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Fake-News-Ticker: Wir sammeln gefährliche Falschinformationen zum Ukraine-Krieg

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Von: Felicitas Breschendorf, Jana Stäbener, Pia Seitler, Sabrina Hoffmann, Anna-Katharina Ahnefeld, Carolin Freytag

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Fake News über die „Bild“: Sie veröffentlichte keinen Artikel über ukrainische Flüchtlinge, die ein Haus anzündeteten.
Das Nachrichtenmedium „Bild“ veröffentlichte keinen Artikel, der behauptete, ukrainische Flüchtlinge hätten ein Haus in Brand gesetzt. © Screenshot Twitter (Collage)

Desinformation: Über den Ukraine-Krieg kursieren zahlreiche Fake-News im Netz. BuzzFeed News sammelt sie in einem Ticker.

In der Ukraine herrscht Krieg. Am Donnerstag, 24. Februar, hat Russland das Land angegriffen – seitdem verbreiten sich immer neue Schreckensmeldungen über die Situation vor Ort im Netz. Darunter befinden sich auch zahlreiche Falschinformationen, die die Lage unübersichtlich machen.

Die Sozialpsychologin und Expertin für Verschwörungsideologien Pia Lamberty sowie zahlreiche andere Beobachter:innen warnen daher vor Desinformation als Kriegsmittel. BuzzFeed News Deutschland führt deswegen einen fortlaufenden Fake-News-Ticker zu falschen und irreführenden Informationen und Gerüchten. Ganz oben findet ihr die neuesten Fake-News, weiter unten folgen die älteren Meldungen.

Wichtig ist generell: Checke die Quellen, verbreite keine ungeprüften Posts oder Tweets zum Ukraine-Krieg und jedes Mal gut überlegen, was und ob man einen Inhalt teilt.

25. Mai 2022: Die Bild hat keinen Artikel über ukrainische Flüchtlinge geschrieben, die ein Haus in Brand setzten. Diese Falschinformation, die im Netz kursiert, ist frei erfunden, berichtet Correctiv.

Auf Twitter und Telegram verbreitete sich um den 16. Mai herum der Screenshot eines angeblichen Bild-Artikels mit dem Titel „Ukrainische Flüchtlinge wollten eine russische Flagge verbrennen, brannten aber schließlich das Haus nieder, in dem sie untergebracht waren“. Bei dem Artikel handelt es sich jedoch um eine Fälschung. Die Bild berichtet nie über solch einen Vorfall, wie ein Faktencheck von Correctiv zeigte.

Auch der stellvertretende Chefredakteur der Bild, Timo Lokoschat, wies am 17. Mai auf Twitter auf die Fake-News hin. Er twitterte: „Bild hat diese Meldung niemals verfasst. Gegenüber Correctiv bestätigte das auch die Zeitung selbst. In Wirklichkeit brenne auf dem Bild ein Haus in Walluf, einem Vorort von Wiesbaden. Der Vorfall sei über neun Jahre alt, ergab der Faktencheck von Correctiv. Mit Flüchtlingen aus der Ukraine habe er nichts zu tun.

18. Mai 2022: Der Sänger Oleh Psiuk zeigte beim Eurovision Song Contest keinen Hitlergruß, stellt ein Faktencheck von Reuters richtig.

Beim ESC am vergangenen Samstag gewann die ukrainische Band „Kalush Orchestra“ mit ihrem Song „Stefania“. Der Sieg war der Ukraine in diesem Jahr so gut wie sicher. Die ukrainische Band wollte unbedingt beim ESC gewinnen, damit in ihrem Heimatland wieder Hoffnung auf eine gute Zukunft herrschen kann. Auf Social Media verbreiten sich nun jedoch vor allem im englischsprachigen Raum Behauptungen, dass der Sänger Oleh Psiuk kurz nach seinem Gewinn einen Hitlergruß zeigte.

Reuters hat sich die Videoaufnahme genauer angeschaut und stellte fest: Psiuks Finger sind nicht eng aneinander gedrückt, wie es bei einem Hitlergruß der Fall wäre. Außerdem existieren Aufnahmen, in denen er dem Publikum zuwinkt. Seine Geste ist also entweder als normaler Gruß oder auch als ein „Victory“-Zeichen zu verstehen.

13. Mai 2022: In sozialen Medien wird gegen ukrainische Flüchtlinge gewettert: Sie bekämen in Deutschland früher Rente als Deutsche, heißt es – ohne je einbezahlt zu haben. Das ist falsch, wie ein Faktencheck von Correctiv verdeutlicht.

Telegram Nachricht: Fake News zu Rentenbezügen für Ukrainer:innen.
Dieser Post vom Telegram-Kanal namens „Conspiracy Newsroom“ behauptet, Ukrainer:innen erhielten in Deutschland schneller Rente als Deutsche – das ist falsch. © Screenshot Telegram

Auf Telegram finden sich einige Kanäle, die immer wieder falsche Informationen und Fake-News über Ukrainer:innen verbreiten. Schon seit vier Wochen kursieren so Gerüchte, dass Menschen aus der Ukraine zehn Jahre früher Rente erhalten würden – und das ohne jemals eingezahlt zu haben. Frauen bekämen die Rente, sofern sie ukrainische Geflüchtete seien, mit „57 Jahren“, Männer mit „60 Jahren“. So heißt es in dem Telegram-Post, der am 13. April 2022 geteilt wurde. „Diese Anweisung wurde heute an die zuständigen Mitarbeiter der Jobcenter per E-Mail mitgeteilt“, teilt der Channel [ConspiracyNewsroom] mit, der laut Correctiv der „QAnon“-Szene angehört.

Diese Information ist jedoch frei erfunden. Auch Ukrainer:innen müssen in Deutschland die normale Mindestversicherungszeit erfüllen (also erst fünf Jahre in die Rentenversicherung einzahlen) bevor sie einen Anspruch auf Rentenleistungen haben. Beim Renteneintrittsalter gibt es für sie ebenfalls keine Sonderregelung. Auf Anfrage von Correctiv teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) mit: „Die Zentrale der BA hat hierzu keine E-Mail-Weisung veröffentlicht.“ In Deutschland seien außerdem nicht die Jobcenter für Rentenanträge zuständig, sondern die Deutsche Rentenversicherung (DRV).

