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Diese Hawaiianerin fordert Leute auf, nicht mehr nach Hawaii zu reisen und erklärt warum

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„Viele Tourist:innen behandeln unser Land wie einen Freizeitpark ...“

Lily Hi‘ilani Okimura, eine 24-jährige gebürtige Hawaiianerin, lebt auf O‘ahu. Sie hat über 83.000 Follower:innen auf TikTok, wo sie regelmäßig Videos zu Themen postet, die Pazifikinsulaner:innen betreffen.

Ein Thema, das laut Lily den Einheimischen von Hawaii sehr schadet, ist der Tourismus. Im Jahr 2019 besuchten rekordverdächtige 10,4 Millionen Menschen die Inseln von Hawaii. Die Zahlen gingen natürlich im Jahr 2020 zurück, stiegen aber im letzten Jahr wieder sprunghaft an. Im Jahr 2021 besuchten über 6,7 Millionen Menschen die Inseln und das trotz einer globalen Pandemie und der immer lauter werdenden Forderungen der Einheimischen, die Tourist:innen nicht mehr ins Land zu lassen.

Ein Sonnenaufgang am frühen Morgen mit einem traditionellen hawaiianischen Kanu am Diamond Head und Waikiki Beach auf Honolulu, Hawaii.
Ein Sonnenaufgang am frühen Morgen mit einem traditionellen hawaiianischen Kanu am Diamond Head und Waikiki Beach auf Honolulu, Hawaii. © IMAGO/YAY Images

Um mehr über die negativen Folgen des Tourismus zu erfahren, hat BuzzFeed kürzlich mit Lily gesprochen. Sie verriet, dass eines der größten Probleme darin besteht, dass die Besucher:innen oft sehr respektlos sind. „Viele Tourist:innen behandeln unser Land wie einen Freizeitpark“, sagt sie. „Sie ignorieren Warnschilder, eingezäunte Bereiche und ,Betreten verboten‘-Schilder, was zu Umweltschäden wie Erosion, Vandalismus und Verschmutzung führen kann.“

„Tourist:innen versuchen zum Beispiel, Mönchsrobben und Schildkröten am Strand zu berühren, obwohl an unseren Stränden mehrere Schilder angebracht sind, die darauf hinweisen, dass es sich dabei um gefährdete Arten handelt und dass das Eindringen in ihren Lebensraum verboten ist.“

Dass Tourist:innen wilde Tiere belästigen, kommt häufiger vor, als man denkt. 2021 machte ein Paar aus Louisiana landesweit Schlagzeilen, als es zu einer Geldstrafe verurteilt wurde, weil es eine gefährdete Mönchsrobbe angefasst hatte. Damals machte Lily einen leidenschaftlichen TikTok dazu, in dem sie auf die vielen Schilder hinwies, die Tourist:innen davor warnen, die Tiere zu belästigen.

Sie verurteilt Tourist:innen, die sich nicht an die Regeln halten, wenn sie Hawaii besuchen: „Wenn ihr euch nicht die Mühe machen könnt, den Ort zu respektieren, den ihr besuchen wollt, dann könnt ihr auch wieder nach Hause gehen.“

Die hawaiianischstämmige Lily Hi‘ilani Okimura macht in TikToks auf die Verschmutzung der Inseln durch Touristen aufmerksam.
„Der Tourismus lässt Tourist:innen glauben, dass sie über allem stehen, und dass sie hier tun und lassen können, was sie wollen, ohne dass es Konsequenzen hat.“ © Lily Hi‘ilani Okimura/Via tiktok.com

Eine häufige Antwort auf die Forderung der Einheimischen Hawaiis, die Inseln nicht mehr zu besuchen, ist, dass Hawaii vom Tourismus abhängig ist. Es ist jedoch komplizierter. „Wir haben erst angefangen, uns auf den Tourismus zu verlassen, als Hawaii gewaltsam ein US-Territorium und dann ein Staat wurde“, sagt Lily. „Vorher waren wir eine souveräne Nation!“

