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Eine Faktencheckerin erklärt dir, wie du Fake News zum Krieg in der Ukraine erkennst

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Von: Johannes Pressler

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Fotomontage von links Faktencheckerin Eva Wackenreuther und rechts einer Explosion in der Ukraine.
Eva Wackenreuther ist Faktencheckerin und leitet das deutschsprachige Ressort der Nachrichtenagentur AFP. © Eva Wackenreuther/Ukrainian President‘s Office/Zuma/APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

Nicht erst seit dem Krieg in Ukraine kursieren Falschinformationen im Internet. Eva Wackenreuther ist Faktencheckerin und leitet das deutschsprachige Ressort der Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP).

Liebe Eva, zum Krieg in der Ukraine kursieren gerade Unmengen an Fake News im Internet. Auf welche Falschmeldungen bist du schon alles gestoßen? 

Wir sind auf zahlreiche Fakes gestoßen, die vor allem Kriegshandlungen zeigen. Einschläge, mit Panzern einmarschierende Truppen oder auch mit Fallschirmen. Im ersten Moment muss man dabei kurz innehalten, ob das wirklich echt ist oder nicht. Anfangs ist das nämlich total schwierig zu erkennen.

Um sich das Ganze besser vorstellen zu können, hättest du ein aktuelles Beispiel?

Es gibt zum Beispiel ein Video von Fallschirmspringern. Man weiß aber nicht genau, wo sie landen. In den sozialen Netzwerken wurde es als Invasion verbreitet. Nach einer kurzen Google-Suche findet man aber heraus, dass das Video schon vor den aktuellen Eskalationen kursiert ist. Außerdem gab es diverse Explosionen, die den Eindruck erwecken, dass es ein aktueller Angriff sei. Allerdings sind die Bilder aus einem ganz anderen Kontext, wie zum Beispiel einem Chemiebrand in China.

Als professionelle Faktencheckerin setzt du dich so gut wie jeden Tag mit Fake News auseinander. Was sind die größten Herausforderungen deines Jobs?

Das Schwierigste sind sicherlich solche Situationen wie jetzt gerade, wo es einfach extrem viel Material gibt. Man muss nämlich schnell und trotzdem richtig sein. Hier hat man einen gewissen Nachteil gegenüber den Leuten, die es nur verbreiten. Überprüfen dauert einfach länger als Veröffentlichen. Zudem ist es total schwierig, das Ganze dann korrekt einzuordnen. Hat sich dabei jemand nur getäuscht und ist selbst darauf reingefallen? Oder ist es Desinformationen mit einem gezielten Framing, auf das man im ersten Moment selbst reinfällt? Darüber den Überblick zu behalten, ist ebenfalls eine der großen Herausforderungen.

Für Menschen, die das nicht hauptberuflich machen, wird es immer schwieriger, wahre Informationen von Fake News zu unterscheiden. Welche Tipps würdest du unseren Leser:innen geben?

Im ersten Moment immer kurz warten und nachschauen, ob diese Informationen nicht nur per Whatsapp zugeschickt oder auf Facebook & Co. angesehen wurden, sondern auch seriöse Medien darüber berichtet haben. Das muss natürlich nichts heißen, aber im ersten Moment lieber kurz nachdenken. Als zweiten Schritt sollte man eine Rückwärtssuche nach dem Material anstellen. Aktuell bei der Ukraine könnte man zum Beispiel nachschauen, ob das Bild oder Video bereits vor Jahren wo hochgeladen wurde. Das kann ein starker Hinweis, nicht Beweis, dafür sein, dass damit irgendetwas nicht stimmt. Grundsätzlich gilt also: Skeptisch sein und vergleichen, wer das sonst noch und in welchem Zusammenhang verwendet hat. Wenn man merkt, dass man selbst etwas gepostet hat, das nicht stimmt, sollte man das dann auch korrigieren bzw. löschen. 

Nach Russlands Angriffen auf die Ukraine herrscht derzeit kollektive Fassungslosigkeit. Wir haben junge Österreicher:innen gefragt, was die derzeitige Situation in ihnen auslöst und was sie den Menschen in der Ukraine gerne ausrichten würden.

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