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Wir haben mit einem Psychologen über die psychische Gesundheit von Männern gesprochen

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Der Spruch "Männer haben zwei Gefühle: gut oder zornig" ist ein weit verbreiteter Irrglaube.

Kürzlich haben einige Twitter-User diese Bilder von Ariana Grande und Pete Davidson nach ihrer Trennung zum Meme gemacht.

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Das Ganze wurde in etwa so kommentiert ...

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Und das hat mich ehrlich gesagt dazu gebracht, eine ganze Menge über Männer nachzudenken und darüber, wie wir als Gesellschaft mit ihrer psychischen Gesundheit umgehen:

Insbesondere weil Pete sehr offen über das Leben mit einer psychischen Erkrankung spricht.

Ich habe mich daraufhin gefragt: Was sollten wir über die psychische Gesundheit von Männern wissen und wie sollten wir unseren Umgang damit ändern?

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Um das herauszufinden, habe ich mich mit Dr. Ryan Howes, einem Psychologen aus Kalifornien in Verbindung gesetzt. Er hat mir erklärt, wie wir alle versuchen können, die psychische Gesundheit von Männern zu verstehen und den Dialog rund um dieses Thema zu ändern.

Und bevor wir damit loslegen: Psychische Probleme belasten jeden ganz unabhängig vom Geschlecht anders – aber Studien und Statistiken zeigen, dass es beim Umgang mit Herausforderungen wie Depressionen, Ängsten und Stress signifikante Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt. Diese Kämpfe sind etwas tiefgehend Persönliches und die Anmerkungen in diesem Beitrag beschränken sich auf Beispiele von Patienten, die Dr. Howes in seiner Praxis aufgesucht haben. Jedoch hoffen wir, dass du etwas Trost in dem Wissen findest, dass andere das Gleiche durchmachen wie du – oder dass sie dir zu einer etwas anderen Sichtweise auf die Männer in deinem Leben verhelfen.

Obwohl die Erfahrungen in dieser Liste für alle Männer – cis und trans – gelten können, decken sie selbstverständlich nicht die spezifischen psychischen Probleme ab, mit denen trans Männer sich konfrontiert sehen. Hier kannst du mehr über seelische Probleme von Transgender-Menschen lesen.

1. Die am weitesten verbreiteten Probleme, die Männern zu schaffen machen, haben mit Selbstkontrolle, Selbstachtung und Beziehungen zu tun.

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„Diejenigen, die mit Problemen der Selbstkontrolle zu kämpfen haben, versuchen eine Sucht zu kontrollieren, Aufschieberei in den Griff zu bekommen oder sich eine neue, gesunde Gewohnheit zuzulegen. Häufig erwarten sie von einer Therapie einen Ort, an dem sie Führung finden können und Rechenschaft ablegen müssen. Diejenigen, die mit Problemen der Selbstachtung zu kämpfen haben, arbeiten sich an früheren Schamgefühlen ab, wobei sie oft jahrzehntelange Überzeugungen herausfordern und versuchen, den Mann, der sie heute sind, zu akzeptieren. Viele meiner männlichen Patienten hatten Beziehungsprobleme, insbesondere wenn es um die Kommunikation von Gefühlen ging.“

2. Männer sind sich häufig bewusst, dass bei ihnen „etwas nicht stimmt“, erkennen aber nicht, dass dieses „etwas“ eine psychische Erkrankung ist.

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„Eine Frau ist sich möglicherweise besser bewusst, was in ihrem Inneren vor sich geht. Sie wünscht sich Unterstützung und Strategien, die ihr helfen, damit fertigzuwerden. Männer hingegen wissen, dass 'etwas nicht stimmt', sind sich aber noch nicht bewusst, dass sie eine Depression oder eine Angststörung haben oder unter enormem Druck stehen.

Ich habe in vielen Sitzungen erlebt, dass Männer die Probleme entdeckt haben, derer sie sich vorher nicht bewusst waren – wie zum Beispiel, dass ihr 'strenger' Vater sie in Wirklichkeit körperlich misshandelt hat, dass ihr Arbeitspensum unschaffbar hoch ist oder dass der Grund für ihre Schlaflosigkeit eine Angststörung ist.“

3. Männer neigen dazu, Gefühle zu unterdrücken, während Frauen dazu neigen, Gefühle auszudrücken.

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„Viele Männer, die mit einem Problem konfrontiert sind, glauben, dass es ganz allein ihre Sache ist, es zu lösen. Frauen hingegen sind oft sehr viel besser in der Lage, um Hilfe zu bitten und im Team zusammenzuarbeiten, anstatt ihr Problem alleine anzugehen.

