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Gefahr in Teichen und Seen: So schützt du dich und deinen Hund vor Blaualgen

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Blaualgen (wie hier im hessischen Edersee 2018) können für Mensch und Tier gefährlich sein.
Blaualgen (wie hier im hessischen Edersee 2018) können auch für Hunde gefährlich sein. © dpa/Imago/Collage

Blaualgen sehen aus, wie schaumige Ablagerungen auf der Wasseroberfläche. Sie können jedoch gefährlich sein – nicht nur für dich, sondern auch für deine Haustiere.

Der Sommer steht vor der Tür, und das bedeutet, dass viele Leute die freie Natur genießen und sich in Flüssen, Seen und Meeren im ganzen Land abkühlen wollen. Doch bevor du (eventuell mit deinem Hund) Baden gehst, solltest du dich vor Blaualgen in Acht nehmen – und wissen, was zu tun ist, wenn du ihnen ausgesetzt bist.

Schädliche Algenblüten breiten sich auf der ganzen Welt aus und führen zu toxischen Algenvergiftungen. Die BBC berichtete einst, dass eine Blaualgen-Vergiftung die Todesursache für eine dreiköpfige Familie und ihren Hund war, die im Jahr 2021 unter mysteriösen Umständen beim Wandern in Mittelkalifornien starben. Beamt:innen stellten später jedoch fest, dass ein Hitzschlag die eigentliche Todesursache war.

Blaualgen: Was genau sind sie und wie erkennt man sie?

Verunreinigung durch Blaualgen
Blaualgen können für Mensch und Tier gefährlich sein. © agefotostock/IMAGO

Cyanobakterien werden Blaualgen auch genannt. Sie gehören zu den ältesten lebenden Organismen auf unserem Planeten. Diese winzigen Wasserorganismen sind photosynthetische Bakterien, das heißt, sie wandeln Licht in chemische Energie um. Man findet sie in Süßwasser oder in Ozeanen. „Blau-grüne Algen sind nichts Neues. Sie sind nicht erst vor kurzem aufgetaucht. Sie gehören tatsächlich zu den ältesten photosynthetischen Organismen überhaupt und sind Milliarden von Jahren alt“, erklärt David Caron, Professor für Biowissenschaften an der University of Southern California, gegenüber BuzzFeed News US. „Es gibt sie also schon sehr lange, aber in den meisten Binnengewässern waren sie die meiste Zeit über nicht dominant.“

Große Ansammlungen von Blaualgen, sogenannte schädliche Cyanobakterien-Blüten, treten auf, wenn die Algen in warmem und langsam fließendem Wasser schnell wachsen. Das einen Prozess namens Eutrophierung durchlaufen hat. Laut „National Ocean Service“ bedeutet das, es ist mit übermäßigen Nährstoffen angereichert. Dies geschieht in der Regel im Spätsommer oder Frühherbst, kann aber unter den richtigen Bedingungen jederzeit passieren.

Amerikaner:innen erinnern sich vielleicht daran, dass 2016 eine schädliche Algenblüte die Küsten Floridas heimsuchte und dort dem Tourismus und der Fischerei schadete. All das hatte zur Folge, dass ein betroffener See trockengelegt werden musste, wie SunSentimental berichtete. Die Blüte lässt sich als schaumige Ablagerung auf der Wasseroberfläche oder als Pigment erkennen, das das Wasser rot, grün oder gelbbraun färbt. Manchmal tritt auch ein Geruch nach verrottende Pflanzen auf.

Was macht Blaualgen giftig?

14. September 2021, USA: Rund um den Abiquiu-See sind Schilder aufgestellt, die vor Blaualgen warnen.
Rund um den Abiquiu-See (USA) sind Schilder aufgestellt, die vor Blaualgen warnen. © Eddie Moore/ZUMA Wire/IMAGO

Cyanobakterien konkurrieren in ihrem Ökosystem mit anderen Arten, darunter auch anderen ungefährlichen Algen, um das Überleben. „Es handelt sich um eine uralte Gruppe von Organismen, die sich seit Milliarden von Jahren um Nährstoffe streiten und dafür Mechanismen entwickelt haben“, erklärt Caron. „Es ist im Grunde ein Wettbewerb. Derjenige, der am besten oder am einfachsten wächst, gewinnt diesen Wettbewerb.“ Um ihre Konkurrenten auszuschalten, haben sich die Cyanobakterien so entwickelt, dass sie Gifte, sogenannte Cyanotoxine, produzieren.

