Yeliz Koc hält es für wichtig, „alle drei Monate zum Frauenarzt“ zu gehen – daher habe ich mal nachgeforscht

  • Saba MBoundza
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*rechnet erstmal, wann sie das letzte Mal beim Frauenarzt war*

Yeliz Koc, die viele aus den vorletzten Staffeln Der Bachelor und Bachelor in Paradise kennen, hat eine Karriere daraus gemacht, auf Instagram viel über ihre privaten Angelegenheiten zu reden. Völlig normal, kennt man ja.

More power to you, Yeliz!

Ihr letzter Diskurs zum Thema Besuch beim Frauenarzt/bei der Frauenärztin hat mich jedoch etwas stutzig gemacht. Ich muss kurz ausholen:

Kürzlich hat Yeliz in ihrer Story davon erzählt, dass sie demnächst zur Zahnreinigung geht (frag nicht) und sich außerdem „endlich mal wieder“ einen Termin beim Frauenarzt geholt hat. Weil sie bestimmt seit über einem halben Jahr nicht mehr da war.

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„Früher habe ich das alle drei Monate gemacht, weil das wirklich wichtig ist“, erklärt Yeliz in ihrer Story. Und ich so:

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Sie rät ihren Followerinnen, einfach zur Kontrolle zu gehen und „alles abchecken“ zu lassen.

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„Es gibt so viel Sachen, die man gar nicht selber merkt oder spürt, die aber im Körper drin sind, und die sollte man dann auch schnellstmöglich behandeln lassen.“

Hat sie nicht unrecht. ABER:

Alle drei Monate?!?!

Ich weiß natürlich nicht, was für Kontrollen bei Yeliz in diesem Rhythmus durchgeführt werden (müssen). Ich weiß auch nicht, wie deine Besuche beim Frauenarzt oder der Frauenärztin ablaufen, weil die nun mal bei allen unterschiedlich ausfallen können.

Bei mir wird der Abstrich einmal im Jahr gemacht. Mir wurde nie gesagt, ich solle öfter kommen. Daher meine Frage: Was soll ich denn alle drei Monate beim Frauenarzt/bei der Frauenärztin?

Ich bin verwirrt. Mach ich was falsch? Oder meint es Yeliz Koc mit ihrem Rat etwas zu gut?

Ich find's richtig, im Alltag mehr über das Thema zu sprechen und brenne sehr für bessere Sexualkunde und mehr Wissen über reproduktive Gesundheit.

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Mir ließ diese Frage also keine Ruhe.

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Ich musste investigativ werden:

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Dabei bin ich zunächst auf einen Artikel der Süddeutschen Zeitung vom Juli 2019 gestoßen, in dem es um neue Regelungen in der Krebsvorsorge geht. Darin heißt es, dass Frauen hierzulande im internationalen Vergleich tatsächlich ziemlich oft untersucht werden.

„Einer Niederländerin beispielsweise werden bis zum Alter von 65 Jahren insgesamt sieben Untersuchungen angeraten, Britinnen und Schwedinnen empfiehlt man etwa elf Tests. In den USA können die Frauen wählen, ob sie zehn oder 15 Mal zur Krebsvorsorge gehen wollen. In Deutschland dagegen muss eine Frau nach den bislang gültigen Empfehlungen im gleichen Zeitraum 45 Mal den Gynäkologen aufsuchen.“

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Weiter heißt es in dem Beitrag, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dazu rate, Pap-Abstriche (womit auf Zellveränderungen im Gebärmutterhals getestet wird) erst bei Frauen ab 30 durchzuführen.

Maximal verwirrt? Cool, ich auch.

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Darum hab ich alle Register gezogen und mich an den Berufsverband der Frauenärzte und an pro familia, die „größte nichtstaatliche Organisation für Sexual-, Schwangerschafts- und Partnerschaftsberatung in Deutschland“ gewendet.

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„Die Krebsfrüherkennung, die Frauen ab einem Alter von 20 Jahren wahrnehmen können, findet einmal im Jahr statt,“ erklärt Dr. med. Christian Albring, Präsident des Verbands und niedergelassener Frauenarzt in Hannover.

