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Will Smith hat 10 Jahre Oscar-Verbot: Andere „Problem-Schauspieler:innen“ kamen glimpflicher davon

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Will Smith (r) verpasst Moderator Chris Rock (l) auf der Bühne bei der 94. Verleihung der Academy Awards in Hollywood eine Ohrfeige, nachdem der Komiker einen Witz über Smiths Ehefrau gemacht hatte.
Mit diesem Akt der Wut hätte niemand gerechnet. © picture alliance/dpa/Invision/AP | Chris Pizzello

Nachdem er Chris Rock auf der Bühne geohrfeigt hatte, hat Schauspieler Will Smith für zehn Jahre Oscar-Verbot. Aber wie erging es anderen Schauspieler:innen, die für Aufsehen sorgten?

Die Academy gab vergangene Woche Freitag bekannt, dass Will Smith für zehn Jahre von der Teilnahme an den Oscars und anderen Veranstaltungen ausgeschlossen wird, weil er Chris Rock auf der Bühne geohrfeigt hatte. Während der Präsident der Akademie, David Rubin, und die Geschäftsführerin, Dawn Hudson, Smiths Handlungen als „inakzeptabel und schädlich“ bezeichneten, hat die Entscheidung eine Online-Debatte ausgelöst, wobei einige die Maßnahmen der Akademie als angemessen unterstützen und andere sie als übertrieben und heuchlerisch kritisieren.

Viele finden, dass bei Smith mit zweierlei Maß gemessen wird und wiesen darauf hin, dass die Oscars in der Vergangenheit auch immer wieder Prominente ausgezeichnet haben, denen sexuelle Übergriffe, Rassismus und Frauenfeindlichkeit vorgeworfen wurden.

Mehrere virale Beiträge wiesen auf umstrittene Persönlichkeiten hin, die offenbar keine Konsequenzen seitens der Akademie zu befürchten haben, darunter Oscar-Preisträger Kevin Spacey, der mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs konfrontiert wurde und Woody Allen, dessen Tochter ihn der sexuellen Nötigung beschuldigt hat. (Die strafrechtlichen Anklagen gegen Spacey wurden 2019 fallen gelassen, wie CNN berichtete, und Allen, der nie angeklagt wurde, hat alle Anschuldigungen bestritten.)

Andere merkten an, dass die Akademie Mel Gibson, der zwei Oscars gewonnen hatte, nicht gemieden hat, obwohl ihm Antisemitismus und häusliche Gewalt vorgeworfen wurden. Einige kritisierten auch, dass Casey Affleck, der von mehreren Frauen der sexuellen Belästigung beschuldigt wurde, 2017 einen Oscar als bester Schauspieler gewonnen hat.

Es wurde hervorgehoben, wie schnell die Akademie Smith wegen einer Ohrfeige ausschloss und kritisiert, wie lange die Organisation brauchte, um in Ungnade gefallene Prominente wie Bill Cosby, Harvey Weinstein und Roman Polanski auszuschließen, die seit langem mit Vorwürfen sexueller Übergriffe konfrontiert waren. Nach dem Ausschluss von Weinstein im Jahr 2017 und von Cosby sowie Polanski im Jahr 2018 bot die Akademie Polanskis Frau, Emmanuelle Seigner, eine Einladung an, der Organisation beizutreten (was sie jedoch ablehnte).

Tiktokerin wirft Hollywood vor, weißen Promis konsequenzlos Karrieren zu ermöglichen

Die TikTok-Nutzerin Sharika Soal postete einen viralen Beitrag, in dem sie Hollywood vorwirft, weißen Prominenten zu erlauben, ohne Konsequenzen Karriere zu machen.

„Ich weiß nicht, ob es Rassismus oder Klassismus ist, aber es ist so eklatant und schwer zu verarbeiten“, sagte Soal gegenüber BuzzFeed News USA. Als Überlebende eines sexuellen Übergriffs durch ihren Adoptivvater sagte sie, dass die Untätigkeit der Akademie gegen Regisseure wie Woody Allen - der seine Adoptivtochter geheiratet hat - sie anwidert. „Wie kann man einen Mann dafür bestrafen, dass er jemanden auf der Bühne bei einer zwischenmenschlichen Konfrontation ohrfeigt, wenn es ganze Fernsehproduktionen gibt, die Gewalt verherrlichen und dann gibt es Männer wie Woody Allen, die buchstäblich pädophil sind“, sagte sie. „Ich verstehe das nicht.“

Courtney Baker, Professorin für afroamerikanische Studien und Film an der Universität von Kalifornien in Riverside, ist der Meinung, dass die Dissonanz zwischen den Disziplinarmaßnahmen der Akademie gegenüber Smith und anderen auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass die Ohrfeige im Fernsehen übertragen wurde.

Professorin: „Das größte Problem für die Akademie ist, dass die Ohrfeige vor der Kamera stattfand“

„Das größte Problem für die Akademie ist, dass [die Ohrfeige] vor der Kamera stattfand“, so Baker gegenüber BuzzFeed News. „Es gab Übergriffe, Handlungen, die viel gefährlicher und gewalttätiger waren, aber den Vorteil hatten, dass sie nicht in der Öffentlichkeit und vor der Kamera bei einer Veranstaltung der Academy stattfanden. Das ist mehr als alles andere die treibende Kraft hinter dem 10-jährigen Verbot“.

Online-Nutzer:innen berichteten jedoch auch über andere Fälle von unangemessenem Verhalten auf der Bühne bei im Fernsehen übertragenen Preisverleihungen. Adrien Brody wurde von der Akademie nicht zur Rechenschaft gezogen, als er Halle Berry bei der Entgegennahme seines Oscars für den besten Schauspieler 2003 ohne ihre Zustimmung begrapschte und küsste. Berry beschrieb später, dass ihr einziger Gedanke in diesem Moment war: „Was zum Teufel ist hier los?

Außerdem tauchte ein Video auf, in dem Jim Carrey - der Smith öffentlich für die Ohrfeige kritisierte und Hollywood als „rückgratlos“ bezeichnete, weil es ihm stehende Ovationen gab - Alicia Silverstone bei den MTV Awards 1997 ohne ihre Zustimmung küsst. Damals war Silverstone 21 und Carrey 35 Jahre alt.

„Dies ist eine performative Reaktion auf eine performative Handlung“, sagte Baker. „Es ist viel einfacher, aufzustehen und die Leute hinter sich zu versammeln, als wirklich zu analysieren, was in unserer Branche falsch läuft, dass es so einfach ist, wiederholt und zügellos Übergriffe zu begehen.“ Smith trat aus der Akademie aus und entschuldigte sich bei Rock und nannte sein Verhalten „inakzeptabel und unentschuldbar“. Trotz des Anwesenheitsverbots kann Smith weiterhin für Oscars nominiert werden und diese gewinnen. Baker sagte, es wäre ein Fehler, aus dieser Ohrfeige irgendeine Art von Moral der Akademie oder gar der Gesellschaft abzuleiten". „Ich würde gerne eine durchdachtere Debatte sehen, in dem entscheidende Fragen über Komik gegenüber unterdrückten Gruppen und unseren Geschmack im öffentlichen Verhalten gestellt werden, die dazu führen, dass wir freundlicher zueinander sind“, sagte sie.

Autorin ist Steffi Cao. Der Artikel erschien am 10. April 2022 auf buzzfeednews.com. Aus dem Englischen übersetzt von Mine Hacibekiroglu.

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