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Café für Prokrastinierer: Hier dürfen Gäste nicht raus, bevor ihre Arbeit nicht erledigt ist

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Von: Jana Stäbener

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Eine junge Frau sitzt über ihrer Arbeit und verzweifelt. Rechts ist das japanisches Restaurant Yakitori Grill zu sehen, nicht das im Text erwähnte Anti-Prokrastination-Café.
Wer ständig Abgaben verpasst, dem kann sich in diesem Anti-Prokrastination-Café einmieten. © kyodo/dpa, Panthermedia/IMAGO (Collage)

Steht bei dir eine dringende Abgabe vor der Tür? Dann wäre dieses Café gegen Prokrastination in Tokio genau das richtige – hier sitzt dir bei Bedarf sogar jemand „im Nacken“.

Prokrastiniert haben wir alle schon einmal. Wir schieben Aufgaben, die uns schwer oder unangenehm erscheinen, auf und widmen uns lieber Dingen, von denen wir uns schnelle Gratifikation versprechen. Sowas wie TikTok zum Beispiel – wer kennt es nicht. Ein BuzzFeed Autor schreibt hier darüber, was ihm passierte, als er seine Zeit auf Instagram, Tiktok und Co. begrenzt hat. Prokrastination ist übrigens kein Zeichen von Faulheit, sondern eher von fehlender Selbststeuerung, schreibt die Universität Münster. Hier könnte jetzt ein neues Cafe-Konzept aus Japan Abhilfe verschaffen: In einem Anti-Prokrastination-Café in Tokio dürfen die Kund:innen nicht gehen, bevor sie ihre Arbeit nicht erledigt haben.

Prokrastination: Ein Café will gegen das Aufschiebeverhalten helfen

Bei einer Studie der Universität Münster unter Studierenden kam heraus: Rund sieben Prozent von ihnen prokrastinieren mehr als der Durchschnitt und könnten sogar von einer Therapie profitieren. Prokrastination geht bei Menschen, die aufgrund ihres fast schon pathologischen Aufschiebeverhaltens in psychotherapeutischer Behandlung sind, erleiden Prokrastination oft im Rahmen anderer psychischer Störungen, wie einer Depression beispielsweise. Eine neue Studie ermittelte kürzlich, in welchem Alter Depressionen zum ersten Mal auftreten.

Faktoren, die bei Prokrastination helfen, seien laut Universität Münster eine bessere Struktur, das Setzen erreichbarer Ziele, ein guter „Umgang mit Ablenkungsquellen“ und negativen Stimmungen sowie eine „systematische Veränderung der Arbeitsgewohnheiten“. Gerade bei denen, die nur ab und zu prokrastinieren, oder den entstehenden Zeitdruck sogar brauchen, kann schon eine Änderung des Arbeitsalltages viel ausmachen. Das dachten sich auch Takuya Kawai, der Besitzer des "Manuscript Writing Cafe" in Tokio. Er ist selbst Schriftsteller und wollte einen Ort kreieren, in dem die Gäste ein wenig Ansporn für ihre Arbeit bekommen.

Ein Café gegen Prokrastination: Hier gibt es drei „Effizienz“-Level: „mild“, „normal“ und „hart“

Insgesamt zehn Plätze für Autor:innen, Illustrator:innen oder Redakteur:innen bietet das Café in der japanischen Metropole laut Informationen des Cable News Network (CNN). Und wie will der Besitzer mit dem Café Geld verdienen, wenn zehn Menschen den ganzen Tag nur arbeiten? Kawai war schlau: Er bietet Kaffee und Tee als Flatrate zur Selbstbedienung an und verlangt dafür einen Fixbetrag von ca. 300 Yen (2,20 Euro) pro Stunde. Gratis dazu gibt es dann den Ansporn, schneller und effizienter zu arbeiten. Der Gast kann zwischen drei „Effizienz“-Leveln wählen: „mild“, „normal“ und „hart“.

Bei „mild“ wird nur am Ende des Café-Besuchs gefragt, ob sie die Aufgabe erledigt haben. Bei „normal“ gibt es alle Stunde eine Nachfrage und bei „hart“ steht ständig ein:e Mitarbeiter:in hinter den Gästen, sitzt ihnen also sprichwörtlich „im Nacken“. Der 52-jährige Besitzer des Anti-Prokrastinationen-Cafés Takuya Kawai, sagte der CNN, er hoffe, die strengen Regeln würden den Leuten helfen, sich zu konzentrieren. „Eigentlich bin ich nicht hier, um sie zu überwachen, sondern um sie zu unterstützen“, sagt er dem Netzwerk. Viele Gäste würden in seinem Café eine Aufgabe in drei Stunden schaffen, für die sie normalerweise einen Tag bräuchten.

Mehr aus Tokio? Hier schreiben wir über „Virtuelle Menschen“, die als digitale Models bei Insta und Co. unterwegs sind.

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