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„Pascha“-Beleidigung ist „demokratiefeindlich“ – SPD-Politiker kritisiert Grünen-Landrat Scherf

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Von: Jana Stäbener, Moritz Bletzinger

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Ein Grüner Landrat findet Friedrich Merzs Aussage zu „kleinen Paschas“ noch „verniedlichend“. Macit Karaahmetoglu (SPD) nennt es „beleidigend“.

In der vergangenen Ausgabe von „Markus Lanz“ (14. Februar) debattierten der Landrat Jens Marco Scherf (Grüner Landrat Miltenberg/Bayern), Serap Güler (CDU), Martin Machowecz (Journalist) und Juli Zeh (Autorin) über Integrationspolitik: Nicht nur Juli Zeh polarisierte bei Lanz mit ihren Aussagen – auch der Landrat aus Miltenberg sorgte nach der Sendung für Schlagzeilen.

Jens Marco Scherf äußert sich in bei Lanz zu Friedrich Merz, Aussagen zu „kleinen Paschas“, für die der CDU-Chef viel Kritik bekam. Er werde das Wort nicht in den Mund nehmen, weil er erkannt habe, wie viel „Verhetzungpotential“ es habe. Aber: Wenn er sich seinen Landkreis und die Migration dort anschaue, dann seien die Verhaltensweisen auf Schulhöfen und in Kindergärten mit „dem P-Wort eigentlich noch verniedlichend umschrieben“.

Jens Marco Scherf (Grüne) spricht bei Markus Lanz über Integration

Oft würden Lehrer:innen nicht ernst genommen, Frauen kämen nicht alleine zum Elternabend und Mädchen hätten Angst, sich in der Schule frei zu äußern, weil die Jungen das in den Familien weiter erzählten und sie „unter der Kontrolle der männlichen Familienmitglieder stehen“. Als Beispiel nennt der Grünen-Politiker, dass sich Musliminnen nicht trauen würden, mit jüdischen Menschen zu reden.

Markus Lanz fragt Jens Marco Scherf im ZDF, wie er mit solchen Aussagen bei den Grünen ankommt. Er beruft sich auf die „Beschreibung der Wirklichkeit“. Natürlich sorge das für Aufmerksamkeit in der Partei, aber es werde eben zugehört. Man müsse Fehlentwicklungen bei der Integration offen ansprechen, sagt der Landrat aus Bayern.

Macit Karaahmetoglu (SPD) äußert sich zu den Aussagen von Grünen-Landrat Jens Marco Scherf bei Markus Lanz am Mittwoch, 14. Januar.
Macit Karaahmetoglu (SPD) (links) äußert sich zu den Aussagen von Grünen-Landrat Jens Marco Scherf (rechts) bei Markus Lanz. © BTG/StellaVonSaldern/David Ebener/dpa

Bei Markus Lanz nennt Spahn als Beispiel für „kulturell vermittelte toxische Männlichkeit“ den Iran – Menschen auf Twitter finden das einfach nur „WOW“.

Macit Karaahmetoglu: Auf diese Art Politik zu machen ist „demokratiefeindlich“

Wir fragen einige Grünen-Politiker:innen an. Keine:r, den wir anfragen, will sich zu diesem Thema äußern. Der Vizechef der deutsch-türkischen Parlamentariergruppe bei der SPD, Macit Karaahmetoglu, hingegen äußert sich gegenüber BuzzFeed News DE zu Scherfs Aussagen.

„Mit Vorurteilen behaftete Pauschalierungen sind für die betroffenen Gruppen stets beleidigend“, sagt Karaahmetoglu. Damit Politik zu machen und mit Pauschalisierungen punkten zu wollen, hält er für „demokratiefeindlich“, wie es immer wieder bei der AfD beobachtet werden könne.

Auch Marie-Agnes Strack-Zimmermann „zerlegt“ Friedrich Merz für seine Pascha-Aussagen an Karneval – „alter falter“.

Keine Frage des Parteibuchs, sondern „eine Frage des Anstands“

Schüler als „kleine Paschas“ zu bezeichnen „unterstellt den arabischen Männern, frauenfeindlich zu sein und keine Manieren zu haben“, so Karaahmetoglu zu BuzzFeed News DE. „Wenn zum Beispiel jemand im Ausland, im Zusammenhang mit Mitgliedern einer deutschen Minderheit von ‚kleinen KZ-Wärtern‘ spricht, kritisiert er nicht einzelne Personen, sondern greift eine ganze Minderheit an“, sagt der SPD-Politiker.

„Wer das vor einem Millionenpublikum macht, dem ist es schlichtweg egal, dass er massenhaft Menschen beleidigt und die Gesellschaft polarisiert.“ Für ihn sei das keine Frage des Parteibuchs, sondern „eine Frage des Anstands“. „Es macht keinen Unterschied, ob ein CDU-Vorsitzender oder ein Grüner Landrat sich solcher Rhetorik bedient.“

Mehr zum Thema Integration: Wahlrecht für Ausländer:innen: „Zu viele Menschen in Berlin noch immer ausgeschlossen“.

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