11. April 2022: Vor einer Woche behauptete die russische Webseite „Anti-Spiegel“, ein Video von ukrainischen Soldaten in Butscha würde beweisen, dass es die Massaker von Butscha nie gab. Das ist laut Correctiv falsch, nicht nur, weil im Video Leichen zu sehen sind.

Nach eigenen Angaben zieht sich die russische Armee seit dem 30. März aus Butscha zurück. Seitdem tauchten immer wieder Bilder der Gräueltaten auf, die die russischen Soldaten begingen. Nun teilte eine russische Propaganda-Webseite ein Video der ukrainischen Polizei, das angeblich beweise: in Butscha habe es nie ein Massaker gegeben. Das ist jedoch falsch.

Ein Screenshot der russischen Propaganda-Seite „Anti-Spiegel“.
Russische Propaganda-Medien wie der „Anti-Spiegel“ berichten davon, dass es Butscha nie Massaker gegeben habe. © Screenshot anti-spiegel.ru

Das Video der Polizei, das der „Anti-Spiegel“ teilt, ist zwar echt und wurde von dieser am 2. April 2022 auf der eigenen Website und dem eigenen YouTube-Kanal veröffentlicht – es belege jedoch nicht, dass es keine Massaker gab. Laut Correctiv sind im Video zwei Tote zu sehen. Dass es „nur“ zwei sind, belege jedoch nicht, dass die Massaker nicht stattfanden. Dies lasse sich mit Satellitenbildern aus anderen Faktenchecks beweisen.

Auch dass die gezeigten Toten „weiße Armbänder tragen, die ein Erkennungszeichen der russischen Soldaten in der Ukraine sind“, wie der Anti-Spiegel schreibt, ist falsch. Wir von BuzzFeed News Deutschland sprechen mit einem Militärexperten über diese Thematik und er erklärt, dass weiße Armbinden kein Zeichen für Russland-Sympathie sind. Auch, dass sie Personen im Video nicht über die Massaker sprechen, beweist nicht, dass es sie nicht gegeben hat, schreibt Correctiv.

10. Mai 2022: Dieses Video zeigt nicht, wie Finnland Panzer an die russische Grenze transportiert. Der Zug ist im Rahmen einer Militärübung Richtung Westen unterwegs, ermittelte die Nachrichtenagentur Reuters.

Im Tweet (siehe oben) ist ein Zug zu sehen, der dutzende von Panzern transportiert. Mit der Aussage, er fahre Richtung russische Grenze, teilten das Video in den letzten Tagen mehrere Twitter-Nutzer:innen. Eine:r schrieb laut Informationen der Nachrichtenagentur Reuters unter den Clip: „Berichten zufolge hat #Finnland damit begonnen, militärische Ausrüstung in Richtung der russischen Grenze zu verlegen, nachdem die Entscheidung, der #NATO beizutreten, noch aussteht. Bildmaterial aus sozialen Medien.“

Der Clip wurde im Netz millionenfach angesehen und verbreitete sich sowohl auf Twitter, YouTube und Facebook. Es handelt sich vor allem bei der Video-Beschreibung um Fake-News. Finnland entschied sich bereits, der NATO beizutreten. Außerdem fuhren die Panzer nicht an die russische Grenze, sondern in den Westen des Landes – zu der Militärübung „Arrow 22“. Das gab das finnische Verteidigungsministerium am 4. Mai über Twitter bekannt. Der Faktencheck von Reuters ermittelte über G Geo-Daten zudem den Abfahrtsort Tampere, was beweist, dass der Zug definitiv westwärts fuhr.

6. Mai 2022: Vor einer Woche tauchte auf Facebook eine gefälschte Ebay-Anzeige auf, die ein ukrainisches Autokennzeichen anbot. Im Straßenverkehr könne man sich damit alles erlauben, hieß es in der Anzeige. Laut t-online ist der Screenshot jedoch fake.

Der verbreitete Screenshot sieht nach einer typischen Anzeige auf Ebay Kleinanzeigen aus. 150 Euro soll das ukrainische Kennzeichen kosten – der Anbieter ist angeblich aus Mannheim. Was man mit dem Kennzeichen anfangen kann, steht in der Beschreibung, in der die Ebay-Kund:in direkt angesprochen wird: „Sie können und dürfen überall kostenlos parken. Sie können so schnell fahren, wie Sie möchten. Sie werden nicht bestraft.“ Hiermit wird Ukrainer:innen rassistisch unterstellt, dass sie sich nicht an Regeln im Straßenverkehr halten. Mit einem ukrainischen Kennzeichen könne man deshalb auch in Deutschland regelfrei fahren, weil man so als Ukrainer:in identifiziert würde, sagt die Anzeige aus.

Das Bild zeigt den Screenshot einer täuschend echt aussehenden Ebay-Anzeige für ein ukrainisches Autokennzeichen. „Sie können damit überall kostenlos parken“, steht in der rassistisch gemeinten Beschreibung.
Diese Ebay-Anzeige für ein ukrainisches Autokennzeichen stand in Wahrheit nie zum Verkauf. In Russland wurde sie für Propaganda-Zwecke verwendet.jpg © Screenshot Telegram

In Wahrheit existierte die Anzeige auf Ebay Kleinanzeigen nie. Nach Angaben Ebay gegenüber t-online könnte sie zwar als normaler Screenshot auf Ebay Kleinanzeigen erstellt worden sein, zur Veröffentlichung sei es aber nicht gekommen. Das Nummernschild ist außerdem veraltet. Es bezieht sich auf ein Fahrzeug aus der Krim und wird in der Ukraine schon seit der Annexion im Jahr 2014 nicht mehr vergeben.

