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Strafanzeige gegen Fynn Kliemann: Droht eine Verurteilung wegen Betrugs?

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Von: Jana Stäbener

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Fynn Kliemann könnte wegen seiner Masken-Affäre bald Post von der Polizei erhalten.
Mehrere Landkreise führen ein sogenanntes „Vorverfahren“ gegen Fynn Kliemann und sammeln Hinweise zu seinem Masken-Betrug. (Symbolbild) © Boris Roessler/dpa/Ingo Wagner/dpa (Collage)

Viele Unternehmen haben sich nach seinem Masken-Skandal von Fynn Kliemann distanziert– nun droht ihm ein Strafverfahren wegen Betrugs.

Nachdem seine Masken-Affäre bekannt wurde, ereilen Fynn Kliemann etliche Konsequenzen – viele Unternehmen kündigen ihm wegen des Maskendebakels die Zusammenarbeit. Am Dienstag, 10. Mai, wurde nun bekannt, dass eine Privatperson bei der Staatsanwaltschaft Kleve eine Anzeige gegen das Unternehmen „Global Tactics“ eingereicht hat. Einen Tag später soll auch die Polizei im Landkreis Rotenburg einige Hinweise und eine Strafanzeige erhalten haben. Sie leiten jetzt Ermittlungen gegen den Allround-Unternehmer und die mit ihm verbandelte Firma von Tom Illbruck ein.

Fynn Kliemanns Masken-Skandal: In mehreren Landkreisen wurde Anzeige erstattet

Über die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Kleve berichtete die Wirtschaftswoche. Sie schickte an Kliemann und seinen Geschäftspartner Tom Illbruck auch schon eine Anfrage zur Strafanzeige. Diese sei bisher (Stand: 12. Mai) jedoch unbeantwortet geblieben. Laut Angaben des Wirtschaftsmagazins sei eine Verurteilung auf Basis dieser Anzeige jedoch eher unwahrscheinlich. Dazu müsse erst ein Vermögensschaden nachgewiesen werden, was zumindest bei den Kund:innen, die Kliemann mit der Lüge über die Herkunft seiner Masken betrogen hatte, schwierig sei.

Auch im Landkreis Rotenburg sind an die Polizei bereits Hinweise gegen Fynn Kliemann eingegangen. Heiner van der Werp, Sprecher der Polizeiinspektion, bestätigte gegenüber der Kreiszeitung, dass die Polizei im Landkreis mit der Staatsanwaltschaft in Kontakt stehe. Es habe vor allem Hinweise zu Kliemanns Aufenthaltsort gegeben. „Wenn es so sein sollte, dass eine Straftat vorliegt, dann werden wir voraussichtlich in die Ermittlungen einsteigen“, so der Sprecher. Vorher würden jedoch jegliche Hinweise zum Fall um Fynn Kliemann gesammelt – nur wenn sich der Verdacht erhärte, werde ein Verfahren eingeleitet.

Fynn Kliemann bekommt wohl bald Post von der Polizei

Der Rechtsanwalt Christian Solmecke erklärt in einem neuen YouTube-Video (siehe unten), was das alles zu bedeuten hat. Laut ihm bewege sich der Fall Fynn Kliemann nun im Milieu der Strafprozessordnung (StPO) §152. In einem „Vorverfahren“ müsse die Staatsanwaltschaft prüfen, ob überhaupt offizielle Ermittlungen aufgenommen werden. Jetzt werde laut Solmecke folgendes passierende: Fynn Kliemann bekomme wahrscheinlich Post von der Polizei und müsse sich dann dem Verdacht gegen sich in einem ersten Gespräch stellen.

Doch was ist der Verdacht überhaupt? Nach Strafgesetzbuch §263 stehe Betrug im Raum, sagt der Rechtsanwalt, der sich mit seiner Kölner Medienrechtskanzlei auf die Beratung der Internet-, IT- und Medienbranche spezialisiert hat. Wichtig seien folgende beiden Punkte: 1) Die Erregung eines Irrtums durch Täuschung und 2) ein vorliegender Vermögensschaden.

  1. 1) Ein Irrtum liege laut Solmecke zum Beispiel bei der Firma About you vor, die Kliemanns Masken kaufte und verkaufte. Diese wusste vom Produktionsort der Masken nichts. Fynn Kliemann ließ Masken statt in Europa in Asien produzieren und verschenkte fehlerhafte Modelle an Flüchtlinge, das deckte Jan Böhmermann im ZDF Magazin am vergangenen Freitag, 6. Mai, auf.
  2. 2) Beim Vermögensschaden sei es jedoch schwieriger, so Solmecke. Der liege nicht unbedingt vor, denn About You habe ja Masken erhalten und diese auch verkauft. Allein die Herkunft spiele nur dann eine Rolle, wenn sie „wertbildend“ sei. Das heißt, wenn eben diese Herkunft den Wert er Masken auf dem Markt steigert. Das sei in der Textilproduktion schwierig. Bei den Masken könne die Herkunft jedoch tatsächlich eine Rolle gespielt haben, so Solmecke, weil Kund:innen lieber Ware aus Europa kaufen und diese auch teurer verkauft werden könne. Damit hat Kliemann ja auch geworben. Hier bleibe abzuwarten, wie die Staatsanwaltschaft dies einschätzt.

    Dass Kliemann behauptete, er verkaufe die Masken zum Selbstkostenpreis (was nicht stimmte, Kliemann hat sein Vermögen mit seinem Masken-Deal nur noch einmal vergrößert) sei ein weiterer Punkt, der den Richterinnen negativ auffallen könnte, so Anwalt Christian Solmecke. Marken wie About You hätten dem Deal vielleicht auch deswegen überhaupt erst zugestimmt, weil solch gute Absichten hinter dem Verkauf steckten. Unter anderen Bedingungen hätte das Unternehmen vielleicht eher nach günstigeren Masken-Anbietern Ausschau gehalten, vermutet Solmecke.

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