1. BuzzFeed
  2. News

7 Werbeaktionen, die ungefähr so gut ankamen, wie die Kinder mit BDSM-Bären von Balenciaga

Erstellt:

Von: Jana Stäbener

Kommentare

Balenciaga bekommt Shitstorm wegen einer Werbekampagne. Nicht der erste Werbeskandal. Hier sieben weitere Werbe-Aktionen, die so richtig in die Hose gingen.

Trigger-Warnung: In diesem Text geht es um sexuelle Belästigung, Essstörung und Rassismus.

Zurzeit macht die Marke Balenciaga Schlagzeilen. Aber nicht nur, weil die neue Kollektion mit Adidas laut einer TikTokerin wirkt, als würden sich reiche Menschen mit Balenciaga als Arme verkleiden. Auch die Werbekampagne, bei der zwei kleine Kinder mit Bären posierten, die Ledergeschirre und Halsbänder im Bondage-Stil tragen, erregte viel Aufmerksamkeit. Manche der Bilder, die die französische Luxusmarke für diese Kampagne verwendete, zeigten sogar Gerichtsdokumente, in denen etwas zur „digitalen Kinderpornografie“ steht.

Immer wieder gehen Werbekampagnen und PR-Stunts in die Hose. So auch bei Palmers, H&M, Balenciaga, Nolita und Citroën (von links nach rechts).
Immer wieder gehen Werbekampagnen und PR-Stunts in die Hose. So auch bei Palmers, H&M, Balenciaga, Nolita und Citroën (von links nach rechts). © Screenshots/Giuseppe Giglia/dpa/Collage

Es ist nicht das erste Mal, dass Werbung über die Stränge schlägt. Gerade in den 50er-Jahren war Werbung oft besonders klischeebehaftet, rassistisch oder frauenfeindlich. Das zeigen diese 11 frauenfeindliche Werbeslogans, die sich heute niemand mehr erlauben würde. Wir haben acht Werbekampagnen gesammelt, die wirklich komplett daneben sind.

1. Balenciaga: Kinder mit BDSM-Bären verharmlosen sexualisierte Gewalt

Mit diesen Bildern, die bei Balenciaga eigentlich das neue Frühjahr-/Sommer-Kollektion bewerben sollten, wurden stark kritisiert. Sie verharmlosen Kinder-Pornografie, sagen Kritiker:innen.
Mit diesen Bildern, die bei Balenciaga eigentlich das neue Frühjahr-/Sommer-Kollektion bewerben sollten, wurden stark kritisiert. Sie verharmlosen Kinder-Pornografie, sagen Kritiker:innen. © Screenshots Balenciaga

„Wir entschuldigen uns aufrichtig für alle Beleidigungen, die unsere Weihnachtskampagne möglicherweise verursacht hat“, schreibt Balenciaga am Dienstag, 22. November 2022, in einer Erklärung auf Instagram. „Unsere Plüsch-Bärentaschen hätten in dieser Kampagne nicht mit Kindern gezeigt werden sollen.“ Man habe die Kampagne umgehend von allen Plattformen entfernt.

„Balenciaga ist in meinen Augen durch, es ist mir egal, welche Erklärung sie sich einfallen lassen. Kinder sind einfach tabu“, schrieb ein Twitter-Nutzer am Dienstag. Ein weiteres Problem der BDSM-Kampagne: Sie wurde von konservativen und rechten Personen in den USA dafür instrumentalisiert, gegen Personen der LGBTQIA+-Community zu hetzen. So sagte ein Moderator bei Fox News, er denke, die Anzeige sei Teil eines größeren Trends von „Erwachsenen, die die Grenze überschreiten…“

2. Affenpulli: Rassismusvorwürfe gegen H&M

Wegen dieses Pullovers musste sich H&M Rassismusvorwürfe anhören.
Wegen dieses Pullovers musste sich H&M Rassismusvorwürfe anhören. © Screenshot H&M BuzzFeed News US

Im Januar 2018 musste sich die Modemarke H&M schweren Rassismusvorwürfen stellen. Warum? Sie hatte in ihrem Online-Shop das Bild eines Schwarzen Jungen verwendet, um einen grünen Pullover mit der Aufschrift „Coolest monkey in the jungle“ (dt. Coolster Affe im Regenwald) zu bewerben. Mehrere Kund:innen twitterten damals, das Unternehmen habe „das Ziel verfehlt“ und nannten die Wahl des Models „rassistisch“ und „unverantwortlich“. Vor allem, dass neben dem Jungen auf einem Bild ein weißes Kind in einem Pullover mit der Aufschrift „Survival Expert“ zu sehen war, kritisierten sie.