Der Screenshot verbreitete sich auf Facebook und anderen sozialen Medien in Deutschland, wurde aber auch in Russland zur Propaganda benutzt, wie t-online berichtet. Moskau.news veröffentlichte die Anzeige etwa mit dem Kommentar, dass Deutsche negativ auf ukrainische Geflüchtete reagierten. Die Anzeige sei ein Zeichen dafür, dass die deutsche Bevölkerung nicht glücklich sei „mit den auf ihrem Territorium angekommenen Ukrainern, die in einer fremden Heimat machen, was sie wollen und wie sie wollen.“

5. Mai 2022: Schon seit Ostern verbreiten sich auf Facebook und Telegram Bilder, auf denen ukrainisches Gebäck mit angeblichen Nazi-Symbolen verkauft wird. Das Bild ist gephotoshoppt, wie eine Recherche von Correctiv beweist.

Wer genau hinschaut, erkennt beim Fake-Foto (siehe oben), dass die Muffins mit weißem Zuckerguss fast zu „schön“ aussehen, um zum restlichen Bild zu passen. Es ist kein Schatten zu sehen, und die Ränder des Frostings sind verdächtig scharf. Eine Facbook-Userin teilt das Bild und schreibt dazu: „Was soll ich davon halten? Das ist Ostergebäck mit faschistischen Symbolen des Asow-Bataillons.“ Das Team von Correctiv hat in einer Bilder-Rückwärtssuche herausgefunden: Es handelt sich bei dem Bild um eine Fotomontage. Das Originalbild stammt aus dem Jahr 2019 – in Wirklichkeit sind die Muffins mit harmlosen, bunten Streuseln bedeckt (siehe unten).

Ostergebäck aus der Ukraine in einer Bäckerei: Es stammt von 2019 und zeigt keine Nazi-Symbole, wie Fake News berichteten.
Das Originalbild stammt aus der Bäckerei der ukrainischen Supermarktkette „Billa“ und wurde 2019 aufgenommen. © Screenshot fakty.com

Das gephotoshoppte Gebäck zeigte Nazi-Symbole, die mit dem ukrainischen Asow-Regime in Verbindung gebracht werden. Laut Correctiv ist neben der ukrainischen Flagge auf den Muffins auch die sogenannte Wolfsangel zu sehen, ein SS-Symbol, das Teil des Logos von Asow ist. Auf Facebook und Telegram verbreitete sich das gefakte Foto in den letzten Wochen zuerst auf Russisch, dann auf Deutsch, wie man am eingebetteten Post oben sieht. Es wurde um die 94.000-mal angesehen, schreibt Correctiv.

3. Mai 2022: In diesem Interview sagt Selenskyj nicht, dass er Drogen nimmt. Er redete einfach nur über Kaffee. Seine Aussagen wurden später manipulativ zusammengeschnitten, berichtet Correctiv.

In den sozialen Netzwerken wie beispielsweise auf Facebook (siehe oben) verbreitete sich seit dem 19. April ein Zusammenschnitt des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, in dem er über die „belebende“ Wirkung von Kokain spricht. Das Video ist laut einem Faktencheck von Correctiv jedoch manipuliert und wurde aus einem Interview vor der Präsidentschaftswahl (siehe unten ab Minute 7:40) zusammengeschnitten.

Im Original-Video spricht Selenskyj über das genaue Gegenteil: Er sagt, dass er keine Drogen konsumiere und macht laut einer Übersetzerin von Correctiv nur einen Witz über die Kokain-Vorwürfe, die er ständig zu hören bekommt. Als der Interviewer ihn nach den Drogengerüchten fragt, sagt er laut Correctiv: „Fantastisch! Fantastisch! Nein, ich sitze zwar auf etwas Weißem, aber das ist ein Stuhl, kein Koks. Ich konsumiere keine Drogen.“

Aus diesem Satz und seinen Erzählungen über Kaffee, den er gerne trinke und die „belebenden“ Spaziergänge mit seinem Hund, wurde das manipulierte Fake-News-Video zusammengeschustert. Schon seit Beginn des Ukraine-Kriegs bezeichnete der russische Präsident Wladimir Putin die ukrainische Regierung als „Bande von Drogenabhängigen und Neonazis“, weshalb Fake-News aus diesem Spektrum die russische, brutale Propaganda geradezu befeuern.

27. April 2022: Ein falsches Video im Design der BBC verbreitete, dass die Ukrainer:innen den tödlichen Raketenangriff auf einen Bahnhof nahe Kramatorsk verschuldet hätten. Die Nachrichtenorganisation BBC wehrt sich gegen diese Fake-News und warnt auf Twitter vor dem falschen Video.

Mehr als 120.000-mal wurde das gefakte Video in BBC-Design bereits angesehen. Es enthält zwar das Logo und typische Wasserzeichen der BBC, wurde aber laut AFP-Faktencheck sorgfältig imitiert. Darauf weist beispielsweise hin, dass der ukrainische Präsident „Zelensky“ von der BBC nicht mit zwei „yy“ geschrieben wird. Das Fake-Video nutzte jedoch genau diese Schreibweise.

Im Untertitel des gefälschten Clips steht so etwas wie: „Die BBC erklärte, die ukrainische Armee sei für den tödlichen Tochka-U-Raketenangriff verantwortlich, bei dem 50 Zivilisten brutal ermordet wurden. Auf ihrem Twitter-Account greift die BBC diese Falschinformation direkt am 13. April 2022 auf und warnt vor der Fake-News. Sie möchten das Video so schnell wie möglich von Social-Media entfernen lassen, schreibt das britische Nachrichtenunternehmen und bittet darum, das gefakte Video nicht weiter zu teilen.

27. April: Seit zwei Wochen kursiert auf Telegram und Facebook ein Video, in dem beim russischen Autokorso in Berlin angeblich Ukrainer:innen Autos zerstört haben sollen. Laut Correctiv ist das Video am 14. April aufgenommen worden und steht in keinem Bezug zum Ukraine-Konflikt.

Zerstörte Autos, die laut Polizei nicht in Zusammenhang mit dem russischen Autokorso in Berlin (3. April 2022) stehen.
Der für Desinformation bekannte Telegram-Kanal „Neues aus Russland“ teilte ein Video mit zerstörten Autos – eigentlich hat das Video aber keinen Ukraine-Russland-Bezug. © Screenshots Telegram

Dieses Video, das seit dem 14. April auf Telegram und Facebook kursiert, zeigt verschiedene beschädigte Autos in einer Straße in Berlin. Der Telegram-Kanal „Neues aus Russland“, der für Missinformationen bekannt ist, schreibt darunter: „Ukrainische Randalierer sollen in Berlin Autos zerstört haben, die an pro-russischen Autokorsos teilnahmen.“ Anfang April gab es in ganz Deutschland verschiedene „pro-russische“ Autokorsos.

