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Der Trend „Rage Applying“ ist für deine Karriere eine echt „schlechte Idee“

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Von: Felicitas Breschendorf

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TikToker:innen, die sich beim Rage Applying filmen.
TikToker:innen, die sich beim Rage Applying filmen. © TikTok/ @chelseastokes_/ @the_realest_recruiter/ Screenshot

Beim Rage Applying bewerben sich frustrierte Arbeitnehmer:innen aus Wut. Einen erfüllenden Job finden sie damit nicht, warnt Karriere-Coachin. 

Im vergangenen Jahr schrieben wir über Quiet Quitting, ein Trend bei dem Arbeitnehmer:innen nur noch das Nötigste tun. 2023 macht jetzt ein neuer Arbeitstrend die Runde: „Rage Applying“. Arbeitnehmer:innen bewerben sich bei neuen Unternehmen, weil sie die Nase voll von ihrem eigenen Job haben. So steht es im Urban Dictionary schon seit September 2021. TikTok-Videos zeigen, dass offenbar viele junge Menschen Rage Applying betreiben.

Arbeitnehmer:innen betreiben Rage Applying, weil sie bei der Arbeit überfordert sind

Rage Applying beinhaltet nicht umsonst das Wort „Rage“, also „Wut“. Wenn die Personen sich bei neuen Jobs bewerben, dann sind sie dabei wütend. Warum? „Wenn dich bei der Arbeit etwas überfordert“, schreibt die TikTokerin @chelseastokes_. „Wenn du das fünfte Mal in dieser Woche einen schlechten Tag mit deinem Boss hast“, ein anderer. Viele TikToker:innen berichten auch von toxischen Arbeitgeber:innen oder Manager:innen, die sie zum Rage Applying treiben. Sie haben keinen Bock auf „Hustle Culture“ – ein Prinzip, bei dem dein Leben nur aus Arbeit besteht.

„Arbeitnehmer:innen sind gelangweilt, haben Burnout oder fühlen sich nicht richtig wertgeschätzt“, sagt die Karriere-Coachin Deborah Brown-Volkman in einem TikTok-Video. Bereits junge Menschen der Generation Z können an Burnout erkranken. Personen, die unzufrieden bei ihrer Arbeit seien, fühlten sich oft machtlos. Das ändere sich, wenn sie sich beim Rage Applying regelmäßig bewerben. „Rage Applying gibt ihnen ihre Macht zurück“, sagt Brown-Volkman. Neben der Hoffnung, einen neuen Job mit besseren Konditionen zu finden, geht es beim Rage Applying also einfach um eins: sich besser zu fühlen.

Wenn du Bock auf einen neuen Job hast, gibt dir Rage Applying „Selbstvertrauen“

Wenn man sich bewirbt, gibt es zwei Optionen: Zusagen oder Absagen bekommen. Wer Rage Applying eher macht, um sich besser zu fühlen, reagiert bei Absagen vielleicht so wie die TikTokerin @camelsback. Sie kann darüber nur lachen:

Die TikTokerin @saraisthread zeigt in einem Video, dass Rage Applying aber die Tür für neue Jobs öffnet. Im besten Fall sind es Jobs, die bessere Arbeitsbedingungen haben als der aktuelle: beispielsweise höhere Bezahlung, mehr Arbeitsvergütungen und ein angenehmeres Arbeitsumfeld.

Was mache ich aber, wenn ich mich aus dem Affekt heraus bei Jobs beworben habe und plötzlich eine Zusage habe? „Rage Applying kann zu Rage Negotiating (Wütendes Verhandeln) führen“, sagt Karriere-Coach Brown-Volkman. Wenn Arbeitnehmer:innen durch das Rage Applying wirklich einen Job bekommen, könnten sie das ihren Arbeitgeber:innen mitteilen. Sie können Forderungen stellen oder eine bessere Bezahlung aushandeln.

Oder sie verwandeln Rage Applying in „Rage Moving On“ (Wütendes Weiterziehen), wie Brown-Volkman in ihrem TikTok-Video erklärt. Arbeitnehmer:innen könnten den neuen Job annehmen, beziehungsweise den alten kündigen. Es sei nicht sinnvoll, in einem Job zu bleiben, in dem man unzufrieden sei. „Wenn es Zeit ist, weiterzuziehen, dann ziehe weiter. Dieser neue Trend gibt dir dafür das Selbstvertrauen.“ Wer nach dem Rage Applying den eigenen Job kündigt, darf jedoch eines nicht vergessen, zeigt @saraisthread: Auch Rage Applyer haben eine Kündigungsfrist.

Karriere-Coachin warnt: Rage Applying „hilft dir nicht, einen erfüllenden Job zu finden“

Ist Rage Applying also wirklich eine gute Idee, um einen neuen Job zu finden? Die TikTokerin und Karriere-Coachin @jennakgreco warnt vor Rage Applying. Der neue Trend sei eine „schlechte Idee“: Wenn du nach einem schlechten Tag auf der Arbeit durch Linkedin scrollst und dich wahllos bewirbst, helfe dir das nicht, einen erfüllenden Job zu finden.

Die Bewerber:innen denken laut @jennakgreco zu wenig über den Job nach. Beim Rage Applying befinden sie sich in einem sehr emotionalen Zustand. „Ich nehme mir dann nicht richtig die Zeit, rational darüber nachzudenken, was ich wirklich an meinem Job nicht mag. Und was ich in meinem neuen Job genau möchte.“ Die Folge könne sein, dass Rage Applyer an einem neuen Arbeitsplatz enden, der ihnen genauso wenig gefällt wie der alte. Für Personen, die gerade im Bewerbungsprozess sind, hat sie deshalb einen Tipp: „Treffe nie Entscheidungen aus der Verzweiflung heraus.“

Ein weiterer gefährlicher Arbeitstrend: Beim Quiet Firing nimmt dein:e Arbeitgeber:in heimlich dein Schicksal in die Hand.

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