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Lehrkräfte teilen Momente mit Schüler:innen, nach denen sie ihren Unterricht geändert haben

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„Ich hatte noch nie ein Kind, das diese Regel ausgenutzt hat und sie macht einen wirklich großen Unterschied.“

Es versteht sich von selbst, dass Lehrkräfte zu prägenden Persönlichkeiten im Leben von Schülerinnen und Schülern gehören. Aber auch diese können das Leben ihrer Lehrer:innen stark beeinflussen.

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Aus diesem Grund haben wir die Lehrerkräfte in der BuzzFeed-US-Community nach Erfahrungen gefragt, die ihnen im Umgang mit ihren Schüler:innen die Augen geöffnet und derentwegen sie ihren Unterricht umgestaltet haben.

1. „Vor vielen Jahren war ich die neue Lehrerin an einer Schule und die stellvertretende Schulleitung hat daher viel Zeit in meinem Klassenzimmer verbracht. Ich hatte ein sehr unruhiges Kind in der Klasse, das nicht lange sitzen bleiben konnte.“

„Die stellvertretende Schulleitung hat deswegen den Tisch dieses Kindes an die Rückwand gestellt, damit dieses niemanden mehr ablenken konnte. Mir wurde ganz übel, als ich sehen musste, wie dieses arme Kind da festgesessen ist, aber ich wusste nicht, was ich tun konnte. Schließlich habe ich den Mut aufgebracht und gesagt, dass es mir nicht recht ist, ein Kind so zu behandeln. Mir war egal, dass die stellvertretende Schulleitung darüber nicht glücklich war. Seitdem sage ich den Kindern, dass sie, wenn sie eine Pause brauchen, eine Runde um die Schule drehen können. Ich hatte noch nie ein Kind, das diese Regel ausgenutzt hat und ich spüre einen wirklich großen Unterschied.

Ich trage immer noch so viele Schuldgefühle mit mir herum, wenn ich an dieses arme Kind denke. Ich unterrichte die siebten Klassen und das Leben ist in diesem Alter schon schwer genug.“ -lisamariegc

Leeres Klassenzimmer am Gymnasium mit hochgestellten Stühlen.
„Ich hatte ein sehr unruhiges Kind in der Klasse, das nicht lange sitzen bleiben konnte.“ © IMAGO / Jörg Halisch

2. „Ich bin Englischlehrerin an einer Highschool. Als ich selber noch Schülerin war, haben meine Lehrkräfte oft ‚Popcorn‘-Lesungen gemacht, bei denen die Schülerinnen und Schüler laut vorgelesen haben und dann die nächste Mitschüler:in dran war, indem gesagt wurde: ‚Popcorn + Name‘. Das war im Allgemeinen eine lustige Methode, um die Schüler:innen am Ball bleiben zu lassen.“

„Im Rahmen meines Referendariats habe ich beschlossen, die Schüler:innen mit der Popcorn-Methode eine Passage aus einem Roman vorlesen zu lassen. Ein Schüler hat einen Klassenkameraden genannt, der sichtlich verlegen wirkte und gezögert hat, bevor er schließlich mit dem Lesen anfing. Schon nach den ersten paar Sekunden konnte ich erkennen, dass dieser Schüler mit einer Form von Legasthenie zu kämpfen hatte - er ist über viele Wörter gestolpert und es wirkte so, als würde er die Worte, die er vorlesen musste, anhand der ersten zwei oder drei Buchstaben erraten.

Nachdem mir klar geworden ist, wie demütigend diese Methode für Schüler:innen mit Leseschwierigkeiten sein muss, lese ich seit dem die Passagen selbst laut vor und frage die Klasse dann, ob jemand laut vorlesen möchte (was natürlich auch abgelehnt werden kann). Ich habe diesem Schüler dann die Aufgabe übertragen, Hörbücher, die ich abgespielt habe, zu stoppen und zu starten.“ -rebeccab457333985

3. „Der Tag, an dem eins meiner Schulkinder zusammengebrochen ist, weil es seine Hausaufgaben nicht erledigen konnte, hat für mich alles verändert. Die Mutter und der Vater hatten beide jeweils drei Jobs.“

„Dieses Kind hatte vier Geschwister und musste sich um diese kümmern, während die Eltern in der Arbeit waren. Das ist jetzt sechs Jahre her und ich habe seitdem keine Hausaufgaben mehr aufgegeben. Es hat mir das Herz gebrochen. Hausaufgaben sind das nicht wert.“ -jacibailey

4. „Es war entweder eine 1. oder 2. Klasse. Ich habe eine Frage gestellt und eines der Kinder hat mir eine völlig falsche Antwort gegeben. Deswegen habe ich auch ‚Nein, das ist falsch‘ gesagt.“

„Als ich gesehen habe, wie sich der Eifer in Enttäuschung verwandelt hat, wollte ich nie wieder sagen, dass eine Antwort einfach nur ‚falsch‘ sei. Ich habe mich richtig körperlich schlecht gefühlt. Normalerweise sage ich jetzt so etwas wie: ‚Es geht in die richtige Richtung, aber noch nicht ganz‘, ‚Ich kann verstehen, wie du darauf kommst‘ oder ‚Mir gefällt, dass du nach einer Verbindung zu dem suchst, was du schon weißt.‘ Außerdem, wenn ich das Konzept besser vermittelt hätte, wäre das Kind auch nicht so verwirrt gewesen.“ -Anonym

Kinder melden sich im Unterricht und wollen aufgerufen werden.
„Normalerweise sage ich jetzt so etwas wie: ‚Es geht in die richtige Richtung, aber noch nicht ganz‘“ © IMAGO / Belga

5. „Ich kann mich noch daran erinnern, wie ein Schüler eine längere Divisionsaufgabe auf eine andere Art gelöst hat, als im Unterricht gelehrt wurde. Dafür hat er dann eine schlechte Note erhalten, obwohl die Antwort richtig war.“

„Ich kann mich auch daran erinnern, dass es mir als Kind einmal genauso ging. Ich habe daher beschlossen, dass diese Kinder mir und dem Rest der Klasse ihre Methoden beibringen sollen, anstatt die Arbeit schlecht zu benoten. Die Schüler:innen sollen die Methode anwenden, die für sie leichter ist.