Bei dem Autokorso in Berlin nahmen laut Angaben der Polizei 900 Personen und 450 Autos teil – es sei jedoch kein Fahrzeug beschädigt worden. Die Berliner Polizei trackt das Video auf den 13. April zurück. In der Straße „Am Karlsbad“ in der Nähe des Tiergartens seien dort vor etwa zwei Wochen vier geparkte Autos niedergebrannt. Mit dem Russland-Ukraine-Krieg habe dies jedoch nichts zu tun.

25. April 2022: Dieses Bild wurde völlig aus dem Zusammenhang gerissen, wie Reuters berichtete. Es zeigt nicht, wie ukrainische Kinder Adolf Hitlers Geburtstag feiern. Die Aufnahme stammt vom 55-jährigen Jubiläum der ersten bemannten Raummission 2016 in Penza (Russland).

Im Netz verbreiteten sich die vergangenen Tage Facebook- und Twitter-Posts, die behaupteten, bei diesem Bild handle es sich um ukrainische Schulkinder, die den Geburtstag von Adolf Hitler (20. April) feierten. Das Foto wurde mit Zitaten wie diesem hier versehen „In #Lvov #Lviv, #WesternUkraine: Schoolchildren forced to celebrate #Hitler’s birthday“ (siehe oben). Mit dieser Fake-News befeuern Twitter-Nutzer:innen wie dieser Wladimir Putins Ukraine-feindliche Propaganda.

Eine Bilder-Rückwärtssuche von Reuters hat ergeben, dass es sich bei den Schulkindern jedoch um russische Kinder handelt. Denn: Das Foto wurde bei einem 55-jährigen Jubiläum des sowjetischen Kosmonauten Yuri Gagarin in Penza (Russland) aufgenommen und stammt aus dem Jahr 2016. Die Kinder formen deswegen kein Hakenkreuz oder ein „SS“, sondern eine harmlose „55“. Die unschöne Ähnlichkeit zur Nazi-Symbolik spielte beim Verbreiten dieser Fake-News sicher eine Rolle.

14. April 2022: Auf Telegram und Facebook verbreiteten Nutzer:innen ein Video, das einen angeblichen Protest gegen den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im ukrainischen TV zeigen soll. Das Video ist eine Fälschung, wie AFP berichtet.

Angeblich soll eine ukrainische Mitarbeiterin mit einem Protest gegen Wolodymyr Selenskyj die Live-Übertragung des Fernsehsenders Ukraine24 gestört haben. Das Video ist eine Fälschung.
Angeblich soll eine ukrainische Mitarbeiterin mit einem Protest gegen Wolodymyr Selenskyj die Live-Übertragung des Fernsehsenders Ukraine24 gestört haben. Das Video ist eine Fälschung. © Screenshot/Facebook

„Selenskij kapituliere, hör auf Drogen zu nehmen und kehre lieber zurück auf die Bühne!“, habe auf dem Plakat gestanden, das angeblich live im Fernsehen zu sehen war, wie AFP berichtet. Die Aktion erinnert an den Protest von Marina Owsjannikowa im russischen Fernsehen* mit dem Schild „Stoppt den Krieg“. Doch im Gegensatz zu der Aktion von Owsjannikowa hat der angebliche Protest im ukrainischen TV nie stattgefunden.

Das Video ist eine Montage von einer TikTok-Userin. Die Userin betreibe laut AFP auch einen Telegram-Kanal und stellte dort klar, dass sie das Video selbst erstellt habe und es nicht aus dem ukrainischen TV stamme. Sie kritisiere in ihren Videos häufig die ukrainische Regierung und transportiere prorussische Botschaften. Auch der Fernsehsender Ukraine24 dementierte die Behauptung auf Facebook.

11. April 2022: Auf Facebook verbreitete sich ein Screenshot von einem angeblichen Artikel des Holsteinischen Couriers, in dem behauptet wird, russische Kinder würden aus Schulen in Deutschland rausgeschmissen und müssten zu Hause lernen. Der Artikel ist eine Fälschung, wie Correctiv berichtet.

Screenshot eines gefälschten Artikels.
Bei dem Screenshot handelt es sich um einen gefälschten Artikel. Ein solcher Text wurde nicht beim Holsteinischen Courier veröffentlicht und es gibt keine Belege für die Nachricht. © Screenshot/Facebook

Der Screenshot liefere bereits auf den ersten Blick mehrere Hinweise, dass es sich um einen gefälschten Artikel handle, so die Faktenchecker von Correctiv. Dazu zählen Rechtschreibfehler und inhaltliche Formulierungen, die keinen Sinn ergeben. Der Holsteinische Courier selbst bezeichnete inzwischen die vermeintliche Meldung als Fälschung. Außerdem gebe es auch sonst keine Belege für die Nachricht.

8. April 2022: Auf Twitter und Telegram kursierte die Behauptung, dass die Leichen im ukrainischen Ort Butscha nur inszeniert wären. Videoaufnahmen, auf denen sich Gliedmaßen der Leichen bewegten, würden dies beweisen. Correctiv und AFP haben die Bilder geprüft und kommen zu dem Schluss: Die Bewegung der Toten ist nur ein Wassertropfen auf der Windschutzscheibe.

Im Netz kursiert die Behauptung, auf einem Video aus Butscha seien Bewegungen der Leichen zu sehen, dies ist eine Fake-News.
Dieser Tweet und Telegrambeitrag behaupten, die Leichen in einem Video aus Butscha würden sich bewegen – das ist falsch. © Screenshots Telegram und Twitter (Collage)

Am 2. April 2022 lud der ukrainische Fernsehsender Espreso TV auf YouTube Videoaufnahmen aus der Stadt Butscha, einem Vorort von Kiew hoch. In den Aufnahmen wird aus einem Fahrzeug heraus eine Straße gefilmt, in der Leichen liegen. Quelle dieses Videos ist laut dem Fernsehsender der Anwalt Ilya Novikov, der die Aufnahmen einen Tag später auch auf seinem Twitter-Profil teilte (siehe Tweet oben).

