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Paar erklärt auf TikTok, warum es Rechnungen nie 50:50 aufteilt

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Ein Paar sitzt auf einer Mauer und redet, darüber der Text „Mein Partner und ich teilen unsere Rechnungen nicht nach dem 50/50 Prinzip auf“
Ein Paar ging durch seine interessante Kostenaufteilung auf TikTok viral. (Symbolbild) © Westend61/IMAGO/Collage

Geld in der Beziehung muss nicht immer 50:50 aufgeteilt werden. Dieses Paar aus Kanada splittet seine Ausgaben bewusst nicht gleich, und es ergibt einfach so viel Sinn.

Liebes Internet, das hier sind Mimi, auf TikTok unter dem Namen @findingmimivlogs bekannt, und ihr Partner (der anonym bleiben möchte). Das Millennial-Paar lebt in Toronto, und ging vor kurzem viral, nachdem sie erklärt hatten, warum sie ihre Rechnungen und Ausgaben nicht nach dem 50/50 Prinzip aufteilen.

In einem TikTok Video, das fast eine Million Mal aufgerufen wurde, sagt Mimi: „Mein Partner und ich teilen unsere Rechnungen nicht 50/50. Warum? Weil wir Gleichberechtigung praktizieren.“

Apropos virales TikTok-Video: Dieser TikToker ist mit seinen Klischee-Witzen über Deutsche super erfolgreich.

Mimi am Laptop, darüber Text „Because we practice equity“
Mimi und ihr Partner teilen ihre Kosten gerecht auf. © @findingmimivlogs / Via tiktok.com

Für diejenigen, die es nicht wissen: Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen der gleichmäßigen und der gerechten Aufteilung der Kosten. Bei einer gleichmäßigen Aufteilung würden beide Parteien der Beziehung genau den gleichen Geld-Betrag zahlen. Bei einer gerechten Aufteilung wird jedoch berücksichtigt, dass zwei Personen unterschiedliche Mittel zur Verfügung haben, daher wird ein fairer Weg gefunden, das Geld aufzuteilen. In Mimis Fall geben sie und ihr Partner den gleichen Prozentsatz ihres monatlichen Einkommens für Ausgaben aus und nicht den exakt gleichen Betrag.

Bild von Computer: „The same percentage of each our individual income goes towards shard expenses“
Mimi und ihr Partner teilen ihre Ausgaben nicht nach dem 50/50 Prinzip. © @findingmimivlogs / Via tiktok.com

Geld in der Beziehung: Jeder zahlt einen prozentualen Anteil des eigenen Einkommens

Auch wenn dies eine grobe Unterschätzung ist, hier ein Beispiel: Angenommen, du bist in einer Beziehung und dein:e Partner:in verdient 4000 Euro im Monat und du 2000 Euro. Eure Miete beträgt 1000 Euro (Wunschdenken, ich weiß). Wenn ihr nun die Rechnungen gleichmäßig aufteilt, würdet ihr beide 500 Euro für die Miete zahlen. Angesichts der derzeit explodierenden Preise, weißt du, wie viel mehr es wehtun würde, wenn im Monat nur 1500 Euro an Geld übrigbleiben, im Gegensatz zu den 3500 Euro, die deine:r Partner:in übrig hätte.

Wenn ihr hingegen beide beschließt, einen prozentualen Anteil eures Einkommens (zum Beispiel ein Drittel) für die Miete aufzuwenden, würde dein:e Partner:in etwa 700 Euro zahlen und du 300 Euro.

Was die spezifischen Ausgaben von Mimi und ihrem Partner betrifft, so verdient sie durch ihre Arbeit als Assistentin in der klinischen Forschung und als persönliche Assistentin etwa 4.700 Dollar netto pro Monat. Ihr Partner verdient etwa 30 Prozent mehr, und beide geben jeweils 20 Prozent ihres Einkommens für gemeinsame Ausgaben aus.