Es gibt nicht die EINE richtige Methode zum Lösen eines mathematischen Problems, wie die meisten Lehrkräfte lehren. Kinder mit Migrationshintergrund zum Beispiel haben vielleicht einfach einen anderen Lösungsweg gelernt. Ich denke, wenn man den Schüler:innen die Möglichkeit gibt, ihre Methoden zu teilen, lernt man insgesamt bessere Problemlösungsfähigkeiten.“ -Anonym, Kalifornien 

6. „Um die Weihnachtzeit herum habe ich immer versucht, ein integratives Klassenzimmer zu haben und darüber zu unterrichten, wie andere diese Zeit des Jahres feiern.“

„Bis ich jedoch in einer einkommensschwachen Gegend gearbeitet habe, habe ich nie wirklich verstanden, was für ein Privileg es ist, die Weihnachtszeit zu feiern. Meine Kolleg:innen und ich haben eine Wichtelaktion für 5 $ mit den Kindern geplant. Nur ein Drittel meiner Klasse hatte etwas dabei, sodass viele leer ausgegangen sind. Ich habe schnell Geschenke zum Spielen für sie zusammengestellt, aber das werde ich nie wieder tun. Nie wieder. Keinem Kind sollte das Gefühl gegeben werden, weniger wert zu sein als andere. Das widerspricht buchstäblich allem, was wir als Pädagogen tun sollten.“ -Anonym

7. „Es war mein erstes Jahr als Lehrkraft an einer öffentlichen Schule in Philadelphia. Unsere Schule hatte eine Kleiderverordnung, die Sweatshirts mit Kapuze verbot. Ich hatte einen Schüler, der jeden Tag zur ersten Stunde mit einem Kapuzenpulli in die Klasse gekommen ist und sich ständig geweigert hat, diesen auszuziehen.“

„Als Lehrkraft im ersten Jahr wurde mir gesagt, ich solle nicht schwach erscheinen und bei der Durchsetzung der Regeln konsequent sein. Jeden Tag, an dem er mit dem Sweatshirt gekommen ist, habe ich ihn aufgefordert es auszuziehen. Da er das nicht gemacht hat, habe ich schließlich die Schulleitung angerufen, damit er aus dem Unterricht entfernt wurde. Es war ein richtiger Teufelskreis über mehrere Wochen hinweg. Schließlich ist eine erfahrene Lehrerin zu mir gekommen, um mit mir zu sprechen. Sie hat erzählt, dass sie wusste, dass dieser Schüler zeitweise obdachlos gewesen ist und derzeit an einem Ort wohnt, der nicht geheizt wurde. Er war nicht trotzig. Ihm war einfach nur kalt.

Das hat mich umgehauen. Von diesem Moment an wurde mir klar, wie wichtig es ist, Beziehungen zu den Schüler:innen aufzubauen, damit man weiß, was in ihrem Privatleben vor sich geht. Nur so kann man eine effektive Lehrer:in sein.“ -Anonym, Pennsylvania 

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8. „Ich unterrichte an einer Grundschule und habe eine Schülerin, die mit ihrer Mutter in einen Autounfall verwickelt war. Ihre Mutter ist leider gestorben.“

„Ich bin mir jetzt der vielen verschiedenen Arten von Familien bewusst und versuche, die Begriffe ‚Mutter‘, ‚Vater‘ oder ‚Eltern‘ zu vermeiden. Außerdem werde ich den Muttertag und den Vatertag nicht so feiern, wie wir es normalerweise tun. Zu viele Kinder da draußen haben keine Mutter oder keinen Vater und ich denke, es ist unglaublich wichtig, das zu berücksichtigen.“ -Anonym

9. „Ich unterrichte Englisch an der Highschool. In einem Jahr war jemand mit einer ziemlich schweren Angststörung in meiner Klasse. Die Eltern haben mir gesagt, dass es so schlimm sei, dass ihr Kind nicht einmal fragen würde, ob es aufs Klo gehen darf.“

„Deshalb habe ich zu Beginn des Jahres allen Schüler:innen gesagt, dass sie alt genug sind, um auf die Toilette zu gehen, ohne um Erlaubnis zu bitten. Außerdem habe ich hinzugefügt, dass sie das Klassenzimmer auch verlassen dürfen, wenn sie eine Pause brauchen oder sich die Beine vertreten wollen.“

Ich war ein wenig besorgt, dass sie das eventuell ausnutzen könnten, aber das hat niemand getan. Sie haben mir das Feedback gegeben, dass sie sich dadurch respektiert fühlen. Und die Eltern des Kindes mit Angststörung haben mir gesagt, dass ihr Kind sich dadurch wohler und selbständiger fühlen würde. Jetzt mache ich das in jeder Klasse." -vkatiev

10. „Ich bin Englischprofessorin am College. Eine der ersten Aufgaben, die meine Student:innen bekommen, ist es eine Erzählung über einen Identitätsmarker ihrer Wahl zu schreiben. Das veranlasst die Studierenden oft dazu, über sehr persönliche Erfahrungen zu schreiben.“

„In meinem ersten Semester hatte ich einen Studenten, der die Aufgabe verweigert hat. Ich habe ihn dann gebeten, nach dem Unterricht noch zu bleiben, um ihn nach dem Grund zu fragen. Er hat mir gesagt, dass ich seine Privatsphäre nicht respektieren und er sich nicht einfach irgendjemandem gegenüber öffnen würde. Ich war aufrichtig überrascht und habe mich entschuldigt.

In der nächsten Stunde habe ich ihn erneut gebeten, zu bleiben und habe ihm von einigen der schwersten Dinge, die ich durchgemacht habe - die zehnjährige Heroinsucht meines Bruders, finanzielle Schwierigkeiten, während ich vier Jobs neben der Uni hatte und die Diagnose Schizophrenie ohne Zugang zu Medikamenten - erzählt. Er hat darauf einen bewegenden, wirklich schönen Artikel über seinen Kampf mit Obdachlosigkeit, Missbrauch und dem Versuch, sich als Student der ersten Generation durch die Schule zu schlagen, geschrieben. Seitdem spreche ich bei der Vergabe dieses Aufsatzes immer zuerst offen über meine Probleme.

Die Änderung meiner Unterrichtsphilosophie auf diese Weise hat die Zusammenarbeit mit meinen Studierenden innerhalb und außerhalb des Klassenzimmers deutlich verbessert. Der Identitätsmarker kann die Ethnie, das Geschlecht, die Sexualität, die Gesellschaftsklasse, die familiäre Beziehung, eine Behinderung usw. sein.

Ich bin der festen Überzeugung, dass ich, wenn ich Studierende bitte, mir etwas Persönliches mitzuteilen, auch bereit sein muss, dasselbe zu tun. Ich höre oft, dass ich die einzige Professorin bin, der sie vertrauen. Was ich zwar traurig, aber verständlich finde. Als Pädagogin ist es so wichtig, dass man seinen Studierenden seine Menschlichkeit zeigt und die ihre anerkennt." -Elizabeth, Facebook

Lächelnde Studierende, die in einem Hörsaal Plätze einnehmen.
„Als Pädagogin ist es so wichtig, dass man seinen Studierenden seine Menschlichkeit zeigt und die ihre anerkennt.“ © IMAGO / MASKOT

11. „Ich bin Lehrerin für Englisch als Zweitsprache. Viele Schüler:innen haben Angst, Fehler zu machen, also bleiben sie entweder still oder sprechen in ihrer Muttersprache, um eine Übersetzung zu bekommen.“

„Jetzt sage ich meinen Schulkindern, dass sie das Englisch benutzen sollen, das sie können und ich kann beim Rest helfen. Seitdem ich das tue, haben sich ihre Fähigkeiten, Sätze zu bilden und sich zu merken, verbessert. Und was noch wichtiger ist: Sie trauen sich das Sprechen viel mehr zu. Ein Kind kann zum Beispiel sagen: ‚Shopping mall, mom.‘ Ich helfe ihm dann dabei zu sagen: ‚I go shopping mall, mom.‘ Und dann: ‚I went to the shopping mall with mom.‘“

Sie wissen, dass ich ihnen helfe und dass es in Ordnung ist, wenn sie etwas nicht wissen.“ -Mereta, Facebook

12. „Als ich noch im Referendariat war, hat mein Mentor eine Clip-Tabelle benutzt. (Schüler:innen bekommen eine Klammer für ‚schlechtes Verhalten‘ nach unten und für ‚gutes Verhalten‘ nach oben).