Schaut man sich das Video genauer an, so ist die erste vermeintliche Bewegung bei Minute 0:09 nur ein Wassertropfen auf der Windschutzscheibe des Fahrzeugs – keine sich bewegende Hand. Die zweite angebliche Bewegung, die Twitter- und Telegram-Nutzer meinen, erkannt zu haben, ist ein Verzerrungseffekt des Seitenspiegels (Minute 0:45). Das ermittelte das Faktencheck-Team von Correctiv. Auch die BBC hatte in einer Recherche bewiesen, dass beide Leichen in der gleichen Stellung auch auf Straßen-Bildern vom 3. April 2022 zu sehen sind. 

6. April 2022: Dieses Foto zirkuliert momentan auf Social Media und wird immer wieder mit „Love during the war“ betitelt. Laut Informationen der AFP handelt es sich bei dem Bild jedoch um eine Aufnahme aus dem Jahr 2019. Sie entstand nicht im Krieg, sondern auf einem Konzert in Polen.

Wie Romeo und Julia stehen sie da, mit ihren Landesflaggen umhüllt: trotzen dem Krieg, der um sie wütet. Nur ist das gar kein Krieg, sondern ein Konzert in Polen und das Foto ist über drei Jahre alt. Auf dem Bild zu sehen sind die Russin Juliana Kuznetsova und ihr ukrainischer Verlobter, die für die Washington Post bereits im November 2019 auf einem Konzert des Rappers Max Korzh fotografiert wurden. Das hat das Faktencheck-Team der AFP Nachrichtenagentur herausgefunden.

Das irreführende Bild hatte sich zuvor auf Facebook, Twitter und Instagram verbreitet. In einem französischen Posting hatte es sogar mehr als 130.000 Likes abgestaubt. Eine echte Liebesgeschichte während des Ukraine-Kriegs erleben momentan Anna und Yegor – sie aus Russland, er aus der Ukraine.

4. April 2022: Vor einigen Tagen wurde auf YouTube ein Video hochgeladen, das angeblich den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zeigt, wie er „Imagine“ von John Lennon singt. In Wahrheit ist im Clip jedoch ein Sänger der Band „Boyce Avenue“ zu sehen, der überraschende Ähnlichkeit mit Selenskyj hat.

Das ursprüngliche Video auf YouTube hatte sogar die richtige Beschreibung: Boyce Avenue steht als wahre Band im Titel. Nur in den Untertiteln steht auf Italienisch: „Cover von Selenskyj - John Lennon/ Imagine“. Das ist natürlich falsch. In Wirklichkeit handelt es sich um den der relativ bekannten Alejandro Manzano von der YouTube-Band „Boyce Avenue“, der zum ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zugegebenermaßen eine gewisse Ähnlichkeit aufweist.

Trotz eigentlich richtiger Videobeschreibung konnten sich diese Fake-News auf diversen Social-Media-Kanälen wie Twitter (siehe oben) oder Facebook verbreiten. Dass der ukrainische Präsident vor seiner politischen Karriere Schauspieler und Komiker war, hat diese Missinformation sicher noch weiter befeuert.

31. März 2022: Bei Facebook, TikTok und Twitter verbreiten sich Fotos eines ukrainischen Jets, der angeblich sehr tief flog, um dem Radar zu entgehen und dabei sogar ein Straßenschild streifte. Die Bilder sind echt, stammen aber nicht aus dem Ukraine-Krieg 2022, wie Reuters berichtet. Sie stammen von einer Militärübung aus dem Jahr 2020.

Die Bilder des ukrainischen Jets haben nichts mit dem Ukraine-Krieg zu tun. Der Jet kollidierte laut einem Bericht bei einer Landung auf einer Autobahn mit dem Straßenschild. Das fand im Rahmen einer Militärübung 2020 statt, wie Reuters und Mimikama berichten.

25. März 2022: Seit Ende Februar verbreitet sich ein Video, in dem russische Truppen angeblich mit Fallschirmen in die Ukraine einfallen. Der Clip ist laut Faktencheck der AFP jedoch aus dem Jahr 2014 und zeigt eine russische Militärübung.

Über eine Million User:innen haben sich das Video, das angeblich zeigt, wie russische Truppen im Februar 2022 in die Ukraine einfallen, bereits angesehen. Es verbreitete sich auf Facebook, TikTok, Twitter, YouTube und Instagram und wurde in mehreren Sprachen geteilt.

Eine Bilder-Rückwärts-Suche der AFP hat ergeben, dass das Video schon im März 2014 das erste Mal im Netz erschien. Es zeigt eigentlich eine russische Militärübung und wurde vor über sieben Jahren in Taganrog aufgenommen, einer Stadt im Südwesten von Russland.

24. März 2022: Die vergangenen zwei Tage kursierte in sozialen Netzwerken ein Video, das angeblich einen randalierenden Mann in einem russischen Supermarkt in Regensburg zeigt. Laut Informationen von Correctiv, ist das Video jedoch gar nicht aus Deutschland – und fast drei Jahre alt.

Im 23-sekündigen Video ist ein Mann zu sehen, der Produkte aus den Supermarkt-Regalen auf den Boden wirft. Ein anderer Mann prügelt auf ihn ein. Der kurze Clip verbreitete sich vor allem auf Twitter und Telegram und wurde dort als Beweis für Russenfeindlichkeit gehandelt. Dabei ist das Video erstens vom 25. März 2019, und zweitens gar nicht in Deutschland entstanden. Es stammt aus einer „Magnit“-Filiale in der russischen Stadt Uljanowsk. Das ergab eine Bilder-Rückwärts-Suche des Faktencheck-Teams Correctiv. Auch auf YouTube wurde das Video bereits im Jahr 2019 hochgeladen.

23. März 2022: Auf Facebook verbreitet sich ein Video, das angebliche Leichensäcken in der Ukraine zeigen soll. Das Video wurde manipuliert und zeigt eine Klima-Protestaktion in Österreich, wie Correctiv berichtet.