Ein H&M-Sprecher sagte gegenüber BuzzFeed News US damals: „Dieses Bild wurde von allen H&M-Kanälen entfernt und wir entschuldigen uns aufrichtig für alle Beleidigungen, die dadurch verursacht wurden. Es war nie unsere Absicht, dass dieses Bild so wahrgenommen wird, und wir werden unsere internen Routinen überprüfen, um sicherzustellen, dass eine solche Fehleinschätzung nicht wieder vorkommt.“

3. Guess verwendet ungefragt Kunstwerk von Banksy

Banksy ruft auf Instagram zum Ladendiebstahl bei Guess auf.
Banksy ruft auf Instagram zum Ladendiebstahl bei Guess auf. © Screenshot Instagram Banksy

Weil Guess eines seiner bekanntesten Kunstwerke, den „Flower Thrower“ ungefragt in einem seiner Schaufenster verwendete, rief Banksy zum Klau bei Guess auf. Die Modemarke habe „sich mein Kunstwerk ja auch einfach genommen“, begründet er diesen Aufruf zum Ladendiebstahl Mitte November 2022 auf Instagram. Laut Forbes schloss die Guess-Filiale in der Regent Street (London) als Reaktion auf Banksys Instagram-Post vorübergehend, deckte die Schaufenster mit Banksy-Motiven ab und stellte sogar Sicherheitspersonal draußen auf.

Die Werbeaktion ging also so richtig in die Hose. Eigentlich nicht verwunderlich, denn Banksy übt oft Kritik an Kapitalismus und sozialer Ungerechtigkeit – beides Dinge, von denen Klamotten nicht gerade wenig betroffen sind.

4. Problematische Werbung bei Smoothie-Hersteller „True Fruits“

Immer wieder fällt die deutsche Marke „True Fruits“ durch rassistische oder sexistische Werbekampagnen auf. Denn das erregt schließlich Aufmerksamkeit, provoziert und bleibt im Gedächtnis. Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet, fiel die Marke 2017 das erste Mal mit bei einer österreichischen Kampagne mit einer schwarzen Flasche der Sorte „Smoothie White“ auf. Sie betitelte diese damals mit „Schafft es selten über die Grenze“.

Immer wieder postet die Firma Werbung, die Anstoß nimmt. Einmal druckt sie beispielsweise auch das Wahlprogramm der AfD auf ihre Smoothie-Flaschen. Einmal bewirbt sie den „Sun Creamie“ mit einem in Sonnencreme-Optik gemalten ejakulierenden Penis auf dem Rücken einer Frau, dazu der Slogan: „Sommer, wann feierst du endlich dein Cumback?“. („Cum“ bedeutet auf Englisch „Sperma“). Der Vorwurf damals: Die Marke mache sich über Opfer sexueller Gewalt lustig und propagiere übergriffiges Verhalten.

5. Magersucht-Plakat von Nolita wird sogar verboten

Nicht nur unangemessen, sondern ab sofort auch verboten, entschied die italienische Werbeaufsichtsbehörde IAP bei dieser Werbung. Sie zeigte damals (2007) das Model Isabell Caro, das an Magersucht litt. Der italienischen Modefotografen Oliviero Toscani hatte sie laut Taz für die Fashion-Marke Nolita fotografiert. Mit der Werbekampagne „No. Anorexia“ wollte die Marke gemeinsam mit dem Fotografen eigentlich auf die Problematik des Schlankheitswahns, der „in den meisten Fällen durch von der Modeindustrie geschaffene Stereotype entsteht“, aufmerksam machen. Das ging aber nach hinten los. 