„In meinem ersten Jahr als Lehrerin habe ich ebenfalls eine solche Tabelle benutzt, da mir das so beigebracht wurde. Eines Tages hatte ich ein Kind, dessen Klammer ich nach unten schieben musste. Das Kind war am Boden zerstört. Ein kleiner Junge in meiner Klasse hat dann gesagt: ‚Nicht weinen, ich bin immer weit unten. Nach einer Weile gewöhnt man sich daran, das böse Kind zu sein.‘ Es brach mir das Herz, dass etwas, das ich getan hatte, ein Kind dazu gebracht hatte, zu glauben, dass es ein schlechtes Kind sei. Ich nahm die Klammertafel auf der Stelle ab und habe dem kleinen Jungen gesagt, dass er kein schlechter Mensch sei und dass es mir sehr leid tut, dass ich ihm dieses Gefühl vermittelt habe.

Das war das letzte Mal, dass ich irgendeine Form von öffentlicher Disziplinierung in der Klasse eingesetzt habe.“ -ashleyp459897ecc

13. „Wenn ich mit meinen leseschwachen Erstklässler:innen arbeite, lesen wir einen Text etwa viermal. Beim ersten Mal lese ich den Text vor und bitte sie, Wörter, die sie nicht verstehen, zu unterstreichen. Beim zweiten Durchgang lesen wir gemeinsam.“

„Ich lese jeden Satz und sie lesen jeden zweiten Satz laut mit mir mit. Beim dritten Durchgang lasse ich sie so gut es geht alleine lesen und kreise alle Wörter ein, die sie noch nicht alleine lesen können. (Dies unterscheidet sich vom ersten Durchgang, denn hier wird das Hörverstehen geprüft, während beim zweiten Durchgang die Lesekompetenz überprüft wird). Beim vierten und letzten Mal machen wir eine Art Rundherum-Lesung. Jede:r Schüler:in liest einen Satz aus der Geschichte vor und ich sorge dafür, dass sie vorher wissen, um welchen Satz es sich handelt.

Normalerweise gibt es immer einige Schüler:innen, die Englisch als zweite Sprache lernen. Es mag zu viel erscheinen, aber es hilft mir, die Lücken zu füllen, in denen den Schüler:innen noch das Verständnis fehlt.“ -Monique, Facebook

Frau hält Buch in der Hand und liest.
„Ich lese jeden Satz und sie lesen jeden zweiten Satz laut mit mir mit.“ © IMAGO / Addictive Stock

14. „Ich habe von einigen Schüler:innen erfahren hatte, dass sie transsexuell sind, aber zu viel Angst haben, etwas anderes als ihre alten Namen und ihre alten Pronomen zu benutzen. Danach habe ich den Punkt Namen und Pronomen in die Aufgabe „Kennenlernen“ aufgenommen, die ich zu Beginn des Jahres gebe.“

„Nur ich sehe das und ich frage privat, ob ich ihren Namen und ihre Pronomen im Unterricht verwenden kann. Für einige Kinder macht das einen großen Unterschied. Es ist so einfach. Es ist mir egal, wer sie laut Anwesenheitsliste sind. Was sagst DU, wer du bist?“ -lisamariegc

15. „In meinem ersten Unterrichtsjahr (1991) habe ich mit einem Schüler geschimpft, weil er seine Hausaufgaben nicht gemacht hatte. Am Ende der Stunde blieb eine andere Schülerin zurück, schüttelte den Kopf über mich und hat gesagt ‚Gestern wurde bei ihm zu Hause der Strom abgestellt.‘“

„Ich bin immer noch im Schuldienst und habe nie wieder ein Kind wegen nicht erledigter Hausaufgaben angeschnauzt. Der Schüler von damals ist jetzt übrigens auch Lehrer.“ -Anonym

16. „Früher habe ich das Schreiben anhand von amerikanischem Standard-Englisch unterrichtet und habe von meinen Schüler:innen erwartet, dass sie die formale Sprache beherrschen. In einem Semester hatte ich einen Schüler, der über sein Alter hinaus brillant, aufschlussreich und witzig geschrieben hat, aber er schien die Regeln des formalen Schreibens nicht zu begreifen.“

„Als ich mich mit ihm zusammensetzt habe, um zu besprechen, wo er sich verbessern könnte, hat er mich auf die Regeln von AAVE (African American Vernacular Englisch) hingewiesen, die er verwendet hatte. Es wurde sehr deutlich, dass der Junge sehr gut zurechtkommt. Er hat zu Hause nur einen anderen englischen Dialekt gesprochen. Daraufhin habe ich meinen Lehrplan umgeändert, sodass die Schüler:innen nach ihrer Beherrschung der englischen Sprache insgesamt benotet wurden und nicht nur nach der privilegierten Standardversion.

Es ist unglaublich, wie sehr sich Schüler:innen entfalten können, wenn wir ihnen nicht im Weg stehen!“ -Anonym,

Lehrerin kontrolliert, was die Schülerin gerade schreibt.
„Es ist unglaublich, wie sehr sich Schüler:innen entfalten können, wenn wir ihnen nicht im Weg stehen!“ © IMAGO / Panthermedia

17. „In meinem ersten Jahr als Lehrkraft hatte ich zwei viel ältere Mentor:innen, die mir pingelige Regeln wie den Verzicht auf Bleistifte oder der Ablehnung verspäteter Arbeiten beigebracht haben. Ich war überzeugt davon, dass die Regeln Sinn machen, bis mir klar wurde, dass manche Kinder niemanden zu Hause haben, der ihnen Schulmaterial gibt, die Hausaufgaben kontrolliert und so weiter. Jetzt verteile ich gratis Materialien.“

„Auch wenn es jeden Tag dasselbe Kind ist!“ -frankie2059

18. „Als meine Tochter jünger war, habe ich einige Jahre lang in einer Grundschule das Mittagessen ausgeteilt. Einmal hat ein Erstklässler zu mir gesagt: ‚Beeil dich, du blödes Arschloch!‘. Ich habe herausgefunden, dass sein Vater so mit seiner Mutter spricht.“

„Dieses Kind und ich hatten ein langes Gespräch. Es hat voller Wut angefangen und ist dann zu Herzschmerz übergegangen. Er hat nie wieder so mit mir gesprochen, aber leider weiß ich, dass er es immer noch mit anderen tut. Meine großartigen Kolleg:innen und ich haben viele dieser Kinder wirklich kennengelernt. Wir haben mit ihnen gesprochen, ihnen bei den Schularbeiten geholfen, ihnen die Haare gebürstet und sogar Kleidung, Schulmaterial und Weihnachtsgeschenke gegeben.

