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Noch nie mit Corona infiziert? Forschende finden Gründe, warum das Virus um dich einen Bogen macht

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Von: Robert Wagner

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Collage: Vier Freundinnen essen entspannt ein Eis. Daneben ist ein Corona-Schnelltest mit negativem Ergebnis zu sehen.
Für viele eine Selbstverständlichkeit: Enge soziale Kontakte, aber dennoch kein positives Corona-Testergebnis. Warum ist das so? © MASKOT/CHROMORANGE/Imago

Corona begleitet uns nun seit zwei Jahren. Während manche bereits die dritte Infektion durchmachen, stecken sich andere einfach nicht an. Warum ist das so?

Kennst du das? Um dich herum stecken sich alle nacheinander mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 an, während du selbst bisher ohne eine Infektion durch die Pandemie gekommen bist. Und das, obwohl du dich nicht intensiver schützt als die anderen oder es mit den Schutzmaßnahmen womöglich nicht ganz so genau nimmst. Mit der Verwunderung darüber bist du nicht allein: Wissenschaftler:innen grübeln über die Frage, warum manche Menschen offenbar von Natur aus besser vor Corona geschützt sind als andere und haben mittlerweile einige Theorien dazu.

Eine etwas unterkomplexe Erklärung lieferte Mitte März der südkoreanische Medizinfunktionär Ma Sang-hyuk, Vizepräsident der Korean Vaccine Society auf Facebook. Sein Land ist aktuell besonders hart von der Pandemie betroffen. Sank-hyuks Meinung nach hätten Menschen, die sich bisher noch nicht mit SARS-CoV-2 angesteckt haben, „zwischenmenschliche Probleme“, wie die Tageszeitung The Korea Herald berichtete. Er suggeriert damit, die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung läge einzig an der Intensität sozialer Kontakte. Doch so einfach ist es nicht (weshalb Sang-hyuk sein Posting auch bald wieder gelöscht hat).

Ansteckung mit Corona auch eine Frage der Blutgruppe

Bereits 2020 deuteten Studien darauf hin, dass ein Zusammenhang zwischen Coronainfektion und Blutgruppe* besteht. Untersuchungen an COVID-19-Patient:innen ergaben, dass unter ihnen im Vergleich zur Normalbevölkerung die Blutgruppen A und B häufiger waren, während die Blutgruppe 0 deutlich seltener auftrat. Eine 2021 veröffentlichte Studie aus Frankreich bestätigte diesen Befund weitgehend: Träger:innen der weit verbreiteten Blutgruppe 0 waren auffallend selten unter den infizierten Testpersonen, während sich die Blutgruppen A und B vergleichsweise häufig unter den Infizierten fanden.

Der Grund für diese unterschiedliche Verteilung wird in der Oberflächenbeschaffenheit der roten Blutkörperchen gesehen, die auch für die Kompatibilität von Blutspenden verantwortlich ist. So wie Menschen mit Blutgruppe 0 bei Transfusionen Blutspenden von Menschen mit der Blutgruppe A, B und AB abstoßen, weil sie gegen die roten Blutkörperchen dieser Blutgruppen Antigene bilden, könnte ihr Blut auch Partikel des Coronavirus abwehren, die von einem Menschen mit einer dieser drei Blutgruppen stammen und die entsprechenden Antikörper aufweisen. Träger:innen der Blutgruppe AB hingegen bilden gegen keine andere Blutgruppe Antigene und vertragen daher Blutspenden aller Blutgruppen (A, B, AB und 0). Dementsprechend würden sie auch keine Viruspartikel abwehren, die von anderen Menschen stammen, und sich besonders leicht anstecken.

Menschen mit der Blutgruppe 0 würden gemäß dieser Hypothese also einen gewissen Schutz vor einer Infektion aufweisen. Allerdings könnten sie nach dieser Logik das Virus auch besonders leicht an andere weitergeben, wenn sie sich einmal infiziert haben: Gegen ihre Blutgruppe (0) bilden die übrigen Blutgruppen (A, B und AB) nämlich keine Antigene. Einerseits vertragen Blutgruppe 0-Menschen also keine Blutspenden anderer Blutgruppen, andererseits sind sie selbst aber universelle Spender, deren Blut von allen anderen Blutgruppen vertragen wird. Analog könnten sie bzw. die von ihnen stammenden Viruspartikel andere Menschen also besonders leicht anstecken. Das würde das Phänomen der Superspreader erklären.

