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„Nicht überraschend“, dass „All Cops Are Beautiful“-Werbung bei Ausländer:innen nicht gut ankommt

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Von: Jana Stäbener, Pia Seitler

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„Fixed it“, schreibt der Meme-Account @berlinauslandermemes zum Meme, dass er über die neue Werbe-Kampagne der Bundespolizei „ACAB: All Cops are beautiful“ erstellt hat.
„Fixed it“, schreibt der Meme-Account @berlinauslandermemes zum Meme, dass er über die neue Werbe-Kampagne der Bundespolizei „ACAB: All Cops are beautiful“ erstellt hat. © Screenshot @berlinauslandermemes Instagram

Die neue Werbekampagne der Bundespolizei „ACAB: All cops are beautiful“ erregt Aufmerksamkeit. Die innenpolitische Sprecherin der Grünen hält sie für „nicht ganz gelungen“.

Die Bundespolizei wirbt mit einer neuen Kampagne mit dem Slogan „ACAB: All cops are beautiful“ (dt. Alle Polizisten sind schön) um Nachwuchs. Seit Montag, 16. Januar, ist in Berlin am Alexanderplatz ein großes Plakat zu sehen, auf dem dieser Slogan vor blauem Hintergrund und mit verschiedenen jungen Leuten als Teil der Bundespolizei zu sehen ist. Wirklich gut kommt die Kampagne nicht an – vor allem nicht bei Ausländer:innen.

ACAB: „All cops are beautiful“-Kampagne der Bundespolizei sorgt für Spott

Üblicherweise steht „acab“ für „All Cops Are Bastards“ (dt. „Alle Polizisten sind Bastarde“) und ist abwertend gemeint. Mit dem neuen Slogan „All Cops Are Beautiful“ will die Bundespolizei „junge, interessierte Menschen auf die Bundespolizei mit ihren vielfältigen Beschäftigungsfeldern und spannenden Aufgaben aufmerksam“ machen, heißt es in einer Mail auf Anfrage von BuzzFeed News DE. Sie werbe mit diesem Slogan, weil die Bundespolizei „vielfältig“ und „offen“ sei und alle „gleich behandle“, heißt es.

„Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters, aber die Bundespolizei ist mit Sicherheit ‚beautiful‘, weil sie ein moderner Arbeitgeber mit einem attraktiven Aufgabenspektrum ist.“ Und außerdem seien „teilweise neue Wege erforderlich, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.“ Aufmerksamkeit bekommt die Kampagne und die Kritik bleibt dabei nicht aus. Für den „ACAB“-Werbeslogan erntete die Bundespolizei Spott im Netz.

Doch nicht nur das: Schon am 17. Januar reagiert der Instagramaccount @hamburgauslaendermemes auf das Plakat am Alexanderplatz. Er verlinkt seinen Kollegen-Account @berlinauslandermemes und fragt „@Berlin...you guys ok? Awaiting commentary on this one.“ (dt. Berlin, geht es euch gut? Wir warten schon darauf, dass ihr was dazu sagt).

Ausländer-Meme-Account reagiert mit Bild eines brennenden Polizei-Autos

Der Meme-Account aus Berlin lässt sich das natürlich nicht zweimal sagen. Am Mittwochabend, 18. Januar, reagiert er mit einem Klassiker unter den Memes: dem Drake-Hotline-Bling-Meme. Neben dem Bild von dem Werbeplakat „All Cops Are Beautiful“, lehnt Drake dankend ab. Neben einem Bild eines brennenden Polizei-Autos schaut er hingegen zufrieden. „Fixed it“ (dt. „Hab´s verbessert“), schreibt der Meme-Account in der Beschreibung.

Gerade in Hinblick auf die Angriffe auf Einsatzkräfte an Silvester, die eine „rassistische“ Debatte entfachten, erzählt das Meme viel darüber, was manche Ausländer:innen in Deutschland vermutlich über die Polizei denken. Sie sei eine „veraltete Institution“, schreibt ein User auf Instagram. „An diesem Punkt sollten wir uns auf die Kriminalprävention und Rehabilitation konzentrieren“, kommentiert er. Ein anderer ergänzt: „Das Problem beginnt bei den Menschen, die die Regeln aufstellen, die die Polizei ausführt. Wir müssen da tiefer blicken“.