Bild von Mimis Händen am Computer mit Text: „ We put this money into a shared account for bills, so anything leftover is put into shared savings“
Mimi erklärt in einem TikTok-Video ihre Methode für eine gerechte Kostenaufteilung. © @findingmimivlogs / Via tiktok.com

Bei Geld sollte in Beziehungen die individuelle finanzielle Situation berücksichtigen

Mimi zufolge war diese Methode für das Paar aus mehreren Gründen sinnvoll, auch, weil die Eltern ihres Partners seine Schulausbildung mitfinanzierten, sodass er diese schuldenfrei abschließen konnte, während sie einen Teil ihres monatlichen Geldes für einen Studienkredit aufwenden musste. Außerdem hat er seinen Abschluss vor Mimi gemacht (es besteht ein leichter Altersunterschied in der Beziehung der beiden) und ist daher schon länger im Berufsleben und verdient demnach schon länger Geld.

Diese Methode funktionierte für uns am besten, weil sie unseren Einkommensunterschied und unsere persönliche finanzielle Situation berücksichtigt hat und uns gleichzeitig ermöglicht hat, finanziell unabhängig zu bleiben und zu unseren gemeinsamen Ausgaben beizutragen.

Mimi gegenüber BuzzFeed News US

„Als mein Partner und ich zum ersten Mal zusammenzogen, wollte er mich voll und ganz unterstützen“

Mimi erzählte, wie das Paar das, was manche als schwieriges Gespräch ansehen, bewältigt hat: „Als mein Partner und ich zum ersten Mal zusammenzogen, wollte er mich voll und ganz unterstützen, während ich mich darauf konzentrierte, meine Studien-Schulden abzubezahlen. Wir waren schon fast fünf Jahre zusammen, bevor wir zusammenzogen, es machte ihm also wirklich nichts aus, das für mich zu tun. Ich wollte jedoch einen Beitrag zu unseren gemeinsamen Rechnungen und Ausgaben leisten, da wir zum ersten Mal zusammenlebten. Ich wollte nicht, dass wir uns ärgern, wenn wir nach dem Zusammenziehen feststellten, dass wir nicht zueinander passen, und dass er das Gefühl hatte, ich sei ihm etwas schuldig.“

„Außerdem war mein Partner nicht bereit, einen Lebensstil zu führen, der es mir erlauben würde, 50 Prozent [meines Einkommens] zu unseren gemeinsamen Rechnungen und Ausgaben beizusteuern. Das hätte nämlich bedeutet, in einer kleineren Wohnung zu leben und weitere Opfer zu bringen, wozu er nicht bereit war... Deshalb brachte ich die Idee ein, unsere Rechnungen gerecht aufzuteilen.“

Geld in der Beziehung: „Es gibt SO VIELE Methoden, seine Ausgaben gerecht aufzuteilen“

Auf die Frage, ob auch andere Menschen in Beziehungen ihr Geld gerecht statt gleich aufteilen sollten, antwortet Mimi mit „Ja“. Vor allem, wenn man die verschiedenen Möglichkeiten berücksichtigt, wie Gerechtigkeit funktionieren kann. „Es gibt SO VIELE Methoden, seine Ausgaben gerecht aufzuteilen“, sagt Mimi. „Die Methode, die mein Partner und ich angewandt haben, ist nur eine Variante. Ein Elternteil, der zu Hause bleibt, trägt zum Beispiel nicht zu den Rechnungen bei. Auf der Grundlage der Gleichberechtigung ist das völlig in Ordnung – denn die unbezahlte Care-Arbeit und Kinderbetreuung ist ihre Art, einen Beitrag zu leisten.“ Care-Arbeit sollte auch in unserer Gesellschaft viel höher wertgeschätzt werden, findet ein gleichberechtigtes Paar aus Köln.

„Gerechtigkeit sollte auch für unbezahlte Arbeit gelten. Wenn du deine Ausgaben gerecht nach deinem Einkommen aufteilst, solltest du auch die unbezahlte Arbeit/Hausarbeit gerecht aufteilen“

Mimi gegenüber BuzzFeed News US

Jetzt bin ich neugierig – wie teilen du und dein:e Partner:in oder dein:e Mitbewohner:in eure Finanzen auf, und wie habt ihr diese Entscheidung getroffen? Wenn ihr mir davon erzählen wollt, dann schreibt es mir in die Kommentare unten. Und wenn du mehr über die Kostenaufteilung von Mimi und ihrem Partner erfahren möchtest, kannst du ihr auf TikTok (siehe oben) folgen.

Autorin ist Alexa Lisitza. Dieser Artikel erschien am 21. Juli 2022 zunächst auf buzzfeednews.com. Aus dem Englischen übersetzt von Aranza Maier.

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