1. BuzzFeed
  2. News

„Das wäre ein Gewinn“: Suchtexpertin fordert Verbot von Alkohol-Werbung in Deutschland

Erstellt:

Von: Jana Stäbener

Kommentare

Junge Menschen trinken Alkohol an einem See.
Alkoholwerbung ist in Deutschland immer noch erlaubt – das sollte sich ändern, findet die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen. (Symbolbild) © Maskot/IMAGO

Alkohol kostet jährlich 74.000 Menschen in Deutschland das Leben. Ein Werbeverbot wäre laut Suchtberater:innen deswegen „auf jeden Fall ein Gewinn“.

Tabakwerbung in Presse, Fernsehen und Radio ist in Deutschland schon seit vielen Jahren verboten. Erst 2021 trat ein neues Gesetz in Kraft, das Außenwerbung nur noch im Fachhandel erlaubt und andere Dinge wie Kinowerbung weiter einschränkt – besonders in Bezug auf Kinder und Jugendliche. Aber warum laufen zur besten Sendezeit immer noch Werbespots für Krombacher, Kokos-Liköre und Co.? Die Geschäftsführerin der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) findet: Auch die Werbung für Alkohol sollte verboten werden.

Alkohol-Werbung verbieten: Ärztepräsident Klaus Reinhardt spricht sich für Werbeverbot aus

Am Montag, zum Start der „Aktionswoche Alkohol“ hatte Ärztepräsident Klaus Reinhardt gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ein Werbeverbot für alkoholhaltige Getränke gefordert. Alkohol verursache jährlich rund 74.000 Todesfälle. „Die politischen Entscheidungsträger dürfen diese traurige Tatsache nicht länger ignorieren. Sie müssen endlich wirksame Maßnahmen ergreifen, um den Alkoholkonsum zu senken“, sagte der Präsident der Bundesärztekammer. Alkohol sei in unserer Gesellschaft allgegenwärtig – die negativen Aspekte würden leicht vergessen oder verdrängt, so Reinhardt. „Alkoholkonsum ist immer riskant.“

Bei Alkoholwerbung gibt es bereits Beschränkungen. Nach § 6 Absatz 5 des Jugendmedienschutzstaatsvertrages darf sich Werbung für alkoholische Getränke somit nicht an Kinder oder Jugendliche richten oder diese besonders ansprechen. Auch darf nicht der Eindruck erweckt werden, dass Alkohol zu physischer Leistung beitrage oder zu sexuellem und sozialem Erfolg.

„Werbung für Alkohol ist schon sehr jugendlich gestaltet“

Die bisherigen Einschränkungen für Werbetreibende seien eine Grauzone, findet Christina Rummel, Geschäftsführerin der Hauptstelle für Suchtfragen. „Man darf Jugendliche zwar nicht zeigen, aber seien wir mal ehrlich: Werbung für Alkohol ist schon sehr jugendlich gestaltet“, sagt sie im Gespräch mit BuzzFeed News Deutschland. „Die Maßnahmen, die Zigarettenwerbung einschränken, sind ein gutes Vorbild – sowas wünschen wir uns gerne auch für den Alkohol.“

Die DHS setze sich schon sehr lange dafür ein, dass es ein umfassendes Werbeverbot für Alkohol gibt. „Das steht ja auch schon im Koalitionsvertrag der Ampel“, betont Rummel. Dort heißt es auf Seite 87: „Bei der Alkohol- und Nikotinprävention setzen wir auf verstärkte Aufklärung, mit besonderem Fokus auf Kinder, Jugendliche und schwangere Frauen. Wir verschärfen die Regelungen für Marketing und Sponsoring bei Alkohol, Nikotin und Cannabis.“ Rummel findet diese Formulierung jedoch schwammig. „Leider gibt es hier noch keinerlei Angaben, was Regeln fürs Marketing eigentlich bedeuten“, so die Geschäftsführerin der DHS.

Im Koalitionsvertrag heißt es auch, dass Cannabis legalisiert werden soll. Auf Twitter wird Karl Lauterbach wegen der Cannabis-Legalisierung gefeiert.

Alkohol-Werbung verbieten: Es brauche allgemein mehr „Verhältnisprävention“

Ob sich ein Werbeverbot konkret auf die Todeszahlen auswirken würde, lasse sich nicht sagen. „Es wäre auf jeden Fall ein Gewinn“, sagt sie. Allgemein sei Deutschland mit der „Verhältnisprävention“ derzeit noch zu zögerlich, schreibt die DHS auch in einem offenen Brief an den Ausschuss für Gesundheit im Bundestag. „Verhältnisprävention“ bedeute, dass die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen angepasst werden. Werbung für alkoholische Getränke weiter einzuschränken, sei hier nur „ein Baustein aus einem ganzen Paket wirkungsvoller Maßnahmen“, sagt Rummel gegenüber BuzzFeed News.

Auch die Verfügbarkeit sei in Deutschland ein großes Problem. „Man kommt ja fast 24 Stunden am Tag an Alkohol, das ist in anderen Ländern besser geregelt“, so Rummel. Außerdem sei auch der Preis für Alkohol viel zu gering: „Da können sich Jugendliche ohne große Hindernisse an einem Abend betrinken“, kritisiert sie. In einem Positionspapier spricht sich die DHS auch für eine Beschränkung des Alkoholkonsums in der Öffentlichkeit ein – auch, um Belästigungen vorzubeugen.

„Die Aktionswoche Alkohol ist jedenfalls eine gute Gelegenheit, gerade für Erwachsene, ihre Vorbildfunktion beim Trinken zu hinterfragen“, so Christina Rummel. Sie rät dazu, sich ab und an selbst zu fragen:

  1. Trinke ich regelmäßig?
  2. Muss ich trinken, um mich gut zu fühlen?
  3. Habe ich im Alltag oder allgemein Probleme aufgrund meines Alkoholkonsums?

Auch interessant

Kommentare