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„Ich bin nicht krank, ich mag Sex einfach nicht“: Asexuelle Menschen kämpfen noch immer mit Vorurteilen

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Von: Sophie Marie Unger

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Ein Mensch, der seine Augen mit seinen Händen bedeckt und eine Frau, die die Ace Flagge hält
Am heutigen Internationalen Tag der Asexualität soll die Sichtbarkeit asexueller Menschen gestärkt werden. © Unsplash/Instagram

Der heutige Internationale Tag der Asexualität will Bewusstsein für diese sexuelle Orientierung schaffen. Denn immer noch werden asexuelle Personen missverstanden und mit Vorurteilen belastet.

Dass der Internationale Tag der Asexualität erst zum zweiten Mal überhaupt stattfindet, zeigt schon, dass Asexualität als gesellschaftliches Tabuthema gehandhabt wird. Vielleicht liegt es daran, dass eine einfache Definition nicht möglich ist und dass sich Medien deshalb nicht die Mühe machen, die Komplexität und das gesamte Spektrum dieser sexuellen Orientierung abzubilden. Das schafft Missverständnisse und Vorurteile. Wir möchten gegensteuern, Bewusstsein schaffen und eine betroffene Person zu Wort kommen lassen.

Gängige Vorurteile

„Was? du kannst keine Lust empfinden“, „du bist aber verklemmt“ oder „da kann man sicher etwas dagegen machen“ sind Sätze, welche die 26-jährige Sina nicht nur einmal zu hören bekam. Sie hat sich mit 23 als asexuell geoutet, wobei sie eigentlich schon als Teenager wusste, dass sie dieser sexuellen Orientierung angehörte, aber lange nicht die richtigen Worte dafür fand. Der Grund: Asexualität wird in unserer Gesellschaft kaum thematisiert. Das schafft Missverständnisse und Vorurteile. Oft wird Asexualität mit einer zölibatäre Lebensweise, der grundsätzlichen Ablehnung alles Sexuellen, Einsamkeit, sexuelle Funktionsstörungen, Angst vor Sex oder sogar mit Krankheiten gleichgesetzt. Das ist keineswegs der Fall.

Der Versuch einer Definition

Wir wissen jetzt, was Asexualität also nicht ist. Tatsächlich ist eine einheitliche Definition von Asexualität schwierig. Auf Wikipedia ist folgendes zu lesen: „Asexualität bezeichnet die Abwesenheit sexueller Anziehung zu anderen, oder Mangel an Interesse beziehungsweise Verlangen nach Sex“. Ganz so einfach ist es aber nicht, denn wie Asexualität gelebt wird, ist höchst individuell: Es gibt hetero-asexuelle Pärchen mit Kindern, aromantisch-asexuelle Menschen in intimen Partnerschaften, Asexuelle, die sich von Sex regelrecht abgestoßen fühlen und Transpersonen, die sich als polyamourös und asexuell gleichzeitig bezeichnen.

Die größte asexuellen Plattform im deutschsprachigen Raum The Asexuality Visibility & Education Network (AVEN) fasst das breite Spektrum deshalb wie folgt zusammen: „Man ist asexuell, wenn man sich selbst so sieht. Es gibt keine feste Anzahl an Kriterien, die einen als asexuell oder nicht bzw. nicht mehr asexuell festlegen können und kein Prüfungsverfahren welches bestimmt, ob man als asexuell gelten darf.“ Grundsätzlich wird die Bandbreite, in der Asexualität gelebt wird, als Ace-Spektrum bezeichnet. Anhand der Ace-Flagge lässt sich ganz gut erklären, in welchen Kontext sich asexuelle Personen einordnen und welche Richtungen zu finden sind.

Erfahrungen und Absichten einer asexuellen Person

Für Sina war schnell klar, dass sie keinen Sex in ihrem Leben braucht. Ausschlaggebend war dabei, dass der gesellschaftliche Druck, sexuell aktiv sein zu müssen, zu groß wurde. „Sex ist einfach überall nicht nur in der Werbung, auch in Filmen, in der Musik und in Zeitungen. Und das bekommst du von klein auf mit“. Für den größten Teil der Bevölkerung sei das normal, für Sina aber fühle es sich unnatürlich an. „Ich bin nicht krank, ich mag Sex einfach nicht und muss da nicht mitmachen“, erklärt die 26-Jährige. „Vor allem Frauen werden in vielen Bereichen nur als sexuelle Objekte dargestellt und wahrgenommen, das möchte ich einfach nicht sein und das fühlt sich auch nicht gut an“.

Immer wieder macht Sina die Erfahrung, dass die meisten Menschen, die sie trifft, mit dem Begriff Asexualität nicht viel anfangen können und dann auch falsche Vorstellungen haben. „Die meisten denken, ich bin konservativ und verklemmt, andere wollen mich sogar aufheitern und sagen dann Sachen wie ‚wenn du deinen Match findest, wirst du‘s schon merken‘.“ Nur wenige nehmen sich wirklich die Zeit, die Komplexität der Thematik verstehen zu wollen. „Das find ich schade, aber natürlich habe ich auch nicht immer die Zeit und die Kraft, mich ständig zu erklären.“

Community und Debatte

Ob Asexualität als Teil der queeren Bewegung gesehen oder LGBTQ um das A zu LGBTQA erweitert werden soll, wurde in den letzten Jahren verstärkt in der Queer-Community diskutiert. Zum einen, weil Asexualität auch hier nicht immer bekannt ist oder verstanden wird. Aber auch, weil sich nicht alle asexuellen Menschen als queer bezeichnen würden.

In den USA und Deutschland ist die sogenannte Ace-Community schon sehr aktiv. The Asexuality Visibility & Education Network (AVEN) stammt etwa aus den USA und ist Plattform-Vorreiter. Das Netzwerk hat nun auch einen deutschen Ableger und bietet somit auch Menschen im deutschsprachigem Raum eine erste Anlaufstelle. Auf der Plattform werden eine Kontaktbörse und ein Jugendforum zur Verfügung gestellt. In Österreich an sich gibt es relativ wenig. In Wien und Graz organisiert die Facebook-Gruppe Ace Aro Treffen für asexuelle Menschen, die in Österreich leben und sich austauschen möchten.

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