme.

7. Thanksgiving mit Regina

Regina erklärt, dass sie keinerlei Liebe für ihr IVF-Baby empfinde.
„Maid“ (Netflix): Reginas Situation ist der genaue Gegensatz zu Alex‘. © Netflix

Die Szene ist enorm bedeutungsschwer, doch für mich wirkt Reginas Wandel von der Antagonistin zur Verbündeten sehr gezwungen. Mich nervt außerdem, dass auch in dieser Serie die Schwarzen Charaktere vor allem dazu dienen, die weiße Hauptfigur auf den richtigen Weg zu leiten (wie in Queen‘s Gambit auch übrigens).

Dennoch finde ich Reginas Monolog bemerkenswert. Sie hat ihr Leben lang das feinmaschige finanzielle Sicherheitsnetz gewebt, dass ihr maßig Mittel gibt, um ein Kind zeugen zu lassen. Doch war ihr Lebensmittelpunkt inzwischen so lange ihre Karriere, dass sie ihre ganze Gedanken- und Gefühlswelt umkrempeln muss, bevor ihr Kind kommt. Daneben sitzt Alex, deren Existenz sich im freien Fall befindet, wodurch sie ihre Tochter verlieren könnte. Alles was sie hat, ist die Liebe zu Maddy. Und Regina hat alles, nur nicht die Liebe zu ihrem noch ungeborenen Baby.

Regina erklärt Alex, sie dürfe niemanden, auf sie herabsehen lassen, wo sie doch so hart arbeite. Das sei das Einzige, worauf sie zählen könne.
„Maid“ (Netflix): Für Regina trifft das sicherlich zu. © Netflix

Reginas Rat an Alex, sich nicht demütigen zu lassen, ist nett gemeint, aber ziemlich heuchlerisch. Wie auch ihre Bemerkung, dass sie sich nur auf Arbeit verlassen könne, sehr ignorant ist. Doch das ganze Land ist auf der Idee gewachsen, dass harte Arbeit dich im Leben nach vorne bringt. Kein Wunder, dass erfolgreiche Menschen an diese Vorstellung glauben wie an eine Religion. Selbst wenn vor ihnen jemand sitzt, der das lebendige Gegenbeispiel dafür ist. Alex ist schließlich nur am Arbeiten, was ihr herzlich wenig Sicherheiten gibt. Ich frage mich, ob die Ankunft von Baby Leo Regina gezeigt hat, wie sehr wir wirklich auf andere Menschen angewiesen sind. Vielleicht ist ihr Kind der Auslöser für ihre unerwartete Hilfsbereitschaft.

8. Alex wehrt sich

Alex‘ Chefin erklärt ihr, sie würde für die Kundschaft nicht existieren. Alex widerspricht.
„Maid“ (Netflix): Richtig so, Alex! © Netflix

Das war so ein kurzer Moment, dass ich ihn fast verpasst hätte. Aber wie Alex Yolanda in dieser Szene widerspricht, finde ich total wichtig. Diese 25-jährige junge Frau stand kurz vorm Studium, ehe sie in ihrer Beziehung mit Sean ihrer Persönlichkeit beraubt wurde. Doch in Augenblicken wie diesen kommt nach und nach die wahre Alex zum Vorschein.

9. Der Neuanfang

Alex wirft Sean aus dem Haus ihrer Vermieterinnen.
„Maid“ (Netflix): Sean versaut alles, sobald es für Alex gut läuft. © Netflix

In dieser Szene ist völlig klar, dass das Alex‘ Neuanfang in dem Kreislauf emotionaler Gewalt sein wird, in den Sean sie immer wieder reinzieht. Dass er ihr Glück sabotiert, sobald er davon Wind kriegt, war vorprogrammiert.

10. Nate

Alex weist Nate darauf hin, dass er ihr ein Dach über dem Kopf sowie Lebensmittel gebe.
„Maid“ (Netflix): Alex erklärt Nate, warum beide sich nicht auf Augenhöhe begegnen. © Netflix

Hör mal, Nate ist natürlich ein netter Typ™. Doch seine Absichten sind absolut nicht so nobel, wie er sie darstellt, und Alex hat mit allem recht was sie sagt. Dass eine Beziehung zwischen den beiden eine super schlechte Idee wäre, ist auch nicht schwer zu erkennen. Schließlich würde sich Alex nur von einer Abhängigkeit in die nächste begeben. Das müsste auch Nate klar sein, daher gehe ich einfach davon aus, dass er das willens in Kauf nimmt.