Das ist Jahre her, aber ich mache mir immer noch Gedanken über ihn. Die Dinge, die diese Kinder durchmachen, sind unglaublich. Es gab Tage, an denen ich unter Tränen gegangen bin.“ -Ashley, Facebook

19. „Ein Schüler ist aus dem Bezirk gezogen und hat vergessen, einen Taschenbuchroman (wahrscheinlich im Wert von weniger als 10 €) zurückzugeben. Mein damaliger Vorgesetzter war übertrieben genau, was die Rückgabe von Materialien anging, also habe ich dem Jungen gesagt, er müsse das Buch von jemandem in die Schule bringen lassen.“

„Der Vater des Schülers ist dann aufgetaucht, scheinbar betrunken. Dem armen Kind war das so peinlich und ich habe mich furchtbar gefühlt. Zwei Dinge wurden mir klar. Erstens: Kinder sind wichtiger als Materialien. Zweitens: Kinder und ihr Leben sind kompliziert.“ -Anonym

Kind ist peinlich berührt und versteckt sein Gesicht an der Wand.
„Kinder und ihr Leben sind kompliziert.“ © IMAGO / Panthermedia

20. „Ich unterrichte Mathe in der achten Klasse. Das vergangene Jahr war für viele Schüler:innen ein Kampf. Ich hatte jedoch einen Schüler, der mehr Probleme zu haben schien als andere. Er hat jede Klausur leer abgegeben.“

„Es hat sich dann herausgestellt, dass er unglaublich starke Angstzustände hatte und beim Anblick all der Aufgaben auf dem Papier zusammenbrach. Er wusste zwar, wie die Aufgaben zu lösen waren, konnte mir aber nicht zeigen, wie er auf die Antwort kommt. Bei der nächsten Prüfung habe ich die Lehrerassistentin die Klasse beaufsichtigen lassen, während ich den Schüler in einen separaten Raum gebracht und ihm die Aufgaben mündlich nacheinander gegeben habe. Er war in der Lage, mich mündlich durch jedes Problem zu führen.

Seitdem ist in meiner Schülerumfrage zu Beginn des Jahres folgende Frage enthalten: ‚Wie möchtest du deine mathematischen Fähigkeiten am liebsten demonstrieren? Durch Aufgaben mit Stift und Papier oder durch mündliche Demonstration?‘ -maliaswift02

21. „An jedem Tag meines Lebens als Lehrkraft an der Highschool habe ich etwas von den Schüler:innen gelernt. In der ersten Stunde war ich nie gut drauf und bin daher mit Zuspätkommern daher nicht gut zurechtgekommen.“

„Eines Tages habe ich mich über eine Schülerin aufgeregt, die zu spät gekommen ist. Im Gespräch mit ihr habe ich dann erfahren, dass sie jeden Morgen alle ihre Geschwister aufwecken, anziehen und zur Schule bringen muss, weil ihre Mutter nicht in der Lage war, ihnen zu helfen. Sie hat mich gelehrt bescheiden zu sein, Fragen zu stellen und vor allem nicht davon auszugehen, dass die Kinder keine Lust auf Schule haben. Ich habe mich bei ihr vor der Klasse entschuldigt und ihr dafür gedankt, dass sie mich daran erinnert hat, dass Mitgefühl, Kommunikation und Zuhören die wichtigsten Bestandteile des Unterrichtens sind.

Es hat meine Sicht auf die Menschen, für die ich verantwortlich bin, verändert. Schüler:innen lernen trotz uns und nicht wegen uns. Alles, was ich fragen, tun oder hören kann, um ihnen zu helfen, ist die Aufgabe einer jeden Lehrer:in. Wir haben einen großen Einfluss auf das Leben von Schülerinnen und Schülern. Ein mürrischer Morgen könnte sich in etwas Ungesundes für den Geist und die Seele dieser wunderbaren Kinder verwandeln, die ich betreue." -Anonym

22. „Es gab einen Fünftklässler, nennen wir ihn Sean, der dafür bekannt war, dass er muffig, dreckig usw. war. Es hat deswegen zwei oder drei Läuseausbrüche an unserer Schule gegeben.“

„Während eines Läuseausbruchs kommt die Krankenschwester regelmäßig in unser Klassenzimmer und kämmt die Haare der Kinder, die nachweislich Läuse haben (mit einem Läusekamm). Das eine Mal ist Sean ausgerastet, weil die Krankenschwester zu ihm gesagt hat: ‚Wenn du eine bessere Hygiene hättest, würdest du das deinen Mitschüler:innen nicht antun‘.

Es stellte sich heraus, dass seine Mutter ihren Job verloren hatte und seine Familie praktisch obdachlos war. Danach führte die Krankenschwester nie wieder Durchkämmungen im Klassenzimmer durch und unsere Schule hat eine Richtlinie herausgebracht, nach der sie nicht sagen durfte, welche Schüler:innen den Ausbruch ausgelöst haben.“ -destinye41dad8e04

Die Haare werden mit Lupe und Kamm auf Läuse kontrolliert.
„Danach führte die Krankenschwester nie wieder Durchkämmungen im Klassenzimmer durch.“ © IMAGO / Panthermedia

23. „Während eines Elternabends hat mir eine Mutter mal gesagt, wie dankbar sie dafür ist, dass ich die Arbeiten der Schüler:innen mit bunten Stiften und Smileys korrigiere anstatt der üblichen roten Kreuze.“

„Sie hat mir auch gesagt, dass ihr Sohn die Farbe Rot hasst, weil seine frühere Lehrkraft seine Arbeiten mit riesigen roten Kreuzen korrigiert habe. In meiner Klasse ist ihr Sohn viel glücklicher nach Hause gekommen, um die bunten Smileys zu zeigen.“ -Anonymous

24. „Ich bin Lehrerin geworden, nachdem ich selbst bereits zwei Kinder hatte. Ich musste ein 20-stündiges Praktikum in einer sechsten Klasse absolvieren und mit einer besonders schwierigen Gruppe von Kindern das Lesen und Verstehen zu trainieren.“

„Ich habe ihnen eine Aufgabe gegeben, die ich am nächsten Tag überprüfen wollte. Von den sieben Kindern hatten zwei die Aufgaben gemacht. Natürlich habe ich mein ‚Lehrergesicht‘ aufgesetzt und gefragt, warum sie die Aufgabe nicht gemacht haben. Es hat Ausreden gegeben wie ‚Ich hatte kein Papier zu Hause‘, ‚Ich hatte zu viel Arbeit im Haus‘ und ‚Ich wusste nicht wie‘. Daraufhin habe ich geantwortet: ‚Warum hast du deine Eltern nicht um Hilfe gebeten? Ich bin sicher, sie hätten dir geholfen, wenn du sie gefragt hättest‘ und ‚Du kannst immer Papier aus einem anderen Heft nehmen‘. Nur ein Kind hat sich zu Wort gemeldet und seine Antwort werde ich, solange ich lebe, nie vergessen. Er hat gesagt: ‚Du musst eine von diesen Kekse backenden Müttern sein, die jeden Abend kochen und die Wäsche waschen und so einen Sche*ß machen, oder?‘

Ich habe ihm erzählt, dass ich schon viele Kekse gebacken und versucht habe, abends etwas zu kochen, wenn ich nicht gerade zu müde war. Dann hat er mir verraten, dass seine Mutter nie zu Hause ist, dass er nicht wusste, wo sein Vater war und dass er sich um seine Brüder und Schwestern kümmern musste.

