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Künstler dreht Spieß um und verarscht AfD mit Tradwife-Meme der anderen Art

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Von: Jana Stäbener

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Der Künstler „Schoene Scheisse“ reagiert auf den frauenfeindlichen Vergleich mit einem AfD-Meme.
Der Künstler „Schoene Scheisse“ reagiert auf den frauenfeindlichen Vergleich der AfD Sachsen mit einem Meme der anderen Art. © @Schoenscheisse Twitter Screenshot

Die AfD Sachsen vergleicht eine „moderne Feministin“ und „traditionelle“ Hausfrau. Ein Künstler reagiert und dreht den Spieß um.

Update vom 31.10.2022, 14:35 Uhr: Der Zeichner „Schoene Scheisse“ reagierte auf das sexistische Frauenbild der AfD Sachsen, indem er ein eigenes Meme erstellt, das die AfD aufs Korn nimmt. In Anlehnung an den Frauen-Vergleich, bei dem eine „moderne Feministin“ und traditionelle Hausfrau gegenübergestellt wurden, zeichnete der Künstler einen „modernen Mensch“ und einen „ewiggestrigen Mensch“, der wohl AfD-Wähler:innen und Politiker:innen darstellen soll.

Während der „moderne Mensch“ (der in Farbe gezeichnet wurde) lacht und „freundlich, offen“ sowie „hilfsbereit“ ist, hasst der „ewiggestrige Mensch“ (er trägt einen grauen Anzug und schaut grimmig) Ausländer, obwohl er selbst keine kennt. Er ist „unzufrieden, frauenfeindlich, gewalttätig“ und „manipulierbar“ – und er wählt gerne die AfD oder „andere Nazis“. „Es war einfach zu verlockend. Das ist meine ‚tradwife‘-Version“, kommentiert der Künstler sein Meme und nutzt den Hashtag #noafd.

Originalmeldung vom 26.10.2022, 14:40 Uhr: Die AfD Sachsen postete auf Instagram immer mal wieder Memes und Grafiken, die polarisieren und gegen eine bestimmte Gruppe hetzen. So beispielsweise auch ein Bild von Geflüchteten, auf dem das „Flüchtlinge“ durchgestrichen ist. Darunter steht „Illegale Einwanderer!“. Oder ein Foto eines blutenden Tieres mit der Aufschrift: „Keine Blutorgien unter religiösem Vorwand in Deutschland“. Auch gegen die Ukraine oder für Putin posten einzelne Politiker:innen der AfD immer wieder Inhalte. Scholz nennt die AfD deswegen die „Partei Russlands“: 12 Beispiele, warum er damit wohl richtig liegt.

Am Montag, 24. Oktober, tauchte ein frauenfeindliches Meme auf dem Instagramkanal @afd.sachsen auf, das zwei Frauen zeigt. Die eine ist eine sogenannte „Tradwife“, also eine traditionelle Hausfrau, die ihre „Familie und ihre Heimat liebt“, die andere eine „moderne Feministin“, die wegen ihres geringen Selbstbewusstseins „Tonnen von Make-up“ tagen muss und schon ihre „dritte Abtreibung“ hatte.

AfD Sachsen Frauenbild zeigt #tradwife vs. „ungepflegte Feministin“

Kurz nachdem die @afd.sachsen das #tradwife-Frauenbild gepostet hatte, verschwand es auch schon wieder. Mehrere Twitter-User:innen und auch Social-Media-Archive wie Dumpor sicherten jedoch eine archivierte Version des Instagram-Posts. Auch die Beschreibung lässt sich hier noch einmal nachlesen. Die oder der Social-Media-Verantwortliche der AfD Sachsen wollte anscheinend den Hashtag #tradwife nutzen, der aktuell auch auf TikTok trendet. Er steht im Text des Beitrags unter der sexistischen Grafik. Dazu die Frage: „Hat der ‚woke‘-Zeitgeist allmählich seinen Höhepunkt erreicht?“

Auf dem Bild ist eine moderne Feministin neben einer „tradiotenellen Frau [sic!]“ zu sehen. Die eine hat blaue „kaputte Haare von zu viel Färbung“, die andere ein „gesundes Ego durch natürliche Haut und Haare“. Während die #tradwife also ein Baby in der Hand hält, schlank ist und sich gesund ernährt, ist die Feministin „ungepflegt“ und hatte schon drei Abtreibungen. Sie arbeitet „im Mindestlohn – weil niemand ihren Gender-Abschluss braucht“ und trägt wegen ihres geringen Selbstbewusstseins „Tonnen von Make-up“.

Meme über Tradwife von AfD
Dieses Meme voller Rechtschreibfehler ist am Dienstag auf dem Instagram-Account der AfD Sachsen aufgetaucht – und wurde kurz darauf wieder gelöscht. © @afd.sachsen via Picuki

Reaktionen auf den Frauen-Vergleich der AfD Sachsen auf Twitter und Instagram

Noch am selben Tag reagieren einige Personen auf Twitter oder Instagram auf den AfD-Post. Schon als die AfD mit ihren Penis ... äh „Parteilogo“-Gummibärchen den Fail des Jahres lieferte, ließen die Twitter-Reaktionen ebenfalls nicht lange auf sich warten. Auf das sexistische Frauenbild reagierte nun unter anderem die Historikerin und Autorin Annika Brockschmidt (siehe unten).

Brockschmidt weist auf die Ähnlichkeit zu Nationalisten in den USA hin, die das Frauenbild schon vor drei Jahren geteilt hatten. Die AfD habe das Narrativ einfach übernommen – „ok, die Rechtschreibfehler haben sie selbst beigesteuert“, twittert sie.

Der Begriff #tradwife für „traditional housewife“ ist laut Welt bisher eher aus der rechtspopulistischen Szene der Alt-Right-Bewegung in den USA bekannt. Auf TikTok und Co. nutzen ihn mittlerweile aber auch konservative junge Frauen, die an dem Frauenbild auf der rechten Seite (siehe Bild unten) wohl auch Gefallen finden.

Tradwife Meme.
Liberated feminist vs. Tradwife: Dieses Meme kursiert seit 2019 in rechten Kreisen der USA. © Facebook Screenshot Henry Yu

Auch Influencerin Louisa Dellert postet ein Reel zum Bild der AfD Sachsen. „Leute mir kommt das Kotzen“, beginnt sie das Video. Die AfD teile Frauen in zwei Kategorien ein und entmenschliche sie. In diesem „frauenverachtenden“ und „hochproblematischen“ Posting gehe es der AfD deshalb nicht nur um das Äußere: Die Partei stelle Frauen mit diesem Beitrag als eine bloße „Gebärmaschine“ dar, die dem Mann und Heimatland diene. „Das Posting ist einfach nur ekelhaft und die AfD ja sowieso unwählbar“, beendet Dellert ihr Video.

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