11. Paula

Paula schmeißt die Scheibe ihres Hauses ein und schneidet sich das Handgelenk auf.
„Maid“ (Netflix): Paula brennen die Sicherungen durch. © Netflix

Andie McDowells Paula sorgt für so einige aufwühlende Szenen. Doch in dem Augenblick, als sie versucht, in ihr Haus einzubrechen, zerbricht auch etwas in Alex. Sie sieht ganz deutlich, dass ihre Muter nicht nur keine Unterstützung ist, sondern tatsächlich eine Last, die ihr den Weg versperrt. Sie hat nur noch Sean.

12. Alex‘ Rückkehr

Sean fragt, ob Alex überhaupt ein eigenes Telefon brauche.
„Maid“ (Netflix): Die ersten Zeichen des neuen Zyklus. © Netflix

Damit haben alle gerechnet, die sich schon mal mit den Zyklen von (emotionaler) Gewalt in Beziehungen befasst haben. Auch dass Sean (für eine kurze Zeit) Alex‘ größter Unterstützer ist, passt absolut ins Muster. Doch die Anzeichen dafür, dass sein altes Verhalten langsam wieder hervorbricht, sind da. Seans Vorschlag, nur sein Telefon zu benutzen, erinnert daran, wie er zwei Jahre lang die volle Kontrolle über Alex‘ Finanzen hatte. Dass ihr Vater ihm sagt, er sei lange nicht bei einem Treffen der Anonymen Alkoholiker gewesen, tut sein übriges.

13. Die Isolation

Nachdem sie Sean anschreit, er habe ihre einzige Möglichkeit weggegeben, die sie habe, um hier wegzukommen, brüllt er sie an und schlägt die Wand neben ihr. Nachdem er den Trailer verlässt, hockt sie weinend am Boden.
„Maid“ (Netflix): Sean hat die Falle zuschnappen lassen. © Netflix

Als Sean Alex vorwirft, all seine Bemühungen seien umsonst gewesen, wenn sie mit wegzieht, ist das der Startschuss für die nächste Eskalation. Indem er im Anschluss Nates Auto zurückgibt, schneidet er Alex ihre Fluchtwege ab und sperrt sie somit in das tiefe Loch, in das sie dadurch fällt.

14. Die Hilflosigkeit

Sean droht Alex, sich hinzusetzen. Maddy sieht still zu.
„Maid“ (Netflix): Maddy wird mehr und mehr Zeugin des Missbrauchs. © Netflix

Während Sean Alex erniedrigt, sieht ihr Vater teilnahmslos zu, bevor er ein Tischgebet spricht. Nur Maddy sieht ihre Mutter aufmerksam an. Bisher war sie in dem Drama eher eine Statistin, auch wenn sich im Grunde alles um sie dreht. Doch die Szene zeigt, das die inzwischen Dreijährige ein Bewusstsein für die Situation zu Hause entwickelt.

15. Alex‘ zweite Flucht

Alex Mutter öffnet in einem Flashback die Tür zu einem Küchenschrank, in dem sich ihre Tochter versteckt. Daneben umarmt Alex ihre Tochter und versichert ihr, dass es ihr gutgeht.
„Maid“(Netflix): Alex erkennt die Parallelen. © Netflix

Ihre verdrängte Erinnerung an den Küchenschrank ist ein wichtiger Schlüssel, um sich aus dem Geflecht der Gewalt zu befreien, in das Alex schon hineingeboren wurde. Das erst Mal, als sie sich erinnert, wie sie sich versteckt hat, bricht sie den Kontakt zu ihrem Vater ab. Die Erinnerung nach Alex‘ Rückkehr zu Sean nochmal zu sehen, zeigt, dass es oft keinen geraden Weg aus diesem Kreislauf gibt.