„Es ist unwahrscheinlich, dass Blaualgen versuchen, Hunde, Menschen oder Rinder zu vergiften“, so Caron. „Das kann einfach so passieren, aber diese Verbindungen werden aus einem ganz bestimmten Grund produziert, der für das Gewässer, in dem sie leben, von Bedeutung ist. Vielleicht vergiften sie das Plankton, das sie auffrisst, oder die konkurrierenden Algen“. Es gebe eine Vielzahl von Cyanotoxinen, die je nach Art der Cyanobakterien produziert werden können. Einige der in den USA am häufigsten vorkommenden Arten würden als Microcystine, Anatoxine und Saxitoxine bezeichnet.

Blaualgen-Gifte können tödlich sein

Eine Variante von Anatoxin, Anatoxin-a, ist so giftig, dass es in Wissenschaftskreisen als „sehr schneller Todesfaktor“ bekannt ist, wie Science Alert berichtete. „Wenn man einer ausreichenden Menge ausgesetzt ist, kann es einen innerhalb von Minuten bis Stunden töten“, so Raphael Kudela, Professor für Meereswissenschaften an der UC Santa Cruz, gegenüber BuzzFeed News US.

Eine Studie aus dem Jahr 2021 zeigt sogar, dass Anatoxin-a über eine schädlichen Algenblüte auf der Insel Nantucket in Massachusetts zwei Jahre zuvor in die Luft gelangte. Wissenschaftler:innen sammelten mit Glasfaserfiltern Proben aus der Luft über einer Algenblüte und entdeckten damals dabei Anatoxin-a-Moleküle.

Es kam niemand zu Schaden, aber die Wissenschaftler:innen erklärten, ihre Ergebnisse deuteten darauf hin, dass die Emission „eine potenzielle, bisher nicht untersuchte Belastung für die menschliche Gesundheit darstellt“. Besorgniserregend sind auch erstmals in menschlichen Lungen entdeckte Mikroplastik-Partikel.

Die Auswirkungen von Blaualgen auf Mensch und Tier

Ein Silberreiher, der in einem Sumpf im Wasser steht, um ihn herum Algen.
Besonders für Tiere können Blaualgen tödlich sein. © YAY Images/IMAGO

Menschen oder Tiere können Cyanotoxinen ausgesetzt werden, wenn sie kontaminiertes Wasser berühren, darin schwimmen und dabei Tröpfchen von Toxinen in der Luft einatmen. Auch beim Konsum von kontaminierten Meeresfrüchten oder Wasser können Menschen mit Toxinen der Blaualge in Kontakt kommen.

Hunde sind besonders gefährdet, da sie eher dazu neigen, ohne Zögern in kontaminiertem Wasser zu spielen, es zu trinken oder andere tote Tiere zu fressen, die in der Nähe der Algenblüte gefunden wurden. Nach Angaben des „Centes for Disease Control (CDC)“ hängen die Symptome von einer Vielzahl von Faktoren ab: War es Süß- oder Salzwasser? Wie lange waren sie dem Wasser ausgesetzt? Welche Art von Toxin war vorhanden, und wie viel?

Bei Menschen können die Blaualgen-Toxine Erbrechen oder Magenschmerzen verursachen

Bei Menschen, die kontaminiertes Wasser berührt haben, darin geschwommen sind oder kontaminierte Tröpfchen eingeatmet haben, können Reizungen der Augen, der Lunge, der Geräuschwahrnehmung, der Haut und des Rachens auftreten.

Der Verzehr von kontaminiertem Wasser, sei es durch Trinken oder den Verzehr von kontaminierten Meeresfrüchten, kann je nach Cyanotoxin zu Magenschmerzen, Kopfschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Leberschäden oder neurologischen Symptomen wie Muskelschwäche oder Schwindelgefühl führen.