Die Statue der letzten Königin Hawaiis Liliuokalani auf Honolulu, Hawaii.
Die Statue der letzten Königin Hawaiis Liliuokalani auf Honolulu, Hawaii. © IMAGO/robertharding

Hier eine kurze Zusammenfassung: Das Königreich Hawaii war ein unabhängiges Land mit diplomatischen Beziehungen und Verträgen mit den USA, Europa, Asien und den Pazifikinseln. Doch amerikanische Geschäftsleute wollten die Kontrolle über die lukrativen Zuckerplantagen und amerikanische Politiker strebten nach einer Hochburg im Pazifik. 1893 marschierten daher US-Truppen unrechtmäßig in Honolulu ein. Königin Lili‘uokalani wurde gestürzt und unter Hausarrest gestellt.

Um Hawaii rechtlich zu annektieren, versuchten amerikanische Politiker, einen Vertrag zu ratifizieren - was Königin Lili‘uokalani und die hawaiianische Urbevölkerung weitgehend ablehnten - und was ihnen auch nicht gelang. Also reichte ein Politiker eine gemeinsame Resolution ein und stelle sie dem Kongress vor, wo einige Abgeordnete sogar darauf hinwiesen, dass sie verfassungswidrig sei. Dennoch erhielt die Resolution eine Mehrheit und wurde 1898 als Gesetz unterzeichnet, wodurch Hawaii zum US-Territorium wurde. Nach einem Referendum im Jahr 1959 wurde Hawaii als Staat anerkannt.

„Wenn Leute sagen, dass sie Hawaii besuchen können sollten, weil es ein Teil der Vereinigten Staaten ist, sage ich ihnen, dass das nicht der Punkt ist. Sicher, man hat das ‚Recht‘ zu reisen, wohin man will, aber ist es auch richtig?

Vor allem, wenn die Urbevölkerung und andere, die dort leben, Besucher:innen bitten, nicht zu kommen, weil eine weltweite Pandemie droht, unsere Ressourcen begrenzt sind und die Tourismusindustrie unser Volk und unsere Kultur ausbeutet. Was sagt das über einen aus, wenn man sich über all das hinwegsetzt, nur ,wegen meines Urlaubs.‘“

„Die Menschen auf Hawaii profitieren nicht vom Geld des Tourismus“, so Lily. „All das geht zurück an die Hotelbesitzer:innen, die Bauunternehmen und die Tourismusindustrie. Einheimische Hawaiis, die im Tourismus arbeiten, sind in der Regel überarbeitet und unterbezahlt, ganz zu schweigen davon, dass sie täglich mit ignoranten, unausstehlichen Tourist:innen zu tun haben und mit ansehen müssen, wie unsere Kultur vereinnahmt und kommerzialisiert wird.

Unsere Leute müssen oft zwei oder mehr Jobs annehmen, um über die Runden zu kommen. Wenn wir auf den Tourismus angewiesen sind, warum sind dann 51 Prozent der Obdachlosen aus der hawaiianischen Urbevölkerung?“

Ein Camp von obdachlosen Ureinwohnenden auf Hawaii.
Ein Camp von obdachlosen Menschen auf Hawaii. © PBS Hawaii / Via youtube.com

Die Überrepräsentation der hawaiianischen Urbevölkerung unter obdachlosen Menschen ist ein komplexes Problem. Vor zwei Monaten erreichte der durchschnittliche Verkaufspreis für ein Einfamilienhaus auf O‘ahu einen Rekordwert von 1,15 Millionen Dollar. Hauskäufer:innen aus anderen Bundesstaaten und Menschen, die auf der Insel leben, aber nicht arbeiten, haben zu den steigenden Immobilienpreisen beigetragen, während die Löhne bei weitem nicht so stark gestiegen sind. Und es gibt nun mal nur eine begrenzte Anzahl von Häusern auf einer Insel.

