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„Du bist nicht komplett verpeilt?“: Edeka lästert in einer Jobanzeige über Gen Z

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Von: Felicitas Breschendorf

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Ein junger Mann, der seinen Kopf abstützt.
Nicht einfach am Regal herumlungern? Eine Anzeige von Edeka weist ironisch darauf hin, welche Regeln in der Filiale gelten (Symbolbild). © Imago / YAY Images

Eine Anzeige von Edeka macht sich über die Gen Z lustig. Diskriminieren wollte der Filialleiter damit nicht.

„Du kannst eine Kiste Bier von einer Kiste Wasser unterscheiden?“ Mit diesen Worten sucht ein Edeka eine neue Mitarbeiter:in. Die Gen Z kommt in der Anzeige gar nicht gut weg. Die Filiale aus Detmold in Nordrhein-Westfalen sucht jemanden, der „nicht komplett verpeilt“ ist. Außerdem soll die zukünftige Arbeitnehmer:in nicht alle „drei Minuten eine WhatsApp schreiben oder Insta checken“.

Der Europapark-Chef Roland Mark hat sich jüngst beschwert, dass die Gen Z nur drei Mal in der Woche arbeiten möchte. Die Edeka-Anzeige klingt nach einer ähnlich schlechter Meinung über die junge Generation. „Du kannst dir vorstellen, fünfmal die Woche zu arbeiten, ohne gleich an Burnout zu erkranken?“, steht darin etwa. Filialleiter Herr Gebhardt habe mit seiner Anzeige jedoch niemanden kritisieren oder diskriminieren wollen, schreibt Edeka-Sprecherin Kerstin Holla auf Nachfrage von BuzzFeed News Deutschland. „Herr Gebhardt wollte mit einem Augenzwinkern Aufmerksamkeit erregen“, heißt es stattdessen.

Anzahl der Bewerbungen auf die Edeka-Anzeige „höher als bei Standardtexten“

Das Ziel sei laut Holla eine „ungewöhnliche Stellenanzeige“ gewesen. Für das Team wurden damit neue Mitarbeitenden gesucht. Von Fachkräftemangel sind nicht nur Supermärkte betroffen. Im Sommer hat der Arbeitsagentur-Chef Detlef Scheele deshalb mehr Zuwanderung gefordert. Wie die Edeka-Sprecherin schreibt, ist die Anzeige erfolgreich gewesen. „Die Anzahl der Bewerbungen ist deutlich höher als bei Standardtexten.“

Zeichnet Edeka ein realistisches Bild der Gen Z?

Die Edeka-Anzeige zählt noch weitere absurde Dinge auf, die zukünftigen Mitarbeitenden können müssen. „Du bist in der Lage, dir morgens eine Stulle zu schmieren?“, steht auf der Liste. Oder: „Du kannst die Uhr lesen und freundlich ,Guten Tag‘ und ,Auf Wiedersehen‘ sagen.“ Außerdem sucht Edeka Gebhardt Mitarbeitende, die „nicht beim kleinsten Kratzen im Hals eine Woche krank feiern“.

Wenige Tage arbeiten wollen, faulsein, nur am Handy hängen – all das sind Klischees über junge Arbeitnehmer:innen. Zu den Vorurteilen über die Gen Z haben wir bereits den Faktencheck gemacht. In Wahrheit wünsche sich die jüngere Generation „Achtstundentage mit geregelten Arbeitszeiten und einer strikten Work-Life-Balance.“ So hat es der Leiter des privaten Instituts für Generationenforschung Anfang des Jahres formuliert. Dass sie so viel Zeit am Smartphone verbringe, liege an der ausgeprägten Technikaffinität. Immerhin ist Gen Z mit dem Smartphone aufgewachsen.

Für den Fall, dass die Gen Z Prinzipien wie Work-Life-Balance am Arbeitsplatz durchsetzen möchte, gibt es Generationenberater:innen. BuzzFeed News Deutschland hat mit zwei Generationenberater:innen gesprochen, die zwischen Gen Z und Babyboomern vermitteln.

„Du verachtest modernes Arbeitsrecht?“: Ein Twitter-User wehrt sich gegen die Edeka-Anzeige

Die Anzeige von Edeka taucht auch vermehrt auf Twitter auf. Der Twitter-User Theo Tiger formuliert die Anzeige ironisch um:

Der User kritisiert, dass die Filiale jemanden sucht, der sich ausbeuten lassen möchte. In Bezug auf die Pandemie kommentiert er außerdem das geforderte Zuhause bleiben bei kratzendem Hals: „Du steckst gerne Kollegen und Kunden an?“. Außerdem bezieht er sich auf das Recht von Arbeitnehmer:innen, bei Krankheit zu Hause zu bleiben: „Du verachtest modernes Arbeitsrecht?“

In der Edeka-Anzeige steht die Voraussetzung, die Grundrechenarten zu kennen, sowie sich in deutscher Sprache zu verständigen. Darauf hat der Twitter-User folgende Antwort: „Du magst Arbeitgeber:innen mit Rechtschreibschwäche?“

Der Edeka-Humor: #weilwirlebensmittellieben

Freudig hat wiederum eine ehemalige Auszubildende der Supermarktkette reagiert. „Ich feier Edeka ja schon immer für ihre Werbung“, schreibt sie. „Aber diese Anzeige ist einfach noch mal ein anderes Level“. Die Twitter-Userin @skorpionin1982 bezieht sich dabei auf die bekannten Werbespots mit dem Satz „Wir lieben Lebensmittel“. Bei ihrer Ausbildung habe sie „richtig viel Spaß“ gehabt.

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