Der Screenshot eines Videos zeigt aufgereihte schwarze Säcke, die an Leichensäcke erinnern.
Der Screenshot eines Videos zeigt aufgereihte schwarze Säcke, die an Leichensäcke erinnern. Es soll angeblich aus der Ukraine stammen, wurde allerdings manipuliert und hat mit der Ukraine nichts zu tun. © Screenshot Facebook

Mit der Protestaktion der Klimaaktivisten von „Fridays for Future“ wollten sie auf Klimatote aufmerksam machen, wie Correctiv berichtet. Das Video sei manipuliert worden: Im Fake-Video sei ein Moderator zu hören, der auf Englisch über die Lage in der Ukraine spricht. In dem Original-Video rede der Sprecher auf Deutsch über die Klima-Protestaktion, die hinter ihm stattfinde.

22. März 2022: Da hat sich Photoshop-Philip ganz schön ausgetobt: Auf diesem Bild sieht es so aus, als würde ein ukrainischer Bauer mit seinem Traktor eine russische Rakete stehlen. Das ist natürlich Quatsch. Die Original-Aufnahme zeigt ein Space Shuttle der NASA aus dem Jahr 2018, wie der Faktencheck der AFP ergeben hat.

Das manipulierte Bild zirkuliert schon seit über einer Woche im Netz und wurde ursprünglich auf einem burmesischen Facebook-Account geteilt. Weil dieser mehr als 38.000 Follower hatte, verbreitete sich das (zugegeben ziemlich eindeutig gefakte) Bild noch auf diversen weiteren Facebook- und Twitter-Profilen (siehe oben).

In einer Rückwärtssuche bei Google konnte das Faktencheck-Team der AFP herausfinden, dass das Bild ursprünglich zur NASA gehört – natürlich ohne Traktor. Es handelt sich eigentlich um eine Soyuz MS-10 Rakete, die mit dem Zug nach Kasachstan transportiert wird. Mit Raketen dieser Art fliegen Astronaut:innen der NASA normalerweise zu internationalen Raumstation. Wie die Rakete im Ukraine-Krieg von Vorteil sein könnte, ist eine andere Frage...

21. März 2022: Im Netz verbreitete sich ein Video, in dem von einem Überfall auf einen Jugendlichen in der Nähe von Euskirchen berichtet wird. „Angeblich sei dieser von einer Gruppe Ukrainer zu Tode geprügelt worden“, teilte die Polizei Nordrhein-Westfalen (NRW) mit. Expert:innen gehen davon aus, dass es sich um ein Fake-Video handelt, „dass Hass schüren soll“.

In dem Video ist eine Frau zu sehen, die auf Russisch von einem angeblichen Verbrechen von Ukrainern im nordrhein-westfälischen Euskirchen erzählt. Der zuständigen Polizei lagen jedoch keinerlei Informationen über einen solchen Übergriff oder gar über einen Todesfall vor, twittert die Polizei NRW am Sonntag (20. März 2022).

Die Urheberin des „Fake-Videos“ hat sich inzwischen auf TikTok in einem weiteren Video für die falsche Information entschuldigt, wie die dpa am Montag (21. März 2022) berichtet. Die Frau sagte darin am Sonntag, ihre Behauptung habe sich als unwahr herausgestellt und sie wolle nicht, dass andere den gleichen Fehler machten wie sie. „Wir prüfen in Absprache mit der Staatsanwaltschaft den Verdacht einer Straftat“, sagt ein Polizeisprecher am Montag in Bonn mit Bezug auf die Clips.

18. März 2022: Auf Facebook und Telegram verbreitet sich seit Mitte Februar der Screenshot eines angeblichen Artikels der Münchner Zeitung „tz“. Natalia Klitschko wohne demnach in einer staatlich finanzierten Villa nahe Berlin. Der Screenshot ist ein Fake! Die „tz“ hat so einen Artikel nie veröffentlicht.

Der Screenshot des angeblichen „tz“-Artikels ist ein Fake!
Der Screenshot des angeblichen „tz“-Artikels ist ein Fake! © Screenshot/Facebook

Natalia Klitschko ist mit dem Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko verheiratet. Der Screenshot des vermeintlichen „tz“-Artikels suggeriert, Vitali Klitschko habe seine Frau und Kinder nach Berlin geschickt. „In Absprache mit der Bundesregierung wurde seiner Frau und den Kindern bereits kostenlos eine Villa in der Nähe von Berlin zugewiesen“, heißt es. darin Das Innenministerium habe die 24-stündige Überwachung der Villa angeordnet. 

Das Bundesinnenministerium dementiert die Behauptung allerdings, wie AFP berichtet. Auf AFP-Anfrage erklärte ein Sprecher von Ippen Media, dem Verlag hinter der Zeitung „tz“, der Screenshot sei eine Fälschung. „Wir haben zu keiner Zeit einen derartigen Artikel publiziert.“

17. März 2022: Im Netz kursiert ein Deepfake-Video, das dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj falsche Worte in den Mund legt. Meta, die Mutterfirma von Facebook, gab bekannt, das Video von seinen Plattformen entfernt zu haben.

Sogenannte Deepfakes sind technisch manipulierte Videos, bei denen eine Software zum Beispiel ein Gesicht durch das einer anderen Person ersetzt. Im Video werden Selenskyj über die Audiospur Worte in den Mund gelegt, die er nicht gesagt hat. Demnach lege er den Ukrainer:innen nahe, ihre Waffen niederzulegen, wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet. Das Video ist kein sonderlich gut gemachter Fake, aber die Bedrohung durch Deepfakes ist ernst. Der ukrainische Präsident reagierte auf seinem Instagram-Account auf das Fake-Video.

17. März 2022: Vergangene Woche häufte sich auf Facebook und Telegram die Behauptung, Spendenlieferungen an ukrainische Geflüchtete würden in der Oberpfalz verbrannt, damit die leeren Lkw dann mit Waffenlieferungen die Grenze passieren könnten. In einem Faktencheck widerlegte Correctiv diese Behauptung. Ein Teil der Spenden war zwar tatsächlich entsorgt worden, Waffen jedoch wurden nicht geliefert.