Der Sonnenaufgang spiegelt sich im Fenster eines roten Hauses mit hohen Kokosnussbäumen in einer Stadt namens Waimanalo auf Oahu, Hawaii wider.
Der Sonnenaufgang spiegelt sich im Fenster eines roten Hauses mit hohen Kokosnussbäumen in einer Stadt namens Waimanalo auf Oahu, Hawaii wider. © IMAGO/agefotostock

Angesichts der hohen Häuserpreise haben einige gefragt, warum die Einheimischen Hawaiis nicht einfach auf das US-Festland ziehen, um dort billigere Alternativen zu finden. Dabei wird jedoch die Verbundenheit der Eingeborenen mit den Inseln außer Acht gelassen. „Die indigene Bevölkerung hat eine tiefe Verbindung zu ʻāina, dem Land“, erklärt Lily. „Wir betrachten uns als Verwalter:innen des Landes und es ist unsere kuleana, unsere Verantwortung, es zu pflegen, denn im Gegenzug kümmert es sich um uns.“

„Wir haben außerdem eine tiefe Verbindung zum Ozean“, fuhr sie fort. „Wir sehen den Ozean nicht als vom Land getrennt, sondern als Teil davon. Er ist der Verbindungsweg zwischen den Inseln. So konnten unsere kūpuna, unsere Vorfahr:innen, von Ort zu Ort gelangen, und es ist die Heimat von Fischen und anderen Meerestieren.“

„Die hawaiianische Urbevölkerung sind die ersten menschlichen Bewohner:innen von Hawaii, und dies ist unsere Heimat. Unsere kūpuna haben hier seit Tausenden von Jahren gelebt und Geschichten, Lektionen und Wissen weitergegeben, die wir auch heute noch teilen und an unsere Nachkommen weitergeben, damit wir hier weiterhin gedeihen und nachhaltig leben können. Gerade weil wir diese Verbindung zu unserer āina haben, wollen wir sie nicht einfach aufgeben und woanders hinziehen.“

In den letzten Jahren ist der ethische Tourismus zu einem Trendthema geworden. Reisende haben Lily gefragt, wie sie Hawaii besuchen können, ohne negative Auswirkungen auf die lokale Gemeinschaft zu haben. Lily glaubt jedoch nicht, dass dies möglich ist. „Ehrlich gesagt gibt es keine Möglichkeit, Hawaii ‚ethisch‘ zu besuchen, so wie unsere Tourismusindustrie jetzt strukturiert ist.“

„Selbst, wenn man mit den richtigen Absichten hierherkommt und vollen Respekt für unsere Menschen und unser Land hat, führt man als Tourist:in die schädlichen Systeme fort, die derzeit bestehen.“

Wenn Tourist:innen jedoch trotz der Bitten der Einheimischen, Hawaii nicht zu besuchen, dorthin reisen wollen, hat Lily ein paar Tipps, den Schaden zu minimieren. „Wenn du Familie oder Freunde hast, die hier leben, frag, ob du während deines Besuchs bei ihnen wohnen kannst, anstatt Geld für Hotels und vor allem für Airbnbs auszugeben, die mehrheitlich im Besitz von Nicht-Einheimischen sind“, schlägt sie vor.

„Verbringe nicht deine ganze Zeit in Waikīkī und anderen Touristenfallen. Besuche Hawaii wirklich. Erlebe unsere Kultur: Nimm dir die Zeit, etwas ōlelo Hawai‘i (die hawaiianische Sprache) zu lernen oder wenn du Hula lernen willst, nimm unbedingt Unterricht bei einem Kumu Hula (einem Hula-Lehrer).

Kaufe in Geschäften und Restaurants ein, die von hawaiianischen Eingeborenen geführt werden oder sich in lokalem Besitz befinden. Und schließlich solltest du die Dinge so hinterlassen, wie du sie vorgefunden hast. Hebe deinen Müll auf, nimm keinen Sand oder Steine mit und behandele die āina mit Respekt.“

Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie sich der Tourismus auf die indigene Bevölkerung Hawaiis auswirkt, kannst du Lily auf TikTok folgen.


Dieser Post wurde übersetzt von einem Post von Morgan Sloss.

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