Auch die Polizei Berlin musste sich nach einem ihrer Tweets Kritik anhören. „Widerlich, was ihr da macht“: Polizei Berlin bekommt Shitstorm wegen Tweet über Vergewaltigungen.

Kritische Reaktionen auf die „ACAB“-Kampagne sind für Grünen-Politikerin „nicht überraschend“

Die innenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis90/Die Grünen Lamya Kaddor hält es der Kampagne der Bundespolizei zugute, dass sie „Vielfalt repräsentieren und fördern“ wolle. „Jedoch gehört zu einer authentischen Darstellung unserer gesellschaftlichen Vielfalt auch die Repräsentation von beispielsweise Schwarzen Menschen oder Menschen mit Behinderungen. Daher ist der Versuch, die Bundespolizei diverser darzustellen, nicht ganz gelungen.“

„Die kritischen Reaktionen auf die ACAB-Werbekampagne der Bundespolizei spiegeln zum Teil eine negative Einstellung bestimmter Gesellschaftsgruppen, die beispielsweise bereits Gewalt durch die Polizei wahrgenommen haben, wider und sind daher nicht überraschend“, sagt die Bundestagsabgeordnete gegenüber BuzzFeed News DE.

Besonders Racial Profiling sei ein „großes Problem“ in der Beziehung zwischen Polizei und Ausländer:innen. „Menschen mit Migrationshintergrund und People of Color (PoC) berichteten deutlich häufiger als weiße Personen, Diskriminierungserfahrungen mit der Polizei, zum Beispiel bei Personenkontrollen in Zügen oder Großveranstaltungen, gemacht zu haben“, so die Grünen-Politikerin.

„Schon 2020 wurde Deutschland aufgefordert, eine Studie zu Racial Profiling in Auftrag zu geben, um eine ernsthafte und kritische Auseinandersetzung zu forcieren“, so Kaddor. Als Teil der Ampelkoalition habe man nun die Chance, diese leider noch immer gängige polizeiliche Praxis effektiv einzudämmen, „zum Beispiel, indem wir Polizist:innen mit Bodycams ausstatten, die auf Verlangen der kontrollierten Personen eingeschaltet werden können.“

Lamya Kaddor, innenpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion.
Lamya Kaddor, innenpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion. © Kay Nietfeld/dpa

Rassistische Vorfälle bei der Polizei befördern „Ablehnung des Rechtsstaates“

BuzzFeed News DE fragt Kaddor, ob ihrer Meinung nach auch die Gewalt gegen die Polizei bei den Silvestervorfällen beispielsweise in diesen Problemen begründet sei. Sie antwortet: „Rassistische Vorfälle, Racial Profiling und schiefgelaufene Debatten über Rassismus in Polizei und Sicherheitsbehörden können natürlich die Ablehnung des Rechtsstaates durch Teile der Bevölkerung befördern.“

„Die Polizei muss sich stärker mit strukturellem Rassismus auseinandersetzen und damit, welche Auswirkungen selektive Kontrollen und Racial Profiling haben können“, fordert Kaddor. „Gegen Rassismus und Diskriminierung muss konsequent vorgegangen werden, auch damit das gesellschaftliche Vertrauen in diese Institutionen wieder gestärkt wird.“ Das bedeute, die Aus- und Fortbildung im Bereich der Grund- und Menschenrechte zu verbessern, verfassungsfeindliche Einstellungen durch unabhängige Studien zu prüfen und eine:n unabhängige:n Polizeibeauftragte:n auf Bundesebene einzuführen.

Mehr Polizei-Themen: Auch im Fechenheimer Wald nahe Frankfurt kam es zu einer Räumung durch die Polizei. Wir sammeln Tweets voll mit Hoffnung, dass im Fechenheimer Wald jemand „noch eine Mönchskutte rumliegen hat“ – so wie in Lützerath.

*Anmerkung der Redaktion: Eine frühere Version des Artikels beinhaltete ein irrtümlich autorisiertes Zitat, das rückwirkend geändert wurde.

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