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Allerheiligen: Diese Filme dürfen wegen „seelischer Erhebung“ nicht im Kino gezeigt werden

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Von: Felicitas Breschendorf

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An Allerheiligen dürfen manche Filme nicht im Kino gezeigt werden. So auch der aktuelle „Love, Sex and Pandemic“. Über 700 Filme kennzeichnete das FSK als nicht-feiertagstauglich.

Am 1. November ist Allerheiligen und in manchen Bundesländern wie Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland Feiertag. Wie an anderen „stillen Feiertagen“ dürfen in Deutschland an diesem Tag bestimmte Filme nicht im Kino laufen. Grund sei die „Würdigung der Feiertage“ und die „seelischen Erhebung“, wie das FSK aus einem Ländergesetz zitiert. Neben „Atomic Blonde“ ist auch „Kingsman – The Golden Circle“ an Allerheiligen verboten. Auch der FIlm „Love, Sex and Pandemic“, der 2022 erschien, gehört dazu. Über 700 Kinofilme sind in diesem Jahr laut FSK an Allerheiligen tabu.

An Allerheiligen gedenken Christ:innen allen heiligen Märtyrern – Menschen, die für den christlichen Glauben starben. Neben Allerheiligen gehört zum Beispiel auch Karfreitag zu den stillen Feiertagen. An stillen Feiertagen gelten bestimmte Gesetze aus Rücksicht auf religiöse Gefühle. Durch das Tanzverbot dürfen in manchen Bundesländern etwa keine Tanzveranstaltungen organisiert werden.

Feiertage sind auch für nicht-religiöse Menschen erholsam. Die Linke forderte deswegen im Sommer, dass Feiertage, die auf einen Sonntag fallen, nachgeholt werden sollten.

Bild aus dem Film Atomic Blonde. „Atomic Blonde“ darf an Allerheiligen nicht im Kino gezeigt werden.
„Atomic Blonde“ darf an Allerheiligen nicht im Kino gezeigt werden. © Jonathan Prime/ dpa

Länder verbieten Filme „Atomic Blonde“, weil sie „ernsten Charakter“ der Feiertage widersprechen

Das Verbot der Filme ist in den Regelungen der Ländergesetze festgehalten. Darin steht, dass etwa an stillen Feiertagen „nur solche Filme im Kino öffentlich vorgeführt werden dürfen, die dem ‚ernsten Charakter‘ dieser Feiertage entsprechen“. Das teilte das FSK (Freiwillige Selbstkontrolle) gegenüber BuzzFeed News DE mit. Die staatliche Organisation, die für das Mindestalter bei Filmen verantwortlich ist, prüft diese Filme.

Im aktuellen „Love, Sex and Pandemic“, der als nicht-feiertagstauglich eingeschätzt wurde, geht es um die gesellschaftlichen Schwierigkeiten, Intimität aufzubauen. In dem polnischen Film werden auch sexuelle Inhalte gezeigt. Im Klassiker „Atomic Blonde“, der ebenfalls verboten ist, untersucht die Spionin Charlize Theron einen Mord im Berlin des Kalten Krieges. Auch die Agenten-Actionkomödie „Kingsman“ ist feiertags-gesperrt.

Die Kinos der Gruppe Cinestar haben zurzeit keine Filme im Programm, die nicht „feiertagstauglich sind“, wie der Betreiber auf Anfrage von BuzzFeed News DE mitteilte. Heute laufe in mehreren Cinestars sogar der Horrorfilm „Smile“, der sogar gefährlichen TikTok-Trend ausgelöst hatte.

Wie werden Filme für Allerheiligen verboten?

Wenn eine Kinobetreiber:in einen Film an Allerheiligen zeigen will, kann er beim FSK eine Freigabe beantrage. Das FSK prüft dann, ob dieser „feiertagstauglich“ ist. Für Fernsehsender und Streamingdienste gilt die Feiertagsregelung laut FSK nicht. Auch im eigenen Zuhause könne natürlich niemand kontrollieren, welche DVDs man sich anschaut.

Das Kino kann einen neuen Film laut FSK an Allerheiligen auch ohne einen Antrag zeigen. „Der Kinobetreiber geht damit jedoch ein rechtliches Risiko ein“, schreibt das FSK. Die Freigabe soll die „Kinoveranstalter vor kommunalen oder landesrechtlichen Aufsichtsmaßnahmen zu schützen“. Wenn sich eine Aufsichtsbehörde über eine Vorführung beschweren sollte, kann die Betreiber:in auf die Freigabe verweisen.

Eigentlich verbindet man mit Deutschland nicht, dass es sich in die Filmindustrie einmischt. Eher noch mit China, wo ein chinesisches Filmstudio Szenen aus „Die Phantastischen Tierwesen“ entfernte.

FSK: Heute sind viel weniger Filme nicht-feiertagstauglich als in den 50er-Jahren

Das FSK kann Filme, die als „nicht feiertagsfrei“ eingestuft sind, wieder freigeben. In den 50er-Jahren und 60er-Jahren waren laut FSK noch mehr als die Hälfte aller Filme an stillen Feiertagen untersagt. Von 2000 bis 2015 waren es laut FSK nur noch etwa ein Prozent aller Kinofilme. Das ist laut der Organisation Ausdruck einer „Veränderung von gesellschaftlichen Wert- und Normvorstellungen hinsichtlich des Medienkonsums“.

In den 50er-Jahren wurden noch mehr Filme an Feiertagen verboten, wie diese Grafik des FSK zeigt.
In den 50er-Jahren wurden viel mehr Filme an Feiertagen nicht freigegeben als heutzutage, wie diese Grafik des FSK zeigt. © FSK GmbH

Filme, die an Allerheiligen (1. November) dieses Jahr nicht gezeigt werden dürfen:

Angaben stammen von der FSK. In Klammern steht das Erscheinungsjahr.

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