Die anderen in der Gruppe sprachen dann über die verschiedenen, aber sehr ähnlichen Bedingungen, unter denen sie alle lebten. Ich wusste, dass es diese Bedingungen gibt, klar. Aber in meiner eigenen kleinen Stadt? In der Schule meiner Kinder?

Von da an hatte ich eine ganz neue Perspektive. Ich habe zwar erst zwei Jahre später meinen Abschluss gemacht, aber ich wusste, dass ich die unterschiedlichen Lebensumstände der Kinder beachten muss. Ich habe nie wieder einfach irgendetwas über die Kinder angenommen und das war eine wirklich, wirklich gute Erfahrung." -pointyblackhat

25. „Es ist mehr als 20 Jahre her und ich werde nie einen Schüler vergessen, der vor etwa 15 Jahren seinen Abschluss gemacht hat. Er ist in meine Klasse gekommen, um sich zu verabschieden und nach dem Austausch von Höflichkeiten (und einem Dankeschön dafür, dass er jeden Tag in dem Klassenzimmer zu Mittag essen durfte), hat er mir von dem unerbittlichen Mobbing, dem schwule Schüler an unserer Highschool ausgesetzt sind, erzählt.

„Ich war fassungslos. Ich hatte wirklich keine Ahnung gehabt. Als ich ihn gefragt habe, warum er sich mir in keiner der vielen Mittagspausen, die er in meinem Klassenzimmer verbrachte, anvertraut hat, meinte er nur: ‚Weil es hier einfach so ist.‘

Dieses Gespräch hat mich so sehr erschüttert, dass es der Beginn meiner lebenslangen Reise war, eine sichtbare und lautstarke Verbündete innerhalb und außerhalb des Klassenzimmers zu sein.“ -jmcv

Schüler sitzt auf dem Stuhl mit dem Handy in der Hand und sieht gestresst aus.
„Dieses Gespräch hat mich so sehr erschüttert“ © IMAGO / Panthermedia

26. „College-Professorin hier. Ich hatte eine Studentin, die auf den ersten Blick so ausgesehen hat, als würde sie nie aufpassen (nicht mitmachen, immer am Telefon sein, den Unterricht ständig verlassen usw.). Ich habe sie damit konfrontiert und gefragt, warum sie sich so verhalten würde, als ob sie nicht anwesend sein wollte.“

„Die Antwort hat meine Sichtweise auf das Verhalten von Studierenden völlig verändert. Die betroffene Studentin hat sich entschuldigt und dann erzählt, dass sie Angst hatte, im Dunkeln allein ins Wohnheim zu gehen - es war ein Abendkurs -, sodass sie während des Unterrichts immer ängstlicher wurde und sich schließlich nicht mehr konzentrieren konnte. Als Frau, der es genauso geht, wenn sie im Dunkeln nach Hause gehen muss, konnte ich das gut verstehen. Von da an habe ich Einzelgespräche geführt oder die Klasse halbiert, sodass diese Schülerin immer am Anfang eingeplant war und im Hellen nach Hause gehen konnte.

Ich habe am Ende des Semesters eine supersüße E-Mail von ihr bekommen. Man weiß nie, woher das Verhalten eines Studierenden kommt, bis man nachfragt!“ -Anonym

27. „Ich unterrichte an einer Förderschule Schüler:innen mit schweren Behinderungen. Ich habe im Laufe der Jahre gelernt, dass es enorm wichtig ist, Wahlmöglichkeiten anzubieten (z. B. Willst du das jetzt oder in fünf Minuten machen? Willst du es selbst machen oder brauchst du Hilfe? Willst du auf dem blauen oder dem roten Stuhl sitzen?).

„Eine Wahlmöglichkeit zu bieten, auch wenn es nur eine Kleinigkeit zu sein scheint, kann sehr ermutigend sein und wichtige Lebens- und Selbstständigkeitskompetenzen vermitteln. Neurotypische Kinder haben das Privileg, jeden Tag unzählige Entscheidungen zu treffen und das nehmen wir unseren Schüler:innen mit Behinderungen weg.“ -Anonym

28. „Wir hatten eine Schülerin, die zur Mitte des Schuljahres die erste Klasse gewechselt hat. Sie ist zwar gerne in die Schule gekommen, aber war nicht sehr fleißig. Eines Tages war sie wieder zu spät, hat ihr gesamtes Frühstück aufgegessen und mich danach um mehr zu Essen gebeten, was ich ihr dann auch gegeben habe.“

„Sie hat sich dann den gesamten Tag geweigert, ihre Kapuze abzunehmen, obwohl diese ihr ständig ins Gesicht gefallen ist. Nachdem die anderen Schüler:innen gegangen sind, habe ich sie gefragt, warum sie die Kapuze aufbehalten hatte. Sie hat mir gestanden, dass sie Angst hatte, dass die anderen Kinder sich über sie lustig machen würden. Sie hat dann schließlich endlich die Kapuze runtergenommen und mir ihre verfilzten und schmutzigen Haare gezeigt.

Wir haben den ganzen Tag damit verbracht, ihre Haare zu entwirren und zu kämmen, soweit es ging. Ich habe letztlich eine befreundete Friseurin angerufen und mit der Erlaubnis der Großeltern der Schülerin sie sauber gemacht und ihr die Haare am nächsten Morgen schneiden lassen. Während des Haarschnitts, hat die Schülerin mir von der Vernachlässigung und dem Missbrauch, den sie erlitt, erzählt. Sie wurde am Tag, nachdem ich das dem Jugendamt gemeldet hatte, in einer Pflegefamilie untergebracht, die sie liebt. In meinen sechs Berufsjahren habe ich festgestellt, dass so viele Hindernisse für das Lernen außerhalb des Klassenzimmers liegen. Jede:r Lehrer:in kann das bestätigen.“ -Amber, Facebook

Mädchen schaut in den Spiegel und sieht unglücklich aus.
„Jede:r Lehrer:in kann das bestätigen.“ © IMAGO / photothek

29. „Ich erinnere mich, dass ich einem Kind mehrmals gesagt habe, es solle sich in der Klasse aufrecht hinsetzen. Erst später ist mir klar geworden, dass es nicht genug schlafen konnte, weil seine Eltern obdachlos sowie immer unterwegs waren.“

„Ich habe gelernt, dass man ein Kind, das in der Klasse sehr schläfrig ist, schlafen lassen sollte, weil man nie weiß, was mit ihm los ist.“

-Anonymous

30. „Ich habe einen Schüler unterrichtet, der nur dank der Unterstützung einer Hilfsorganisation in der Lage war, zur Schule zu gehen.“