Laut Recherche-Team Correctiv kursierte in sozialen Netzwerken, vor allem auf Telegram, letzte Woche immer wieder dieses Foto (siehe oben). Es zeigt, wie Spenden in der Oberpfalz angeblich in großem Stil „entsorgt“ werden. Im Post auf Facebook spricht ein:e User:in von mehr als sechs Lkw-Ladungen voll, die dort verbrannt wurden. Die bereitgestellten Lkw sollen dann mit Waffen an die ukrainische Grenze weitergefahren sein. Dies ist laut Correctiv falsch.

Die Lkw des Logistikunternehmens Böhm haben an diesem Tag lediglich Hilfsgüter aussortiert. Das Bild zeige den Müll, der nach der Sortierung übrig geblieben ist, sagte ein Mitorganisator der Spendenaktion im Faktencheck. Der Rest der Spenden wurde wie geplant zur polnisch-ukrainischen Grenze gefahren – ohne Waffen im Gepäck.

16. März 2022: Auf Social Media kursieren seit dem 13. März 2022 Gerüchte darüber, dass der bekannte Boxer Wladimir Klitschko seine Goldmedaille von den Olympischen Spielen in Atlanta (1996) versteigert habe, und mit den eine Million Euro Gewinnen nun ukrainischen Kindern helfe. Dies stimmt nicht, wie Reuters bestätigt. Klitschko versteigerte die Medaille zwar tatsächlich und spendete das Geld – dies geschah jedoch schon im Jahr 2012.

Mehr als 700 Personen teilten den Ursprungspost auf Facebook, der diese missverständlichen Informationen über Klitschko verbreitete. Mittlerweile wurde er von der Plattform entfernt. An den Kommentaren unter dem Beitrag wurde laut Reuters ersichtlich, dass die meisten Nutzer:innen die gute Tat Klitschkos in die Zeit nach offiziellem Kriegsbeginn am 24. Februar 2022 einordneten. Dieser Kontext ist jedoch falsch und macht aus den „harmlosen“ guten Nachrichten schlicht Fake News.

Klitschko versteigerte seine olympische Goldmedaille aus Atlanta (1996) bei einer Auktion im Jahr 2012 und spendete die Erlöse direkt danach an die „Klitschko Brothers Foundation“, seine eigene Organisation, die ukrainischen Kinder mit Sport- und Bildungsangeboten versorgt. Zu dieser Zeit herrschte es in der Ukraine jedoch kein akuter Kriegszustand. Was der Wahrheit entspricht: Die Person, die die Medaille 2012 für eine Million Euro ersteigerte, gab die Auszeichnung sofort zurück, als sie hörte, wofür Klitschko das Geld einsetzen würde.

14. März 2022: Mehrere Twitter-User:innen sind sich sicher: Volodymyr Zelenskiy hat ein Fake Video auf seinem Facebook-Profil geteilt. Sie begründen dies mit einer blonden Frau im Hintergrund, die angeblich die verstorbene Ärztin Inna Derusova ist. Das ist jedoch falsch. Wie Reuters berichtet, handelt es sich bei der Frau um Brigade-Generalin Tetiana Ostashchenko.

Am Sonntag, 13. März 2022, veröffentlichte der ukrainische Präsident Volodymyr Zelenskiy auf seiner Facebookseite ein Video, das ihn und seine Begleiter:innen in einem Militärkrankenhaus zeigt. Im Video spricht er mit verletzten Soldat:innen sowie Ärzt:innen und verleiht drei Personen eine Medaille für ihre tapferen Einsätze im Ukraine-Krieg.

Ungefähr bei Sekunde 15 ist im 3-minütigen Video eine Frau mit blonden, kurzen Haaren zu sehen. Twitter-Nutzer:innen auf der ganzen Welt posteten seit Sonntag Screenshots von dieser Stelle und behaupten, es handle sich bei der Frau um die Militär-Ärztin Inna Derusova. Weil diese schon am 26. Februar 2022 gestorben sei, müsse Zelenskiys Video fake sein. Der ukrainische Präsident habe sicher schon längst das Land verlassen, schließen sie.

Das ist jedoch falsch. Bei der Frau mit blondem Kurzhaarschnitt handelt es sich nicht um Inna Derusova, sondern um Brigade-Generalin Tetiana Ostashchenko, die quicklebendig unter uns weilt. Dies deckte die Nachrichtenagentur Reuters am 14. März 2022 auf.

14. März 2022: Auf Facebook verbreiten sich Bilder, die angeblich zeigen sollen, dass die Serie „Die Simpsons“ den Ukraine-Krieg vorhergesagt hat. Die Bilder sind Montagen! Der Krieg kam in der Serie bisher gar nicht vor, wie Correctiv berichtet.

Das Bild ist ein Fake! Der Ukraine-Krieg kam in der Serie „Die Simpsons“ bisher nicht vor.
Das Bild ist ein Fake! Der Ukraine-Krieg kam in der Serie „Die Simpsons“ bisher nicht vor. © Screenshot/Facebook
Das Bild ist ein Fake. Es ist eine Montage aus mehreren Grafiken.
Das Bild ist ein Fake. Es ist eine Montage aus mehreren Grafiken. © Screenshot/Facebook

Die Bilder in den Facebook-Beiträgen sind Montagen. Der Ukraine-Krieg kam in der Serie bisher nicht vor. Die Bilder wurden aus mehreren Grafiken und Bildern zusammengefügt, wie Correctiv berichtet. Die Faktenchecker:innen konnten das unter anderem durch eine Bild-Rückwärtssuche herausfinden.

Auf Twitter verbreitete sich eine Ebay-Anzeige, in der Ukrainer:innen offenbar russische Panzer zum Verkauf anbieten. Diese Story ist ein Fake.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters aufklärt, teilten Zehntausende Nutzer auf Twitter eine Ebay-Anzeige, in der ein „gebrauchter russischer T-72-Panzer - voll funktionsfähig“ samt Bild angeboten wird - für 400.000 Dollar. „Ukrainer verkaufen russische Panzer auf Ebay“, schrieb schließlich ein Nutzer auf Twitter. Diese Anzeige ist jedoch ein Fake.

