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360 Euro fürs Anwohnerparken? Das ist absolut ungerecht - und der falsche Weg

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Von: Pia Seitler

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Autos stehen in einem Bereich, in dem zu einer bestimmten Zeit nur Anwohner parken dürfen und Frau fährt Fahrrad.
Viele Städte im Südwesten Deutschlands haben das Anwohnerparken deutlich teurer gemacht. © Sebastian Gollnow/dpa/Murillo de Paula/Unsplash/Collage/BuzzFeed

MEINUNG

Viele Städte erhöhen gerade die Preise für Anwohnerparken massiv. Das ist ungerecht. Es gibt andere Anreize, um Autofahrer:innen zum Umdenken zu bringen.

Wer in Freiburg mit seinem Auto in der Nähe seiner Wohnung parken will, muss dafür jetzt durchschnittlich 360 Euro pro Jahr bezahlen. Anwohnerparkausweise kosten in der Stadt im Südwesten Deutschlands seit dem 1. April 2022 anstatt 30 zwischen 240 und 480 Euro. Gut so, findet die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Sie fordert von Bundesländern und Städten, dass die Gebühren fürs Anwohnerparken deutlich steigen. Am besten auf einen Euro pro Tag.

Nach Ansicht der DUH müsste Anwohnerparken so viel kosten, dass Menschen ihren Auto-Besitz hinterfragten, wenn sie nicht auf ihr Auto angewiesen seien. In Freiburg müssen die durchschnittlich 360 Euro jetzt aber auch diejenigen bezahlen, die auf ihr Auto angewiesen sind und Menschen mit geringerem Einkommen. Nur wer Hilfen vom Staat bekommt, wie Wohngeld bekommt, zahlt weniger, wie der SWR berichtet.

Preise fürs Anwohnerparken so drastisch zu erhöhen, sind aber der falsche Ansatz. Stattdessen sollten sich Städte darauf konzentrieren, attraktive Alternativen zum Auto anzubieten, also beispielsweise den Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) stärken und Fahrradwege ausbauen.

Reiche SUV-Fahrer:innen bringt teures Anwohnerparken nicht zum Umdenken

„Jedes Jahr steigt die Zahl der in Deutschland zugelassenen Autos um eine halbe Million an. Gleichzeitig werden die zugelassenen Autos immer länger, breiter und schwerer. Trotzdem dürfen Anwohnerinnen und Anwohner in den meisten Städten mit ihren riesigen SUVs und Pick-ups für nur acht Cent pro Tag den öffentlichen Raum zustellen“, sagt DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet.

Wir brauchen weniger Autos auf den Straßen, weniger Treibhausgas-Emissionen, mehr saubere Alternativen. Die Besitzer:innen der riesigen SUVs und Pick-Ups sind allerdings künftig vermutlich genau diejenigen, die sich das teurere Anwohnerparken weiter leisten können. Wirklich weh tut es hingegen denjenigen, die ein geringes Einkommen haben und auf ihr Auto angewiesen sind, beruflich oder weil sie körperlich beeinträchtigt sind. Das macht die höheren Preise fürs Anwohnerparken sozial ungerecht.

Am liebsten würde ich in einer autofreien Stadt leben, mich mit meinem Fahrrad auf sicheren und gut ausgebauten Radwegen zur Arbeit bewegen und bei schlechtem Wetter auf emissionsfreie Busse und Bahn umsteigen, die mich ohne häufiges Umsteigen schnell ans Ziel bringen. Die Realität in Deutschland sieht anders aus und solange wir so weit von meiner Traumvorstellung entfernt sind, gibt es neben teurem Anwohnerparken andere Ansätze, die angegangen werden müssen und dabei gerechter sind.

Hier ein paar Ideen, die ich für sinnvoller halte, als teures Anwohnerparken:

Wir brauchen günstigeren ÖPNV, wie das vom Bund geplante 9-Euro-Ticket. Wir müssen die Klimaziele einhalten, die Emissionen im Verkehrssektor senken und brauchen dafür mehr Autos mit klimafreundlichen Antrieben. Wir brauchen mehr Geld vom Bund, um es in den Bahn- und Busausbau zu investieren und Fahrradfahren muss attraktiver werden. Und wir brauchen mehr und bessere Radwege und sichere Abstellmöglichkeiten im öffentlichen Raum.

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