„Seine Geschichte und sein Durchhaltevermögen haben meine Sichtweise auf die Bedeutung von Bildung und die Anerkennung der Schwierigkeiten, die viele Schüler:innen durchmachen müssen, um ihre Ausbildung zu erhalten, völlig verändert.“

-Anonymous

31. „Ein kleines Mädchen, das ich kannte, hatte eine starke Bindung zu Wachsmalstiften. Ich habe sie höflich danach gefragt und sie hat mir dann erzählt, dass ihre Eltern sich diese Stifte eigentlich nicht leisten konnten.“

„Um es kurz zu machen: Ich habe nie wieder um die Bereitstellung bestimmter Materialien durch die Eltern gebeten. Jetzt versuche ich, im Laufe des Sommers so viel wie möglich zu sammeln.“ -Anonymous

Kleinkind malt mit Wachsmalstiften.
„Ich habe nie wieder um die Bereitstellung bestimmter Materialien durch die Eltern gebeten.“ © IMAGO / photothek

32. „Ich habe an der Highschool Biologie für Erstsemester unterrichtet, als ich bemerkt habe, wie ein aufgeweckter, engagierter Schüler zu einem Problemkind wurde. Der Schüler war geschwätzig, hat über mich hinweg gesprochen und sich auf den falschen Platz gesetzt. Ich war ein wenig genervt von ihm.“

„Eines Tages habe ich gerade über ein bestimmtes System des menschlichen Körpers unterrichtet, als ich gehört habe, wie er geflüstert hat. Er hat dem Kind neben ihm etwas über das Thema, das wir gerade behandelt haben, zugeflüstert. Da wurde mir klar, dass er mehr Zeit brauchte, um sich im Unterricht zu unterhalten, und dass er sich gerne auf den Unterricht konzentrierte, wenn er die Gelegenheit dazu hatte. Danach habe ich mehr Zeit für Abwechslung und das Reden im Unterricht eingeführt: Die Schüler:innen schreiben erst etwas und teilen dann mit, was sie geschrieben haben. Darauf hat es keine Probleme mehr mit ihm gegeben. Diese Erfahrung hilft mir dabei, genauer hinzuschauen, was die Schüler:innen in der Klasse brauchen und wie ich sie dort abholen kann, wo sie sind.

Ich habe ihn sogar eine lustige Vorführung machen lassen, um ihm die Möglichkeit zu geben, die Klasse kurz zu leiten und er hat es geliebt. Meine Tante hat mir erzählt, dass mein Cousin das gleiche Problem hatte, aber seine Lehrkraft hat sich nicht darauf eingestellt und er hatte ein miserables Schuljahr. Es ist so wichtig, dass man als Lehrer:in immer flexibel ist. Es gibt immer mehr zu lernen.“ -Anonym

33. „Feste Sitzordnungen machen keinen Sinn. Meine Arbeit in einer Grundschul-Förderklasse hat mir die Augen dafür geöffnet. Viele Kinder konnten nicht einmal eine Minute lang still auf ihren Stühlen sitzen.“

„Ich habe langsam die Geduld verloren. Eines Tages hat eine Schülerin gesagt, dass ihr Gehirn sie nicht stillsitzen lassen würde, egal wie sehr sie sich bemühen und sich selbst ermahnen würde. In meinem Kopf ist eine Glühbirne angegangen. Ich hätte das wissen müssen! Ich habe Bodenkissen, Gymnastikbälle usw. besorgt und die Kinder sogar auf Teppichen liegen lassen, während sie schreiben und/oder lesen.

Oh und sie konnten während des Unterrichts stehen oder Dehnübungen machen, um ihre Zappelanfälle zu kontrollieren. Das hat den Kindern ungemein geholfen.“ -okokimono

34. „In meinem ersten Jahr als Lehrkraft habe ich einen Drittklässler, der nicht bei der Sache war, ständig ermahnt und sogar auf sein Papier getippt. Eines Tages habe ich beobachtet, wie er an einem Problem gearbeitet hat, das noch niemand gelöst hatte.“

„Er war sehr fleißig und hat es immer wieder versucht, bis er schließlich die Lösung gefunden hatte. Als Klasse haben wir das gefeiert. Als Lehrkraft habe ich gelernt, meinen Geist und meine Augen dafür zu öffnen, wie Lernen aussehen kann. Ich habe nie wieder ein Papier angefasst. Es ist jetzt 16 Jahre her, aber ich weiß ohne Zweifel, dass jeder Erfolg, den ich im Beruf hatte, diesem jungen Mann zu verdanken ist.“ -Anonym

Schuljunge sitzt im Unterricht und lächelt Klassenkameradin an.
„Als Lehrkraft habe ich gelernt, meinen Geist und meine Augen dafür zu öffnen, wie Lernen aussehen kann.“ © IMAGO / Westend61

35. „Ich habe den Begriff ‚Eltern‘ in meiner Klasse gedankenlos verwendet. In meinem zweiten Unterrichtsjahr hatte ich einen Austauschschüler, der ein Pflegekind war. Er war sehr verschlossen und nicht daran interessiert, Kontakte zu knüpfen, weil er hin- und hergeschoben worden war.“

„Als ich zum ersten Mal ‚Eltern‘ gesagt habe, konnte ich sehen, wie er wegschauen musste. Ich habe mich furchtbar gefühlt, weil ich einfach nicht nachgedacht hatte. Von da an habe ich nur noch ‚dein Erwachsener‘ gesagt. Als ich das nächste Mal etwas mit ihm nach Hause schicken wollte, habe ich ‚dein Erwachsener‘ gesagt und er hat ein wenig gelächelt. Er hat angefangen sich in der Klasse ein wenig zu öffnen und hat sogar ein paar Freunde gefunden. Das war nur eine Kleinigkeit für mich, doch es hat ihm wirklich geholfen, sich mit seinen Mitschülern gleichwertig zu fühlen.

Ich schaue mir jetzt immer alle Informationen über den Hintergrund meiner Schüler:innen an, damit ich ihnen das Gefühl geben kann, dass sie sich sicher und integriert fühlen." -Anonym

36. „Einmal musste eine Schülerin nachsitzen, weil sie einen Pullover getragen hat, der nicht der richtige Schulpullover war. Später habe ich sie weinend im Klassenzimmer gefunden - wo sie mir erzählte, dass sie sich den Schulpullover nicht leisten konnte.“

„Ab dem nächsten Tag habe ich einen Vorrat an Schulpullovern im hinteren Teil des Klassenzimmers aufbewahrt, für alle, die sie sich ihn nicht leisten konnten.“ -Anonymous

37. „In meinem ersten Jahr als Lehrkraft habe ich am Ende jeder Unterrichtsstunde Arbeitsblätter als Hausaufgaben ausgeteilt. Sie waren kurz und ziemlich einfach, aber ich hatte einen Schüler, der sie dennoch nie gemacht hat.“