Abwehrmechanismen gegen Corona-Viren neben Antikörpern: T-Zellen und Gewebetypus

Doch nicht nur die Blutgruppen stehen im Verdacht, die Anfälligkeit für eine Infektion mit dem Coronavirus zu beeinflussen. Auch Unterschiede im Immunsystem könnten hierbei eine Rolle spielen. Eine wichtige Komponente unserer angeborenen körpereigenen Abwehr sind neben den Antikörpern, die bei Bedarf vom Immunsystem gebildet werden, die T-Zellen, auch bekannt als weiße Blutkörperchen. Deren Aufgabe besteht darin, Körperzellen zu vernichten, die von Krankheitserregern befallen sind. Einer schwedischen Studie vom Oktober 2020 zufolge verfügen etwa 30 bis 40 Prozent der Menschen über T-Zellen, die aufgrund einer früheren Infektion mit verwandten Coronaviren das Virus SARS-CoV-2 erkennen und davon befallene Körperzellen zerstören, wie Focus Online berichtet.

Diese T-Zellen scheinen heute, da die Omikron-Variante dominant ist, sogar besser gegen eine Coronainfektion zu schützen als die bei Bedarf vom Immunsystem gebildeten Antikörper. Die sollen die Omikron-Variante 30 bis 40 Mal schlechter erkennen, wie der Deutschlandfunk Kultur aus einer Studie vom Januar 2022 zitiert. Diese relativ weit verbreitete T-Zell-Immunität würde auch erklären, warum sich so viele Menschen mit der Omikron-Variante anstecken, ohne ernsthaft zu erkranken. Und sie macht auch deutlich, wie komplex unsere körpereigene Abwehr ist.

Zu dieser Komplexität gehören auch andere Faktoren. So verleiht der sogenannte HLA-Gewebetypus manchen Menschen eine Immunität gegen Corona. Der HLA-Gewebetypus sorgt dafür, dass körpereigene Zellen, die von einem Virus befallen werden, Botenstoffe produzieren und die Zellen in ihrer Nachbarschaft in einen antiviralen Zustand versetzen, sodass diese vor dem Virus besser geschützt sind. Bei manchen Menschen ist dieser Gewebetypus so beschaffen, dass auch SARS-COV-2 erkannt wird. Insbesondere bei Kindern funktioniert dieser Abwehrmechanismus sehr gut, wie der MDR berichtet.

Weniger komplexe Faktoren, die über eine Infektion mit Corona-Virus entscheiden

Doch auch weniger komplexe Dinge beeinflussen die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit dem Coronavirus. Bei jedem Krankheitserreger gilt, dass für eine Übertragung eine gewisse Dosis nötig ist. Es muss also ein Schwellenwert überschritten werden, damit ein Organismus sich ansteckt. Je nach Stärke des Immunsystems ist dieser Schwellenwert unterschiedlich hoch, eine Infektion damit mehr oder weniger wahrscheinlich. Und wer ohnehin immer nur kurzen Kontakt zu anderen Menschen hat, entgeht einer Coronainfektion eher als jemand, der sich regelmäßig mit Freunden trifft und mit ihnen gemütliche Abende verbringt.

Auch das Alter und sogar die Tageszeit nehmen Einfluss auf eine mögliche Infektion. Bei älteren Menschen ab 65 setzt die sogenannte Immunoseneszenz ein, also eine Altersschwäche des Immunsystems, mit der das Risiko einer Infektion und einer schweren Erkrankung deutlich steigt. Bei jedem Menschen wirkt die körpereigene Abwehr außerdem morgens und vormittags besser, da das Immunsystem sich im Schlaf regeneriert. Auch banale Faktoren wie Stress, Ernährung und Alkoholkonsum entscheiden über die Stärke unseres Immunsystems und damit über die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit dem Coronavirus (RP Online).

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