Zum Beispiel habe ich einmal mit einem Mann gearbeitet, der am Arbeitsplatz Opfer eines traumatischen Erlebnisses wurde und keine Hilfe von irgendjemand anderen gesucht hat. Er hat sich von Freunden und Angehörigen zurückgezogen, weil in dem Drehbuch in seinem Kopf stand, es sei allein seine Aufgabe, das Trauma zu überwinden, er dürfe andere nicht damit belasten und müsse versuchen, nicht mehr darunter zu leiden. Als seine Schlaflosigkeit und Reizbarkeit zum Problem wurde, suchte er therapeutische Hilfe und durch die Aussprache mit mir und ein paar Freunden fühlte er sich schließlich besser.“

4. Männer neigen dazu, erst dann über ihre Probleme zu reden, wenn sie eine Lösung gefunden haben.

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„Eine weitere Verallgemeinerung, die mir in meiner Praxis häufig begegnet, ist die, dass Frauen über ein Problem sprechen, um eine Lösung zu finden, während Männer über ein Problem nachdenken und erst dann darüber sprechen, wenn sie eine Lösung gefunden haben. Und auch das macht die Problemlösung wieder zu einem inneren, isolierten Prozess anstatt zu einer Zusammenarbeit. Ich denke, Männer tun das, weil sie befürchten, schwach zu wirken, wenn sie unentschlossen sind oder keine Lösung finden können.“

5. Kommunikation in Beziehungen kann für sie etwas sein, womit sie schwer zu kämpfen haben.

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"Für viele Männer stellt oft nicht die Existenz oder die Erfahrung eines Gefühls das Problem dar, sondern die Kommunikation dieses Gefühls gegenüber jemand anderem. In vielen Fällen wissen die Männer ganz genau, wie sie fühlen und was sie sagen wollen, haben aber Angst, es zu sagen, weil sie ihre Partnerin nicht verletzen wollen oder sich vor ihrer Antwort fürchten."

6. Viele Männer wenden sich dann möglicherweise Drogen, Alkohol und/oder Pornos zu, weil sie sich dadurch körperlich und gefühlsmäßig abschotten können.

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„Der enorme Stress und Konkurrenzdruck, der mit vielen Berufen einhergeht, in Kombination mit der akzeptierten bis geförderten Praxis, zum Umgang mit Stress zu Drogen und Alkohol zu greifen, ist zweifelsohne problematisch. Dass um Hilfe zu bitten und Gefühlen wie Traurigkeit und Furcht zu zeigen immer noch als Zeichen von Schwäche betrachtet werden, wirkt sich äußerst nachteilig auf die psychische und körperliche Gesundheit von Männern aus.

7. Männer neigen dazu, ständig beschäftigt zu sein als Medaille zu betrachten.

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„In der westlichen Welt sind sowohl Männer als auch Frauen sehr stressgeplagt und eingespannt und leider ist genau das bei uns eine gesellschaftlich höchst erwünschte Pathologie. Wir reden über unsere übervollen Terminpläne und unsere Unfähigkeit, Grenzen zu setzen, wie über eine Medaille. Außerdem dienen sie als Ausrede, viele unserer Grundbedürfnisse (Schlaf, Ruhe, Beziehungen, Bewegung usw.) zu vernachlässigen.

Ich glaube, insbesondere Männer werden mit Beifall belohnt, wenn sie sich angesichts von enormem Druck ungerührt zeigen, und verlieren Statuspunkte, wenn sie Schwächen eingestehen.“

8. Sprüche wie „Sei ein Mann!“ oder „Wo sind denn deine Eier?" schaden und sind schlichtweg ärgerlich.

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„Solche Äußerungen sind schlicht beschämend, denn sie sagen uns, dass uns die grundlegendsten Pfeiler unserer Identität fehlen. Die Äußerungen bringen auch nicht viel in Bezug auf ein Ziel oder eine Richtung. Welche Art Mann ist damit gemeint? Natürlich erwarten wir keine toxische Männlichkeit, wie also sieht dieser Mann aus, der sich Eier zeigen soll? Wir sollten einfach zu einer ganz bestimmten Verhaltensänderung anregen oder – noch besser – gemeinsam einen Plan ausarbeiten, anstatt jemanden im Kern seiner Identität niederzumachen. Scham ist kein gesunder Anreiz.“

