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Neue Geld-Quelle: Anna „Delvey“ Sorokin verkauft eigene Skizzen für 10.000 US-Dollar

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Von: Jana Stäbener

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Anna „Delvey“ Sorokin, die 2019 aufgrund von Diebstahl und Betrug verhaftet wurde, stellt bald in einer eigenen Ausstellung 20 ihrer eigenen Kunstwerke aus.
Für stolze 10.000 US-Dollar will die Hochstaplerin Anna Sorokin ihre Bleistift-Skizzen aus dem Gefängnis verkaufen (Symbolbild). ©  Richard Drew/dpa, Wavebreak Media Ltd/IMAGO (Collage)

Die eigene Kunststiftung hat nicht geklappt: Jetzt versucht sich Anna „Delvey“ Sorokin als Künstlerin und hat bald sogar eine eigene Ausstellung.

Wer die Netflix-Serie „Inventing Anna“ angeschaut hat, weiß: Anna „Delvey“ Sorokin liebt Kunst und Kultur. Sogar so sehr, dass sie sich von 2013 bis 2017 als Fake-Erbin ausgab, um einen Kredit in Höhe von 275.000 US-Dollar zu bekommen. Und wofür? Natürlich, wie könnte es anders sein, für ihre „Anna Delvey Foundation“ (ADF), ein „Ort der Kunst“ im Herzen von New York City. Die mittlerweile 31-jährige russischstämmige Deutsche wurde aufgrund ihres Betrugs und Diebstahls 2019 verurteilt. Aktuell sitzt sie, weil ihr Visum abgelaufen ist, in einem Gefängnis in Goshen (New York). Dort kritzelt sie nun vor sich hin und will der Welt ihre Kunst bald in einer Solo-Ausstellung präsentieren.

Anna Sorokin stellt ihre Bleistift-Skizzen in Pop-Up-Galerie in Manhattan aus

Eigentlich wurde Anna im Februar aus dem Gefängnis entlassen. Nur sechs Wochen später verhaftete sie das Immigration and Customs Enforcement (ICE), weil ihr Visum abgelaufen war. Ein Lichtblick in ihrer Haft: die Gruppen-Ausstellung in einer kleinen Pop-Up-Galerie in Manhattan, die am 24. März 2022 stattfand. Neben fünf angeblichen Bleistift-Zeichnungen von Anna Sorokin, stellten hier auch 33 andere Künstler:innen ihre Kunstwerke zu „Free Anna Delvey“ aus. Sie alle wurden inspiriert von der aufregenden Geschichte der Hochstaplerin – unsere Autorin versteht das nicht, sie kann Anna Sorokin nicht ausstehen.

Unten ist eine Zeichnung von Anna Sorokin zu sehen, die auf die Festnahme vom Immigration and Customs Enforcement (ICE) Bezug nimmt.

Die von Anna Sorokin ausgestellten Zeichnungen (siehe Instagram-Posts oben) sind nur teilweise echt: Sie wurden vom berühmten Kunst-Betrüger Alfredo Martinez auf großformatigem Papier reproduziert. Irgendwie passend für eine Hochstaplerin wie Anna „Delvey“. Laut Oxygen True Crime saß Martinez in den frühen 2000er-Jahren selbst im Gefängnis, weil er Gemälde von Jean-Michel Basquiat gefälscht hatte. Dass er die Gruppen-Ausstellung „Free Anna Delvey“ kuratierte, passt da wohl wie die Faust aufs Auge.

Es geht noch besser: Anna Sorokin will bald als Solo-Künstlerin ausstellen

Die Ausstellung in Manhattan war jedenfalls ein voller Erfolg. Ab sofort betreut Chris Martine, ein Kunsthändler des Founders Art Club, die ehemalige Fake-Erbin aus Eschweiler. Schon diesen April oder Mai soll Anna Sorokin ihre eigene Solo-Ausstellung bekommen – mit 20 eigenen Kunstwerken. Es existiert sogar schon eine Warteliste, in die sich alle Interessierten eintragen können. Eine Ausstellung als Solo-Künstlerin – davon können andere junge Künstler:innen nur träumen.

"Wir befinden uns im Moment in einer Art Warteschleife", sagte Chris Martine Artnet News. Ein Teil der Werke sei schon da, man warte jedoch auf den Rest. Besonders mit dem Material, also Papier, Farben und Pinsell, gebe es immer wieder Probleme. Das Gefängnispersonal habe die Materialien schon öfter beschlagnahmt. Nur ein paar Buntstifte, Kugelschreiber und ein kleiner Block Papier hätten es zu Sorokin in die Zelle geschafft. Kein Wunder, denn Anna Sorokin ließ ihre Wäsche im Gefängnis von anderen waschen und ist damit sicher nicht die beliebteste Inhaftierte.

Anna Sorokin verkauft ihre Skizzen für 10.000 US-Dollar: "Es ist, gelinde gesagt, ein Rausch"

Für die kommende Ausstellung sei das Interesse riesig, sagt Kunsthändler Martine. Die Warteliste für limitierte Kunstdrucke, basierend auf Anna Sorokins Zeichnungen, sei bereits mehr als 1000 Namen lang. "Es ist, gelinde gesagt, ein Rausch", meint der Kunstexperte gegenüber Artnet News. "Die Leute lieben eine Comeback-Geschichte."

Sorokins Skizzen sollen 10.000 US-Dollar pro Stück kosten. Kritiker:innen finden das lächerlich. Es gäbe kaum junge Künstler:innen, die für diesen Preis Zeichnungen verkaufen könnten. Böse Zungen würden sagen: vor allem für Zeichnungen, die nicht besser aussehen, als die Kritzeleien einer 13-Jährigen.

Annas Skizzen erinnern wirklich an die Kugelschreiber-Kritzeleien, die man früher im Unterricht gemacht hat, wenn der Mathematik-Unterricht mal wieder todlangweilig war. Auf Instagram, wo Anna Sorokin mittlerweile eine Million Abonnenten hat, zeigt die Russland-Deutsche zwei ihrer Skizzen. Auf dieser hier (siehe unten) verwandelt sie sich in eine Figur mit Miu-Miu-Sonnenbrille und Designer-Bluse. Es scheint, als wäre sie direkt einer VOGUE entprungen – wäre da nicht der Stacheldrahtzaun des Gefängnisses.

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