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„Earth Overshoot Day“: Deutschland hat seine natürlichen Ressourcen für 2022 bereits verbraucht

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Eine Aktivist von Extinction Rebellion trägt zum „Global Earth Overshoot Day“ 2020 in Berlin eine Gasmaske.
Ein Aktivist von Extinction Rebellion trägt zum „Global Earth Overshoot Day“ 2020 in Berlin eine Gasmaske, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen. © Fabian Sommer/dpa

Der „Earth Overshoot Day“ ist das Datum, an dem ein Land mehr Ressourcen verbraucht, als die Erde nachproduzieren kann. In Deutschland ist das in diesem Jahr schon am 4. Mai der Fall.

Heute ist „Earth Overshoot Day“ in Deutschland: Das bedeutet, dass die Einwohner:innen der Bundesrepublik vom 1. Januar bis heute im Durchschnitt so viele natürliche Ressourcen verbraucht haben, wie der Planet im ganzen Jahr erneuern kann. Wenn alle Menschen auf der Welt so leben würden wie die Deutschen, würde man 2,9 Erden brauchen, um die gesamte Bevölkerung zu versorgen, schätzt das Global Footprint Network. Im vergangenen Jahr fand der „Earth Overshoot Day“ noch am 29. Juli statt. 

Um diese Daten zu erhalten, teilt die Organisation die Biokapazität des Planeten (die Menge an ökologischen Ressourcen, die die Erde in einem Jahr erzeugen kann) durch den Ökologischen Fußabdruck der Menschheit und multipliziert ihn mit 365, der Anzahl der Tage im Jahr. 

Die Organisation verweist eine Reihe von Faktoren, die diesen Trend erklären, beispielsweise den schlechten Zustand der biologischen Ressourcen, einschließlich fruchtbarer Böden, Wasser und Luft, die Gestaltung der Städte und Stadtentwicklungsstrategien, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und die Art und Weise, wie wir uns ernähren.

„Earth Overshoot Day“: NGOs fordern Regierung auf, ihre Wahlversprechen zu erfüllen

Der WWF Deutschland hat bereits die Bundesregierung aufgefordert, die Energiewende zügiger umzusetzen. „Wir sehen im Koalitionsvertrag viele Weichenstellungen, die in die richtige Richtung gehen, aber noch sieht die Realität anders aus, wie sich allein schon an den Auswirkungen des Klimawandels, an der Artenvielfalt und dem Zustand der deutschen Gewässer zeigt“, sagt Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland, unter anderem laut dem ZDF. „Die Klimakrise verschärft sich weiter und bedroht auch in Deutschland Menschen und Ökosysteme. Wir müssen uns auf weitere Dürre- und Hitzeperioden wie 2018 und 2019 einrichten“, warnt die Organisation. Sie erinnert auch daran, dass Deutschland bei den energiebedingten CO₂-Emissionen pro Kopf an elfter Stelle in der Welt liegt und daran, dass es im vergangenen Jahr mehr als 700.000 Tonnen Kunststoffabfälle ins Ausland exportiert hat.

Auch andere Organisationen haben sich über diesen Trend besorgt gezeigt. Das Entwicklungsnetzwerk INKOTA-network fordert im Rahmen der Deutschen Rohstoffstrategie einen sofortigen Kurswechsel bei den Rohstoffen und die absolute Reduzierung des Verbrauchs an metallischen Rohstoffen auf ein „global akzeptables Niveau“. „Das ist eine verkehrte Welt! Wir können es uns nicht leisten, auf Kosten zukünftiger Generationen und der Menschen im Globalen Süden immer mehr Rohstoffe zu verbrauchen. Schon jetzt leiden Menschen in Rohstoffabbaugebieten unter Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung, obwohl sie am wenigsten zum Rohstoffverbrauch beitragen“, sagt Lara Louisa Siever vom INKOTA-Netzwerk.

Das Land, das seine Ressourcen in diesem Jahr am schnellsten verbraucht hat, ist wieder einmal Katar (10. Februar), das neun Erden pro Jahr benötigen würde, um seinen Bedarf an Ressourcen zu decken. Es folgen Luxemburg (14. Februar), die Vereinigten Arabischen Emirate, Kanada und die Vereinigten Staaten, die ihre Mittel bereits am 13. März ausgeschöpft haben. Deutschland würde in dieser Hinsicht an 40. Stelle stehen. Allerdings haben nicht alle Länder einen „Overshoot Day“, die meisten von ihnen sind afrikanische Staaten. 

Ukraine-Krieg zeigt auch, wie abhängig Europa von fossilen Brennstoffen ist

Das Global Footprint Network warnt, dass der Krieg in der Ukraine deutlich gemacht hat, wie das Ungleichgewicht der Ressourcen zu einem wachsenden politischen und wirtschaftlichen Risiko für Länder, Städte und Unternehmen wird. Auf Russland und die Ukraine entfallen ein Viertel der weltweiten Weizenexporte und die Hälfte der weltweiten Ausfuhren von Sonnenblumenprodukten. Angesichts der riesigen Düngemittelproduktion Russlands werden zudem praktisch alle wichtigen Kulturpflanzen der Welt betroffen sein.

„Der Konflikt in der Ukraine zeigt deutlich, wie abhängig die Länder von fossilen Brennstoffen sind“, sagte Mathis Wackernagel, Mitbegründer des ökologischen Fußabdrucks, am 10. April in einem Interview mit swissinfo.ch. Hätte die EU mehr in erneuerbare Energien investiert, wäre es nach Ansicht des Aktivisten einfacher gewesen, die Beziehungen zu Russland zu kappen, das viele EU-Länder mit Gas beliefert. „Deutschland hat in die Energiewende investiert, aber so langsam, dass sie kaum spürbar ist. Deshalb war die EU überrascht, als sie im Februar 2022 feststellte, dass fast die Hälfte ihres Erdgases aus Russland kommt“, folgerte er. (Autor: Fernando Mateos)

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