9. Therapie unter vier Augen wirkt auf viele Männer einschüchternd.

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„Ich würde gern weiterhin Systeme entwickeln, die dazu beitragen, dass Männer sich nicht scheuen, Hilfe für ihre psychische Gesundheit zu suchen. Ich weiß, dass Einzeltherapie unter vier Augen für zahllose Männer viel zu einschüchternd ist. Daher würde ich mich über Menschen freuen, die ihnen eine Brücke über diese Kluft bauen, indem sie das Thema psychische Gesundheit in weniger bedrohliche Situationen einbinden. Vielleicht wäre eine NFL-/Therapiegruppe an einem Sonntagnachmittag gar keine so schlechte Idee.“

10. Wir richten unser Augenmerk oft zu sehr auf das Verhalten von Männern anstatt auf die zugrundeliegenden Probleme.

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„Ein Mann kann zum Beispiel gefühlskalt wirken und die Leute verbringen viel zu viel Zeit damit, ihn dazu zu bringen, seine Gefühle zu zeigen, und nicht genug Zeit mit der Frage nach dem ursprünglichen Grund, aus dem er seine Gefühle nicht zeigt“.

11. Gespräche mit anderen Männern über ihren Stress können hilfreich sein.

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„Ich hatte das Glück, im Lauf meines Lebens sowohl Begründer als auch Mitglied von Selbsthilfegruppen für Männer zu sein. Es ist verblüffend zu sehen, wie bereitwillig sich Männer öffnen, sobald sie wissen, dass sie für Gefühle der Unzulänglichkeit oder Scham nicht verurteilt oder gedemütigt werden.

Ich habe Männer kennengelernt, die von so gut wie jeder Gruppenaktivität (einschließlich Sportteams und Pokerabenden) profitieren, wenn sie in der Lage sind, über oberflächliche Gespräche hinauszugehen, und darüber reden, wie es ihnen wirklich geht.

12. Tagebuch führen hilft vielen Männern, ihre Gedanken zu ordnen, und liefert ihnen gleichzeitig eine gute Struktur.

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„Tagebuch führen kann Männern (und Frauen) wirklich helfen, ein Narrativ um ihre Empfindungen und Erfahrungen aufzubauen.2

13. In jüngerer Zeit entdecken auch immer mehr Männer die Vorzüge von Meditation, Yoga und Spiritualität.

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„Eine zunehmende Zahl von Männern, mit denen ich gearbeitet habe, nehmen an Yogakursen teil, schließen sich Meditationsgruppen an oder arbeiten anderweitig an ihrer Spiritualität und ihren Gefühlen wie zum Beispiel mit Klangbädern oder indem sie sich mehr für eine religiöse Einrichtung engagieren."

14. Der Spruch „Männer haben zwei Empfindungen: gut oder wütend“ ist ein weit verbreiteter Irrglaube.

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„Der am weitesten verbreitete Irrglaube ist, Männer hätten nicht alle Gefühle. Sie haben sie sehr wohl, sie geben sich nur größte Mühe, die meisten davon zu unterdrücken. Sie werden sie auch zeigen, wenn sie spüren, dass sie nicht verurteilt oder kritisiert werden, wie zum Beispiel in einer Therapiesitzung mit jemandem, dem sie vertrauen.

Männer zeigen ihren Zorn, weil sich diese Emotion weniger bedrohlich anfühlt, als die Angst, die ihr üblicherweise vorausgeht. Wut fühlt sich oft wie Stärke an, aber wie Männer wissen, die in Psychotherapie waren, erfordert es sehr viel mehr Stärke, Traurigkeit und Angst auszudrücken, als Zorn zu zeigen.“

15. Und am Ende des Tages möchten Männer einfach nur „gut genug“ sein.

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Die meisten der Männer, mit denen ich arbeite, wollen einfach nur das Gefühl haben, ,gut genug' zu sein. Gut genug als Sohn, gut genug als Ehemann, gut genug am Arbeitsplatz, gut genug als Vater. Sie sind irgendwann in ihrem Leben an diesem ,gut genug' verletzt worden und die daraus resultierenden Verhaltensweisen können in Richtung Überkompensation (Angeberei und Besserwisserei) gehen oder zu einer reizbaren, depressiven Krise führen, die ihre eigenen Konsequenzen mit sich bringt.

Du brauchst Hilfe? Dann findest du hier vielleicht Unterstützung.

Bei der Stiftung Deutsche Depressionshilfe erfährst du mehr zum Thema.

Wenn du sofort Hilfe brauchst, wende dich an die Telefonseelsorge: 0800/111 0 111 (Anruf kostenfrei)

Eine Übersicht über Krisendienste und Notfallkliniken in jedem Bundesland findest du hier.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Englisch.

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