16. Alex konfrontiert Sean

Alex sagt Sean, dass sie wegen ihm eine post-traumatische Belastungsstörung hat.
„Maid“ (Netflix): Alex spricht aus, was Sean ihr angetan hat. © Netflix

Diese Szene ist so wichtig, weil Alex nicht nur selbst die Wahrheit anerkennt und ausspricht, sondern dadurch auch die Kraft findet, Sean die Stirn zu bieten.

17. Der Abschied von Alex‘ Vater

Alex erklärt ihrem Vater, dass sie dieses Jahr schon zum zweiten Mal in einem Frauenhaus ist, und bittet ihn für sie vor Gericht auszusagen. Er sagt, er würde alles für sie tun, ehe er ihr erklärt, dass er nicht für sie aussagen könne.
„Maid“ (Netflix): Alex‘ Vater zeigt ihr, was er bereit ist, für sie zu tun. © Netflix

Alex‘ Eltern sind ein Thema für sich, aber ihr Vater ist definitiv der problematischere Teil und das nicht nur, weil er Paula misshandelt hat. Seine Hilfsbereitschaft Sean gegenüber ist lediglich Seelsorge für sein eigenes Ego, das sich weigert, Verantwortung für seine Taten zu übernehmen. Er tröstet sich damit, dass die Schuld ganz allein beim Schnaps läge. Seine Selbstdarstellung als fürsorglicher Vater und Opa ist purer Egoismus. Sogar als Alex und Maddy ein paar Tage lang bei ihm zu Hause unterkommen, fällt der Großteil der Arbeit auf seine Frau, während er sich selbst in der Illusion wiegt, dadurch sein Fehlverhalten von damals wiedergutzumachen.

18. Sean ändert seine Meinung

Sean gibt zu, dass er Maddy gern in eine Bar mitgenommen hätte.
„Maid“ (Netflix): Sean zeigt sich einsichtig. © Netflix

Irgendwie kommt Sean ein zweites Mal zur Vernunft, was eine glückliche Fügung ist, damit die Geschichte ein Ende findet. Ich bin mir nicht sicher, wie sehr diese Entscheidung zu seinem Charakter passt, weil er so fixiert auf Alex ist. Trotzdem bin ich ganz glücklich darüber, dass die Täter in Alex‘ Geschichte nicht nur stumpf als brutale Schläger gezeichnet werden. Emotionale Gewalt und Manipulation können mit Liebe und Fürsorge Hand in Hand gehen.

18. Paula bleibt

Alex sagt ihrer Mutter, dass sie sie nicht zurücklassen möchte.
„Maid“ (Netflix): Alex muss ihre Mutter zurücklassen. © Netflix

Auch wenn Paula am Ende für einen leichten Hoffnungsschimmer sorgt, kann sie einfach nicht aus ihrem Verhaltensmuster ausbrechen. Ihre emotionale Abhängigkeit vom neuen Freund ist stärker, als der Wunsch auf einen Neuanfang mit ihrer Tochter und Enkelin. Es ist bittersüß, aber ihre Entscheidung zu bleiben, ist auch ein Befreiungsschlag für Alex.

19. M steht für Maddy

Alex freut sich darauf, Maddy ein M in den Bergen von Montana zu zeigen.
„Maid“ (Netflix): Happy End © Netflix

Das Ende ist ziemlich kitschig, geb‘ ich zu. Aber dafür ist die ganze Serie schon so traurig und entmutigend. Ich bin froh, dass Maid eine Miniserie ist, weil so auch offen bleibt, was aus Alex und Maddy wird. Vielleicht macht sie ihren Abschluss und wird Schriftstellerin. Aber vielleicht kehrt sie auch zu Sean zurück. Wichtig ist: Maid zeigt den Kreislauf der Gewalt und der Abhängikeit, in dem Täter*innen und Opfer stecken, und von solchen Geschichten brauchen wir noch mehr.

Für Betroffene von Gewalt in der Partnerschaft ist zum Beispiel das Hilfetelefon eine erste Anlaufstelle. Auch die Organisation Weisser Ring hat Hilfsangebote. Bei der Initiative Stärker als Gewalt findest du außerdem eine Liste von Stellen, die sich explizit für Männer einsetzen, die häusliche Gewalt erleben.

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