Dabei werde bei Frauen im Alter von 20 bis 34 Jahren jährlich ein Abstrich aus dem Muttermund entnommen, um die Zellen zu untersuchen.

„Wenn dabei ein auffälliger Befund der Zellen des Gebärmutterhalses festgestellt wird, ist eine Wieder-Einbestellung nach einigen Monaten vorgesehen und gegebenenfalls eine Untersuchung des Muttermundes mit einem besonderen Mikroskop“, so Dr. Albring. Danach werde entschieden, ob eine Behandlung dieser Veränderungen erforderlich ist, oder ob eine weitere Beobachtung ausreicht.

Laut Richtlinie werde Frauen ab 30 zudem zusätzlich die Brust abgetastet. Frauen über 35 würden zwar weiterhin jährlich im Rahmen der Krebsfrüherkennung untersucht, ein Abstrich werde dann jedoch nur noch alle drei Jahre entnommen, erklärt der Verbandspräsident weiter.

Frauen, die hormonell verhüten, sollten „alle sechs Monate“ zur Kontrolle.

Dazu zählen gynäkologische Untersuchungen, aber auch die Kontrolle des Blutdrucks „und gegebenenfalls Gewicht oder auch ein Test auf Blasenentzündungen“, so Dr. Albring.

Gabrielle Stöcker, Frauenärztin und Beraterin von pro familia weist allerdings darauf hin, dass diese Kontrollen nicht zwangsläufig bedeuten, „dass jedes Mal die Scheide untersucht oder ein Abstrich entnommen wird.“ Die Beratung sei ebenfalls ein bedeutsamer Teil der frauenärztlichen Betreuung von Patientinnen. „Dass Frauen nicht nur der Gebärmutterhals sind, wird gern vergessen“, so Frau Stöcker.

Für beschwerdefreie, gesunde Frauen (die vielleicht zudem nicht hormonell verhüten) gebe es keinen Grund, alle drei Monate zum Frauenarzt oder zur Frauenärztin zu gehen – auch nicht alle sechs Monate, erklärt Gabrielle Stöcker.

Und: Bis du 25 Jahre alt bist, zahlt die Krankenkasse jährlich für deinen Chlamydientest, „der unbedingt wahrgenommen werden sollte“, betont Dr. Albring.

„Eine rechtzeitige Behandlung eines Chlamydien-Infektes kann eine Unfruchtbarkeit verhindern“, fügt er hinzu.

Danach werden die Kosten für Tests auf sexuell übertragbare Krankheiten weiterhin übernommen, sofern es Symptome gibt, die auf eine Infektion hinweisen. Nur der HIV-Test im Gesundheitsamt ist stets kostenfrei. Hierbei handelt es sich um einen Bluttest.

Und wie oft sollte ich meine Brust abtasten?

„Wir empfehlen das Abtasten nur alle zwei Monate“, erklärt Dr. Albring. „Wenn die Frau häufiger tastet, kann es passieren, dass sie Unterschiede und Veränderungen nicht wahrnimmt.“

Gabrielle Stöcker weist jedoch daraufhin, dass der Vorteil der Selbstuntersuchung „in Bezug auf die Früherkennung und Brustkrebssterblichkeit wissenschaftlich umstritten beziehungsweise nicht belegt“ sei, findet es jedoch gut, wenn „Frauen ein Gefühl für ihre Brust entwickeln“.

Frauen, die sich selbst abtasten möchten, rate sie, das ein paar Tage nach der Periode zu tun, wenn die Brust wieder weicher ist, so Stöcker.

So! Ist das auch geklärt. Es ist also unwahrscheinlich, dass du alle drei Monate zum Frauenarzt oder der Frauenärztin musst. Wenn du keine Beschwerden hast und nur einmal im Jahr hingehst, ist das auch völlig okay.

Solltest du aber Probleme haben oder Symptome einer sexuell übertragbaren Krankheit feststellen, dann mach dir natürlich schnell einen Termin.

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