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26-Jährige wegen „selbst herbeigeführter Abtreibung“ festgenommen – Protest wird laut

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Eine Frau hält ein Plakat bei einer Demonstration hoch, auf dem steht „My Body My Choice“.
Auf Pro-Abtreibungs-Protesten wie diesen hier demonstrierten Aktivist:innen für die Freilassung von Lizelle Herrera (Symbolbild). © ZUMA Wire / IMAGO

Wegen einer „selbst herbeigeführten Abtreibung“ wanderte Lizelle Herrera ins Gefängnis, wogegen Aktivist:innen demonstrierten – die Anklage wurde fallengelassen.

Ein texanischer Staatsanwalt sagte am Sonntag, er strebe an, die Mordanklage gegen die 26-Jährige, die für eine „selbst herbeigeführten Schwangerschaftsabbruch“ festgenommen worden war, fallenzulassen.

Lizelle Herrera wurde am Donnerstag (7. April 2022) wegen Mordverdachts festgenommen, nachdem sie angeblich „absichtlich und wissentlich den Tod eines Individuums durch eine selbst herbeigeführte Abtreibung [verursacht]“ hatte, so das Büro des Starr County Sheriffs gegenüber BuzzFeed News USA. Sie kam mit einer Kaution von $500,000 (ca. 460.500€) ins Gefängnis der Stadt Rio Grande City.

„Selbst herbeigeführte Abtreibung“: Was steckt hinter dem Fall Lizelle Herrera?

Details darüber, was genau passiert ist und ob Herrera selbst schwanger gewesen war oder die Abtreibung an jemand anders durchgeführt hatte, konnte BuzzFeed News nicht sofort herausfinden. Das Büro des Starr County Sheriffs gab außerdem nicht an, aufgrund welcher Rechtsgrundlage Herrera festgenommen wurde. In Texas sind Abtreibungen ab der sechsten Woche verboten, dabei werden vor allem Leute bestraft, die Abtreibungen anbieten oder jemandem bei der Beendigung der Schwangerschaft helfen, nicht die Schwangeren selber.

Nachdem der örtliche Nachrichtensender Monitor, über Herreras Verhaftung berichtet hatte, sammelten Aktivist:innen für Abtreibungen Geld für die 26-Jährige. Am Samstag (9. April 2022) wurde sie aus dem Gefängnis entlassen. Die Verhaftung sorgte für großen Wirbel und zog Proteste vor dem Starr County Gefängnis und Unterstützung auf Social Media unter dem Hashtag #FreeLizelle nach sich. „Wir wollen, dass die Leute wissen, dass es vor allem ärmere People of Color betrifft, wenn die Gesetzgeber unsere reproduktiven Rechte einschränken“, sagte Rockie Gonzalez, Gründerin des Frontera Funds bei Texas Public Radio.

Auch Anti-Abtreibungsorganisationen in Deutschland versuchen, Frauen von einer Schwangerschaft zu überzeugen. BuzzFeed News Deutschland hat recherchiert, wie eine der größten Organisationen Pro Femina Frauen manipuliert und gesetzliche Regelungen ignoriert.

Für eine Verhaftung wegen Abtreibung gab es keine Rechtsgrundlage

Laut der Anklageschrift, die der Monitor beschaffen konnte, wurde Herrera beschuldigt, um die Zeit vom 7. Januar 2022 „absichtlich und wissentlich den Tod eines Individuums durch eine selbst herbeigeführte Abtreibung [verursacht zu haben]“.

Am Sonntag gab der Bezirksstaatsanwalt Gocha Allen Ramirez bekannt, dass er einen Antrag stellen werde, die Anklage gegen Herrera fallenzulassen, da diese kein Gesetz gebrochen habe. „Schaut man auf die anwendbaren Gesetze des Staates Texas, wird deutlich, dass Ms. Herrera wegen dieser Vorwürfe nicht strafrechtlich verfolgt werden kann und soll“, sagte Ramirez in einem Statement.

„Selbst herbeigeführte Abtreibung“: Herrera hätte nicht verhaftet werden dürfen

Laut Ramirez, hatte zuerst ein örtliches Krankenhaus wegen Herrera die Polizei kontaktiert. Die Polizei sei mit der Untersuchung der Straftat dann nur ihren Pflichten nachgekommen. Trotz der Anklage der Grand Jury, hätten die Fakten bei diesem Fall jedoch keine Verurteilung zulassen sollen, findet der Bezirksstaatsanwalt. „Obwohl Ms. Herrera nun mit keinen rechtlichen Konsequenzen rechnen muss, ist es für mich deutlich, dass die Ereignisse der letzten Tage und Wochen ihre Spuren bei ihr und ihrer Familie hinterlassen haben“, sagte er.

Auch Pro-Choice Befürworter aus der Stadt Rio Grande Valley und aus den ganzen USA sind sich einig, dass Herrera niemals hätte verhaftet werden dürfen. „Dieser Sieg ist bittersüß. Die Anklage hätte nicht erst nach einem nationalen Aufschrei fallengelassen werden sollen“, schreibt User:in @sotx4rj in einem Tweet (sieh oben). „Es hätte nicht bis zum 9. April dauern sollen, dass sie freigelassen wird. Schwangere haben in unserer Gesellschaft allumfassende Fürsorge verdient.“

Hier weitere Tweets von Pro-Abtreibungs-Aktivist:innen zu Herreras Verhaftung:

Vielleicht interessiert dich das: Hier haben wir über eine Frau geschrieben, die in nur 4 Tweets erklärt, was man bei einer ungeplanten Schwangerschaft tun kann.

Autorin ist Claudia Koerner. Der Artikel erschien am 10. April 2022 auf buzzfeednews.com. Aus dem Englischen übersetzt von Friederike Hilz.

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