„Er hat trotzdem im Unterricht gut aufgepasst und bei den Tests gut abgeschnitten. Gegen Ende des Jahres habe ich herausgefunden, dass er nach der Schule arbeiten musste, um seine Familie zu ernähren, sodass er keine Zeit für Hausaufgaben hatte. Nach diesem Jahr habe ich das Kontrollieren von Hausaufgaben ganz eingestellt. Ich verteile sie immer noch für Schüler:innen, die mehr Übung brauchen, aber sie werden nicht mehr kontrolliert, weil ich ihr Privatleben nicht kenne.“ -Anonym

Mathe Hausaufgaben mit Bleistift und Radiergummi.
„Nach diesem Jahr habe ich das Kontrollieren von Hausaufgaben ganz eingestellt.“ © IMAGO / PhotoAlto

38. „Mir ist aufgefallen, dass jedes Mal, wenn wir eine Gruppenarbeit gemacht haben, ein Kind nie ausgewählt wurde, bis alle Gruppen voll waren und eine Gruppe es nehmen musste.“

„Von diesem Zeitpunkt an habe ich die Schüler:innen nie mehr ihre Gruppen oder Partner:innen wählen lassen. Ich wähle sie alle selber aus.“ -jamesarthurwrites

39. „Ich bin Lehrerin an einer Highschool. Als ich damit angefangen habe, war ich sehr bemüht, mich aus dem ‚Drama‘ der Kinder herauszuhalten und mich nur auf den Unterricht zu konzentrieren. Ich hatte eine Schülerin, die ich mochte, aber ich dachte, sie sei dramatisch, weil sie oft weinen musste.“

„Später habe ich herausgefunden, dass ihr Stiefvater ihr gegenüber gewalttätig geworden ist, als sie ihren Bruder, der eine Behinderung hatte, beschützt hat und das Jugendamt sie von zu Hause wegholen wollte. Daraufhin habe ich die Regel ‚Wenn du einen schlechten Tag hast, habe ich einen ruhigen Raum, in dem du allein sein kannst‘ eingeführt. Wenn jemand aufgeregt ist, kann er/sie jederzeit zu mir kommen und sich dort beruhigen oder schlafen.

Der Raum wurde nie missbraucht. Viele von ihnen kommen nach einer Weile heraus und gehen wieder an die Arbeit, weil sie einfach einen Raum brauchen, in dem sie sich sicher fühlen und vielleicht weinen können. In Highschools gibt es keine Privatsphäre und manchmal müssen wir alle einfach mal raus und eine Pause machen.“ -raphaelahops

40. „Ich habe früher Kinder im Jugendstrafsystem vertreten. Manchmal habe ich ihnen geholfen, sich wieder in der Schule anzumelden, wenn sie aus dem Gefängnis gekommen sind. Die meisten Schulen wollten sie nicht und haben das auch nicht verheimlicht. Ich habe einen Jungen zu einer Schulbesichtigung mitgenommen und das werde ich nie vergessen.“

„Er hatte schon viel durchgemacht und war ein harter Bursche, aber während der ganzen Führung waren sie so schrecklich zu uns. Er ist immer enger an mich herangekommen, bis er schließlich an meiner Seite geklebt ist. Wir konnten gar nicht schnell genug von dort wegkommen. Er hat in meinem Auto darüber geweint, dass ‚sie ihn hier nicht wollen und er einfach aussteigen sollte‘. Das hat mir das Herz gebrochen.

Es ging so weiter bis zu unserer sechsten Schulbesichtigung. Dort hat die Direktorin eindeutig die von mir geschickte Akte gelesen. Sie kannte seinen Namen, ist persönlich herausgekommen, um uns zu begrüßen und hat uns herumgeführt. Sie war so freundlich und freute sich wirklich, ihm zu helfen, wieder in die Schule zu kommen. Während seiner Schulzeit hat sie ihn im Auge behalten, mich angerufen, wenn er Probleme hatte und sich um ihn gekümmert. Ich weiß nicht, wer mehr geweint hat, als er seinen Abschluss gemacht hat, sie oder ich.“ -lawyerlady

Hand an der Handschellen hängen.
„Ich weiß nicht, wer mehr geweint hat, als er seinen Abschluss gemacht hat, sie oder ich.“ © IMAGO / Panthermedia

41. „Während meiner Zeit im Referendariat habe ich gelernt, das Kind, das niemand mag, besonders zu lieben. Ich hatte einen Schüler in meiner Klasse, über den alle Lehrer:innen schlecht geredet habe.“

„Aus ihm würde ‚nie etwas werden‘. Das ganze Jahr über habe ich mich bemüht, ihn so zu behandeln, als wäre er superschlau und zu allem fähig. Nur in meiner Klasse hat er in diesem Jahr etwas abgegeben und er war wirklich brillant. Im Allgemeinen werden die Schüler:innen immer versuchen, deine Erwartungen zu erfüllen - egal, wie hoch sie sind. Deshalb suche ich jetzt immer nach Ausreißer:innen, die jemanden brauchen, der sie sieht, für sie kämpft und an sie glaubt. Vor allem, wenn es sonst niemand tut.“ -Anonym

42. „Ich bin Lehrkraft in einem pädiatrischen Programm für Verhaltensstörungen und geistige Gesundheit. Vor Kurzem wurde mir ein Schüler geschickt, in dessen Akte stand, dass er Gewalt angedroht hat und aus dem Klassenzimmer verschwunden ist. Eines Tages ist er ausgerastet, weil sein schwarzer Marker ‚nicht schwarz genug‘ war.“

„Wir haben versucht ihn zur Vernunft zu bringen, aber er war sehr aufgebracht, also haben wir ihm seinen Freiraum gelassen. Er hat sich schließlich beruhigt und ist zurückgekommen, dann war alles gut. Tage später hat etwas mit seinem Mittagessen nicht gestimmt und er hat angekündigt nach Hause zu gehen. Er hat die Klasse und das Gebäude verlassen. Wir sind ihm hinterher und er hat ruhig erklärt, dass sein Mittagessen nicht in Ordnung war und er deshalb nach Hause gehen würde. Es war sehr sachlich. Anstatt zu schreien und ihn zurück zu zwingen, haben wir darüber gesprochen, dass er den Weg nach Hause nicht kannte und sich verlaufen könnte. Wir haben vorgeschlagen, wieder hineinzugehen und zu fragen, ob seine Mutter ihm ein anderes Mittagessen bringen oder ihn abholen könnte. Er kam bereitwillig zurück, beschäftigte sich intensiv mit einem Projekt und hat völlig vergessen, dass er nach Hause gehen wollte. Er hatte eine Autismus-Spektrum-Störung. Das war‘s.

Ich habe immer mehr Schüler:innen, die autistisch sind, aber so behandelt werden, als seien sie einfach nur böse oder trotzige Kinder. Dieser Schüler war mein jüngstes Beispiel. Seine Akte enthielt alle möglichen Arten von schwierigem und gefährlichem Verhalten. Wir haben kein derartiges Verhalten festgestellt - er ist schrullig, aber superschlau. Ich wurde neugierig und hab mit seiner früheren Lehrerin gesprochen. Sie hat über ihn gesprochen, als hätte er den Stempel ‚böses Kind‘ auf der Stirn. Es war furchtbar. Sie sollte gefeuert werden.

