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97 Prozent der Legehennen weisen Knochenbrüche auf, zeigt Analyse aus der Schweiz

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Von: Robert Wagner

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Legehennen.
Eine Studie der Universität Bern liefert Ergebnisse zum Zustand von Legehennen. © Julian Stratenschulte/dpa

Millionen Nutztiere leiden unter Krankheiten und Schmerzen. Besonders schlimm ist die Situation laut Foodwatch bei Legehennen.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat für ihren Report „Tierleid im Einkaufskorb“ zahlreiche tiermedizinische Studien ausgewertet und schlechte Nachrichten für Konsument:innen, die bewusst auf Biofleisch setzen: Die Haltungsform von Nutztieren sagt nichts über Gesundheit und Wohlergehen der Tiere aus.

„Millionen Nutztiere leiden massiv unter Krankheiten, Verletzungen und Schmerzen.“ Und: „Kranke und verletzte Tiere gibt es auf kleinen Bio-Höfen genauso wie in großen Tierfabriken“, teilte Foodwatch in einer Pressemitteilung mit. Weitere zig Millionen Tiere würden sterben, ohne dass ihr Fleisch verzehrt werde. „Sie verenden während der Haltungszeit oder werden aus wirtschaftlichen Gründen getötet und beseitigt“, heißt es im Report. Jährlich sterben laut Welt bis zu 200.000 Kälbchen, die von Milchkühen geboren werden. Sie werden entsorgt, da selbst ihre Schlachtung zu teuer und damit unwirtschaftlich ist.

Mehr als ein Drittel der Mastschweine in konventioneller und ökologischer Haltung ist krank

Aus den 14 wissenschaftlichen Untersuchungen gehe unter anderem hervor, dass im ersten Quartal 2022 knapp 40 Prozent Schlachtschweine in konventioneller Haltung krankhafte Befunde vor allem an Lunge und Leber aufweisen. Das ergab die Auswertung der tiermedizinischen Daten, die Deutschlands zweitgrößter Fleischkonzern Vion quartalsweise veröffentlicht. Bei den Schweinen aus ökologischer Freilandhaltung liege der Anteil erkrankter Tiere immer noch bei über 35 Prozent, wie aus einer dänischen Studie hervorgehe. Foodwatch nennt diese Quoten „gravierend“.

Ein krankes Schwein in einem Mastbetrieb.
Neben Lungen- und Leberkrankheiten sind auch zerbissene Ohren und entzündete Augen sehr häufig in der deutschen Schweinehaltung. © Foodwatch

Fast alle Legehennen haben gebrochene Knochen, egal ob Käfig- oder Freilandhaltung

Noch schlimmer sieht es laut einer Studie der Universität Bern bei den Legehennen aus. 97 Prozent der Tiere hätten ein gebrochenes Brustbein. Die hohe Eierproduktion entziehe den Hühnern das Kalzium für den Skelettbau, sodass die Knochen brüchig würden, erklärt Foodwatch in seinem Report. „Eine wilde Henne legt etwa 20 Eier pro Jahr, während eine moderne Legehenne etwa 320 Eier pro Jahr produziert. Das Legen von Eiern belastet die Hennen so sehr, dass es zu Knochenbrüchen kommt“, wird die Hauptautorin einer Studie der Universität Kopenhagen zitiert. „Wir sehen diese Art von Bruch sowohl bei Käfig- als auch bei Bio-Freilandhühnern“, zitiert Foodwatch einen Co-Autor derselben Studie.

Erst im Oktober 2022 kam es zu einem Skandal um die Herkunft von Hühnerfleisch, das in LIDL-Filialen verkauft wurde. Einem Mastbetrieb wurde vorgeworfen, Fleisch von gequälten Masthühnern zu liefern. 

Eine Legehenne in der Massentierhaltung.
Die unnatürlich vielen Eier, die eine Legehenne produziert, schwächen das Skelett. Knochenbrüche sind bei fast allen untersuchten Tieren zu finden. © IMAGO/blickwinkel

Mehr als jede zweite Milchkuh in ökologischer Haltung hat einen entzündeten Euter

Aus einer deutschlandweiten Untersuchung von insgesamt 750 konventionellen und ökologischen Milchkuhbetrieben geht hervor, dass zwischen 23 und 39 Prozent aller Milchkühe an schmerzhaften Erkrankungen der Klauen leiden und dadurch lahmen, was sie anfälliger für andere Krankheiten macht. Allerdings sei die „Lahmhäufigkeit“ in den ökologischen Betrieben „deutlich geringer“ gewesen als in den konventionell bewirtschafteten.

Dafür ergab eine andere Studie, die 60 ökologische Milchkuhbetriebe in den Blick nahm, dass 54 Prozent der dort gehaltenen Tiere an einer schmerzhaften Euterentzündung leiden. Auch Gelenkentzündungen, die zu handflächengroßen Wunden führen, seien laut einer anderen Untersuchung häufig.

Gelenkentzündung einer Milchkuh.
Rinder entwickeln oft Gelenkentzündungen, die zu großflächigen Wunden führen können. © Foodwatch

Haltungsform nicht entscheidend für Gesundheitszustand der Tiere

Foodwatch kritisiert, dass sich die öffentliche Diskussion um eine bessere Tierhaltung bislang lediglich um Siegel oder Stallumbauten drehe. Die ausgewerteten Studien zeigten hingegen, dass dieser Ansatz unzureichend ist. „Kranke und verletzte Tiere gibt es auf kleinen Bio-Höfen genauso wie in großen Tierfabriken“, betont Foodwatch. Die Haltungsform lasse keine Rückschlüsse auf die Gesundheit der Tiere zu.

Verpackungslabel, die Verbraucher:innen im Supermarkt Aufschluss über Art und Weise der Tierhaltung geben sollen, berücksichtigten nicht den Gesundheitsaspekt, so Foodwatch. Das gelte auch für die von Bundesagrarminister Cem Özdemir (Grüne) geplante gesetzliche Kennzeichnung von Tierprodukten. „Es wird das Tierleid nicht beenden und noch schlimmer: Es täuscht Verbraucher und Verbraucherinnen“, sagte Annemarie Botzki, Co-Autorin des Foodwatch-Reports, der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Der Report von Foodwatch macht deutlich: „Wer Tiere liebt, sollte sie essen“, ist vielleicht doch kein so gutes Argument, wie eine Autorin der Süddeutsche Zeitung 2022 behauptet hat.

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