Anatoxin-a und Saxitoxine sind Neurotoxine, die das Nervensystem einer Person lahmlegen, was zu Übelkeit, Kribbeln und möglicherweise zum Tod führt. Mikrozystine hingegen sind Hepatotoxine, das heißt, sie zersetzen die Leber, können aber auch die Nieren und das Fortpflanzungssystem beeinträchtigen.

Sind in den USA schon einmal Menschen an Blaualgen gestorben?

Cyanobakterienblüten an den polnischen Ostseestränden. Gesamtansicht des Sandstrands der Danziger Bucht mit Algen und Algen
Cyanobakterienblüten an den polnischen Ostseestränden. © Michal Fludra/NurPhoto/IMAGO

In den USA gab es so gut wie keine Todesfälle durch Cyanotoxine, da die Menge des kontaminierten Wassers, die aufgenommen werden müsste, um zum Tod zu führen, extrem hoch ist. Das heißt aber nicht, dass Menschen nicht trotzdem erkranken oder Haustiere an einer Vergiftung durch die Algen nicht sterben könnten. „Soweit ich weiß, ist in den USA noch nie jemand an Cyanotoxinen gestorben“, sagt Kudela. „Bei Hunden und Rindern kam es zu einigen Todesfällen. Menschen kommen mit den Algen in Kontakt und werden krank. Gestorben ist aber noch niemand.“

Vor zwei Jahrzehnten führte ein Gerichtsmediziner in Wisconsin eine Vergiftung durch giftige Algen als Todesursache für einen 17-jährigen Jungen an, der 2002 zwei Tage nach dem Schwimmen im Wasser, bei dem er sich mit dem als Anatoxin-a bekannten Cyanotoxin infiziert hatte, starb. Dieser Befund wurde jedoch von einigen Expert:innen angezweifelt. Sie waren der Meinung, dass das Toxin den Teenager viel schneller – möglicherweise innerhalb von Stunden – getötet hätte, wäre es tatsächlich die Ursache gewesen.

Im Jahr 2019 meldeten 14 Staaten 242 schädliche Algenblüten, an denen 63 Menschen erkrankten, so die Daten des CDC. Im Jahr 1996 wurden in der Wasserquelle eines Dialysezentrums in Caruaru, Brasilien, zwei Cyanotoxine entdeckt. Wissenschaftler:innen schätzten, dass das für Dialysebehandlungen verwendete Wasser Toxine enthielt, die 19,5 Mal höher waren als der von der Weltgesundheitsorganisation für Trinkwasser festgelegte Grenzwert. Insgesamt 76 Patient:innen starben dadurch an Leberversagen.

Blaualgen erkennen – so gehts

Dicke blaugrüne Algen umgeben Boote auf dem Lake Okeechobee in Pahokee, Florida, am 28. April 2021.
Dicke blaugrüne Algen umgeben Boote auf dem Lake Okeechobee in Pahokee, Florida, am 28. April 2021. © Lannis Waters / AP

Bevor du in Seen, Flüssen oder Meeren schwimmen oder angeln gehst, sollten du die örtlichen Wasserwarnungen beachten. Ob eine Algenblüte giftig ist, lässt sich nicht durch bloßes Betrachten feststellen, daher rät die CDC: „Im Zweifelsfall nicht schwimmen gehen“. Geh also nicht in Wasser, das schlecht riecht, verfärbt ist, in dem tote Tiere schwimmen oder das Schaum oder farbige Schlieren auf der Oberfläche aufweist.

„Einen See mit Algenblüten erkennt man an dem Film auf der Oberfläche“, sagt Erika Holland, Assistenzprofessorin für Biowissenschaften an der California State University, gegenüber BuzzFeed News US. „Als erfahren:e Wander:in wird man immer darauf hingewiesen, nicht aus stehenden Gewässern zu trinken.“ Bei Kontakt mit verunreinigtem Wasser, empfiehlt die CDC, sich so schnell wie möglich mit sauberem Süßwasser abzuspülen. Suche bei auftretenden Symptomen so schnell wie möglich eine:n Ärzt:in auf oder rufe die Giftnotrufzentrale an.