Er war verdammt klug, aber er hatte dieses starre Bedürfnis, dass alles nach seiner Nase gehen muss. Ihn zu zwingen, Dinge zu tun, die seinen Bedürfnissen nicht entsprechen, würde ihn nur eskalieren lassen. Ihn zu bestätigen und seine Intelligenz zu respektieren, indem wir eine 'bessere Lösung' finden, hat seine Ausbrüche vollständig gestoppt. Es ist nicht schwer." -crookedflowers

43. „Ich war Assistentin in einem ethnografischen Kurs, der viele Diskussionen beinhaltet hat. Die Studierenden waren einfühlsam und hatten gute Noten für ihre Teilnahme. Das Problem waren ihre Arbeiten. Viele hatten eine ‚falsche‘ Grammatik.“

„Der Professor und ich waren frustriert, weil wir wussten, wie klug diese Studierenden waren, also hat er mir aufgetragen, dass ich mich mit jedem Studierenden treffen solle, um zu helfen. Die Arbeiten waren in einem erzählenden Stil verfasst, d. h. die Studierenden schrieben in der ersten Person über ihre eigenen Erfahrungen. Dann habe ich begriffen, dass die meisten Student:innen Schwarze waren und die Aufsätze grammatikalisch korrekt in afroamerikanischem Englisch verfasst waren.

Mir wurde klar, dass wir Erwartungen an die Studierenden stellen, die nicht mit ihren persönlichen Erfahrungen übereinstimmen. Also habe ich den Professor darauf angesprochen und darauf hingewiesen, dass Bücher in der ersten Person in der Regel so geschrieben werden, wie der Erzähler natürlich spricht und denkt. Der Professor hat mir zugestimmt, dass dies nur fair sei und hat die Art der Benotung geändert, woraufhin wir einen Unterschied im Selbstvertrauen der Studierenden bemerken konnten.

Sicher, wenn es sich um akademische Arbeiten handeln würde, bei denen eine bestimmte grammatikalische Struktur vorgeschrieben ist, würde es Sinn machen, sie so zu benoten, aber es handelte sich um Geschichten aus der ersten Person. Also haben wir beschlossen, dass es eine unfaire Regel ist, die Studierenden zu zwingen, persönliche Geschichten in einer Weise zu schreiben, die nicht widerspiegelt, wie sie tatsächlich sprechen.“ -nicoles40e5cb895

Mann und Frau geben sich ein High five.
„Der Professor hat mir zugestimmt, dass dies nur fair sei“ © IMAGO / Panthermedia

44. „Letztes Jahr habe ich während eines Elterngesprächs die Daten eines Schülers zu seinen Lesefortschritten überprüft. Leider war er etwa zwei Jahre im Rückstand. Ich habe gefragt, wie viel das Kind zu Hause lesen würde.“

„Die Mutter hat nur gemeint ‚gar nicht‘. Ich war verblüfft, denn ich halte Lesen für sehr wichtig. Sie hat mir dann erklärt, dass sie 14 Stunden am Tag in einem Restaurant arbeitet und dass der Schüler sein virtuelles Lernen dort absolviert. Das wusste ich nicht, weil er seine Kamera immer ausgeschaltet hatte. Sie hat auch gesagt, dass sie nur sonntags freihabe und da nur mit putzen, Wäsche waschen und kochen beschäftigt war. Das hat mir wirklich zu denken gegeben, dass nicht jeder meine Prioritäten teilt.

Natürlich will sie das Beste für ihr Kind, aber sie ist im Überlebensmodus. Diese Erkenntnis hat mich erschüttert und ich denke noch oft an sie.“ -Anonym

45. „In meinem zweiten Jahr als Lehrkraft hatte ich einen Schüler, der oft gestört hat und die meiste Zeit über nur albern und nervig war. Er wollte und brauchte oft meine Aufmerksamkeit, also habe ich ihm ein Notizbuch gegeben und gesagt, er könne hineinschreiben, wenn er seine selbstständige Arbeit beendet habe und ich würde es mir ansehen, wenn ich nicht unterrichte oder Anweisungen gebe.“

„Ich war von einigen seiner Sätze absolut überwältigt. Er hat darüber geschrieben, dass andere von ihm verlangen, hart zu sein, aber er das in seinem Herzen nicht sei. Er hat auch geschrieben, dass er sich besser benehmen wolle und sich für sein Verhalten sowie das seiner Mitschüler entschuldigt. Er hat sogar gefragt, ob ich gelesen hätte, was er geschrieben hatte. Ich habe ihm versichert, dass ich es gelesen hatte und so wurde es zu einem Dialog-Tagebuch, in dem er sich ausdrücken konnte und ich ihn darin bestärken konnte, dass ich wusste, dass er ein guter Junge war und dass ich an ihn und seine Fähigkeit, gute Entscheidungen zu treffen, glaube. Diese Art der Verbindung hat es mir ermöglicht, mit ihm auf Augenhöhe zu sein, wenn Probleme auftauchten und ich konnte insgesamt eine Verbesserung seines Verhaltens feststellen.“ -Anonym

46. „Die Situation, die meine Art zu unterrichten am meisten verändert hat, fällt unter die Kategorie ‚Empathie‘. Es beginnt damit, dass man seine Schüler:innen wirklich kennenlernt. Meine sind Teenager. Sie arbeiten manchmal bis spät in die Nacht und schlafen im Unterricht. Du musst verstehen, warum sie müde sind.“

„Ich hatte Kinder, bei denen Familienmitglieder an COVID gestorben sind. Das habe ich auch. Zeige Mitgefühl. Ich hatte Schüler:innen im Krankenhaus. Besuche sie. Ich habe Schüler:innen gehabt, deren Eltern ermordet wurden. Geh zur Totenwache und sei für sie da. Viele meiner Schüler:innen haben Probleme zu Hause. Höre ihnen zu. Als Lehrkraft liebe ich meine Schüler:innen wie meine eigenen Kinder - ich lobe sie, wenn sie gut sind und bin enttäuscht, wenn sie sich daneben benehmen. Aber ich gebe meine Kinder nie auf.

Versteh, dass alle Kinder eine Gabe haben und hilf ihnen, diese zu entdecken. Liebe sie. Du wirst zwar bestimmt auch mal verletzt werden, aber du musst dann auch vergeben, wenn du diese Kinder erreichen willst.“ -Anonym

Lehrerin sitzt mit Kindern im Stuhlkreis und alle heben die Hand.
„Versteh, dass alle Kinder eine Gabe haben und hilf ihnen, diese zu entdecken.“ © IMAGO / Shotshop

Man kann diesen unglaublichen Pädagog:innen und ihren Kolleg:innen gar nicht genug danken! Vielen Dank für das Einfühlungsvermögen, den Respekt und das Mitgefühl, das sie den Schüler:innen entgegenbringen. Ihre Arbeit hat einen großen Einfluss auf das Leben der Kinder.

Wenn du ähnliche Erfahrungen gemacht hast oder dir Gedanken über diese Geschichten machst, teil es uns in den Kommentaren mit!

Dieser Post wurde übersetzt von einem Post von Victoria Vouloumanos.

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