Laut der Nachrichtenagentur Reuters stammt das Foto bereits aus dem Jahr 2010. Die Plattform Ebay selbst erklärt, solche Angebote würden gegen die Richtlinien verstoßen. Derartige Verkäufe seien auf der Plattform untersagt. Nachdem noch weitere solcher Angebote auftauchten und Nachfragen gestellten wurden, erklärten zwei Verkäufer laut Reuters demnach, sie hätten so Spenden für die Ukraine sammeln, aber keinen Panzer verkaufen wollen. Andere Angebote stellten sich offenbar als Spielzeug-Panzer heraus.

Das Bild eines brennenden Jets verbreitet sich im Netz. Es stammt nicht aus dem Ukraine-Krieg, sondern ist schon beinahe 30 Jahre alt, wie Correctiv berichtet.

Das Bild dieses brennenden Jets stammt nicht aus dem Ukraine-Krieg.
Das Bild dieses brennenden Jets stammt nicht aus dem Ukraine-Krieg. © Screenshot Facebook

Die Behauptung, bei dem brennenden Jet handle es sich um einen von der Ukraine abgeschossenen russischen Jet, ist falsch. „Das Bild stammt nicht aus dem aktuellen Russland-Ukraine-Krieg, sondern von einer Flugshow aus dem Jahr 1993 in Gloucestershire“, erklärt Correctiv.

Bei TikTok und Facebook verbeitet sich ein Video, das angeblich in der Ukraine gedreht wurde und zeigt, wie man einen Militärpanzer fährt. Das Video stammt allerdings aus dem Jahr 2021, wie Reuters zeigt.

Der virale Clip zeigt eine Frau, die im Inneren einer Militärmaschine auf Russisch spricht und das Einschalten des Motors und die Verwendung von Kupplung und Gangschaltung erklärt. Das Video wurde jedoch nicht während der russischen Invasion in der Ukraine gedreht, sondern stammt aus dem Jahr 2021, wie Reuters berichtet.

Im Netz verbreiten sich weiter Bilder, die angeblich Olena Zelenska, die Frau des ukrainischen Präsidenten in Militäruniform zeigen. Auch diese Frau ist nicht die First Lady. Sie ist die ehemalige Miss Ukraine, wie Reuters berichtet.

Frau in Militäruniform
Das Foto zeigt in Wirklichkeit die ehemalige Miss Ukraine, Anastasiia Lenna. © Screenshot Facebook

Anastasiia Lenna war die Gewinnerin der Miss Grand Ukraine-Wahl 2015. Sie teilte das Porträt am 22. Februar 2022. Berichten zufolge hat sich Lenna den ukrainischen Streitkräften angeschlossen, um zu kämpfen, schreibt Reuters.

Das Video der Explosion einer angeblichen Vakuumbombe im Ukraine-Krieg kursiert seit mindestens 2019 im Netz, wie Reuters berichtet.

Eine Explosion, gefolgt von einer riesigen Trümmer- und Staubwolke: Nutzer:innen sozialer Medien haben das Video aus dem Zusammenhang gerissen und es so geteilt, als ob es eine Explosion im Ukraine-Krieg zeigen würde. Durch eine Rückwärtssuche einiger Bilder des Clips fand Reuters eine Version des Videos, die auf den 12. Dezember 2019 datiert ist.

Bei Facebook und Twitter verbreitet sich ein Bild von Vitali Klitschko mit Maschinengewehr. Das Bild stammt allerdings von Klitschkos Instagram-Account und ist vom März 2021, wie Reuters berichtet.

Ein Foto von Vitali Klitschko, Ex-Boxweltmeister und Bürgermeister von Kiew, in Militäkleidung wurde in sozialen Netzwerken geteilt und mit der Aussage in Verbindung gebracht, er werde zu den Waffen greifen und sein Land verteidigen. Das Bild geht jedoch auf den 13. März 2021 zurück, als Klitschko an einem Kampftrainingstag in der ukrainischen Region Tschernihiw teilnahm. Er postete dasselbe Bild auf seinem Instagram-Account, ebenso wie weitere Details über die Trainingseinheit, wie Reuters berichtet

Die russische Nachrichtenagentur Ria hat versehentlich einen Kommentar veröffentlicht, der den Sieg Russlands im Krieg mit der Ukraine bejubelt. Der Kommentar wurde irrtümlich gesendet und schnell wieder gelöscht.

Screenshot des russischen Kommentar, der den Sieg über die Ukraine bejubelt
Screenshot des russischen Kommentar, der den Sieg über die Ukraine bejubelt © Screenshot Ria Novosti

Sechs Tage nachdem Russland die Ukraine angegriffen hat, herrscht immer noch Krieg. Medienberichte zeigen, dass Russland offenbar von einem viel schnelleren Sieg ausging und berufen sich auf einen Screenshot eines Kommentars der russischen Nachrichtenagentur Ria. In dem Text feiert der Autor den russischen Präsidenten Wladimir Putin für seinen raschen Sieg. Der Kommentar sei bereits am Samstagmorgen (26.02.2022) versehentlich gesendet und anschließend schnell wieder gelöscht worden, berichtet das Nachrichtenmagazin Der Spiegel.

Die Behauptung, ein Foto eines getroffenen Wohnhauses sei von 2018, ist falsch. Das belegen Recherchen von Correctiv.

Telegram-Nutzer:innen behaupten, das Bild des zerstörten Gebäudes in der Ukraine sei ein Fake. Das stimmt nicht.
Telegram-Nutzer:innen behaupten, das Bild des zerstörten Gebäudes in der Ukraine sei ein Fake. Das stimmt nicht. © Screenshot Telegram

Die Nachrichtenagentur AFP und auch die Bild-Zeitung veröffentlichen ein Bild eines zerstörten Wohngebäudes in ihren Berichten zum Ukraine-Krieg. Auf Facebook und Telegram wird das Bild in einer Collage zusammen mit einem Bild aus einem russischen Bericht gezeigt. Die Behauptung: Das Foto zeige eine Gasexplosion aus dem Jahr 2018. Das ist falsch! Das Foto sei aktuell und im Zusammenhang mit einem mutmaßlichen russischen Raketenangriff in der Stadt Tschuhujiw entstanden, berichtet Correctiv.

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