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Dating-App Hinge überholt Tinder, „weil wir verlernt haben, auf Menschen zuzugehen“, sagt Expertin

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Von: Felicitas Breschendorf

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Junges Paar mit Handy. Bedeutet die Beliebtheit von Hinge, dass wir ernsthafter daten?
Bedeutet die Beliebtheit von Hinge, dass wir ernsthafter daten? © stock&people/ Imago

Während bei Tinder wild geswiped wird, geht es bei Hinge ernsthafter zu. Die Dating-App wird immer beliebter. Was bedeutet das für unser Dating-Verhalten?

„Designed to be deleted“ – die Dating-App wieder verlassen und bei seiner Partner:in bleiben. Das ist das Motto der App Hinge, die in Deutschland gerade enormen Zulauf bekommt. Rund 30.000 Mal am Tag wird sie laut der Plattform OMR hierzulande heruntergeladen. Im Google Play Store ist sie mittlerweile beliebter als Tinder, wie eine Analyse der Site Similiar Web zeigt. Hat Gen Z keine Lust mehr auf lockere Dates? Wir haben die Dating-Expertin Mashaal Omary gefragt, was Hinge so erfolgreich macht.

„Hinge interessiert sich mehr für dich“, sagt eine Nutzerin über die Dating-App

Swiped der Finger auf Tinder nach links, kann man die Person anschreiben. Swiped er nach rechts, geht es weiter zur nächsten. So lange, bis man am Ende um die 80 Matches hat, aber immer noch nicht weiß, wen man treffen will. „Bei Tinder haben Menschen das Gefühl, dass sie austauschbar sind“, sagt Omary, die als Paartherapeutin arbeitet, gegenüber BuzzFeed News DE. Bei Hinge hat man nur die Möglichkeit, acht Likes am Tag zu vergeben. Wie die neue Social-Media-App BeReal scheint die App persönlicher zu sein. „Hinge interessiert sich mehr für dich“, sagt die Nutzerin Ilgın Özkazanç, die zurzeit damit datet.

Unterschiede der Dating-Apps: Charakter bei Hinge und Aussehen bei Tinder

Wenn wir bei Tinder swipen, geht es viel um das Aussehen der anderen Person. Den Hype um die Körpergröße bei Dating-Apps kann man kritisieren. Bei Hinge steht laut Omary der Charakter im Vordergrund: Sprachnachrichten zeigen, wie die Stimme der Person klingt. Fragen wie nach dem liebsten unnützen Wissen lassen den Humor erahnen.

„Du denkst mehr darüber nach, für wen du dich entscheidest“, sagt Özkazanç. Mit Hinge sucht sie nach einer festen Beziehung – statt nach einem One-Night-Stand. Laut Omary ein häufiger Grund, die Dating-App zu verwenden. Auch der Algorithmus ist laut dem Hinge-Gründer Justin McLeod darauf ausgelegt, sagt er im Interview mit OMR. In den USA ist die App schon länger erfolgreich. 21 Prozent der Ehepaare, die sich online kennenlernten, kennen sich darüber, wie eine Studie aus dem vergangenen Jahr zeigt.

Sucht die Gen Z über Hinge nach einer festen Beziehung?

Der Gen Z wirft man besonders im Berufsleben oft Wechselhaftigkeit vor. Im Liebesleben sei das spätestens seit der Pandemie anders, meint Omary. „In einer Krisenzeit suchen Menschen etwas Beständiges in der Liebe“, sagt sie. Nur weil Hinge zurzeit gefragt sei, heiße das jedoch nicht, dass die jüngere Generation ernsthafter datet als früher. Auch Özkazanç verwendet parallel zu Hinge weiterhin Tinder. „Für das Selbstwertgefühl.“

Für jedes neue Match schüttet der Körper laut Omary Dopamin aus. Diesen kurzfristigen „Ego-Push“, wie sie es formuliert, bekommen wir auf Hinge nicht. Stattdessen fragt die App persönliche Fragen, etwa nach dem eigenen Alkohol- und Tabakkonsum. Mit den Antworten können Nutzer:innen laut Omary testen, ob man auch in Zukunft zueinander passt.  „Wenn dich Zigarettenrauch stört, reicht für eine Nacht vielleicht noch das Minzbonbon. Wenn du aber langfristig mit jemandem zusammen sein willst, willst du vorher wissen, ob die Person Nichtraucher:in ist.“

Dating-App Hinge hilft besonders introvertierten Menschen

Bei Hinge gibt es sogenannte „Prompts“. Das sind Aufforderungen, die Nutzer:innen zugesendet werden. Die App schlägt zum Beispiel vor, einen Ort für das erste Date auszusuchen. Oder ein Video als Ice-Breaker zu senden. App-Gründer McLeod sagte gegenüber OMR, dass die App damit Introvertierten helfe. Omary kann das bestätigen. „Die Eisbrecher helfen Personen, aus sich herauszugehen“, sagt sie.

Die Aufforderungen seien jedoch nicht nur für introvertierten Personen sinnvoll. Sie helfen laut Omary auch der Gen Z beim Dating. „Weil wir verlernt haben, wie wir auf Menschen zugehen sollen“, sagt sie. „In den Neunzigern wurdest du noch in der U-Bahn oder im Café angeflirtet. Man war es gewohnt, angesprochen zu werden. Heute erwartet man in so einer Situation gleich, es könnte sich um einen Versicherungsvertreter handeln.“  Wie Omary sagt, nimmt Hinge einen beim Dating an die Hand – und trifft damit den Zeitgeist.

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