Oliviero Toscani drohte damals gerichtlich gegen die Entscheidung der IAP vorzugehen. Hier sind 11 weitere Klagen gegen Unternehmen, auf die du niemals kommen würdest.

6. Wäschemarke Palmers bekommt Sexismus und Menschenhandel-Vorwürfe

Der Wäschehersteller „Palmers“ aus Österreich teilte im Jahr 2017 ein Bild von sechs jungen Frauen, die auf einem Teppich in einem heruntergekommenen Wohnzimmer liegen. Sie sind halbnackt, tragen nur ein Höschen – natürlich von Palmers. Der Hersteller schreibt dazu mit einem Hasen-Emoji: „Unsere Osterhöschen“.

Mal ganz davon abgesehen, dass ihre Haut zu glatt ist, um nicht retuschiert zu sein (vielleicht werden retuschierte Bilder und Spots ja in Zukunft kennzeichnungspflichtig) gibt es laut Horizont vor allem Kritik an der Aufmachung des Bildes. Corinna Milborn, Moderatorin und Nachrichten-Chefin des österreichischen Privatsenders „Puls 4“ schrieb damals auf Facebook, das Motiv erinnere sie an die „Ästhetik eines Mädchenhändler-Tatorts“.

Palmers verteidigte das Bild. „Wir wollen darstellen, wie die Natur oft den urbanen Dschungel erobert und damit unerwartet ein Spannungsfeld und völlig neue Landschaften schaffen kann“, sagte Firmenchef Marc Wieser damals. Die Kampagne veranschauliche, wie die Natur ins städtische Leben eingreife.

Retuschierte Bilder und Spots kennzeichnen? Experte glaubt nicht, dass Werbung so realistischer wird

7. Citroën bekommt Shitstorm wegen Werbung mit sexueller Belästigung

Wie T-Online berichtete, teilte die französische Automarke Citroën 2021 eine Kampagne, die sexuelle Belästigung von Frauen verharmloste. Sie war für den ägyptischen Markt gedacht. Zu sehen waren in der Videowerbung der dort bekannte Sänger Amr Diab, der in einem Citroën sitzt und eine Frau, die anscheinend sein Interesse geweckt hat. Er macht ein Bild von ihr – ohne ihre Einwilligung und kommt schließlich mit ihr zusammen.

Im Netz gibt es Kritik, denn in Ägypten sind viele Frauen von sexueller Belästigung betroffen. Ein Bild zu machen, ohne das Einverständnis einer Person zu haben, ist nicht in Ordnung, schrieb die Frauenrechtsaktivistin Reel Abdellatif bei Twitter. „Sie ermutigen zu sexueller Belästigung“, fügte sie laut T-Online an Citroën gerichtet hinzu. Die Moderatorin Elma Smit (siehe oben) twittert: „Niemand: _ Absolut niemand:_Citroën: Welchen Verbraucher sollen wir als Nächstes ansprechen? Gruselige Typen.“

Mehr zum Thema Werbung: „Werbeverbot für Süßigkeiten würde Kinder nicht davon abhalten, sie zu essen.

8. Rossmann: Schwarze Frauen haben immer einen „Bad Hair Day“?

„Mit Afrohaaren ist jeder Tag ein Bad Hair Day“, diese Aussage liest zumindest die Autorin Ciani-Sophia Höder des Magazins RosaMag aus dem Rossmann-Post auf Instagram, der am Karfreitag 2020 geteilt wurde. In der Beschreibung ging es um die Herausforderungen eines „Bad Hair Days“ – auf dem Bild dazu war eine Schwarze Frau mit typisch krausem afroamerikanischen Haar abgebildet.

Das Wort „Wucherhaare“ im Post sei nur die Spitze des Eisbergs gewesen, schreibt Höder. Auch wenn die Drogeriekette Rossmann sich nach dem Post entschuldigt habe, müssten nun viele Schwarze Frauen mit genau solchen Haaren (siehe oben) aktiv versuchen, sich nicht angegriffen zu fühlen. Gute, nicht diskriminierende Werbung geht also anders.

Auch interessant

Kommentare