Halte auch Haustiere und Vieh von Gewässern fern, die von schädlichen Algenblüten betroffen sind. Wenn dein Hund in einer Algenblüte schwimmt, wasche ihn sofort mit sauberem Süßwasser ab und verhindere, dass er Cyanobakterien, die sich noch auf seinem Fell befinden, ableckt. Rufe einen Tierarzt, wenn dein Hund stolpert, krampft, Schaum vor dem Mund hat, erbricht oder andere unerklärliche Symptome zeigt.

Warum verbreiten sich Blaualgen?

Mehrere vom Menschen verursachte Faktoren tragen dazu bei, dass sich die Wasserbedingungen, die zu schädlichen Algenblüten führen, weltweit verschlechtern. Der erste ist die Landwirtschaft. Durch landwirtschaftliche Abwässer wie Düngemittel und städtische Abwässer gelangen zusätzliche Nährstoffe in die Gewässer und fördern die Eutrophierung. Auch der Bau von Staudämmen verlangsamte die Wasserbewegung in einigen Gebieten, wodurch stehende Gewässer entstanden sind, die Cyanobakterien begünstigen. Wegen Wasserproblemen steht auch die Gigafactory von Elon Musk in der Kritik.

Aber auch der Klimawanel über den man deutlich lösungsorientierter reden sollte, führt zu höheren Temperaturen und wärmeren Gewässern, die das Wachstum von Cyanobakterien begünstigen. Dürreperioden führen außerdem dazu, dass sich Wasser und Nährstoffe in Seen mit niedrigem Wasserstand verdichten. „Wenn wir weiterhin extreme Wärme und Dürren erleben", so Caron, „werden wir wahrscheinlich immer mehr dieser Toxine produzieren, sodass mehr Tiere und Menschen mit diesen Toxinen in Berührung kommen.“

Was kann getan werden, um die Ausbreitung zu stoppen?

Jason Garrett, Leiter des Büros für Wasserqualität im Gesundheitsamt von Utah County, betrachtet das Wasser des Utah Lake am 20. Juli 2016 in der Nähe von American Fork, Utah.
Jason Garrett, Leiter des Büros für Wasserqualität im Gesundheitsamt von Utah County, betrachtet das Wasser des Utah Lake am 20. Juli 2016 in der Nähe von American Fork, Utah. © Rick Bowmer / AP

Angesichts der weltweit zunehmenden Häufigkeit und Intensität schädlicher Algenblüten, fordern Wissenschaftler:innen eine stärkere Sensibilisierung der Öffentlichkeit und mehr staatliche Investitionen in Wasseruntersuchungen. Doch um die Eutrophierung wirklich rückgängig zu machen und die Ausbreitung von Cyanobakterien einzudämmen, müssen wir als Planet daran arbeiten, die globale Erwärmung durch den Klimawandel zu begrenzen – denn auch Länder wie Deutschland hinterlassen einen extrem großen ökologischen Fußabdruck.

Außerdem müssen wir Wege finden, um Nährstoffe aus Abwassereinleitungen zu entfernen. Dies muss auf industrieller, landwirtschaftlicher und städtischer Ebene, aber auch in den Haushalten geschehen. Holland empfahl den Menschen, weniger Düngemittel oder Waschmittel zu verwenden, die Stickstoff und Phosphor enthalten und zur Eutrophierung führen können. Sie schlug zudem vor, dass die Menschen die Behörden dazu drängen, in bessere Programme zur Abwasserkontrolle zu investieren.

„Es wird ein langer Weg. Es braucht eine gute Landbewirtschaftung“, so Caron. „Wir alle brauchen die Landwirtschaft. Wir alle brauchen Viehzucht. Wir alle brauchen bis zu einem gewissen Grad Urbanisierung. Aber wir müssen herausfinden, wie wir diese Dinge auf eine Weise tun können, die unsere Wasserqualität nicht verschlechtert. Wir befinden uns auf einem Weg, der nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.“

Autor ist David Mack. Dieser Artikel erschien am 28. Mai 2022 zunächst auf buzzfeednews.com. Übersetzt von Aranza Maier.

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